Die in der »Utrechter
Union zusammengeschlossenen nördlichen niederländischen
Provinzen, die sich 1579 für unabhängig von den »spanischen
Habsburgern erklärt hatten, waren am am Ende des »Achtzigjährigen
Krieges (1568–1648) 1648
mit dem »Westfälischen
Frieden als »Republik
der Sieben Vereinigten Niederlande in fixierten Grenzen
völkerrechtlich anerkannt.
Die Republik war ein Staatenbund ohne monarchische Spitze und damit
ein Gebilde, das angesichts der sich in vielen anderen Staaten unter
dem Absolutismus vollziehenden Entwicklung zum modernen Staat ein
auf den ersten Blick wenig für die Zukunft aufgestelltes politisches
und gesellschaftliches Gebilde.

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Die Souveränität übten die Provinzen aus mit ihren aus ihnen
entsandten ständischen Vertretern in den "Generalständen" bzw. den
"Generalstaaten", die das wichtigste Organ des Gesamtstaates
darstellten. Dabei wurde der Begriff der Generalstaaten oft synonym
für die republikanische Staatsform verwendet. Ein Staatsrat, der
sich vor allem um die Finanzen und die auswärtige Politik kümmerte,
eine Statthalter, der "eigentlich nicht mehr als ein Beamter im
Dienst der Stände einer jeden Provinz" war, aber "durch seinen
fürstlichen Rang und die Abstammung aus dem Hause der Oranier ein
quasimonarchisches Ansehen" (North
22003, S.39) genoss, und ein so genannter
"Ratspensionär" oder Landesadvokat der Provinz Holland waren die
wichtigsten exekutiven Organe, die den Willen der Generalstaaten in
die politische Praxis umsetzten.
Die wirtschaftlich bedeutenden Niederlande, eine der am dichtesten
besiedelten und am stärksten urbanisierten Regionen Westeuropas stiegen im frühen 17
Jahrhundert zu einer Großmacht auf und wurden zu einer "Drehscheibe
der Weltwirtschaft" (ebd.
S.43) Bei seinem Aufstieg vermochte es das Machtvakuum dieser Zeit
für sich zu nutzen.

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Allerdings wurde dieser Aufstieg in der zweiten
Jahrhunderthälfte durch England und Frankreich bedroht. Die
Generalstaaten mussten ihre Position in
Seekriegen gegen England (1653-54
und »1665-67
vor allem in den Kolonien) verteidigen. Dabei ging es auch um das
Monopol des Sklavenhandels mit Westindien, das die Generalstaaten
innehatten. In der Schlacht von Chatham 1667, bei der die stark
ausgebaute und überlegene holländische Flotte auf der Themse einen
Sieg davontrug, zwang man diesen Widersacher für kurze Zeit nieder,
war aber klug genug, den Sieg angesichts der Rivalität mit
Frankreich nicht voll auszukosten. So waren die Niederlande
bestrebt, "die gefährlichsten Streitpunkte zu beseitigen, und traten
deshalb in Nordamerika die Neuniederlande mit Neu Amsterdam, dem
künftigen New York, an Endland ab." (ebd.
S.42) Dennoch kam es 1672-74 wieder zu einem »Dritten
Englisch-Niederländischen Krieg, bei dem die Niederlande in
einem Mehrfrontenkrieg - England hatte sich in einer Geheimallianz
mit dem französischen König
Ludwig XIV. (1643-1715) verbündet - sogar gezwungen war, die
Deiche zu öffnen, mit der Folge, dass große Teile des flachen Landes
überflutet und der Vormarsch französischer Truppen aufgehalten
werden konnte. Nach dem Ende der Kampfhandlungen und der
Wiedereinsetzung der Oranier als Statthalter heiratete »Wilhelm
III. von Oranien (1672-1702) die Nichte des englischen Königs »Maria
(Stuart) (1667-1694) und besiegelte damit ein
niederländisch-englisches Verteidigungsbündnis, das "zum Zentrum der
antifranzösischen Koalitionen" (ebd.,
S.43) der nächsten Zeit wurde.
