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Geschichte der Niederlande vom 16. bis 18. Jahrhundert

Zeittafel: Die Niederlande im Kampf gegen die spanischen Habsburger

Heinrich von Kleist«  – Der zerbrochne KrugHistorischer Hintergrund

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) Überblick Biografie Erzählende Texte Dramatische Texte Überblick Der zerbrochne Krug Gesamttext (Rechercheversion) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Historischer Hintergrund Überblick [ • Geschichte der Niederlande vom 16. bis 18. Jahrhundert Überblick Zeittafel: Die Niederlande im Kamf gegen die spanischen Habsburger Die Burgundischen Niederlande unter Karl V. (1515-1556) Die Niederlande unter der Herrschaft Philipps II. bis zum Aufstand gegen die spanische Herrschaft ab 1566 Das Goldene Zeitalter der Niederlande im 17. Jahrhundert   Der Niedergang der Niederlande im 18. Jahrhundert ] Sexualität und ihre Normen in der Frühen Neuzeit Literaturgeschichtlicher Kontext Entstehungsgeschichte
Stoffgeschichte Komposition des Dramas Handlungsverlauf Figurenkonstellation Einzelne Figuren Sprachliche Form Weitere Aspekte der Analyse RezeptionsgeschichteInterpretationsansätze Bausteine Textauswahl Fragen und Antworten (KI) Links ins Internet  Sonstige Texte BausteineLinks ins Internet ...   Schreibformen Rhetorik Filmanalyse ● Operatoren im Fach Deutsch
 

Das Reich in der frühen Neuzeit (1256-1806)
Kaiser und Reich im Spätmittelalter und der Reformationszeit (1256-1648)
Überblick
Die Häuser Habsburg und Habsburg-Lothringen bis 1806 (Genealogie)

Heinrich von Kleists (1777-1811) zwischen 1802 und 1806 verfasste • Komödie • "Der zerbrochne Krug" nimmt auf unterschiedliche Art und Weise auf verschiedene historische Kontexte Bezug, die damit zum • historischen Hintergrund des Stückes zählen. Einer dieser historischen Kontexte stellt die • Geschichte der Niederlande im 16., 17. und 18. Jahrhundert dar.

Dazu zählt auch die Geschichte der spanischen Niederlande, die in • Marthe RullsEkphrase bei der Beschreibung des zerbrochnen Kruges, als sie Anklage erhebt (7. Auftritt, V 646 - V 678), zur Folie ihrer vor Gericht verfolgten Strategie wird, ihre eigene und vor allem die Ehre ihrer Tochter Eve zu verteidigen.

Der zerbrochne Krug war und ist nämlich verziert mit Abbildungen, die im szenischen Kontext mit der Übergabe der Macht in den spanischen Niederlanden durch Kaiser »Karl V. (geb. 1500, 1516/19-56) an seinen Sohn »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) am 25.10.1555 in Brüssel.

Über dieses Momentum der Geschichte der Niederlande, die Abdankung des Kaisers im Jahr 1555 hinweg, führt die Zeittafel bis zur Anerkennung der Unabhängigkeit der »Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, der spanischen Provinzen, die sich als »Utrechter Union mit dem »Plakkaat van Verlatinghe ǁ1581 für unabhängig erklärt hatten, im »Westfälischen Frieden ǁ1648, der den »Achtzigjährigen Krieg (1568–1648) endgültig beendet hat.

Die nachfolgende Zeittafel gibt einen Einblick in die Ereignisse, die zu einigen der krisenhaften Erscheinungen geführt haben, die das 16. Jahrhundert geprägt haben.

Dabei steht die Politik von Kaiser »Karl V. (geb. 1500, 1516/19-56) und seinem Sohn und Nachfolger »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) in den spanischen Niederlangen im Fokus, die Reichspolitik des Kaisers wird hingegen weitgehend ausgeblendet, da auf sie in Kleists Komödie auch nirgends Bezug genommen wird. Eine auch diese umfassende • Zeittafel ist im teachSam-Arbeitsbereich zu • Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) Drama • "Egmont" enthalten, das in den Jahren 1775 bis 1787 entstanden ist.

