Im Oktober
• 1555 übertrug
»Karl V. (geb.
1500, 1516/19-56) seinem Sohn
»Philipp II. (geb.
1527, 1556-98) die Herrschaft über
die
Niederlande, der • 1556 auch die Herrschaft in den spanischen
Königreichen antrat. Mit seinem Vater trat auch dessen
Statthalterin in den Niederlanden »Maria
von Ungarn (1505-1558) • 1556
von ihrem Amt zurück, die es
verstanden hatte, durch eine geschickte Politik die Interessen
der niederländischen Stände und des Hauses Habsburg so
auszubalancieren, dass es zu keinen größeren Konflikten gekommen
war.
Mit der so genannten •
Pragmatischen Sanktion von 1549
hatte Karl V. dafür gesorgt,
dass die niederländischen Stände seinen Sohn Philipp nach seinem
Tod als legitimen Nachfolger anerkannt hatten.
Im Alter von 22
Jahren reiste Philipp, der in Spanien schon, seitdem er 16 Jahre
alt geworden war, für seinen ständig herumreisenden Vater in
Spanien Regierungsverantwortung getragen hat, in die
Niederlande, um auf Geheiß des Vaters seine dortigen Besitzungen
kennen zu lernen und sich als zukünftiger Landesherr huldigen zu
lassen: "Alle Städte, die der Prinz mit seinem Besuch beehrte,
zeigten sich von ihrer besten Seite: Sie warteten mit prächtigen
Empfängen auf, mit Umzügen, Theatervorführungen, Geschenken,
Lobeshymnen und selbstverständlich mit üppigen Festmählern, auf
denen gut und reichlich getrunken wurde. Der Bericht seines
Besuches von Antwerpen erschien im Druck auf Latein, Französisch
und Niederländisch. Die Niederlande müssen dem nüchternen,
genügsamen Prinzen wie ein Schlaraffenland vorgekommen sein. Auf
überreichliches Essen und Trinken verzichtete er, aber er sollte
ein Leben lang eine Vorliebe für die niederländische
Gartenkultur sowie für die Musik und die Malerei der
Nieder-Lande behalten." (van
der Lem 2016, S.27)
Doch aller absolutistischer Bestrebungen zum Trotz
konnte Philipp II. die Niederlande bis zum Ende seiner Herrschaft nicht
einfach von oben bis nach unten "durchregieren". Auch unter seiner Herrschaft
bleiben die »Spanischen
Niederlande "eine Bündelung
verschiedener Einheiten, zusammengefügt unter einer einzigen,
allgemeinen Verwaltung" (Wielenga
32018. S.22).
Die Niederlande waren zwar unter
die Herrschaft der spanischen Krone gekommen, deren Reich als Ganzes eine
dynastische Agglomeration (»composite
state, composite monarchy) war und sich aus verschiedenen
Staaten zusammensetzte,
behielten aber auch
weiterhin ein hohes Maß an politischer, gerichtlicher,
wirtschaftlicher und kultureller Heterogenität, mit der
umzugehen, sich Philipp II. schwer tat. Die Spannungen, die er
mit seiner Politik in den Niederlanden maßgeblich verantwortet
hat, gehören jedenfalls zu den wichtigsten Ursachen für den
späteren Aufstand gegen die Spanier in den Niederlanden.
»Philipp II. (geb. 1527, 1556-98) stand nach seinem
Machtantritt vor den Problemen, mit denen schon sein Vater »Karl V. (geb.
1500, 1516/19-56) zu
tun hatte: Das Credo und das Festhalten an der katholischen
Religion als "Kern einer spanischen Identität, die grundsätzlich
von allen Untertanen ungeachtet ihrer Sprache geteilt werden
konnte, und auch sollte" (Maissen
2013, S.38), die es mit allen Mitteln zu verteidigen galt,
war auch für ihn nicht nur eine Frage des Glaubens, sondern
letzten Endes auch der Staatsräson.
Er verschärfte die
Repressionspolitik gegenüber allen reformatorischen Einflüssen
im Land und ließ mit dem Mittel seiner Sondergerichte,
der »spanischen
Inquisition Hunderte so genannter Ketzer hinrichten und
suchte der Verbreitung ihrer Lehren mit einer scharfen Zensur
entgegenzuwirken. Darüber hinaus setzte er das Vorhaben seines
Vaters mit der Schaffung neuer Bischofsitze und der Einsetzung
von Bischöfen seiner Wahl großflächig in die Tat um und
erschloss sich damit neue eigene Finanzquellen. Ansonsten war es aufgrund der ständischen
Mitsprache (Beden) für den König schwer und vor allem mühsam, dauerhafte und verlässliche Steuereinnahmen in der von ihm
gewünschten Höhe zu erhalten.
Ein Dauerproblem für Philipp II. war die
Finanznot, die er von seinem Vater geerbt hatte und die
vor allem durch anhaltende Kriege mit Frankreich vor allem in
Italien (1556-59), aber auch im Norden Frankreichs und in
den Niederlanden, bei
dem es weiter um die Vorherrschaft in Europa ging (»Habsburgisch-französischer
Gegensatz 1516-1756), ständig größer wurde.
Nicht nur die
Kriegskosten selbst schossen immer weiter in die Höhe, sondern
auch die dauernden Aufwendungen für den Sold seiner Soldaten,
von denen nur ein vergleichsweise geringer Teil aus lehnsrechtlich-feudalen Verpflichtungen oder Aushebungen
stammte, verschlangen Unsummen. Bis zur Mitte des Jahrhunderts
verschlang der Zinsdienst fast die Hälfte und danach sogar zwei
Drittel der Staatseinkünfte. Und Frankreich, das sich weiterhin
geopolitisch in der Zange des »Hauses
Habsburg sah, gab keine Ruhe.
Karl V. hatte bei seiner Abdankung •
1555 sein
Herrschaftsgebiet zwischen seinem Sohn Philipp II. und seinem
Bruder »Ferdinand
I. (1503-1564, von 1558-64 »Kaiser
des »Heiligen
Römischen Reiches), der nach dem Tod ihres Großvaters
»Maximilian
I. (1459-1519) bei der
»Erbteilung
(1522) die »österreichischen
Erblande zugesprochen bekommen hatte, aufgeteilt. Dennoch
machten die österreichischen und spanischen Habsburger
machtpolitisch weiterhin gemeinsame Sache. Außerdem sorgten sie
durch Heiraten zwischen ihren beiden Familienzweigen dafür, dass
das Erbe der Dynastie zusammengehalten wurde.
