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Motive

Motiv des lüsternen Alten

Heinrich von Kleist (1777-1811)Der zerbrochne Krug Weitere Aspekte der Analyse

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) Überblick Biografie Erzählende Texte Dramatische Texte Überblick Der zerbrochne Krug Gesamttext (Rechercheversion) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Historischer Hintergrund • Literaturgeschichtlicher Kontext Entstehungsgeschichte
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teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der zerbrochne Krug"

Heinrich von Kleist (1777-1811) greift in seiner • Komödie • ›Der zerbrochne Krug‹ verschiedene • Motive zur Gestaltung der Aussage seines Dramas zurück.

Zu diesen zählt auch das Motiv des lüsternen Alten, das er zur • Figurengestaltung bei • Adam und seiner sexuellen Nötigung und Erpressung von • Eve verwendet. Es steht dabei in enger Verbindung mit dem • Motiv des biblischen Sündenfalls, dem • Symbol des Ziegenbocks und dem • zerbrochenen Krug als sexuelles Symbol.

Ob und inwieweit Kleist dabei bewusst auch auf die biblische Erzählung • "Susanna im Bade" referiert, kann hier nicht geklärt werden. Dennoch ist davon auszugehen, dass Zuschauer*innen und/oder Leser*innen, die über das entsprechende (Kultur-)Wissen verfügt haben, die Erzählung aus dem Alten Testament zur • Bildung von Inferenzen bei der • Sinnkonstruktion herangezogen haben.

Das Motiv des lüsternen Alten ist im Zerbrochnen Krug aber vor allem mit dem • Motiv des biblischen Sündenfalls von Anfang an verknüpft. So passen die Äußerungen des Schreibers • Licht über den ominösen  "Adamsfall" seines Vorgesetzten offenkundig ins Schema von • Adams  wahrscheinlich nicht nur ihm bekannten • Lüsternheit (1.Auftritt) Nur dieser Lüsternheit scheint es geschuldet, dass Adam, nicht wie sonst müde in sein Bett, sondern anderer Bedürfnisse wegen aus dem Bett gefallen ist. Die Schrammen und Verletzungen, die er sich beim "Adamsfall" zugezogen hat, symbolisieren dabei seinen eigentlichen inneren "Sündenfall", der darin besteht, dass er die junge • Eve ohne jeden Skrupel zum Sex mit ihm zwingen will.

Man wird Schneider (2013) im Grunde zustimmen können, wenn er meint. dass die herkömmlichen Attribute des lüsternen Greisen zu dem in Kleists Komödie dargestellten ›alten Adam‹ (12. Auftritt Variant, V 2118) als einem "Vollblutmenschen" (ebd., S.35 Kindle Edition) mit einer seiner anarchischen und besonders "verdichteten Vitalpotenz" (ebd., S.35 Kindle Edition) nicht so ohne Weiteres passen. Allerdings dürfte eine solche Sicht die ▪ zeitgenössische Rezeption kaum beeinflusst haben, es sei denn, sie hat mit Verständnis für die • "pralle Sinnlichkeit" (Thorwart 2004, S.217)des Dorfrichters reagiert und die patriarchalisch-männliche Sicht auf sein Verhalten akzentuiert.


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Wie auch immer: In jedem Fall nutzt Kleist die Kombination der Motive • vom biblischen Sündenfall und dem • lüsternen alten Mann von Anfang an zur Rezeptionslenkung. Er verschafft dem Publikum und den Leserinnen und Lesern den Informationsvorsprung, den sie benötigen, um mit diesem Wissen ausgestattet, die Geschehnisse im Huisumer Dorfgericht, vor allem • Adams Verhalten, mit einer bestimmten Deutungshypothese vorläufig einordnen und beurteilen zu können, bis die • analytische Dramenhandlung des Stücks die ganze • Vorgeschichte enthüllt hat.

Das Motiv des lüsternen Alten lässt sich, wenn man Crossover-Effekte zu anderen Medien berücksichtigt, vor allem in der Bildenden Kunst der frühen Neuzeit (1300-1800) (▪ Renaissance und Humanismus, ▪ Barock) • in zahlreichen Gemälden finden. Dabei hat man es gewöhnlich mit Abbildungen zu tun, die die Altersungleichheit • ungewöhnlicher Paare kritisch beleuchten. Auch • in der Literatur dieser Zeit, aber auch bis in unsere Gegenwart hinein, ist die altersungleiche Paarbeziehung immer wieder gestaltet worden. Das Thema ist jedenfalls ein Longseller in allen Medien, über alle Zeiten hinweg: in »Malerei; »Musik, »Literatur und »Film.

Meistens sind es in der frühen Neuzeit Gemälde, Kupferstiche oder sonstige Grafiken, die einen erheblich älteren Mann mit (s)einer jungen Frau darstellen. Aber es gibt durchaus auch die • gendermäßig umgekehrte Variante, wobei das strukturell ähnliche Buhlen älterer Frauen um jüngere Männer als • besonders schändlich und moralisch verwerflich angesehen worden ist.

Im Unterschied zu • Heinrich von Kleists (1777-1811) Komödie • ›Der zerbrochne Krug‹ sind solche Darstellungen in der frühen Neuzeit jedoch nicht, oder zumindest nicht in gleicher Weise, mit dem Motiv sexualisierter Gewalt verbunden.

Und auch Geld, mit der sich je nach Perspektive ein alter Mann oder eine alte Frau einen andersgeschlechtlichen, erheblich jüngeren Partner in solchen Bildern (sexuell) dienstbar macht, ist im Zerbrochnen Krug nicht im Spiel.

Die Erpressung • Eves fußt nämlich zum einen auf der von • Adam Eve gegenüber gemachten Lüge, dass ihr zum Militärdienst beorderter Bräutigam • Ruprecht in die ostindischen Kolonien entsendet würde und • Adams erpresserischem Angebot, diesen durch ein gefälschtes ärztliches Attest vor dieser Zukunft zu bewahren, wenn • Eve im Gegenzug dazu bereit ist, sich ihm hinzugeben.

Zu deutschen Malern der Renaissance, die sich des Thema ungleicher Paare angenommen haben, gehören u. a. »Albrecht Dürer (1471-1528), »Lukas Cranach der Ältere (1472-1533) oder auch »Hans Baldung (1484-1545). Dazu kommen aber noch zahlreiche ▪ Embleme der Zeit, wie z. B. die von »Theodor de Bry (1528-1598).

Beispiele für Darstellungen der frühen Neuzeit, die das Motiv des lüsternen Alten gestaltet haben, sind u. a.:

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 14.03.2026

 
 

 
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