Die Konflikte, die in den Niederlanden nach der Abdankung bzw. dem Tod »Karls V. ausbrechen, gehen auch auf seine Regierungszeit zurück, wo außer Italien vor allem die habsburgischen-burgundischen und späteren spanischen Niederlande immer wieder Schauplatz militärischer Auseinandersetzungen zwischen Frankreich und Spanien um die Hegemonie in Europa werden. Da es sich dabei neben dem Kampf um den rechten christlichen Glauben stets um Kriege zwischen den Häuptern der wichtigsten Dynastien in Europa handelt, die um ihrer Machtinteressen willen und wegen ihres "renaissanehafte(n) Streben(s) nach Ruhm und Ansehen" (Schilling 1994, S.23) Abertausende von Menschen in mörderischen Schlachten aufeinander hetzen, bemüht sich die Darstellung immer wieder darum, die jeweiligen Akteure zu nennen, statt mit Bezeichnungen wie z. B. "Krieg zwischen Spanien und Frankreich" den Eindruck zu erwecken, es habe sich um den Krieg der Völker bzw. Nationen gehandelt.

Die Zeittafel versteht sich dabei nicht nur als eine Chronologie der wichtigsten Ereignisse, sondern bietet mit Kommentaren dazu auch Deutungen an, die nicht so versierten Nutzerinnen und Nutzern Angebote zur Orientierung und Einordnung machen. Um die Daten auch selektiv nutzen zu können, sind zahlreiche inhaltliche Redundanzen enthalten, die beim rekurrierenden Lesen als Brücken zwischen länger auseinander liegenden Ereignissen dienen sollen.

1498 - 1500 - 1503 - 1505 - 1507 - 1509 - 1515 - 1516 - 1517 - 1519 - 1520 - 1521 - 1522 - 1527 - 1528 - 1529 - 1530 - 1531 - 1534 - 1535 - 1537 - 1539 - 1540 - 1548 - 1549 - 1550 - 1551 - 1553 - 1554 - 1555 - 1556 - 1557 - 1558 - 1559 - 1561 - 1562 - 1563 - 1564 - 1565 - 1566 - 1567 - 1568 - 1569 - 1570 - 1571 - 1572 - 1573 -1579 - 1581 - 1584 - 1648

1498

15.11 Geburt von »Eleonore von Kastilien (1498-1558), der älteren Schwester des späteren »Karl V. (geb. 1500, 1516/19-56) in »Löwen; sie ist später von 1519 bis 1521 durch Heirat mit Manuel I. (1469-1521) Königin von Portugal und von 1530-1547 als Ehefrau von »Franz I. (1494-1547, König seit 1515) französische Königin); sie wächst wie ihr Bruder »Karl zunächst unter der Obhut von »Margarete von Österreich (1480-1530) in den Niederlanden auf;

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  • erneuter Erlass eines Ketzeredikts »Karls V., der mit solchen Edikten (plakkate),12 insgesamt, schon seit 1520, ab ǁ1522 mit der Einführung der »Inquisition hart gegen die reformatorische Bewegung vorgehen lässt