Als Philipp II. die Herrschaft übernahm, gingen die
kriegerischen Auseinandersetzungen mit Frankreich, die nur kurz
durch einen brüchigen »Waffenstillstand
(1556) unterbrochen worden waren, in eine neue Runde. In den
neu aufflammenden Kampfhandlungen konnte Philipp II. die
Franzosen mit Hilfe von
»Lamoral Graf Egmont (1522-1568), den
Prinzen von Gaure in den »Schlachten von St. Quentin (1557)
und »Gravelingen (1558),
der die Reiterei befehligte,
für längere Zeit niederringen: Im • »Frieden von Chateau Cambrésis
im Frühjahr • 1559 musste Frankreich seine Ansprüche in Italien und
Burgund aufgeben. Im gleichen Jahr machte der spanische König den Grafen
Egmont, der sich schon in den Kriegen Karls V. ausgezeichnet
hatte und durch seine militärischen Siege zu einer Art Volksheld
geworden war, zum Statthalter von »Artois
und »Flandern,
der bedeutendsten Provinz der Niederlande.
Auch wenn es zunächst danach aussah, dass die
Beziehungen zwischen dem neuen König und den niederländischen
Ständen denen unter Karl V. ähneln würden, nahmen die
Spannungen zwischen beiden "Lagern" schon bald zu. Der ohnehin
als unnahbar geltende Philipp II. ((vgl.
Vogler 2003, S.78), der weder Niederländisch und Französisch
sprach, sammelte vor allem spanische Berater um sich, berief den
• Staatsrat, in dem
neben den Berufsbeamten auch niederländische Hochadelige
vertreten waren, nur noch selten ein und schritt bei der
Zentralisierung der Verwaltung in einer Weise voran, dass die
niederländischen Stände sich ernsthaft Sorge machten, nach und
nach und immer weiter als Zwischengewalten von ihrer Teilhabe an
der Herrschaft in den Niederlanden zurückgedrängt zu werden.
Die
unterschiedlichen Interessenlagen von König und Ständen in
einer für beide Seiten erträglichen Art und Weise
auszubalancieren, war jedenfalls Philipps II. Sache nicht, auch
wenn er auf der anderen Seite auch darauf angewiesen war, dass
die Stände in den Niederlanden, nicht zuletzt wegen seiner
außerordentlich großen Finanznot, kooperationsbereit blieben.
Im Jahr • 1559 verließ Philipp II., der im Gegensatz zu seinem
Vater in Spanien erzogen worden war und im Laufe seines Lebens
nur wenige Jahre am Brüsseler Hof verbracht hatte, die
Niederlande, um sich in Spanien inthronisieren zu lassen und
fortan sein Reich von Spanien aus zu regieren. Während seiner
Regierungszeit kehrte er nie mehr in die Niederlande zurück.

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Eine Zeitlang blieb die Frage der Generalstatthalter- bzw.
Regentschaft in den Niederlanden ungeklärt, bis Philipp II. noch
im Jahr • 1559 mit seiner Entscheidung, seiner Halbschwester »Margarete von Parma
(1522-1586) die Regentschaft über die ins spanische Reich
eingegliederten »Spanischen Niederlande übertragen, den spanischen Hochadel, von
denen sich auf Grund ihrer erworbenen Verdienste vor allem
»Graf Egmont (1522-1568) und »Wilhelm von Oranien (1553-1584) aus dem »Haus
Oranien-Nassau, der selbst kein Niederländer war,
Hoffnungen auf die Generalstatthalterschaft gemacht hatten.
Beide gehörten zudem dem elitären Kreis des
»Ordens des Goldenen Vlieses
an, dessen Großmeisterwürde Philipp II. •
1555 von seinem Vater
übertragen bekommen hatte.
Doch Philipp II. war wohl der Ansicht, dass er damit
die Machtposition der niederländischen Stände unnötigerweise
stärken würde. Er verraute wohl darauf, mit seiner Entscheidung,
den
heimischen Adel, den er sich schon mit den Statthalterposten in
den Provinzen dienstbar gemacht hatte, nicht über Gebühr
zu brüskieren oder war eben Machtmensch genug, deren Unmut
darüber auszuhalten. Vor allem aber wollte er wohl auch freie Hand
haben, mit einer ihm gegenüber dynastisch verbundenen und
loyalen Regentin seine weitergehenden Pläne auf dem Weg zum
Ausbau seiner Herrschaft in den Niederlanden umzusetzen.
Der habsburgische Fürst (Karl V., Philipp II.) hatte
zwar als Landesherr die Herrschaft über alle Provinzen, übertrug
aber aufgrund seiner Abwesenheit von Brüssel meistens einer Person aus
seiner Verwandtschaft die
Generalstatthalterschaft (Landvogt, Regent). Bei der Verwaltung der Provinzen war er bzw. der
Generalstatthalter darauf angewiesen, den ihm loyal
gegenüber eingestellten heimischen Adel in sein
Verwaltungssystem einzubinden. Ein stehendes Heer, das der
alleinigen Befehlsgewalt des Landesherrn unterstellt, die
Interessen des Landesherrn in jeden Winkel des Landes hätte
tragen und ggf. gewaltsam hätte absichern können, lag weder
weder finanziell, noch politisch im Bereich des Möglichen für
die habsburgischen Landesherrn, auch wenn, sehr zum Verdruss der
einheimischen Bevölkerung, nach den militärischen
Auseinandersetzungen mit Frankreich (•
1559) auch weiterhin
etwa 3.000
schlecht
bezahlte spanische Soldaten im Land waren, die oftmals meuterten
und wegen ihrer Plünderungen berüchtigt und verhasst waren. Erst
nach heftigen Beschwerden von Volk und Adel zog Philipp II. im
Oktober • 1561 diese Truppen zurück.
(vgl.
Ritter
1967, S.311, vgl.
Hoferer
1895, S.8)
In den
Provinzen wurde der König bzw. seine für ihn die Macht
ausübenden Regenten von Statthaltern vertreten, die aus dem
niederländischen Hochadel stammten und diese Funktion auch in mehreren Provinzen ausüben konnten. Die
Statthalter waren die Befehlshaber der Truppen in den Provinzen
und hatten für Wahrung der öffentlichen Ordnung zu sorgen. Wer
Statthalter war, "trug auch die Sorge für den Besitz des
Fürsten, für die Stellung der Kirche, und er spielte in einigen
Provinzen eine wichtige Rolle bei der Ernennung von städtischen
Amtsträgern. Selbstverständlich stand er in regelmäßigem Kontakt
mit Brüssel, sei es, um Rechenschaft abzulegen, beratend tätig
zu sein oder Anweisungen entgegenzunehmen." (Wielenga
32018. S.21)
Zudem war es
das Recht der Statthalter, die schon seit dem Mittelalter
bestehende Vertretung der Stände des Adel, des Klerus und
bestimmter Städte, die so genannten Provinzialstände einzuberufen.
