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Aspekte der Erzähltextanalyse

Schritt für Schritt zur literarischen Charakteristik

Ilse Aichinger, Das Fenstertheater

 
FAChbereich Deutsch
Center-Map Glossar Literatur Autorinnen und Autoren... Ilse Aichinger Das Fenstertheater [ Aspekte der Erzähltextanalyse Texterfassung als ParallelkonspektInhaltliche Gliederung nach Sinnabschnitten  ▪  Erzähltechnische Mittel im ÜberblickSprachliche, stilistische und rhetorische Mittel Titelmetapher   Motive und Motivgegensätze Interpretationsskizze Figurencharakterisierung Schritt für Schritt zur literarischen Charakteristik Inhaltsangabe  ] ▪  Bausteine Links ins Internet
Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch


Figurencharakterisierung in erzählenden Texten

Direktes und indirektes Charakterisieren
Techniken zur Figurencharakterisierung
Ebenen der Figurencharakterisierung
Baustein: Schritt für Schritt zur literarischen Charakteristik:
Arbeitsschritte beim Schreiben jede/r für sich allein (produktorientiertes Schreiben)

Ein komplexer Schreibprozess

Bei der ▪ literarischen Charakteristik zu ▪ Ilse Aichingers Kurzgeschichte ▪ »Das Fenstertheater« geht es um die Erfassung und schriftliche Darstellung von wesentlichen Merkmalen und Eigenschaften des alten Mannes und der Frau am Fenster. Zugleich muss herausgearbeitet werden, wie die einzelnen Merkmale und Eigenschaften aufeinander bezogen sind, so dass der Eindruck einer individuellen Figur entsteht.

Um den Schreibprozess bei der ▪ Textinterpretation zu entlasten, kann man statt einer vollständigen Textinterpretation auch eine Teilaufgabe ausgliedern und eine knappe ▪ literarische Charakteristik einer oder (vergleichend) beider Hauptfiguren schreiben.

Ganz allgemein gesehen lassen sich solche Schreibaufgaben zur ▪ literarischen Charakteristik am besten bewältigen, wenn man den Schreibprozess im Dreischritt von Planen - Formulieren (Verschriften) - Überarbeiten durchführt. Es gibt aber auch Schreibtypen und Schreibstrategien, die anders erfolgreich vorgehen.

Produktorientiertes Schreiben einer literarischen Charakteristik

Schreibaufgaben zur ▪ literarischen Charakteristik können wie alle Schreibaufgaben entweder als produktorientiertes Schreiben (Jede/r schreibt für sich allein) oder als prozessorientiertes teilweise kooperatives Schreiben (Schreiben mit Teamunterstützung) gestellt werden.

Beim Schreiben "Jede/r für sich allein", wie es z. B. bei Leistungsaufgaben üblich ist, kann jede/r einzelne Schreiber/-in, da es ja nur auf den "Text-Output" ankommt, in der Regel selbst darüber entscheiden, mir welcher ▪ Schreibstrategie er/sie bei der Schreibaufgabe vorgehen will. Die Entscheidung darüber ist aber auch eine Frage der Schreibkompetenz und gemachter Schreiberfahrungen-

Schreibschwierigkeiten erkennen

Trotzdem: Etliche Schülerinnen und Schüler sind oftmals ratlos, wenn es mit dem Schreiben einer literarischen Charakteristik nicht so recht klappt. Manchmal mangelt es dabei auch an Fähigkeiten der Selbsteinschätzung (metakognitive Kompetenz). Um die Schreibmotivation bei solchen Schreiberinnen und Schreibern zu erhalten und zu stärken und unsinnigen ▪ Alltagshypothesen über das Schreiben entgegenzutreten, sollten sie möglichst zügig über ihr Schreiben reflektieren und über die möglichen Ursachen ihrer Schreibhemmungen und ▪ Schreibstörungen und -blockaden nachdenken, um Gegenstrategien entwickeln zu können.

Schritt für Schritt zum eigenen Text

Auch wenn jede/r einen eigenen Weg gehen bzw. eine eigene ▪ Verhaltensstrategie beim Schreiben (Schreibstrategie) verfolgen kann, wird hier eine ▪ Schreibstrategie vorgeschlagen, die dem ▪ Schritt-für-Schritt-Schreiben entspricht.

Denkbar ist aber, je nach individuellen Fähigkeiten, auch eine ▪ planende Schreibstrategie, wie sie im Allgemeinen bei Klassenarbeiten und Klausuren im Leistungsraum (Leistungsaufgaben) vorkommt, bei denen das Zeitfenster das aufwändige Schritt-für-Schritt-Schreiben nach dem hier vorgestellten ▪ Sieben-Schritte-Modell nicht zulässt. Dem Zeitdruck fallen dabei meistens die Arbeitschritte 5 (Entwurfsfassung schreiben) und 6 (Die Entwurfsfassung überarbeiten) zum Opfer.