  • Reichstag zu Speyer erlässt das so genannte »Wiedertäufermandat zur Bekämpfung der »radikalreformatorischen Täuferbewegung, wonach diejenigen Personen, die so genannte Wiedertaufe praktizierten oder an sich vollziehen lassen, mit dem Tod zu bestrafen seien, sofern sie sich nicht davon distanzierten und zu einer Sühneleistung bereit seien; ebenso mit dem Tode bestraft werden sollten alle Eltern, die die ihren neu geborenen Kindern die Säuglingstaufe vorenthielten; die Täufer lehnen die sonst praktizierte Kindstaufe als unbiblisch ab und propagieren stattdessen die »Erwachsenentaufe und verlangen, dass sich auch schon getaufte Christen erneut taufen lassen; sie setzten dies, wo sie die entsprechenden Machtmittel in die Hand bekommen, z. B´. im so genannten »Täuferreich von Münster 1534/35 mit allen Mittel einer theokratischen Terrorherrschaft durch; wegen ihrer Taufpraxis werden sie auch Wiedertäufer genannt; wegen ihrer kompromisslos radikalen Haltung werden Tausende Anhängerinnen und Anhänger, überall wo sie auftreten, besonders stark auch in den Niederlanden, als Opfer der Inquisition gefoltert auf unterschiedliche Art und Weise hingerichtet;

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  • 23.2. Anhänger der »radikalreformatorischen »Wiedertäufer unter der Führung »Jan Mathys (1500-1534), dem wichtigsten "Propheten" der niederländischen Täuferbewegung, reißen in dem von Katholiken und anderen Protestanten verlassenen »Münster die Macht an sich und errichten auf der Grundlage eines radikalen Umbaus der Strukturen der Stadt das »theokratische, so genannte »Täuferreich von Münster; die Täufer, wegen ihren Ablehnung der sonst praktizierten Kindstaufe die Erwachsenentaufe propagieren und verlangen, dass sich auch schon getaufte Christen erneut taufen lassen, auch Wiedertäufer genannt, sehen sich mit ihren apokalyptisch-endzeitlichen Vorstellungen berufen, ihre religiöse und sozialen Vorstellungen mit allen Mittel durchzusetzen und stellten sich damit gegen alle Obrigkeiten; im Juni 1535 wird die Stadt Münster nach langer Belagerung von den Truppen des Fürstbischofs Franz von Waldeck (1491-1553) befreit; die unter der Führung von »Jan van Leiden (1509-1536), der als Johann I. den Königstitel annimmt, das "Königreich Zion" proklamiert und sich einen luxuriösen Hofstaat leistet, während er seine theokratische Terror gegen alle Andersdenkenden - wer gegen die 10 Gebote verstoßen hatte, wird hingerichtet - wüten lässt, wird wie Hunderte seiner Anhänger hingerichtet; da »Jan van Leiden (1509-1536) sich nicht gemäß des »Wiedertäufermandats von 1529 bekehren lässt, wird er wie andere führende Köpfe der Täufer auf der Basis des 1529 im »Reich eingeführten ersten Strafgesetzbuchs, der »Constitutio Criminalis Carolina (Peinliche »Halsgerichtsordnung) im 1536 mit glühenden Zangen auf qualvolle Weise gefoltert und anschließend erdolcht. Ihre von Brandwunden übersäten Leichen wurden in eisernen Körben, den so genannten »Täuferkörben, am Turm der »St. Lamberti-Kirche in »Münster zur Abschreckung aufgehängt.

  • Wiedertäufer scheitern mit ihrem Versuch, in »Amsterdam die Macht an sich reißen

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  • 14.2. »Karl V. erreicht die »flandrischen Stadt »Gent und hält nach der Niederschlagung des Aufstandes dort ein Strafgericht über die Stadt (29. 4);

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  • 1. 4. Im Zuge einer auf Geheiß seines Vaters »Karl V. durchgeführten mehrjährigen Reise in die verschiedenen habsburgischen Territorien zieht »Philipp (II., geb. 1527, 1556-98) feierlich in Brüssel ein; dort trifft er nach sieben Jahren wieder mit seinem Vater »Karl V. zusammen; anschließend bereist »Philipp ein Jahr lang die Niederlande und kommt in Kontakt mit dem dortigen Kulturleben, das ihn nachhaltig prägt; von den Niederlanden aus reist Philipp am 31. Mai 1550 ins »Heilige Römischen Reich und nimmt bis zum 14. Februar 1551 an der Seite seines Vaters am Reichstag zu Augsburg teil; dort kommt es auch zum Treffen mit der »österreichischen Linie der Habsburger von Karls Bruder »Ferdinand (1503-1564);