Diese hielten ein
wichtiges Instrument zu einer gewissen Kontrolle des Landesherrn
in der Hand: das Steuerbewilligungsrecht. Der König
jedenfalls konnte von sich in den Niederlanden aus keine Steuern erheben,
die ihm direkt zugeflossen wären, sondern
musste stets über den Umweg der Stände dafür sorgen, dass ihm
die von ihm gewünschten Steuereinnahmen bewilligt wurden. Kein
Wunder daher, dass die Finanzfragen, wie eigentlich überall, wo
es dem modernen Absolutismus darum ging, "den im Lande
altherkömmlichen Partikularismus der Landschaften, die
Selbstherrlichkeit und Steuerscheu der Stände einzuschränken,"
um "die Kräfte des Landes schärfer als bisher einzuspannen für
den Dienst der Gesamtmonarchie" (Ritter
1967, S.308), zu einem ständigen Zankapfel zwischen der
Monarchie und den Ständen geworden sind.
Ursache dafür war vor
allem die anhaltende Finanznot des Königs, die schon unter Karl
V. groß gewesen war, sich aber Philipp II. als geradezu unlösbar
zeigte. Die Kosten der ganzen habsburgischen Expansion waren
gigantisch und die Kriege, die die Habsburger gegen Frankreich
und die Türken führten, verschlangen Riesensummen. Um wenigstens
halbwegs über die Runden zu kommen - lediglich zehn bis zwölf
Prozent der Ausgaben Philipps II. waren 1560 noch durch
Einnahmen gedeckt (vgl.
ebd.) - waren die Monarchen auch auf möglichst hohe
Steuereinkünfte aus den niederländischen Provinzen angewiesen.
Dabei hatten sie vor allem die sich stark entwickelnden
westlichen Provinzen um Antwerpen und Amsterdam im Auge.
Natürlich hätte
Philipp II. am liebsten ein zentralistisches Steuersystem
gehabt, aber dies ließ sich gegen den Widerstand, der auf ihre
fiskalische Selbständigkeit bedachten Stände nicht durchsetzen.
So galt in den Niederlanden weiterhin das aus den burgundischen
Niederlanden stammende System der so genannten
»Beden, was übersetzt etwa "inständige Bitten" bedeutet.
Danach forderte der Landesherr seine Provinzen in regelmäßigen
Abständen auf, Abgaben zu leisten. Allerdings war das ein
vergleichsweise zähes Verfahren, weil die Interessen beider sehr
unterschiedlich waren. Während es dem König darum ging, seine
allgemeine Finanznot zu lindern, hatten die Stände aus ihrer
regionalen und auf Bewahrung ihrer fiskalischen Selbständigkeit
bedingten Perspektive daran natürlich wenig Interesse. (vgl.
Wielenga
32018. S.19-20)
Hinzukam, dass
die Finanzlage des landesherrlichen Regiments in den
Niederlanden mindestens ebenso so schlecht war wie die der
spanischen habsburgischen Monarchie. So waren "fast alle Domänen
verkauft oder verpfändet, der Rest mit Schulden überhäuft, die
Verwaltung der 'Bede' in den Händen der Stände,
diese selbst durch Bürgschaften bei deutschen Bankhäusern schwer
belastet, die Bezahlung der Truppen, aber auch der Beamten mit
vielen Millionen im Rückstand, kein Geld vorhanden zur
Auszahlung der Gehälter, Pensionen, ja öfters nicht einmal zehn
Dukaten aufzutreiben zur Abfertigung eines Boten oder zur
Verfolgung und Verhaftung eines ketzerischen Predigers." (Ritter
1967, S.309)
So wenig in das
Machtkalkül Philipps II. eine Stärkung des in seinen Augen
ohnehin zu sehr auf seine Rechte, Privilegien und Pfründe
bedachten niederländischen Adels passte, so wenig wollte er aber
auch, dass seine Regentin zu sehr nach eigenen Maßstäben
regierte. Daher stellte er ihr den bei den Niederländern
schnell verhassten Bischof »Antoine
Perrenot de Granvelle (1517-86, seit 1661 Kardinal)
zur Seite, der die schon von Karl V. begonnene, aber kaum
vorangekommene Neuorganisation
der Bistümer, die zwischen ihm und »Papst Paul IV. (1476-1559, Papst
vom Mai 1555 an ) abgesprochen war, im Land durchsetzen und den antireformatorischen
Repressionskurs des spanischen Königs mit der Verschärfung der
Inquisition in den Niederlande auch dann garantieren sollte,
wenn sich die Regentin darin zögerlicher zeigen sollte.
Im Rahmen einer
Neueinteilung der niederländischen Bistümer wurden die siebzehn Provinzen
in einem insgesamt aber ziemlich zäh verlaufenden Prozess dabei in
drei Erzbistümer und diese wiederum in 15, diesen
Kirchenprovinzen untergeordnete Bistümer, so genannte »Suffragandiözesen,
aufgeteilt. Das Vorhaben stellte aus kirchlicher Sicht
durchaus einen Fortschritt dar, da die neu gebildeten
Erzbistümer zusammen in etwa das Territorium der siebzehn
Provinzen umfassten. In den Niederlanden stieß diese Neuorganisation
allerdings auf Ablehnung und den Widerstand unterschiedlicher
gesellschaftlicher Gruppe. Einer der
Gründe war der damit einhergehende Einflussverlust des
bisher lokal organisierten Klerus, weil ähnlich wie bei der
neuen Regierungselite, die mehr und mehr aus ausgebildeten
Juristen bestand, ein Erzbischof fortan eine theologische
Universitätsausbildung vorweisen musste und nicht einfach
aufgrund seiner Zugehörigkeit zum niederländischen Hochadel
das Amt antreten durfte. Zudem gingen dem Adel, da die die
Klöster (z. B. die reiche »Benediktinerabtei »Affligem) bei
der Neuorganisation den Bistümern zugeschlagen werden, viele
Pfründe verloren. In anderen Bevölkerungsschichten
befürchtete man, dass die von »Granvelle (1517-86),
der bei der Reform »Erzbischof
von Mechelen wurde und als Kardinal den kirchlichen
Primat in den Niederlanden erhielt, die zentralisierte
Kirchenorganisation und seine sehr einflussreiche Stellung
dazu benutzten würde, um die
spanische Repressionspolitik ganz im
Sinne seines spanischen Königs
»Philipp
II., (geb.