Was hier vorgeschlagen wird, ist also kein Muss, sondern ein Vorschlag, dem man nicht schematisch folgen muss.

Literarische Charakteristik
Arbeitsschritte

So wird's gemacht: Eine literarische Charakteristik der Frau in Aichingers "Fenstertheater" verfassen

Um die Charakterisierung der Figuren in Ilse Aichingers Kurzgeschichte »Das Fenstertheater« im Rahmen einer literarischen Charakteristik zu analysieren, sollte man die dafür nötigen Arbeitsschritte sorgfältig durchführen.

Diese Arbeitsschritte sind:

1. Die Erschließung des Themas im Rahmen der literarischen Charakteristik

Eine literarische Charakteristik kann im Zusammenhang mit der Geschichte "Das Fenstertheater" von Ilse Aichinger auf verschiedene Art und Weise gefordert sein, wie dies in ▪ verschieden Themenstellungen zum Ausdruck kommt. Eine könnte lauten:

Interpretieren Sie den Text.

Der erste und der zweite Arbeitsschritt stehen im Zeichen der Frage "Was schreibe ich? (Inhaltliche Kompetenz).

Im Rahmen des ersten Arbeitsschrittes, der ▪ Erschließung des Themas ist herauszuarbeiten, was bei der Bearbeitung verlangt ist. Zugleich muss der Text ▪ inhaltlich erfasst werden. Dazu muss der Text ▪ intensiv gelesen werden, müssen ▪ wichtige und auffällige Textstellen markiert und hervorgehoben werden und der Text ggf. in einer Grobgliederung ▪ in Sinnabschnitte eingeteilt werden.

2. Stoffsammlung

Für die Einzelcharakteristik der Frau muss man sich bei der Stoffsammlung auf die Textstellen konzentrieren, die etwas über die Handlungen und die Handlungsmotive der Frau im Text aussagen und sie damit charakterisieren.

Dabei müssen sowohl Textstellen herangezogen werden, die direkt etwas über den Charakter der Frau aussagen (= ▪ direktes Charakterisieren), als auch diejenigen, von denen man auf den Charakter der Frau schließen kann (= ▪ indirektes Charakterisieren). Am besten markiert man diese Textstellen jeweils mit einer besonderen Farbe.

3. Stoffordnung

Der dritte und der vierte Arbeitsschritt stehen im Zeichen der Frage "Wie baue ich den Text auf? (Strukturierungskompetenz)

Die gefundenen und markierten Textstellen werden nun in einem weiteren Arbeitsschritt nach der Art ihrer Informationen geordnet. Dabei kann eine Tabelle hilfreich sein, die mit geeigneten W-Fragen arbeitet, die zu relevanten Aspekten der Figurencharakterisierung formuliert werden.

Zudem muss man sich Gedanken darüber machen, inwiefern bestimmte Charaktereigenschaften Ausdruck von gesellschaftlichen Einflüssen sind bzw. sein können,


Für eine größere Darstellung bitte anklicken!

Mit der nachfolgenden Tabelle ließe sich im Anschluss an das Markieren der Textstellen die Stoffordnung, d. h. die Ordnung der Informationen über die Frau nach übergeordneten Gesichtspunkten, mit Hilfe der ▪ W-Fragen-Methode durchführen. Dazu werden Textstellen entweder ganz oder auszugsweise unter Angabe ihres Fundorts in die Tabelle übertragen.

W-Fragen Textbelege mit Seiten- und/oder Zeilenangabe
Was erfährt man über die äußere Erscheinung der Frau?  
Was erfährt man über ihr Verhalten?  
Was erfährt man über ihre soziale Lage?  
Welche Einstellungen und Normvorstellungen sind bei ihr zu erkennen?  

Alternativ lässt sich diese Stoffordnung auch mit Hilfe eines ▪ Mind Maps nach folgendem Muster durchführen. In diesem Fall werden die im Text gegebenen Informationen in Kurzform mit Seiten- und/oder Zeilenangabe als weitere Äste an das vorhandene Mind Map angefügt.

4. Arbeitsgliederung

Was bei der Stoffsammlung zusammengetragen und bei der Stoffordnung geordnet worden ist, wird im vierten Arbeitsschritt in eine bestimmte Reihenfolge gebracht und als Arbeitsgliederung gestaltet.

Die Form der Arbeitsgliederung hängt dabei auch von der Form der literarischen Charakteristik ab (Einzel-, Gruppen-, Typen- oder vergleichende Charakteristik) handelt.

Die obige mehrteilige Arbeitsanweisung hat eine ▪ Einzelcharakteristik als Kernaufgabe.

Für die Reihenfolge der Gesichtspunkte in der Arbeitsgliederung bieten sich die Eigenschaften und Merkmale an, die eine literarische Figur charakterisieren können. Dabei kann man sich auf das obige Mind Map stützen.

Eine Gliederung, die mit den in Klammer gesetzten Detailangaben nach Bedarf untergliedert werden kann, zeigt das nachfolgende variabel zu verwendende Beispiel.