  • Pragmatische Sanktion »Karls V. bestimmt die von ihm aus den Lehensverbindungen zu Frankreich und dem Reich herausgelösten und dem »Burgundischen Reichskreis zugeordneten »Siebzehn Provinzen der "Niederlande" zu einer unteilbaren Einheit und regelt damit auch die Erbfolge;

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  • 3. 4. nach dem spanischen Sieg über Frankreich in der »Schlacht von Saint-Quentin1557) beendet der »Friede von Cateau-Cambrésis zwischen dem spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) und dem französischen König »Heinrich II. (1519-1559. König seit 1547) für längere Zeit die militärische Auseinandersetzung zwischen dem »Haus Habsburg und dem Haus »Valois-Angoulême;

  • Neueinteilung der niederländischen Bistümer; unter der Federführung von Bischof »Antoine Perrenot de Granvelle (1517-86, seit 1661 Kardinal) wird im Auftrag »Philipps II., (geb. 1527, 1556-98) die schon von »Karl V. begonnene Neuorganisation der Bistümer im Land vorgenommen;  die siebzehn Provinzen werden dabei in drei Erzbistümer und diese wiederum in 15, diesen Kirchenprovinzen untergeordnete Bistümer, so genannte »Suffragandiözesen, aufgeteilt; aus kirchlicher Sicht war die Neueinteilung organisatorisch ein Fortschritt, zumal die neu gebildeten Erzbistümer zusammen in etwa das Territorium der siebzehn Provinzen umfasst; in den Niederlanden selbst stößt die Neuorganisation auf Ablehnung und den Widerstand unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen; einer der Gründe ist der damit einhergehende Einflussverlust des bisher lokal organisierten Klerus, weil ähnlich wie bei der neuen Regierungselite, die mehr und mehr aus ausgebildeten Juristen besteht, ein Erzbischof fortan eine theologische Universitätsausbildung vorweisen muss und nicht einfach aufgrund seiner Zugehörigkeit zum niederländischen Hochadel das Amt antreten darf; zudem gehen dem Adel, da die die Klöster (z. B. die reiche »Benediktinerabtei »Affligem) bei der Neuorganisation den Bistümern inkorporiert werden, viele Pfründe verloren; in anderen Bevölkerungsschichten befürchtet man, dass die von »Granvelle (1517-86), der bei der Reform »Erzbischof von Mechelen wird und als  Kardinal den kirchlichen Primat in den Niederlanden erhält, die zentralisierte Kirchenorganisation und seine sehr einflussreiche Stellung dazu benutzt, um die spanische Repressionspolitik ganz im Sinne seines spanischen Königs »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) gegenüber »Lutheranern, »Wiedertäufern und »Calvinisten weiter zu verschärfen und mit der allgemein verhassten »Inquisition noch härter gegen vermeintliche Ketzerinnen und Ketzer vorzugehen;

  • »Wilhelm von Oranien (1553-1584) aus dem »Haus Oranien-Nassau wird • Statthalter von »Holland und »Zeeland;

  • »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) reist nach Spanien ab, um sich dort nach der Abdankung seines Vaters »Karl V (1556) als neuer König anerkennen zu lassen und das wegen der prekären Finanznot am Rande einer Rebellion stehende Land unter Kontrolle zu halten; er  besucht die Niederlande nie wieder; während sein Vater das Herrschaftsgebiet als so genannter »Reisekönig regiert, allein 12 Mal reist er in seiner Regierungszeit in die Niederlande, regiert sein Sohn von seiner Residenz in Spanien in »El Escorial in der Nähe von Madrid, wo er sich bis zum Abschluss der Bauarbeiten 1584 eine monumentale Klosterresidenz errichten lässt, die als größter »Renaissancebau der Welt gilt; bei seiner Abreise lässt »Philipps II., (geb. 1527, 1556-98) in den Grenzgebieten zu Frankreich trotz des »Friedens von Cateau-Cambrésis mit dem Erzrivalen ca. 3.000 spanische Soldaten zurück, um sie offenbar für Einsätze anderswo bereit zu halten; die oft plündernden spanischen Soldaten sind für die Niederländer ein besonderes Ärgernis, weil sie das Gefühl haben, von den Spaniern besetzt zu sein, und zugleich für diese Besetzung finanziell aufkommen müssen; im Januar ǁ1561 werden die Truppen angesichts der wachsenden Unzufriedenheit schließlich auf Rat der neuen Regentin »Margarete von Parma (1522-1586) zurückgezogen;