1527, 1556-98) gegenüber »Lutheranern,
»Wiedertäufern
und »Calvinisten
weiter zu verschärfen und mit der allgemein verhassten »Inquisition
noch härter gegen vermeintliche Ketzerinnen und Ketzer
vorzugehen.
Es verging kaum
ein halbes Jahr, nach der Ernennung von »Granvelle (1517-86, seit 1661 Kardinal)
zum
»Erzbischof
von Mechelen da beschwerten sich die
niederländischen Statthalter und Hochadeligen »Wilhelm von Oranien (1553-1584) (»Holland und
»Zeeland)
»Lamoral
Graf von Egmont (1522-1568), (»Artois
und »Flandern)
sowie
Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn
(1536-1558) (»Geldern
und »Zutphen)
in einem Brief an den spanischen König
»Philipp II.,
(geb. 1527, 1556-98) darüber, dass dieser sie mehr und mehr von der ihnen
zustehenden Mitregierung im •
Staatsrat,
ausgeschlossen habe.
Im März •
1563 schrieben die drei
niederländischen Statthalter
erneut einen Brief an an den spanischen König
»Philipp II.,
(geb. 1527, 1556-98), in dem sie gegen die Politik »Granvelles protestieren, um dessen Entlassung bitten
und sich weigern, weiterhin im •
Staatsrat
weiterhin mitzuarbeiten. Sie beteiligten sich durch eine an sich
harmlos wirkende symbolische Protestaktion gegen den inzwischen
allen Unmut über die spanische Politik in den Niederlande auf
sich ziehenden, dabei stets im Einvernehmen
»Philipp II. handelnden Erzbischof öffentlich zu
demontieren. Am Ende des Jahres mussten
alle ihre Bediensteten, angeblich aus Spargründen, mit einer
Livree aus einfachem grauen Stoff bekleiden, auf deren Ärmel
auf eine Idee »Egmonts
hin, eine Narrenkappe als Anspielung auf den »Kardiinalshut
(galero) »Granvelles
gestickt war, um zu demonstrieren, wohin dessen Politik geführt
habe. Außerdem beschlossen die niederländischen Hochadeligen,
sich zu einer
Liga nach französischem Vorbild (»Ligue
du Bien public, 1465) zusammenzuschließen und
sich künftig im •
Staatsrat abzustimmen. Sie wollten damit die Macht der
spanischen Regentin zurückdrängen und zu einer gemeinsamen
Regierung von König und Adel in den Niederlanden kommen.
Ein Jahr später
wurde »Granvelle
Mitte März • 1564, da
sich der Unmut über ihn
mehr und mehr auch gegen die Regentin »Margarete von Parma
(1522-1586) und die spanische Herrschaft in den Niederlanden richtete,
auf Gesuch der Regentin von
»Philipp II. aus den Niederlanden abberufen und verließ das
Land. Daraufhin nahmen auch die zeitweilig aus dem
niederländischen • Staatsrat
ausgetretenen niederländischen Hochadeligen »Wilhelm von Oranien (1553-1584)), »Lamoral
Graf von Egmont (1522-1568) und »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn
(1536-1558) wieder an seinen Beratungen teil,
stellten aber schnell fest, dass sich an dem harten
Repressionskurs der spanischen Regentin bei der in den
Niederlanden über alle Konfessionsgrenzen hinweg
verabscheuten Ketzerverfolgung nichts geändert hatte.
Am letzten Tag des Jahres •
1564 wagte sich »Wilhelm von Oranien (1553-1584)
im Herrschaftsgebiet eines Königs, für den die katholische
Religion und die katholische Glaubenseinheit Teil der
Staatsräson war (vgl.
Maissen
2013, S.38), bei einer Rede im •
Staatsrat weit vor.
Er missbilligte darin ausdrücklich die auch im »Heiligen
Römischen Reich seit dem »Augsburger
Religionsfrieden •
1555
geltende Praxis, bei der die Fürsten über die Religion ihrer
Untertanen bestimmten (»Cuius
regio, eius religio). Er plädierte damit in Anerkennung des
religiösen Status quo, dem Vorhandensein von orthodoxen
Katholiken, nur dem äußeren Anschein nach noch Katholiken, die
sich innerlich von der Kirche abgesetzt hatten, »Calvinisten
und »Wiedertäufern
im Land, für die Religionsfreiheit in den
Niederlanden und damit das Ende der Unterdrückung
Andersgläubiger.
In den Reihen der solchen Forderungen zuneigenden Hochadeligen
war man sich im Klaren, dass der spanische König
»Philipp II.,
(geb. 1527, 1556-98) eine dem gänzlich entgegengesetzte
Politik verfolgte. Dennoch reiste »Lamoral
Graf von Egmont (1522-1568) Anfang •
1565 an den spanischen Hof,
wo er während seine Aufenthaltes von Februar bis Anfang
April den spanischen König
»Philipp II.,
(geb. 1527, 1556-98) mehrmals traf. Er positionierte
sich dabei als
einer der Wortführer der Adelsopposition in den Niederlanden
und trug ihm seine Anliegen vor. Doch Philipp II. lehnte, auch wenn der Besuch Egmonts m Großen und Ganzen harmonisch verlief, die Wünsche der
Niederländer, wie kaum anders zu erwarten, rigoros ab.
Als Egmont im April • 1565 mit leeren Händen aus Spanien in die Niederlande
zurückkehrte, kam es im •
Staatsrat zum
Eklat. Dabei wurde die Unzufriedenheit noch zusätzlich dadurch
befeuert, der König im Mai erneut sechs »radikalreformatorische
»Wiedertäufer
hinrichten ließ, bei denen die Vollstreckung des Todesurteils
zuletzt ausgesetzt worden war. Der spanische König blieb
indessen von dieser Entwicklung unbeeindruckt. In Briefen, die
er im Oktober in
»Segovia
verfasste, wohin er sich immer wieder einmal zurückzog,
hielt er
kompromisslos auf der strengen Verfolgung der vermeintlichen
Ketzerinnen und Ketzer in den Niederlanden fest und setzte damit
der zeitweiligen Zurückhaltung seiner Regentin »Margarete von Parma (1522-1586)
ein Ende, die deshalb zusehends unter Druck geriet. Die
Konflikte blieben ungelöst und die Unzufriedenheit darüber zog
in den Niederlanden immer weitere Kreise.
