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Analyse von Infografiken

Überblick

 
 
 

Ganz allgemein versteht man unter dem Begriff Infografik die Kombination von Bild- und Textelementen zur Information über Sachverhalte, Zusammenhänge, Abläufe oder Strukturen.
Textlinguistisch gesehen stellt eine Infografik, ausgehend vom erweiterterten Textbegriff der Semiotik, einen komplexen Text dar. Dieser komplexe Text schließt auch das Zusammenwirken unterschiedlicher Zeichensysteme ein. Unter einem Text wird dabei eine Aussageeinheit verstanden, die aus sprachlichen und nicht-sprachlichen Elementen bestehen kann. Dazu gehören auch die Gestaltungselemente eines Textes (z. B. Typo und Layout). Infografiken sind also, so betrachtet, komplexe (Text-)Gebilde, die aus verschiedenen Textteilen bestehen. Sie können als multimedialer Makrotext angesehen werden.

Der Begriff Infografik wird in diesem Sinne als Oberbegriff verwendet, der eine Vielzahl von Formtypen und/oder Arten einschließt, die einen unterschiedlichen Grad an Komplexität aufweisen. Aber: auch wenn sich diese Formtypen prinzipiell voneinander abheben lassen, sind ihre Grenzen, insbesondere in der neueren Infografik, fließend.
Wenn man die informative Funktion der Infografiken in den Mittelpunkt rückt, können darunter  "alle Bilder verstanden (werden), die zu diesem Zweck über die rein abbildende Fotografie oder die Illustration hinausgehen." (Jansen/Scharfe, Handbuch der Infografik 1999, S.18)
Auch wenn sich Infografiken aus der visuell dominierten Kommunikationskultur der modernen Informationsgesellschaft nicht wegzudenken sind, sind sie ursprünglich kein Kind der Moderne, sondern weisen eine wechselvolle Geschichte auf, die, wenn man will, bis zu den ersten auf auf Fels, Papyros u. ä. gezeichneten Landkarten mehr als 8.200 Jahre zurückreicht. (vgl. ebd., S.22)

Klassifikation von Infografiken

Infografiken lassen sich nach verschiedenen Kriterien einteilen. Dazu existieren eine ganze Reihe verschiedener Begriffe, die in ihrem Bedeutungsgehalt nicht genau festgelegt sind, zum Teil miteinander konkurrieren. Dazu zählen Begriffe wie Schaubild, Strukturbild oder -skizze, freie Strukturbilder, Chart, Diagramm, Organigramm, Flow-Chart, Bullet-Charts u. ä. m. Dabei lassen sich alle Darstellungen, die mehr oder weniger bildhaft sein können, als Visualisierungen auffassen.
Ballstaedt (2001, S,131ff.) verwendet den Begriff Chart - das oder der Chart, beides ist laut DUDEN möglich - im Anschluss an Kosslyn (1989, 1994) als Oberbegriff für die Veranschaulichung qualitativer Beziehungen zwischen Begriffen, Kategorien oder Aussagen. Infografiken sind in seiner Typologie illustrierte Charts, die mit piktorialen (=bildartigen) Anteilen "angereichert werden, um die Inhalte eindrücklicher herüberzubringen." 

Der Begriff Schaubild wird hier als Oberbegriff für alle Formen und Arten von visualisierten Sachverhalten und Daten verstanden. In dieser Verwendung fungiert er als Synonym für den Begriff Infografik. Daneben gibt es freilich eine enger gefasste Verwendung. Dann wird darunter die Visualisierung von Gegenständen oder Strukturen verstanden, deren Erscheinung, Funktion oder Verlauf visuell dargestellt werden. In dieser Verwendung entspricht der Begriff Schaubild in etwa dem der Prinzipdarstellung.

Die am besten handhabbare Unterscheidung von Formtypen der Infografik wird von Angela Jansen (1999, S. 18) vorgenommen. Sie unterscheidet unter dem Aspekt ihres Darstellungsgegenstandes drei Gruppen von Infografiken:
 

Prinzipdarstellungen

Kartografische Infografiken Bildstatistiken
Zu den Prinzipdarstellungen zählen alle solchen Visualisierungen von Gegenständen, Sachverhalten, Funktionen oder Prozessen, die in ihrer Zusammensetzung, Struktur, Reihenfolge oder Funktionsweise dargestellt werden sollen. Zu den kartografischen Infografiken zählen visualisierte Informationen bzw. Daten, die in einem bestimmten räumlichen Bezug dargestellt werden sollen. Bildstatistiken oder Diagramme  visualisieren Mengenverhältnisse in grafischer Form und bringen damit Quantitäten anschaulich zur Darstellung, die in einem Mengenvergleich zueinander stehen.
Das sind z. B. Dazu zählen z. B.
  • Ereignisraumkarten

  • Thematische Karten

  • Wetterkarten

Dazu gehören z. B. Vergleichsarten wie:

Unter dem Blickwinkel ihrer Textfunktion her gesehen lassen sich Infografiken aber auch in drei verschiedene Arten von Infografiken einteilen, die auch die Unterschiede von nur Informationszwecken dienenden und zu Werbezwecken verwendeten PR-Infografiken erfasst.

  • Rein informative Infografiken

  • Infografiken mit informativer und appellativer Funktion, bei denen die informative Funktion dominiert

  • Infografiken mit informativer und appellativer Funktion, bei denen die appellative Funktion dominiert

Wird der Begriff Infografik dagegen ohne Berücksichtigung verschiedenartiger Textfunktionen als journalistische Darbietungsform aufgefasst, dann kann nach  Martin Liebig (1999) die journalistische Pressegrafik in drei Funktionstypen eingeteilt werden, nämlich Zuordnungsgrafik, Kommentargrafik und Unterhaltungsgrafik. Dabei wird jeder dieser Funktionstypen dann bei der Gestaltung als einer von drei verschiedenen Darstellungstypen (ikonische Grafik, Textgrafik, Fotografik) oder in verschiedenen Mischformen realisiert.

Schulische Infografikanalyse

Für die schulische Infografikanalyse ist die Unterscheidung von Angela Jansen (1999, S. 18) in Prinzipdarstellungen, kartographische Infografiken und Bildstatistiken wohl die beste Klassifizierung. Da der Begriff Bildstatistik etwas ungewöhnlich ist, kann an dessen Stelle auch der Begriff Diagramm verwendet werden, wobei man dann allerdings auch die Isotype dazu rechnen muss, die insbesondere in der angelsächsischen Infografik sehr beliebt ist. Jede der drei Formtypen muss allerdings auch dabei unter dem Blickwinkel seiner Textfunktion betrachtet werden. Und immer wieder trifft man auch auf Mischtypen.

Man wird Jansen/Scharfe (1999) immer noch beipflichten müssen, wenn moniert wird, dass die kritische Auseinandersetzung mit der Infografik überfällig sei: "Die Debatte um das Niveau der Infografik kann nicht nur von den Gestaltern geführt werden. Dem Publikum kommt dabei eine aktive Rolle zu. Denn erst wenn die Leser in der Lage sind, Infografiken zu entschlüsseln und damit ihr Niveau zu bewerten, wird die Qualität infografischer Darstellungen marktentscheidend werden." (ebd., S.16)  Einen kompetenten Umgang mit Infografiken zu vermitteln ist dabei selbstverständlicher Auftrag an die Schule.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.08.2017

 
     
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