Wirtschaftlich gesehen waren die Niederlande die am meisten
prosperiende Region dieser Zeit in Europa. Die Landwirtschaft wurde
modernisiert und mit dem Anbau neuer Feldfrüchte und dem Einsatz
modernerer landwirtschaftlicher Techniken immer stärker
modernisiert. Dies und die beständige Einfuhr von billigem
Brotgetreide aus dem Ostseeraum führte zu einer Freisetzung von
Arbeitskräften aus dem Agrarsektor einschließlich der
Heringsfischerei, die fortan in den wachsenden Wirtschaftsbereichen
von Gewerbe und Dienstleistungen tätig werden konnten. im 17.
Jahrhundert arbeiteten nur noch 20 bis 30 Prozent der Menschen in
der Landwirtschaft, während rund 40 Prozent im Gewerbe, allem voran
in der Textilherstellung tätig waren. (ebd.,
S.45f.) Der Dienstleistungssektor, also alle wirtschaftlichen
Tätigkeiten und Prozesse, die mit Schifffahrt, Handel und Finanzen
zusammenhängt, wurde, zumindest nach Anzahl seiner Beschäftigen, der
wichtigste Sektor und "ermöglichte die Vormachtstellung der
Niederlande im Welthandel." (ebd.,
S.47) Auf allen Weltmeeren waren niederländische Schiffe mit ihrer
robusten Bauweise, Seetüchtigkeit und Schnelligkeit unterwegs und
bildeten die Achillesferse des holländischen Außenhandels nahezu mit
jedem Winkel der Welt. Mit Beginn des 17. Jahrhunderts bauten die
Generalstaaten ihren Handel mit West- und Ostindien sowie Afrika
systematisch aus und drangen damit in die Sphären der von Spanien
und Portugal im •
Vertrag von Tordesillas (1498) aufgeteilten Welt vor. Ihre
privat finanzierten •
Ostindienkompanien, scheuten dabei keinen Konflikt mit den
beiden alten Kolonialmächten: Sie kaperten die aus Mexiko kommende
spanische Silberflotte, um ihre Kassen zu füllen (1628) oder
vertrieben die Portugiesen aus dem brasilianischen Pernambuco (Recife),
dem Zentrum des Zuckerhandels, und sicherten sich so die Kontrolle
über den weltweiten Zuckerhandel.
Die 1602 gegründete »Niederländische
Ostindien-Kompanie (niederländisch Vereenigde Oostindische
Compagnie;abgekürzt VOC) war eine Ostindien-Kompanie, die zu
einem der größten Handelsunternehmen des 17. und 18. Jahrhunderts
wurde. Sie erhielt von den Generalstaaten Handelsmonopole sowie
Hoheitsrechte in Landerwerb, bei der Kriegsführung und dem
Festungsbau, durfte Soldaten anwerben und sogar mit ausländischen
Herrschern Verträge abschließen. (ebd.,
S.59) Die konzessionierte Aktiengesellschaft hatte ihren Hauptsitz
in »Amsterdam
und »Middelburg.
Das Hauptquartier der Handelsschifffahrt befand sich in »Batavia,
Heute ist es unter dem Namen »Jakarta,
der ehemaligen Hauptstadt der »Republik
Indonesien bekannt. Die Stadt liegt an der Nordküste »Javas,
an einer gut geschützten Bucht, in einer flachen und an manchen Stellen
morastigen Umgebung, durchzogen von Kanälen und Flüssen. Batavia bestand
aus einer Altstadt im tiefsten und ungesunden Teil und einer etwas höher
gelegenen Neustadt im modernen Stil. Zur Zeit der Niederländischen
Ostindien-Kompanie zählte Batavia 30.000 bis 50.000 Einwohner.
Batavia war Sitz des Generalgouverneurs, des obersten
Befehlshabers der VOC in Asien sowie der so genannten Hohen
Regierung (Raad van Indië), der die ranghöchsten Vertreter des
kaufmännischen Personals, des Militärs und der Rechtsprechung in
Asien angehörten. Von Batavia aus kontrollierte die VOC den gesamten
Gewürzhandel mit Asien. Die Kolonialherrschaft der VOC war verbunden
mit zahlreichen Verbrechen. So fand 1621 auf Anweisung des
niederländische Generalgouverneur von Batavia,
Jan Pieterszoon Coen (1587-1629), ein systematischer Völkermord
an der der Bevölkerung der Banda-Inseln statt, der 15.000 Menschen
kostete (vgl.