Im Dezember
schlossen sich im Umfeld der Zusammenkünfte anlässlich der
Hochzeit des Sohnes von »Margarete von Parma (1522-1586)
zwanzig Angehörige des niederen Adels
zu einem
»Eidverbund
(Compromis) zusammen und wollten nach dem Scheitern von »Egmonts
Mission in Spanien gemeinsam gegen die
neuerlichen Erlasse des spanischen Königs
»Philipp
II. zur Intensivierung der Ketzerverfolgung ihre Stimme
erheben. Im April • 1566
übergab der »Eidverbund
(Compromis) der Adeligen unter Führung von »Heinrich
von Brederode (1531-1568) in einem feierlichen Zug von
zweihundert unbewaffneten Adeligen, die sich fortan »Geusen (Bettler) nannten,
der Statthalterin »Margarete von Parma (1522-1586)
eine Petition, in der sie um Nachsicht gegenüber
Andersgläubigen bitten und die Einberufung der Generalstände
der Niederlande fordern. Wenig später forderte eine kleine
Gruppe von zwölf Abgeordneten des niederen Adels in einem der
Regentin übergebenen Gesuch vollständige Religionsfreiheit und
sprachen sich für eine Regierung der populären und
einflussreichen Statthalter und niederländischen
Hochadeligen »Wilhelm von Oranien (1553-1584), »Lamoral
Graf von Egmont (1522-1568) und »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn
(1536-1558) aus. De Statthalterin sagte den »Geusen
ein gemäßigteres Vorgehen mit zumindest vorübergehender
Aussetzung der Inquisition gegen Andersgläubige zu und
verzichtete darauf, gegen die Mitglieder des »Eidverbunds
(Compromis) der Adeligen vorzugehen: Als Gegenleistung versprechen
die Mitglieder gegen die überall zunehmenden
calvinistischen »Heckenpredigten
einzuschreiten, Unruhen einzudämmen und
Bilderstürmer zu bestrafen.
Doch im August
verschärfte sich die Lage und die Entwicklung gewann eine neue
Dynamik, die nicht mehr allein in den Händen der spanischen und
niederländischen Obrigkeiten lag.
Mitte August kam
es zu einem gewalttätig verlaufenden »Bildersturm
radikaler »Calvinisten
auf katholische Kirchen und Klöster in »Flandern,
der sich in wenigen Tagen auf die
ganzen »Spanischen
Niederlande ausweitete und neben »Flandern
vor allem »Artois.
»Holland,
»Zeeland,
»Antwerpen
und »Groningen
traf. Vor allem die gewalttätigen Ausschreitungen der
Bilderstürmer, die in »Antwerpen
am 20.8, in »Gent
am 22.8. und wieder zwei Tage später in »Valenciennes,
in denen die katholischen Kirchen geplündert werden.
Angefangen haben die Bilderstürme dort, wo die ersten
größeren
calvinistischen »Heckenpredigten
stattgefunden hatten. Sie waren eine Zeit lang nächtliche
Gottesdienste fern von den katholischen Gotteshäusern, die
außerhalb von Städten und deren Gerichtsbarkeit, im Schutz von
Wäldern und Hecken, aber auch auf den Ländereien
sympathisierender Adeliger, die zum Teil viele Tausend Menschen
anzogen, die mit dem calvinistischen Glauben sympathisierten
oder einfach ihren Unmut über die katholische Kirche
ausdrückten. In der vergleichsweise kurzen Zeit, in der die
Regentin die endgültige Entscheidung
»Philipps
II. über die ihm vorgetragenen Gesuche der
Adelsopposition abwarte und den antireformatorischen
Repressionsdruck auf die Andersgläubigen zeitweise verringerte,
wurden Heckenpredigten zu öffentlichen Massenveranstaltungen,
die bis weit über zehntausende Personen zusammenbringen konnten.
Dies Tatsache allein musste in Brüssel und Madrid die
Alarmglocken läuten lassen. Dazu kam noch die für viele Menschen
äußerst prekäre soziale Lage, die nach einer Missernte und
fehlender Einfuhren des notwendigen Ostseegetreides wegen des
schwedisch-dänischen Krieges hungerten und/oder als Folge des
Handelskonflikt mit England, der die Zufuhr von Wolle
unterbracht, Opfer einer explodierenden Massenarbeitslosigkeit
in den vom Tuchhandel und der Tuchproduktion lebenden ländlichen
Gebiete wurden. Was hier zu brodeln begann, führte dazu, dass
sich gewalttätige Bilderstürmer mit Aktionen
vergleichsweise sicher wähnten. Und in der Tat sah die Mehrheit
der gläubigen Katholiken ihren Aktionen zunächst wohl
konsterniert, vielleicht sogar mit einem, je nach Ausmaß der
Ausschreitungen, gewissem Verständnis zu, zumal sie die
Unterdrückung der Calvinisten und Wiedertäufern im Rahmen der
Ketzerverfolgungen schon lange nicht mehr guthießen.

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Los ging es mit bilderstürmerischen Aktivitäten in den
Niederlanden im August 1566 in der Umgebung des flandrischen »Steenvoorde,
nahe der französischen Grenze, wo nach der Predigt eines
calvinistischen Priesters eine der Kapellen der Stadt geplündert
wurde. Dort hatten auch die ersten »Heckenpredigten
stattgefunden. Nach weiteren solchen Kirchenplünderungen in
der näheren Umgebung löste dieselbe Gruppe von Bilderstürmern am
15. August in »Ypern,
einer der wichtigsten und größten Städte in Flandern einen
weiteren Bildersturm aus. Bischof Martin Rythovius versuchte im
Vorfeld offenbar im Vorfeld der Ausschreitungen »Lamoral
Graf von Egmont (1522-1568), den Statthalter der
Provinz, zum Verbleib in der Stadt zu bewegen, um der drohenden
Plünderung der Kirchen entgegenzuwirken vermeiden. Doch einen
Tag, bevor es richtig losging, reiste dieser am 14. August um
die Mittagszeit ab. Am 16. August waren alle Klöster und Kirchen
in und um Ypern, einschließlich der Pilgerkirche in Beveren,
ausgeräumt.
