teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte - So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


deu.jpg (1524 Byte)

 

 

Textuelle Grundfunktionen (Klaus Brinker)

Überblick

Textfunktion

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Linguistik (Sprachwissenschaft)
Rechtschreibung Grammatik / Syntax Semantik Pragmatik Soziolinguistik Textlinguistik Überblick Textbegriff ▪ Syntaktisch-systemlinguistischer Ansatz Pragmatischer Ansatz TextfunktionÜberblickIndikatoren der Textfunktion Funktionale Texttypen (Große 1976) Funktionstypen (Heinemann/Viehweger 1991) [ Textuelle Grundfunktionen (Klaus Brinker) Überblick ◄ ▪ InformationsfunktionAppellfunktion Obligationsfunktion Kontaktfunktion Deklarationsfunktion ] Textmuster Textsorten Text und Stil Textanalyse Bausteine  Gesprächsanalyse Schreibformen Rhetorik Operatoren im Fach Deutsch
 

Kommunikationsbezogener Ansatz von Klaus Brinker (1985/1997)
Überblick

Arbeitsschritte zur Textsortenklassifikation
Modell der integrativen Textanalyse
Überblick
Arbeitsschritte
Analyse des Kontexts
Analyse der Textfunktion
Analyse der grammatischen und thematischen Textstruktur »

Auch das textfunktionale Modell von »Klaus Brinker (1938-2006) (92018, S.97-132), das hier im Fokus steht, ist wie einige andere, die die kommunikative Bedeutung von Texten betonen, "sprechakttheoretisch fundiert [...], um dem Text als komplexer sprachlicher Handlung gerecht zu werden." (Brinker 92018, S.97)

So definiert Brinker den Begriff der Textfunktion auch so, dass er dem sprechakttheoretischen Begriff des ▪ illokutiven bzw. illokutionären Akts weitgehend entspricht:

"Der Terminus 'Textfunktion' bezeichnet die im Text mit bestimmten, konventionell geltenden, d. h. in der Kommunikationsgemeinschaft verbindlich festgelegten Mitteln ausgedrückte Kommunikationsabsicht des Emittenden. Es handelt sich also um die Absicht des Emittenden, die der Rezipient erkennen soll, sozusagen um die Anweisung (Instruktion) des Emittenden an den Rezipienten, als was dieser den Text insgesamt auffassen soll, z. B. als informativen oder als appellativen Text." (Brinker 92018, S.97)

Auch wenn der textfunktionale Ansatz Klaus Brinkers als Basis der Einteilung auf die ▪ Sprechakttypen bzw. Illokutionstypen »John R. Searles (geb. 1932) zurückgreift, modifiziert er sie durch die Einführung der Informations- und Kontaktfunktion von Texten, mit denen er Searles Sprechakttypen der ▪ Repräsentiva (Assertiva) und ▪ Expressiva, die ihm "nicht nicht deutlich genug auf das interaktive Moment bezogen sind" (ebd., S.105)

Zudem knüpft Brinker bei seiner textanalytischen Bestimmung der Textfunktion an das sprechakttheoretische Konzept der ▪ Illokutionsindikatoren an, geht aber davon aus, dass die Textfunktion "durch bestimmte innertextliche (vor allem sprachliche) und außertextliche (kontextuelle) Mittel angezeigt wird". (Brinker 92018, S.99) Diese Mittel bezeichnet er als ▪ Indikatoren der Textfunktion.


Für größere (740px) und große Ansicht (1000px) bitte an*klicken*tippen!

Klaus Brinker teilt die Textfunktionen unter dem von ihm ins Zentrum gestellten kommunikativ-funktionalen Aspekt der interpersonalen Beziehung" in fünf verschiedene textuelle Grundfunktionen ein, die in konkreten Texten oder Textsorten in vielfältigen Ausprägungen (Varianten) vorkommen (vgl. ebd., S.101): ▪ Informationsfunktion, ▪ Appellfunktion, ▪ Obligationsfunktion, ▪ Kontaktfunktion und ▪ Deklarationsfunktion. Mit bestimmten Paraphrasen zeigt er dabei, wie die jeweilige Textfunktion explizit ausgedrückt werden kann.

Zu diesen textuellen Grundfunktionen kann man auch noch die "sog. poetische (ästhetische) Funktion" zählen, "die in literarischen Texten dominiert und primär Gegenstand literaturwissenschaftlicher Untersuchung ist" (ebd., S.106, Anm.68) (vgl. dazu Große 1976, S. 40ff.).

Texte haben meist nicht nur eine einzige Textfunktion

Texte lassen sich angesichts ihres komplexen "Außenlebens", also der Vielfältigkeit der Bedingungen, unter denen sie ihre kommunikativen Ziele erreichen sollen, meistens nicht auf eine einzige Textfunktion festlegen.