  • »Margarete von Parma (1522-1586), die illegitime, aber schon 1529 von »Karl V. als Tochter anerkannte, Halbschwester »Philipps II., (geb. 1527, 1556-98) und Schülerin von »Ignatius von Loyola (1491-1556), der 1534 den »Jesuitenorden gründet, wird Generalstatthalterin (Regentin) in den Niederlanden (bis 1567); die seit etwa einem Vierteljahrhundert eingerichteten Regierungsinstitutionen (• Staatsrat, • Geheimer Rat und • Finanzrat), die dem darin vertretenen niederländischen Hochadel eine gewisse Mitregierung ermöglicht, behält der König bei; allerdings hatten sich, z. B. im • Staatsrat, zum Unmut der er niederländischen Hochadeligen die Kräfteverhältnisse schon eine Weile lang dadurch verschoben, dass zusehends der habsburgischen Verwaltung zugehörige Juristen zu Mitgliedern berufen wurden; bei der Abdankung »Karls V.  von seiner Herrschaft in den Niederlanden (1555) stellen sie schon fünf Mitglieder, während die Adeligen es auf sieben Staatsräte bringen; zudem wird die das alltägliche Regierungsgeschäft mehr und mehr in die Hände des • Geheimen Rats gelegt, der nur aus Berufsbeamten und Rechtsgelehrten besteht; mit seiner Entscheidung »Margarete von Parma (1522-1586) zur Regentin zu bestellen, brüskiert »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) die niederländischen Hochadeligen, die sich selbst Hoffnung gemacht hatten, Generalstatthalter (Regent) der Niederlande zu werden;

1561

1563

1564

1565

  • »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568) reist an den spanischen Hof, wo er während seine Aufenthaltes von Februar bis Anfang April den spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) mehrmals trifft, sich als Wortführer der Adelsopposition in den Niederlanden positioniert und ihm seine Anliegen vorträgt; dieser lehnt jedoch, auch wenn der Besuch »Egmonts (1522-1568) im Großen und Ganzen harmonisch verläuft, die Wünsche der Niederländer ab;

  • Nach der Rückkehr Egmonts aus Spanien im April kommt es wegen der Tatsache, dass »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) keinerlei Zugeständnisse gemacht hat,  zu einem Aufruhr im • Staatsrat;  die Unzufriedenheit steigt noch, als der König im Mai die Hinrichtung von sechs »radikalreformatorischen »Wiedertäufern anordnet, die zuletzt ausgesetzt worden war;

  • 17.10./20.10. Unbeeindruckt von den Forderungen der niederländischen Adelsopposition besteht »Philipp II. in Briefen, die er in »Segovia verfasst, wohin er sich immer wieder einmal zurückzieht, kompromisslos auf der strengen Verfolgung der vermeintlichen Ketzerinnen und Ketzer in den Niederlanden; er setzt damit der Zurückhaltung seiner Regentin »Margarete von Parma (1522-1586) ein Ende, die deshalb zusehends unter Druck gerät;