Im weiteren Verlauf wurden am 18. August »Oudenaarde
in »Flandern
und am 20. August »Antwerpen
von Bilderstürmen heimgesucht. Schon tags zuvor waren dort
einige Jugendliche in die Kirche von Antwerpen eingedrungen und
hatten dort eine Marienstatue verhöhnt. Tags darauf drangen
erneut Bürger in die Kirche ein und begannen, sie zu plündern
und auszuräumen. Dabei sangen sie Psalmen, tranken den Messwein
und schmierten ihre Schuhe mit gesegnetem Öl ein. In den
nächsten zwei Tagen plünderten und zerstörten 20 bis 30
männliche Jugendliche und Männer die Einrichtungen von dreißig
weiteren Kirchen.
In »Gent,
das besonders unter der schlechten Versorgungslage litt, wurde dem
Magistrat am 22. August ein gefälschtes Schreiben von »Graf von Egmont (1522-1568)
vorgelegt, welches nicht nur die Zerstörung der Bilder erlauben
sollte, sondern auch gleichzeitig eine Wache für die
Ausführenden forderte. Beiden Anträgen wurde von Seiten des
Genter Magistrats stattgegeben. In der Nacht vom 22. auf den 23.
August kam es folglich zum Bildersturm in der Stadt. Als die
Ausführenden am nächsten Morgen aufgefordert wurden, diese zu
verlassen, waren die Einrichtungen von sieben Pfarrkirchen,
einer Stiftskirche, 25 Klöstern, zehn Armenhäusern und sieben
Kapellen zerstört. Dass der Magistrat auf die Fälschung
hereinfiel, hatte auch damit zu tun, dass solche Aktionen offenbar
oft auch mit Duldung und sogar Unterstützung von Adeligen
stattfanden.
In den nördlichen Territorien der Niederlande, mit Ausnahme
von »Zeeland
und »Utrecht,
verliefen kam es bei Bilderstürmen nicht zu vergleichbar starken
Unruhen.

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Die Unruhen,
die im Allgemeinen auf das Konto von kleinerer Gruppen gingen,
werden von den Statthaltern in den Provinzen niedergeschlagen
und die staatliche Ordnung auf diese Weise wiederhergestellt.
Auch »Lamoral
Graf von Egmont (1522-1568), der Statthalter von »Flandern
und »Artois
stellte sich dabei auf die Seite der
spanischen Regentin »Margarete von Parma (1522-1586)
und leistet den von den Provinzstatthaltern in spanischen
Diensten erwarteten Beitrag zur Bekämpfung der vielerorts aus
dem Ruder gelaufenen Unruhen, die neben religiösen
Gründen auch durch Hunger und Massenarbeitslosigkeit ausgelöst
worden waren. Im Auftrag des »Grafen
von Egmont erwarb sich dabei dessen Sekretär, der
niederländische Edelmann »Johannes
Casembroot (1526-1568), der selbst im Ruf stand zu den
Reformierten zu gehören, den Ruf, mit allen "Randalierern"
kurzen Prozess zu machen, denen er auf seinem Weg in das von
Aufrührern zeitweise beherrschte »Oudenaarde
in »Flandern,
wo er im Auftrag seines Herrn
die Ordnung mit seinen Soldaten wiederherstellte.
Unter dem
Eindruck der Unruhen sah sich auch »Margarete von Parma (1522-1586)
gezwungen, bis zur endgültigen Entscheidung
»Philipps II., wie mit den Rädelsführern, den
Beteiligten und Befürwortern der Unruhen sowie der Opposition
der niederen Adeligen und des Hochadels umgegangen werden
sollte, vorübergehend lutherische und calvinistische Predigten
zuzulassen. Sie erfüllte damit vorübergehend einer der Forderungen, die der »Eidverbund der Adeligen
und die solches ebenfalls unterstützenden Hochadeligen
soweit zu erfüllen, dass einer weiteren Eskalation der Wind aus
den Segeln genommen werden konnte. Und in der Tat löste sich der
Eidverbund daraufhin wieder auf.
In Spanien, wo
Briefe der Regentin schon Anfang September angekommen waren, in
denen sie
»Philipp II., ausführlich über den Bildersturm in den
Niederlanden unterrichtete, ließ man sich bis zum 22. September
1556 im spanischen Staatsrat Zeit, um sich der Sache zu
befassen. Der König, für den die katholische Glaubenseinheit
in seinem Herrschaftsgebiet weiterhin unverzichtbar war, vertraute in den
kontroversen Beratungen den Mitglieder des Staatsrates daher
denen, die für ein hartes, militärisches Durchgreifen in den
Niederlanden plädierten, weil sie andernfalls auch in den
habsburgischen Besitzungen in Italien eine ähnliche Entwicklung
heraufziehen sehen. Der
»Herzog
von Alba vertrat dabei die Überzeugung, die Niederlande nach seiner
Ankunft an der Spitze eines entsprechend starken Heeres
innerhalb eines halben Jahres zu "befrieden" und dabei mit
nicht mehr als ca. 800 Exekutionen seiner dortigen Gegner
auszukommen.
In den
Niederlanden trafen sich 3. Oktober 1566 von »Wilhelm von Oranien (1553-1584), »Lamoral
Graf von Egmont (1522-1568), »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn
(1536-1558) und
Ludwig von Nassau-Dillenburg (1538-1574), einem Anführer
der »Geusen, in
»Dendermonde.
Der Überlieferung nach
ging es bei dem Treffen auch über Möglichkeiten zum Aufstand gegen den spanischen König.
»Wilhelm
von Oranien hatte aber wohl, aus welchen Quellen auch immer,
erfahren, dass der spanischen König in jedem Fall plante, die Unruhen
in den Niederlanden militärisch endgültig beenden und sich
der führenden Köpfe der Adelsopposition zu entledigen. Es
ist anzunehmen, dass er die anderen mit seiner Warnung
auffordern wollte, sich in Sicherheit zu bringen, bevor es zu
spät war. Doch nicht bei allen fanden diese Warnungen offenbar
das gebührende Gehör.
