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Symbol

Symbol des Ziegenbocks

Heinrich von Kleist (1777-1811)Der zerbrochne Krug Weitere Aspekte der Analyse

 
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teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der zerbrochne Krug"

Heinrich von Kleist (1777-1811) nutzt in seiner • Komödie • ›Der zerbrochne Krug‹ verschiedene • Symbole zur Gestaltung der Aussage seines Dramas.

Gleich zu Beginn des Dramas im • Ersten Auftritt (• Text), als Adam seinem Schreiber Licht die Geschichte von seinem morgendlichen Sturz beim Verlassen des Betts auftischt, sagt Adam:

"Gefecht! Was!Mit dem verfluchten Ziegenbock,
Am Ofen focht ich
, wenn Ihr wollt. Jetzt weiß ich's.
Da ich das Gleichgewicht verlier, und gleichsam
Ertrunken in den Lüften um mich greife,
Faß ich die Hosen, die ich gestern Abend
Durchnäßt an das Gestell des Ofens hing.
Nun faß ich sie, versteht Ihr, denke mich,
Ich Tor, daran zu halten, und nun reißt
Der Bund; Bund jetzt und Hos und ich, wir stürzen,
Und häuptlings mit dem Stirnblatt schmettr' ich auf
Den Ofen hin, just wo ein Ziegenbock
Die Nase an der Ecke vorgestreckt
." (V 50 - V 61)

Der Ziegenbock, von dem Adam spricht, dürfte eine Verzierung des Ofens sein.

Zugleich hat der Ziegenbock als • Motiv, man kann es auch als ein • literarisches Symbol bezeichnen, wie Julia Stenzel im Metzler Lexikon literarischer Symbole, 32021, S.731f.) darlegt, eine andere Bedeutung. Der Ziegenbock steht nämlich u. a. für Hinterlist und Bosheit, unkontrollierte Sexualität sowie das Rauschhaft-Dionysische.

Als Symbol der Hinterlist und Bosheit sehe man im Ziegenbock in der christlichen Tradition einen Verweis auf den Teufel und das Böse schlechthin. Dies gelte vor allem, wenn es um den Fuß des Ziegenbocks, den so genannten Bocksfuß, gehe, der seine Spuren in den Boden setze.

Als Symbol unkontrollierter Sexualität stehe er für das männlich-zeugende Prinzip. Dieses habe seinen mythologischen Ursprung in der griechischen Antike.

In der Mythologie stellten trunkene und lüsterne »Satyrn (Mischwesen aus Bock, Mensch und Pferd) »Nymphen, »Mänaden (weibliche Anhängerinnen von »Dionysos) und Mädchen nach. Auch Pan, der Hirten- und Fruchtbarkeitsgott, sei ein Halbbock.

Aber auch ohne solche mythologische Bezüge stehe der Ziegenbock für die lüsterne, unkontrollierte Sexualität.

Der Ziegenbock könne aber auch auf das Rauschhaft-Dionysische verweisen, da die Satyrn Begleiter des Rausch- und Theatergottes »Dionysos seien.
Damit ruft das Symbol auch den exzessiven Kosmos und den "orgiastische Impuls" (Klotz 2013, S.45, Kindle edition) der kultischen Opferspiele des • archaischen DionysoskultsDionysien) auf, die mit ihren "Besessenheitsriten" (Michel Leiris 1979)  während der mehrtägigen Festtage Athen in einen "Ausnahmezustand" (Brauneck 2012, S.21) versetzten.

Alle drei Bedeutungsvarianten des • Symbols lassen sich ohne weiteres auf die Figur Adams beziehen und verstärken bei einem Zuschauer, der mit dem Motiv/Symbol vertraut ist, die Hinweise auf ein moralisch zweifelhaftes Verhalten Adams, die er aus dem Dialog des Dorfrichters mit seinem Diener im Ersten Auftritt gewinnt, wenn er z. B. die verschiedenen Bezüge zu den entsprechenden Aussagen wie z. B.

entsprechend deutet.

Für Wellbery 1997, S. 14) symbolisiert die Ziege seit Jahrhunderten das sexuelle Begehren, das den eigentlichen Sturz • Adams ausmache, und zwar "jene Ziege, die gleichzeitig • Adam mit seinem Klumpfuß darstellt: Satyr und Satan, heidnische und christliche Figuration des gespaltenen Zustandes, in dem der begehrende Mensch steht." (ebd., S.14)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 02.12.2025

 
 

 
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