  • Im Dezember kommt es im Umfeld der Zusammenkünfte anlässlich der Hochzeit des Sohnes von »Margarete von Parma (1522-1586) zu einem »Eidverbund (Compromis) von zwanzig Angehörigen des niederen Adels, die nach dem Scheitern von »Egmonts (1522-1568) Mission in Spanien im Frühjahr gemeinsam gegen die neuerlichen Erlasse des spanischen Königs »Philipp II. zur Intensivierung der Ketzerverfolgung auftreten wollen;

1566

  • Eine Missernte und die fehlenden Einfuhren des notwendigen Ostseegetreides wegen des schwedisch-dänischen Krieges führen in den Niederlanden zu einer Hungersnot, die von radikalen calvinistischen Predigern auch der katholischen Kirche angelastet wird; ebenso führt der Handelskonflikt mit England, der die Zufuhr von Wolle unterbricht, zu einer explodierenden Massenarbeitslosigkeit in den vom Tuchhandel und der Tuchproduktion lebenden ländlichen Gebieten;

  • 5.4. Der im Dezember 1565 gegründete »Eidverbund (Compromis) der Adeligen übergibt unter Führung von »Heinrich von Brederode (1531-1568) in einem feierlichen Zug von zweihundert unbewaffneten Adeligen, die sich fortan »Geusen (Bettler) nennen, der Statthalterin »Margarete von Parma (1522-1586) eine Petition, in der sie um Nachsicht gegenüber Andersgäubigen bitten und die Einberufung der Generalstände der Niederlande fordern; die Statthalterin sagt ein gemäßigteres Vorgehen mit zumindest vorübergehender Aussetzung der Inquisition gegen Andersgläubige zu; 

  • 30.6. In einem neuen, »Margarete von Parma (1522-1586) von zwölf Abgeordneten des niederen Adels übergebenen Gesuch fordern die »Geusen vollständige Religionsfreiheit und sprechen sich für eine Regierung der populären und einflussreichen Statthalter und niederländischen Hochadeligen »Wilhelm von Oranien (1553-1584), »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568) und »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn (1536-1558) aus; die Regentin und verzichtet auf Maßnahmen gegen die »Eidverbund (Compromis) der Adeligen; als Gegenleistung versprechen die Mitglieder gegen die überall zunehmenden »calvinistischen »Heckenpredigten einzuschreiten, die die Unruhen einzudämmen und Bilderstürmer zu bestrafen.

  • 10.8. Beginn des gewalttätig verlaufenden »Bildersturms radikaler »Calvinisten auf katholische Kirchen und Klöster in »Flandern, der sich in wenigen Tagen auf etliche Regionen der »Spanischen Niederlande ausweitet und neben »Flandern vor allem »Artois. »Holland, »Zeeland, »Antwerpen und »Groningen trifft; bei der Niederschlagung der Unruhen stellen sich zahlreiche hochrangige Adlige wie »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568)  auf die Seite der Statthalterin und helfen ihr bei der letztendlich erfolgreichen Bekämpfung der Unruhen, die neben religiösen Gründen auch durch Hunger und Massenarbeitslosigkeit ausgelöst worden waren; im Auftrag des »Grafen  von Egmont erwirbt sich dabei dessen Sekretär, der niederländische Edelmann »Johannes Casembroot (1526-1568), der selbst im Ruf steht zu den Reformierten zu gehören, den Ruf, mit allen "Randalierern" kurzen Prozess zu machen, als er auf dem Weg ist, in »Oudenaarde in »Flandern die Ordnung wiederherzustellen; die Bilderstürmer sind indessen nur eine kleine Minderheit; ihren Ausschreitungen sieht die Mehrheit der gläubigen Katholiken zunächst konsterniert zu, zumal sie die Ketzerverfolgungen nicht gutheißen; dem Bildersturm fallen unzählige Kunstwerke zum Opfer;

  • 20.8. Bildersturm in »Antwerpen;

  • 22.8. Bildersturm in »Gent, der besonders stark mit der schlechten Versorgungslage zusammenhängt; dort gibt es auch die größten Schäden, weil innerhalb von 24 Stunden sieben Pfarrkirchen, eine Stiftskirche, fünfundzwanzig Klöster, zehn Krankenhäuser und sieben Kapellen geplündert und zerstört werden.