»Philipp
II. betraute »Fernando
Álvarez de Toledo, 3. Herzog von Alba (1507–1582), meist nur
als »Herzog
von Alba bezeichnet) mit der Aufgabe, die (spanische)
Ordnung in den Niederlande mit militärischen Mitteln
wiederherzustellen. Da die Truppen dafür aber noch in Italien
standen, mussten sie erst unter erheblichem finanziellen und
logistischen Aufwand entlang der so genannten
»Spanischen
Straße über die Alpenpässe und das deutsch-französische
Grenzgebiet in die Niederlande geführt und auf dem Weg dahin
durch Anwerbung noch verstärkt werden. Daher kam das spanische
Heer Herr erst Mitte des nächsten Jahres •
1567 in den
Niederlanden an, wo sich die Lage schon seit geraumer Zeit,
nicht zuletzt durch erfolgreiche Militäreinsätze der Regentin,
wieder einigermaßen beruhigt hatte. Noch auf dem Marsch der
spanischen Truppen in die Niederlande hatte sie dem König und
dem »Herzog
von Alba geschrieben, dass das Heer in den Niederlanden
zur Stabilisierung der Lage gar nicht mehr benötigt werde.
Ehe der »Herzog
von Alba mit seinem Heer in den Niederlanden ankam,
verließ »Wilhelm von Oranien (1553-1584)
schon im April die Niederlande und zog sich auf die »Dillenburg,
den Stammsitz des »oranischen
Zweigs des »Hauses
Naussau in dem souveränen Fürstentum zurück. Ebenso floh
»Heinrich
von Brederode (1531-1568), einer Anführer des »Eidverbund
(Compromis) der Adeligen im selben Monat nach »Emden,
schon seit 1519 eines der Zentren der
Reformation. Anzunehmen, dass diesen Beispielen auch andere
folgten, die sich im benachbarten Ausland Hoffnung auf eine
Existenz machen konnten.
Am spanischen
Hof waren indessen die Würfel
über die Regentschaft »Margarete von Parmas (1522-1586) und die gewaltsame "Befriedung" der
Niederlande gefallen, als der »Herzog
von Alba am 22.8.1567 an der Spitze seines Heeres
in »Brüssel
einzieht und von diesem Tag die Regentin kaltstellte und
de facto entmachtete.
In den ersten
Wochen nach seiner Ankunft hielt sich der »Herzog
von Alba, der nun de facto Statthalter der Niederlande
geworden war, zurück und man konnte offenbar den Eindruck
gewinnen, er werde einen, wenngleich klaren, aber in der
Anwendung seiner Mittel doch einigermaßen moderaten Kurs
steuern. Im Nachhinein scheint dies aber nur Teil eines perfiden
Plans gewesen zu sein, Informationen über die Oppositionellen
aller Lager zu sammeln, seine faktischen und potentiellen Gegner
in Sicherheit zu wiegen und in seine Falle zu locken, um sie im
Anschluss daran umso härter verfolgen und auch gemäß seinem dem
König unterbreiteten "Masterplan" binnen kurzer Zeit
"liquidieren" zu können.
So machte auch
die Einsetzung des es »Rats
der Unruhen im September, in den neben spanischen Beamten
auch einige niederländische Adelige berufen werden, nicht sofort
darauf hin, dass er sehr bald zum wirksamsten Mittel der
Unterdrückung werden sollte. Allerdings ließen sich auch die
berufenen niederländischen Ratsmitglieder nicht einfach vor den
Karren spannen. Sie nahmen nie an seinen Beratungen nie
teil und verweigern schon bald auch ihre weitere Mitarbeit.
Der Rat der Unruhen, der von den
Niederländern bald als »Blutrat
bezeichnet wurde, ersetzte im Grund genommen die bis dahin
vorhandene Gerichtsbarkeit. Da »Herzog
von Alba alle, die an den Unruhen des vorigen Jahres
beteiligt gewesen waren, des Hochverrats bezichtigte, musste er
bei der Aburteilung seiner Gegner auf keinerlei Privilegien
Rücksicht nehmen. Allerdings durfte er mit seiner Verfolgung
Andersgläubiger auch die lutherisch-protestantischen Fürsten im
benachbarten »Heiligen
Römischen Reich so weit reizen, dass diese zuguterletzt in
den Konflikt eingriffen. Daher gab Alba seine Maßnahmen stets
als Kampf gegen Rebellen aus.
Der
Blutrat verhängte in der Folgezeit Tausende
von Todesurteilen, von denen 1037 tatsächlich vollstreckt
werden. Viele, die verurteilt wurden, entgingen der
Vollstreckung dadurch, dass sie rechtzeitig ins Ausland geflohen
waren. In weit über 10.000 Fällen verloren die
Verurteilten aber ihren gesamten Besitz, was dem spanischen
Regiment »Herzog
von Albas Finanzquellen erschloss, die der in ständiger
Finanznot befindlichen Herrschaft der spanischen Habsburger beim
Unterhalt der spanischen Truppen, die von den Niederländern
zusehends als Besatzungsarmee gesehen wurden, zugute kamen.
Am 9. September
holte »Herzog
von Alba aber schon zum Schlag gegen die führenden
oppositionellen Hochadeligen aus, die noch in den Niederlanden
geblieben waren und nicht wie z. B. »Wilhelm von Oranien (1553-1584)
und »Heinrich
von Brederode (1531-1568) sich durch Flucht aus den
Niederlanden rechtzeitig in Sicherheit gebracht hatten. Der neue
Machthaber in den Niederlanden lockte »Lamoral
Graf von Egmont (1522-1568), der den in diesem Jahr von der Regentin »Margarete von Parma (1522-1586)
geforderten neuerlichen Treueschwur geleistet hatte, und »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn
(1536-1558) unter einem Vorwand aus ihren Provinzen nach »Brüssel.
Dort ließ er beide festnehmen und für einige Monate in »Gent
einkerkern, ehe deren Sache vor dem »Blutrat
verhandelt wurde. Da der Blutrat beiden Hochverrat und
Majestätsbeleidigung vorwarf, auf beiden Vergehen die
Todesstrafe stand, waren die Aussichten vorn vornherein
schlecht, zumal den Angeklagten de facto die Möglichkeit
genommen worden war, sich mit Hilfe von Anwälten zu verteidigen.
Als »Margarete von Parma (1522-1586)
vier Tage später die Niederlande
verließ, nachdem der spanische König
»Philipp II.,
(geb. 1527, 1556-98) sie auf eigenen Wunsch hin von
ihrer Statthalterschaft entbunden hatte, kam es zu einer
regelrechten Fluchtwelle ins benachbarte Ausland. Zehntausende, meistens einfache Leute, die Anhänger des neuen
Glaubens waren, flohen entweder nach Deutschland oder England.
Andere flüchten in die Wälder Flanderns (Waldgeusen) oder auch auf
das hohe Meer (»Wassergeusen),
um von dort als Seeräuber noch eine längere Zeitlang alle
Schiffe zu kapern, derer sie Herr werden konnten.