A. Einleitung: Kurzinformationen über Autor, Titel, Textart - Kurzinhalt des Textes

B. Hauptteil: Wie wird die Figur im Text charakterisiert?

  1. Beschreibungen der äußeren Erscheinung (Geschlecht, Alter, Körperbau, Aussehen, Kleidung …)

  2. Erzähltes äußeres Verhalten (Verhaltensweisen, Gewohnheiten, Eigenarten, Statussymbole, Sprache und Sprechweise …)

  3. Erzählte psychische Dispositionen und davon bestimmtes Handeln (Gedanken, Gefühle, Einstellungen, Interessen, Denkweisen, Ideologien, unbewusste Verhaltensweisen, Problembewusstsein, Wertorientierungen, individueller Horizont)

  4. Gesellschaftliche Bedingtheit der erzählten Charaktereigenschaften der Figur

  5. Analyse der verwendeten ▪ Erzähltechniken zur Charakterisierung der Figur im Text im Funktionszusammenhang mit den dargestellten Aspekten der Charakterisierung.

C. Schluss

  • Gesamtbeurteilung der Charaktereigenschaften 

  • Sachurteil über die Angemessenheit der eingesetzten Charakterisierungstechniken im Text

5. Niederschrift der Entwurfsfassung

Die Arbeitsschritte 5 - 7 stehen im Zeichen der Frage "Wie formuliere und überarbeite ich? (Formulierungskompetenz).

Ob und wenn ja, in welcher Form bei der Bewältigung der Schreibaufgabe Konzeptfassung vollständig oder nur in Teilen geschrieben wird, hängt von vielen Faktoren ab.

Handelt es sich bei der produktorientierten Schreibaufgabe um eine Übungsaufgabe ist in jedem Fall das Schreiben eines (Teil-)Entwurfs angeraten, zumal im davon gekennzeichneten Übungsraumsetting auch Feedback-Möglichkeiten durch die Lehrkraft oder Mitschüler/-innen (Peer-Feedback) möglich sind. Im Entwurf sollte auch der nötige Textbezug hergestellt werden, in dem die Aussagen belegt werden.

Was versteht man unter Textbezug?

Wie funktioniert das eigentlich mit einem korrekten Textbeleg?
Zitieren
Die wichtigsten Regeln

Bei Klassenarbeiten und Klausuren im Leistungsraum (Leistungsaufgaben) ist dagegen das Zeitfenster für das Bewältigen der Schreibaufgabe meistens so eingeschränkt, dass das aufwändige Schritt-für-Schritt-Schreiben nach dem hier vorgestellten ▪ Sieben-Schritte-Modell nicht möglich ist. Dem Zeitdruck fallen dabei meistens die Arbeitschritte 5 (Entwurfsfassung schreiben) und 6 (Die Entwurfsfassung überarbeiten) zum Opfer.

6. Überarbeiten der Entwurfsfassung

Auch das ▪ Überarbeiten des eigenen Textes will gelernt sein. Wenn man Feedback erhalten hat, kann man entscheiden, ob und wie man dies bei seiner Überarbeitung berücksichtigen will.

Dabei kann sich das Überarbeiten der Entwurfsfassung auf alle möglichen Aspekte beziehen.

Hier soll der Text planvoll überarbeitet werden. Das bedeutet, dass der Text nicht als Ganzes oder in bestimmten Teilen "über den Haufen geworfen wird" oder nur kleine unsystematische "Schönheitsreparaturen" vorgenommen werden (▪ Strategie des Entdeckens und Neuschreibens). Bei der ▪ Strategie des planvollen Untersuchens und Überarbeitens muss man dagegen

  • erkennen, was überhaupt überarbeitet werden sollte (identifizieren)

  • überlegen, um welches Schreibproblem es sich dabei handelt und sich Gedanken darüber machen, wie man es lösen könnte (diagnostizieren)

  • anwenden, was einem nach der Prüfung verschiedener Möglichkeiten als das am besten Geeignete erscheint (revidieren)

7. Niederschrift der literarischen Charakteristik

Am Ende wird die überarbeite Fassung der literarischen Charakteristik niedergeschrieben.

Arbeitsanregung zur Arbeit mit der Tabelle
  • Belegen Sie die in der Tabelle dargelegten Eigenschaften am Text der Kurzgeschichte.

  • Probieren Sie dazu verschiedene Formulierungen aus. (Übung: docx pdf)

Baustein: Schritt für Schritt zur literarischen Charakteristik:
Arbeitsschritte beim Schreiben jede/r für sich allein (produktorientiertes Schreiben)

Was versteht man unter Textbezug?

Wie funktioniert das eigentlich mit einem korrekten Textbeleg?
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Die wichtigsten Regeln

 

Figurengestaltung in erzählenden texten
Figurenkonzeption
Figurenkonstellation
Figurencharakterisierung

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 26.11.2019

 
 

 
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