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Symbole

Das Symbol der Perücke

Heinrich von Kleist (1777-1811)Der zerbrochne Krug Weitere Aspekte der Analyse

 
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teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der zerbrochne Krug"

Die Perücke des Dorfrichters Adam hat in Heinrich von Kleist (1777-1811)Komödie • ›Der zerbrochne Krug‹ eine • symbolische Bedeutung.


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Die Perücke ist ein Symbol richterlicher Autorität und Würde. Zugleich fungiert sie als Zeichen, mit dem sich Macht und Moral gesellschaftlich so maskieren lässt, dass sie auf ihre Ursprünge und Legitimation nicht hinterfragt werden: Wer diese Perücke in einem Gerichtsverfahren trägt, inkorporiert diese, ohne dass dies in irgendeiner Weise in Zweifel gezogen werden kann. Die Perücke ist insofern die sichtbare Verkörperung des Rechts.

In • Kleists Komödie • ›Der zerbrochne Krugverliert die Perücke jedoch von Anfang an diese konventionelle symbolische Bedeutung und wird zusehends zu einem Zeichen des Auseinanderfallens von äußerer Scheinhaftigkeit und Wahrheit. Die Tatsache, dass Adam im Grunde vom ersten Augenblick des dramatischen Geschehens an, seine eigene "Perückengeschichte" spinnt, die ihren Verlust bei seinem nächtlichen Besuch und seiner heillosen Flucht aus Eves Kammer vertuschen soll, demontiert in den Augen des Publikum nicht nur seine Glaubhaftigkeit als Person, sondern vor allem zerstört sie mit der Auflösung ihrer konventionellen Bedeutung die Grundlagen der Rechtsprechung mit ihrem Anspruch, der Wahrheit zum Durchbruch zu verhelfen.

Dass Adam mit seiner "Katzengeschichte" (2. Auftritt, V 242 - V 259 über die tierischen "Kanaillien", die wo immer möglich "balzen" und "jungen" (2. Auftritt, V 258f.) eher unwissentlich, aber nicht minder verräterisch, mit seiner eigenen Lüsternheit "kontaminiert, beschmutzt mit den körperlichen Fakten sexuellen Begehrens" (Blamberger 2011, S.262), einem Bild von dem sich sowohl die Magd, die "kichert" (V 259), als auch das Publikum durch Lachen befreien muss, setzt einen äußerst wirkungsvollen satirisch-komischen Effekt, dessen psychologischer Wirkung sich die Zuschauer*innen kaum entziehen können. Ohne "der Perücke Beistand" (5. Auftritt, V 378), das weiß Adam, ist sein "Richteransehn" in Gefahr und Adam fällt auf seine Person mit seinen zweifelhaften Charaktereigenschaften. Mit der fehlenden Perücke fällt auch die Fassaden einer Rechtsprechung zusammen, der es nicht vorrangig um die Suche nach Wahrheit geht.

Dass Adam von den Enthüllungen über die Ereignisse der Nacht vor sich hergetrieben, sich am Ende nicht scheut, den Aberglauben • Frau Brigittes aufzugreifen, und die Perücke als Mittel ausgeben will, mit der der Teufel sich und seine Absichten versteckt (11. Auftritt, V 1682ff.), gelingt ihm zwar nicht. Seine Absicht zeigt aber. dass er, um seinen Hals zu retten, nach jedem Strohhalm greift. Zugleich wird damit dem Publikum aber auch mit einer aufklärerischen Intention deutlich gemacht, dass sich Symbole der Macht, wenn es dem Machterhalt dient, einfach umcodieren lassen, die postulierte • Eindeutigkeit und Wahrheit des Symbols also nur konstruiert ist und damit auch "die wahrheitsbildende Kraft der Sprache, der Zusammenhang von Zeichen und Bezeichnetem, Schein und Sein (zerbrochen ist)." (Blamberger 2011, S. 262f.) In diesem • Spiel mit der Instabilität von Bedeutung, das die "Perückengeschichte" in besonders eindrücklicher und auf vielfache Weise komischer Weise präsentiert, erweisen sich Wahrheit und Täuschung als unauflösbar miteinander verschränkt. (Köhler 2011, S.92) Die Perückengeschichte ist ein zentrales Moment für Kleists aufklärerische Intention: Die Rechtsprechung und ihre Institutionen können ihren Anspruch auf Wahrheit nicht einlösen, solange sie dafür instrumentalisiert wird, den Schein zu wahren.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 22.10.2025

 
 

 
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