»Lamoral
Graf von Egmont (1522-1568) und »Philipp von Montmorency, Graf von Hoorn
(1536-1558) half nicht, dass sie Ritter
des »Ordens des Goldenen Vlieses,
waren, der, so seine Bestimmungen, die ihm angehörigen
Mitglieder eigentlich nur der Gerichtsbarkeit der Gesamtheit
seiner Mitglieder warf. Und auch militärische Aktionen der beiden Brüder »Wilhelms von Oranien (1553-1584) »Ludwig von Nassau-Dillenburg (1538-1574)
und »Adolf
von Nassau (Oranien) (1540-1568), die am 23.5. ein spanisches
Heer in der »Schlacht
bei Heiligerlee schlugen, konnten das Blatt nicht
wenden, zumal der militärische Erfolg nur von kurzer Dauer
gewesen ist. Im Gegenteil: mit dem wenige Tage später bis auf
die Grundmauern vorgenommen Abriss des Palast des Grafen Culemborg in »Brüssel
in dem • 1566 der Verbund der
»Geusen
geschlossen worden war, machte »Herzog
von Alba deutlich wer das Sagen hatte. Am 1.6. ließ er auf dem Pferdemarkt von »Brüssel
die ersten 19 niederländischen Adeligen hinrichten. Vier
Tage später, am 5.6. wohnte er persönlich der Hinrichtung der
Grafen
»Egmont und »Hoorn bei, die drei Tage zuvor wegen Hochverrats und
Majestätsbeleidigung vom »Rat
der Unruhen (Blutrat) zum Tode verurteilt worden und danach von
»Gent
nach »Brüssel
gebracht worden waren. Die beiden niederländischen
Hochadeligen wurden auf dem Markplatz (»Grote
Markt) öffentlich enthauptet und ihre abgeschlagenen
Köpfe auf Pfählen aufgespießt und zur Schau gestellt.
Auch »Johannes
Casembroot (1526-1568), der Sekretär des »Grafen
von Egmont, wird Mitte September vom »Rat
der Unruhen (Blutrat), der ihn am 9.9.1567 festnehmen
und
foltern lässt, um von ihm mögliche geheime Pläne seines
Herrn zu erfahren, zum Tode verurteilt lässt und
im »Kastell
von Vilvoorde hingerichtet; •
1566
war er noch im Auftrag
seines Herrn bei der Niederschlagung der Unruhen in »Flandern
besonders kompromisslos vorgegangen;
In den Folgejahren ebbten die militärischen Aktionen, die
mal dieser, mal jener Seite kurzfristig zu einem Erfolg
verhalfen, nicht ab und »Herzog von Alba,
der ursprünglich ja davon ausgegangen war, er werde die
Niederlande binnen eines halben Jahres mit seinen drakonischen
Maßnahmen in die Knie zwingen, hat wohl allmählich erkannt, dass
seine "Mission" nicht den gewünschten Erfolg brachte. Aber auch
seine Gegner konnten lange keine wirklich nennenswerten
strategischen Vorteile auf dem Schlachtfeld erringen.
Insbesondere die gescheiterten Invasionen der Jahre •
1568 und •
1572, die »Wilhelm von Oranien (1553-1584)
mit seinen zum Teil staatlichen Heeren unternommen hatte,
brachten nicht die erhoffte Wende. Nicht zuletzt fehlte ihm
einfach auch das Geld, ein Söldnerheer länger zu bezahlen, zumal
die niederländischen Städte, auf deren Unterstützung er gesetzt
hatte, offenbar aus Angst vor Strafaktionen der spanischen
Truppen sich zunächst nicht auf seine Seite stellten. Die Angst
hatte ihren Grund: Im Juli • 1572 ging »Herzog
von Alba militärisch gegen aufständischen Städte vor und ließ im Gegensatz zu seinen Versprechungen
alle 700 Einwohner des kleinen Festungsstädtchens »Naarden
bei »Amsterdam
nach ihrer freiwilligen Kapitulation ermorden. Allerdings
trugen solche Massaker nun aber dazu bei, dass die
Widerstandbereitschaft der aufständischen Städte eher stärker
wurde. Nicht zuletzt ihre besonders aufwändigen und vor allem äußerst kostspieligen
Belagerungen überforderten den spanischen Finanzhaushalt und
trugen dazu bei, dass in Spanien der Staatsbankrott
erklärt wurde. Damit schwanden natürlich auch die Mittel des »Herzos von Alba,
der schon • 1571
vergeblich versucht hatte, direkte Steuern zu erheben.
Der »Herzog von Alba
wurde am 18.12.1573 auf eigenen Wunsch vom spanischen
König
»Philipp II.,
(geb. 1527, 1556-98) als Statthalter der Niederlande
abgelöst. Ihm folgte »Don Luis de Requesens y Zúiga (1528-1576) als
Statthalter nach, der zu Behebung der Finanznot in Spanien
und in den Niederlanden von den Ständen eine jährlich Zahlung
von 2.000.000 Gulden, fordert um die 86.000 Soldaten, die sich
1574 in den Niederlanden befinden, aushalten zu können.
• 1579 schlossen sich im
Zuge der weiteren Entwicklung die sieben nördlichen Provinzen »Geldern, »Holland, »Zeeland, »Utrecht, »Friesland, »Overijssel
und »Gronigen
zur »Utrechter
Union zusammen, der sich im Laufe der Zeit zahlreiche
Städte im Norden und Süden anschlossen. Dieser Zusammenschluss
gilt als Beginn der »Republik
der Sieben Vereinigten Niederlande, die sich mit dem »Plakkaat
van Verlatinghe •
1581 für
unabhängig erklärten. Zur Begründung für diesen Schritt
führten sie an, dass der spanische König als Landesherr versagt
habe, weil er seine Untertanen nicht vor Ungerechtigkeit,
Schaden und Gewalt bewahrt und weil er die Rechte seiner
Untertanen verletzt habe, insbesondere durch Missachtung des
»Großen
Privilegs. Gleichzeitig übertrugen sie »Wilhelm von Oranien (1553-1584)
die Statthalterschaft. Am 10.7.1584 wird »Wilhelm von Oranien (1553-1584)
ermordet.
Rechtlich verbindlich wurde das Lossagen von der spanischen
Herrschaft aber erst am Ende des »Achtzigjährigen
Krieges (1568–1648) • 1648
mit dem »Westfälischen
Frieden, der der »Republik
der Sieben Vereinigten Niederlande die rechtlich verbindliche
Unabhängigkeit von den »spanischen
Habsburgern bringt;