In den meisten Texten werden mehrere Textfunktionen realisiert

Da aber in der Regel der Kommunikationsmodus eines Textes nur durch eine Funktion bestimmt wird, kann man die jeweils dominierende Kommunikationsfunktion als Textfunktion bezeichnen (vgl. Brinker 92018, S.88)

So kann ein (privater) ▪ Geschäftsbriefs gleichzeitig einen Dank und eine Reklamation beinhalten, wenn z.B. für eine bestimmte Lieferung gedankt wird, zugleich aber reklamiert wird, dass noch etwas zur Lieferung aussteht.

Ob es sich aber hauptsächlich um ein Dankesschreiben oder eine Reklamation handelt, ergibt sich u. a. aus dem Situationszusammenhang, der Beziehung der Geschäftspartner zueinander und ihrem allgemeinen Textmuster- und Handlungswissen im Zusammenhang mit solchen Geschäftsvorgängen.

Klaus Brinker (92018, S.100) verdeutlicht diesen Zusammenhang an dem nachfolgenden Beispiel (s. Abb.) wie folgt:

"Der Text enthält zwei explizit performative Formeln (wir danken Ihnen - wir sichern Ihnen verbindlich zu), die auf verschiedene kommunikative Funktionen verweisen, auf die Kontaktfunktion einerseits, auf die Obligationsfunktion [Obligation = Verpflichtung, d. Verf.].
Aufgrund des Kontextes, insbesondere der Zugehörigkeit des Textes zum Handlungsbereich 'Geschäftsverkehr' lässt sich der Handlungscharakter des Textes als 'Auftragsbestätigung mit Termingarantie" kennzeichnen. Als Indikator der Textfunktion fungiert in erster Linie die Formel wir sicher Ihnen verbindlich zu, mit der der Emittent dem Rezipienten zu verstehen gibt, dass er ihm gegenüber eine bestimmte, innerhalb des Handlungsbereichs rechtlich genau fixierte Obligation übernimmt. Die Textfunktion, d.h. die dominierende kommunikative Funktion dieses Textes, ist also die ▪ Obligationsfunktion. Demgegenüber ist die Formel wir danken Ihnen k e i n Indikator der Textfunktion, da die ▪ Kontaktfunktion, in diesem Handlungszusammenhang von recht untergeordneter Bedeutung; sie fungiert vielmehr als eine den Adressatenbezug intensivierende Zusatzfunktion." (Brinker 92018, S.100, mit Links versehen durch d. Verf.)

Texte können im Allgemeinen nicht auf eine kommunikative Funktion beschränkt werden. So erfüllen bestimmte Textsorten auch häufig mehr als eine Funktion (z.B. Kochrezept: informativ und appellativ) Da aber in der Regel der Kommunikationsmodus eines Textes nur durch eine Funktion bestimmt wird, kann man die jeweils dominierende Kommunikationsfunktion als Textfunktion bezeichnen (vgl. Brinker 92018, S.88)

Die Konventionsabhängigkeit der Textfunktion

Der Begriff der Textfunktion ist nicht gleichzusetzen mit der "wahren Absicht" des Emittenden und bedeutet auch etwas anderes als die Textwirkung.

  • Textfunktion und Absicht des Emittenden können zwar übereinstimmen, müssen es aber nicht. Für eine Zeitungsnachricht bleibt im Allgemeinen die ▪ informative Textfunktion kennzeichnend, auch wenn der Emittent den Adressaten auch überreden will.

  • Welche Wirkung allerdings ein Text tatsächlich bei seinem Rezipienten hervorruft, ist weder vorhersehbar, noch bestehen in irgendwelche konventionalisierten Regeln dafür.

Daher ist für Klaus Brinker der Bezug eines Textes "auf bestimmte Regeln (Konventionen) sprachlicher und kommunikativer Art" unverzichtbar für seine Definition der Textfunktion. Sie bezeichnet die im Text mit bestimmten, konventionell geltenden, d. h. in der Kommunikationsgemeinschaft verbindlich festgelegten Mitteln ausgedrückte Kommunikationsabsicht des Emittenden." (Brinker 92018, S.97)

Kommunikationsbezogener Ansatz von Klaus Brinker (1985/1997)
Überblick

Arbeitsschritte zur Textsortenklassifikation
Modell der integrativen Textanalyse
Überblick
Arbeitsschritte
Analyse des Kontexts
Analyse der Textfunktion
Analyse der grammatischen und thematischen Textstruktur »

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 17.12.2023

 
 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und Zeitmanagement Kreative Arbeitstechniken Teamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche Kommunikation Visualisieren PräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 

 
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz