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Geschichte der Niederlande vom 16. bis 18. Jahrhundert

Das Goldene Zeitalter der Niederlande im 17. Jahrhundert

Heinrich von Kleist«  – Der zerbrochne KrugHistorischer Hintergrund

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) Überblick Biografie Erzählende Texte Dramatische Texte Überblick Der zerbrochne Krug Gesamttext (Rechercheversion) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Historischer Hintergrund Überblick [ • Geschichte der Niederlande vom 16. bis 18. Jahrhundert Überblick Zeittafel: Die Niederlande im Kampf gegen die spanischen Habsburger Die Burgundischen Niederlande unter Karl V. (1515-1556) Die Niederlande unter der Herrschaft Philipps II. bis zum Aufstand gegen die spanische Herrschaft ab 1566 Das Goldene Zeitalter der Niederlande im 17. Jahrhundert Der Niedergang der Niederlande im 18. Jahrhundert  ] Sexualität und ihre Normen in der Frühen Neuzeit Literaturgeschichtlicher Kontext Entstehungsgeschichte
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Heinrich von Kleists (1777-1811) zwischen 1802 und 1806 verfasste • Komödie • "Der zerbrochne Krug" nimmt auf unterschiedliche Art und Weise auf verschiedene historische Kontexte Bezug, die damit zum • historischen Hintergrund des Stückes zählen. Einer dieser historischen Kontexte stellt die • Geschichte der Niederlande im 16., 17. und 18. Jahrhundert dar.

Der wirtschaftliche und machtpolitische Aufstieg der Niederlande

Die in der »Utrechter Union zusammengeschlossenen nördlichen niederländischen Provinzen, die sich 1579 für unabhängig von den »spanischen Habsburgern erklärt hatten, waren am am Ende des »Achtzigjährigen Krieges (1568–1648) 1648 mit dem »Westfälischen Frieden als »Republik der Sieben Vereinigten Niederlande in fixierten Grenzen völkerrechtlich anerkannt.

Die Republik war ein Staatenbund ohne monarchische Spitze und damit ein Gebilde, das angesichts der sich in vielen anderen Staaten unter dem Absolutismus vollziehenden Entwicklung zum modernen Staat ein auf den ersten Blick wenig für die Zukunft aufgestelltes politisches und gesellschaftliches Gebilde.


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Die Souveränität übten die Provinzen aus mit ihren aus ihnen entsandten ständischen Vertretern in den "Generalständen" bzw. den "Generalstaaten", die das wichtigste Organ des Gesamtstaates darstellten. Dabei wurde der Begriff der Generalstaaten oft synonym für die republikanische Staatsform verwendet. Ein Staatsrat, der sich vor allem um die Finanzen und die auswärtige Politik kümmerte, eine Statthalter, der "eigentlich nicht mehr als ein Beamter im Dienst der Stände einer jeden Provinz" war, aber "durch seinen fürstlichen Rang und die Abstammung aus dem Hause der Oranier ein quasimonarchisches Ansehen" (North 22003, S.39) genoss, und ein so genannter "Ratspensionär" oder Landesadvokat der Provinz Holland waren die wichtigsten exekutiven Organe, die den Willen der Generalstaaten in die politische Praxis umsetzten.

Die wirtschaftlich bedeutenden Niederlande, eine der am dichtesten besiedelten und am stärksten urbanisierten Regionen Westeuropas stiegen im frühen 17 Jahrhundert zu einer Großmacht auf und wurden zu einer "Drehscheibe der Weltwirtschaft" (ebd. S.43) Bei seinem Aufstieg vermochte es  das Machtvakuum dieser Zeit für sich zu nutzen.


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Allerdings wurde dieser Aufstieg in der zweiten Jahrhunderthälfte durch England und Frankreich bedroht. Die Generalstaaten mussten ihre Position in Seekriegen gegen England (1653-54 und »1665-67 vor allem in den Kolonien) verteidigen. Dabei ging es auch um das Monopol des Sklavenhandels mit Westindien, das die Generalstaaten innehatten. In der Schlacht von Chatham 1667, bei der die stark ausgebaute und überlegene holländische Flotte auf der Themse einen Sieg davontrug, zwang man diesen Widersacher für kurze Zeit nieder, war aber klug genug, den Sieg angesichts der Rivalität mit Frankreich nicht voll auszukosten. So waren die Niederlande bestrebt, "die gefährlichsten Streitpunkte zu beseitigen, und traten deshalb in Nordamerika die Neuniederlande mit Neu Amsterdam, dem künftigen New York, an Endland ab." (ebd. S.42) Dennoch kam es 1672-74 wieder zu einem »Dritten Englisch-Niederländischen Krieg, bei dem die Niederlande in einem Mehrfrontenkrieg - England hatte sich in einer Geheimallianz mit dem französischen König Ludwig XIV. (1643-1715) verbündet - sogar gezwungen war, die Deiche zu öffnen, mit der Folge, dass große Teile des flachen Landes überflutet und der Vormarsch französischer Truppen aufgehalten werden konnte. Nach dem Ende der Kampfhandlungen und der Wiedereinsetzung der Oranier als Statthalter heiratete »Wilhelm III. von Oranien (1672-1702) die Nichte des englischen Königs »Maria (Stuart) (1667-1694) und besiegelte damit ein niederländisch-englisches Verteidigungsbündnis, das "zum Zentrum der antifranzösischen Koalitionen" (ebd., S.43) der nächsten Zeit wurde.

Wirtschaftlich gesehen waren die Niederlande die am meisten prosperiende Region dieser Zeit in Europa. Die Landwirtschaft wurde modernisiert und mit dem Anbau neuer Feldfrüchte und dem Einsatz modernerer landwirtschaftlicher Techniken immer stärker modernisiert. Dies und die beständige Einfuhr von billigem Brotgetreide aus dem Ostseeraum führte zu einer Freisetzung von Arbeitskräften aus dem Agrarsektor einschließlich der Heringsfischerei, die fortan in den wachsenden Wirtschaftsbereichen von Gewerbe und Dienstleistungen tätig werden konnten. im 17. Jahrhundert arbeiteten nur noch 20 bis 30 Prozent der Menschen in der Landwirtschaft, während rund 40 Prozent im Gewerbe, allem voran in der Textilherstellung tätig waren. (ebd., S.45f.) Der Dienstleistungssektor, also alle wirtschaftlichen Tätigkeiten und Prozesse, die mit Schifffahrt, Handel und Finanzen zusammenhängt, wurde, zumindest nach Anzahl seiner Beschäftigen, der wichtigste Sektor und "ermöglichte die Vormachtstellung der Niederlande im Welthandel." (ebd., S.47) Auf allen Weltmeeren waren niederländische Schiffe mit ihrer robusten Bauweise, Seetüchtigkeit und Schnelligkeit unterwegs und bildeten die Achillesferse des holländischen Außenhandels nahezu mit jedem Winkel der Welt. Mit Beginn des 17. Jahrhunderts bauten die Generalstaaten ihren Handel mit West- und Ostindien sowie Afrika systematisch aus und drangen damit in die Sphären der von Spanien und Portugal im • Vertrag von Tordesillas (1498) aufgeteilten Welt vor. Ihre privat finanzierten • Ostindienkompanien, scheuten dabei keinen Konflikt mit den beiden alten Kolonialmächten: Sie kaperten die aus Mexiko kommende spanische Silberflotte, um ihre Kassen zu füllen (1628) oder vertrieben die Portugiesen aus dem brasilianischen Pernambuco (Recife), dem Zentrum des Zuckerhandels, und sicherten sich so die Kontrolle über den weltweiten Zuckerhandel.

Die 1602 gegründete »Niederländische Ostindien-Kompanie (niederländisch Vereenigde Oostindische Compagnie;abgekürzt VOC) war eine Ostindien-Kompanie, die zu einem der größten Handelsunternehmen des 17. und 18. Jahrhunderts wurde. Sie erhielt von den Generalstaaten Handelsmonopole sowie Hoheitsrechte in Landerwerb, bei der Kriegsführung und dem Festungsbau, durfte Soldaten anwerben und sogar mit ausländischen Herrschern Verträge abschließen. (ebd., S.59) Die konzessionierte Aktiengesellschaft hatte ihren Hauptsitz in »Amsterdam und »Middelburg. Das Hauptquartier der Handelsschifffahrt befand sich in »Batavia, Heute ist es unter dem Namen »Jakarta, der ehemaligen Hauptstadt der »Republik Indonesien bekannt. Die Stadt liegt an der Nordküste »Javas, an einer gut geschützten Bucht, in einer flachen und an manchen Stellen morastigen Umgebung, durchzogen von Kanälen und Flüssen. Batavia bestand aus einer Altstadt im tiefsten und ungesunden Teil und einer etwas höher gelegenen Neustadt im modernen Stil. Zur Zeit der Niederländischen Ostindien-Kompanie zählte Batavia 30.000 bis 50.000 Einwohner.

Batavia war Sitz des Generalgouverneurs, des obersten Befehlshabers der VOC in Asien sowie der so genannten Hohen Regierung (Raad van Indië), der die ranghöchsten Vertreter des kaufmännischen Personals, des Militärs und der Rechtsprechung in Asien angehörten. Von Batavia aus kontrollierte die VOC den gesamten Gewürzhandel mit Asien. Die Kolonialherrschaft der VOC war verbunden mit zahlreichen Verbrechen. So fand 1621 auf Anweisung des niederländische Generalgouverneur von Batavia, Jan Pieterszoon Coen (1587-1629), ein systematischer Völkermord an der der Bevölkerung der Banda-Inseln statt, der 15.000 Menschen kostete (vgl. Driessen 2009, S.70) und damit fast die gesamte Bevölkerung der Inseln umfasste. Zuvor hatte sich die einheimische Bevölkerung geweigert und gewehrt, dem Monopol zuzustimmen. (vgl. Pioch 2013) Nach dem Pogrom wurde die Insel in Parzellen aufgeteilt und diese Parzellen Niederländern als Eigentum überlassen. Die neuen Besitzer bevölkerten die Insel nun mit Sklaven, um mit diesen eine Plantagenwirtschaft für Gewürze aufzubauen. Die Gewürze wurden als Gegenleistung für das kostenlos überlassene Land mit einem Festpreis an die VOC verkauft. (vgl. Wikipedia)

Die gesellschaftliche Entwicklung der Niederlande

Die Niederlande war auf dem Weg von der Ständegesellschaft hin zur bürgerlichen Gesellschaft schon im 17. Jahrhundert so weit vorangekommen wie kein anderes Land in Europa. "Hier herrschten," wie North (22003, S.57) resümmiert, "kein König, kein Adel und kein Klerus, sondern hier bestimmten die Angehörigen der Regenten- und der Oberschicht, d. h. Bürger, das politische und gesellschaftliche Leben." Und auch die Mittelschichten waren in mittleren und kleineren Städten an den politischen Entscheidungen beteiligt.

Die Generalstaaten waren bei der Urbanisierung weit an der Spitze, denn schon fast die Hälfte seiner insgesamt etwa 2 Millionen Einwohner*innen lebten schon in Städten. Im Gegensatz zu den anderen europäischen Staaten war der Einfluss des Adels gering und im 18. Jahrhundert zählte man noch ganze sieben Adelsfamilien.

Auf dem Land bewirtschafteten die Bauern, allerdings nicht in allen Provinzen, zum Teil schon über 40 Prozent des genutzten Landes selbst, konnten über ihr Land und das, was es einbrachte, frei von grundherrlichen Belastungen verfügen. Dies und die eine allgemein günstige Agrarkonjunktur führte zu einer Intensivierung und einem Produktivitätszuwachs in der Landwirtschaft, was auch die ländliche Einkommensentwicklung positiv beeinflusste. Die Bauern, die es sich leisten konnten, investierten ihr überschüssiges Geld in Statussymbole der Zeit, in große Eichentruhen, Gardinen und Teppiche, aber auch goldene und silberne Schnallen, Knöpfe, Becher und Löffel. (vgl. North 22003, S.55)

Auch in den Städten nahm der Wohlstand zu. An der Spitze der städtischen Gesellschaft standen der Adel und die Regenten. Ihnen folgten von oben nach unten reiche Kaufleute, Reeder, Unternehmer und hohe Offiziere. Danach kamen die Mittelschichten, die aus Handwerksmeistern, größerem Händlern, Schiffern, niederen Offizieren, kleinen Beamten, Kleinhändlern und Handwerkern bestanden. Zu den Unterschichten zählten Lohnarbeiter, Seeleute, Soldaten sowie die sozialen Randgruppen der Landstreicher, Bettler, Invaliden usw. (vgl. ebd.)

Auch noch im frühen 17. Jahrhundert wurden die konfessionellen Verhältnisse in den Niederlanden von der niederländischen reformierten Kirche bestimmt, auch wenn die Calvinisten noch nicht in der Mehrheit waren und wohl kaum über 30 Prozent der Gläubigen in den Generalstaaten ausmachten. (vgl. ebd., S.58) Allerdings standen ihnen alle Privilegien bei der Religionsausübung zu, während den Katholiken, den Mennoniten und den Lutheranern seit 1581 schon die öffentliche Religionsausübung untersagt war. Infolgedessen brachen auch immer wieder gewaltsame religiöse Auseinandersetzungen aus. Am Ende ließ sich aber in den Generalstaaten kein einheitliches obrigkeitliches Kirchenregiment durchsetzen und der Ruf nach religiöser Toleranz nahm so weit zu, dass die Republik ab 1630 ein deutlich tolerantes Gesicht in Religionsfragen zeigte und die Niederlande eine Multikonfessionalität erlangte, "die von in- und ausländischen Zeitgenossen [...] zum Charakteristikum der Niederlande" (vgl. ebd., S.59) verklärt wurde.

• Geschichte der Niederlande vom 16. bis 18. Jahrhundert Überblick Zeittafel: Die Niederlande im Kampf gegen die spanischen Habsburger Die Burgundischen Niederlande unter Karl V. (1515-1556) Die Niederlande unter der Herrschaft Philipps II. bis zum Aufstand gegen die spanische Herrschaft ab 1566 Das Goldene Zeitalter der Niederlande im 17. Jahrhundert Der Niedergang der Niederlande im 18. Jahrhundert

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 21.02.2026

    
   Arbeitsanregungen:
  1. Wie und wann wurden die Niederlande als unabhängiger Staat völkerrechtlich anerkannt?
  2. Wie war die politische Struktur der Republik der Sieben Vereinigten Niederlande organisiert, und welche Rolle spielten die Generalstaaten?
  3. Welche Faktoren trugen im 17. Jahrhundert zum wirtschaftlichen Aufstieg der Niederlande bei?
  4. Welche Bedeutung hatte die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC) für den niederländischen Welthandel und die Kolonialherrschaft?
  5. Welche gesellschaftlichen Gruppen bestimmten das politische und wirtschaftliche Leben in den Niederlanden, und wie war die soziale Hierarchie aufgebaut?
  6. Wie unterschieden sich die religiösen Verhältnisse in den Niederlanden von denen anderer europäischer Länder, und welche Rolle spielte religiöse Toleranz?
  7. Welche Konflikte und Herausforderungen bedrohten den niederländischen Aufstieg im 17. Jahrhundert, insbesondere im Verhältnis zu England und Frankreich?
 
 
 

 
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