  • 23.8. Nachdem »Margarete von Parma (1522-1586) lutherische und calvinistische Predigten zulässt, löst sich der »Eidverbund der Adeligen wieder auf:

  • 24.8. Bildersturm in »Valenciennes, der von der calvinistischen Ratsmehrheit der Stadt unterstützt wird;

  • 3.9. Die Briefe, in denen »Margarete von Parma (1522-1586) dem spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) ausführlich über den Bildersturm und die Unruhen in den Niederlanden berichtet, erreichen den spanischen Hof, wo sich der spanische Staatsrat aber erst am 22.9. mit der Sache befasst; »Philipp II. , für den die katholische Glaubenseinheit Grundlage der spanischen Staaträson ist, vertraut in den kontroversen Beratungen den Mitglieder des Staatsrates  weiterhin denen, die für ein hartes, militärisches Durchgreifen in den Niederlanden plädieren, weil sie andernfalls auch in den habsburgischen Besitzungen in Italien eine ähnliche Entwicklung heraufziehen sehen;

  • »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) überträgt »Fernando Álvarez de Toledo, 3. Herzog von Alba (1507–1582), meist nur als »Herzog von Alba bezeichnet) die Aufgabe, die (spanische) Ordnung in den Niederlande mit militärischen Mitteln wiederherzustellen; da die Truppen dafür aber noch in Italien stehen, müssen sie erst über die »Spanische Straße über die Alpenpässe und das deutsch-französische Grenzgebiet erst in die Niederlande geführt und auf dem Weg durch Anwerbung noch verstärkt werden, so dass das Heer erst Mitte des nächsten Jahres in den Niederlanden ankommt; »Herzog von Alba ist der Überzeugung die Niederlande nach seiner Ankunft an der Spitze eines entsprechend starken Heeres innerhalb eines halben Jahres zu "befrieden" und dabei mit nicht mehr als ca. 800 Exekutionen seiner dortigen Gegner auszukommen;


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  • 3.10. Treffen von »Wilhelm von Oranien (1553-1584), »Lamoral Graf von Egmont (1522-1568), »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn (1536-1558) und »Ludwig von Nassau-Dillenburg (1538-1574), einem Anführer der »Geusen, in »Dendermonde und besprechen der Überlieferung nach Möglichkeiten zum Aufstand gegen den spanischen König; zugleich warnt »Wilhelm von Oranien vor Plänen des spanischen Königs, die Unruhen in den Niederlanden militärisch endgültig zu beenden und sich der führenden Köpfe der Adelsopposition zu entledigen;

1567

1568

1569

  • 21.3. »Herzog von Alba lässt die Generalstände (Generalstaaten), um ihnen seine Forderung nach Einführung direkter Steuern, die allein der Regierung zufließen zu präsentieren; mit dieser Neuorganisation des Finanzwesens will er der Regierung und dem spanischen König dauerhafte und eigene Finanzquellen  erschließen, die nicht von der Zustimmung der Generalstände (Generalstaaten) und der Provinzialstände abhängig sind; das traditionelle System der »Beden räumt diesen mit der Bewilligung ein gewisses Kontrollrecht ein; mit direkten Steuern; in den Provinzen regt sich schnell Widerstand, insbesondere gegen den so genannten "Zehnten", der bei jedem Verkauf von beweglichen Güter und Handelswaren direkt an den König abgeführt werden sollen; am Ende einigen sich die Provinzialstände und »Herzog von Alba darauf, dass die Stände der Regierung in den nächsten beiden Jahren eine jährliche Summe von 2 Millionen Gulden bezahlen und solange auf die Erhebung des Zehnten verzichtet werde; ǁ1571 sieht sich »Herzog von Alba angesichts der weiter vorhandenen Finanznot des spanischen Königs mit der Einziehung de "Zehnten" zu beginnen..

  • 16.7. »Herzog von Alba lässt mit einer großen Inszenierung vor dem Stadthaus in Antwerpen eine Amnestie (Generalpardon) für alle "Verbrechen" vor diesem Termin verkünden, die allerdings so viele Ausnahmen enthält, dass sie eigentlich eine Farce ist; kaum einer der Zehntausenden von ins Ausland Geflüchteten kommt deshalb in die Niederlande zurück; in einem Dekret vom 27.3.1571 droht er allen, die von dem Generalpardon keinen Gebrauch machen, eine strenge Bestrafung an;

1571

  • Angesichts der weiter vorhandenen Finanznot des spanischen Königs und des Auslaufens der Vereinbarung über die jährlichen, nach ihrer Leistungsfähigkeit quotierten Zahlungen der Provinzialstände, beginnt »Herzog von Alba mit der Einziehung des ǁ1569 noch ausgesetzten  "Zehnten", die aber 1572 nach der Zunahme des Unmuts in den Niederlanden vom spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) wieder beendet wird;

1572

1573

1579

1581

1584

1648

Verzeichnis der benutzten Quellen:

  • Verschiedene Einträge aus der deutschsprachigen, niederländischen und englischen Wikipedia zur niederländischen Gesichte und der Geschichte des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation

  • Düntzer, Heinrich (1854): Goethe's Götz und Egmont: Geschichte, Entwicklung und Würdigung beider Dramen Braunschweig 1854 (Quelle: google books)

  • Dutch Revolt, Zeittafel, Universität Leiden, https://dutchrevolt.leiden.edu/deutsch/Chronologie/Pages/default.aspx

  • Lem, Anton van der (2016): Die Entstehung der Niederlande aus der Revolte: Staatenbildung im Westen Europas, Berlin: Wagenbach 2016

  • Maissen, Thomas (2013): Geschichte der frühen Neuzeit, München: Beck 2013

  • North, Michael (2013): Geschichte der Niederlande, 4. durchges. u. aktual. Aufl., München: Beck 2013

  • Schilling, Helmut (1987): Reformation und Altes Reich 1500 - 1740, in: Mitten in Europa. Deutsche Geschichte. Berlin: Siedler Verlag 1987, S.113-200

  • Schilling, Heinz (1994): Aufbruch und Krise. Deutschland 1517-1648, Berlin: Siedler 1994 (= Siedler Deutsche Geschichte. Das Reich und die Deutschen)

  • Schilling, Heinz (2024): Karl V. Der Kaiser, dem die Welt zerbrach, 4. Aufl. München 2024

  • Vogler, Günter (2003): Europas Aufbruch in die Neuzeit 1500-1650. Stuttgart 2003

  • Wagener, Hans (1998): Johann Wolfgang Goethe. Egmont. Erläuterungen und Dokumente, revidierte Ausgabe, Stuttgart: Reclam 1998

  • Wenzelburger, K. Th. (1879): Geschichte der Niederlande bis 1555 Bd. I, Gotha 1879 (google books)
    Wenzelburger, K. Th. (1886): Geschichte der Niederlande, Bd. II, Gotha 1886 (google books)

  • Wielenga, Friso (2018): Geschichte der Niederlande, 3., überarb. und aktual. Aufl., Ditzingen: Philipp Reclam junior 2018, (= Reclams Ländergeschichten (S.15) (kindle Version)

• Geschichte der Niederlande vom 16. bis 18. Jahrhundert Überblick Zeittafel: Die Niederlande im Kampf gegen die spanischen Habsburger Die Burgundischen Niederlande unter Karl V. (1515-1556) Die Niederlande unter der Herrschaft Philipps II. bis zum Aufstand gegen die spanische Herrschaft ab 1566 Das Goldene Zeitalter der Niederlande im 17. Jahrhundert Der Niedergang der Niederlande im 18. Jahrhundert

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 21.12.2025

 
 

 
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