Driessen 2009, S.70) und damit fast die gesamte Bevölkerung der
Inseln umfasste. Zuvor hatte sich die einheimische Bevölkerung
geweigert und gewehrt, dem Monopol zuzustimmen. (vgl.
Pioch 2013)
Nach dem Pogrom wurde die Insel in Parzellen aufgeteilt und diese
Parzellen Niederländern als Eigentum überlassen. Die neuen Besitzer
bevölkerten die Insel nun mit Sklaven, um mit diesen eine
Plantagenwirtschaft für Gewürze aufzubauen. Die Gewürze wurden als
Gegenleistung für das kostenlos überlassene Land mit einem Festpreis
an die VOC verkauft. (vgl.
Wikipedia)
Die Niederlande war
auf dem Weg von der Ständegesellschaft hin zur bürgerlichen
Gesellschaft schon im 17. Jahrhundert so weit vorangekommen wie kein
anderes Land in Europa. "Hier herrschten," wie North
(22003, S.57) resümmiert, "kein König, kein Adel und
kein Klerus, sondern hier bestimmten die Angehörigen der Regenten-
und der Oberschicht, d. h. Bürger, das politische und
gesellschaftliche Leben." Und auch die Mittelschichten waren in
mittleren und kleineren Städten an den politischen Entscheidungen
beteiligt.
Die Generalstaaten
waren bei der Urbanisierung weit an der Spitze, denn schon fast die
Hälfte seiner insgesamt etwa 2 Millionen Einwohner*innen lebten
schon in Städten. Im Gegensatz zu den anderen europäischen Staaten
war der Einfluss des Adels gering und im 18. Jahrhundert zählte man
noch ganze sieben Adelsfamilien.
Auf dem Land
bewirtschafteten die Bauern, allerdings nicht in allen Provinzen,
zum Teil schon über 40 Prozent des genutzten Landes selbst, konnten
über ihr Land und das, was es einbrachte, frei von grundherrlichen
Belastungen verfügen. Dies und die eine allgemein günstige
Agrarkonjunktur führte zu einer Intensivierung und einem
Produktivitätszuwachs in der Landwirtschaft, was auch die ländliche
Einkommensentwicklung positiv beeinflusste. Die Bauern, die es sich
leisten konnten, investierten ihr überschüssiges Geld in
Statussymbole der Zeit, in große Eichentruhen, Gardinen und
Teppiche, aber auch goldene und silberne Schnallen, Knöpfe, Becher
und Löffel. (vgl. North
22003, S.55)
Auch in den Städten
nahm der Wohlstand zu. An der Spitze der städtischen Gesellschaft
standen der Adel und die Regenten. Ihnen folgten von oben nach unten
reiche Kaufleute, Reeder, Unternehmer und hohe Offiziere. Danach
kamen die Mittelschichten, die aus Handwerksmeistern, größerem
Händlern, Schiffern, niederen Offizieren, kleinen Beamten,
Kleinhändlern und Handwerkern bestanden. Zu den Unterschichten
zählten Lohnarbeiter, Seeleute, Soldaten sowie die sozialen
Randgruppen der Landstreicher, Bettler, Invaliden usw. (vgl.
ebd.)
Auch noch im frühen
17. Jahrhundert wurden die
konfessionellen Verhältnisse in den
Niederlanden von der niederländischen reformierten Kirche bestimmt,
auch wenn die Calvinisten noch nicht in der Mehrheit waren und wohl
kaum über 30 Prozent der Gläubigen in den Generalstaaten ausmachten.
(vgl.
ebd., S.58) Allerdings standen ihnen alle Privilegien bei der
Religionsausübung zu, während den Katholiken, den Mennoniten und den
Lutheranern seit 1581 schon die öffentliche Religionsausübung
untersagt war. Infolgedessen brachen auch immer wieder gewaltsame
religiöse Auseinandersetzungen aus. Am Ende ließ sich aber in den
Generalstaaten kein einheitliches obrigkeitliches Kirchenregiment
durchsetzen und der Ruf nach religiöser Toleranz nahm so weit zu,
dass die Republik ab 1630 ein deutlich tolerantes Gesicht in
Religionsfragen zeigte und die Niederlande eine
Multikonfessionalität erlangte, "die von in- und ausländischen
Zeitgenossen [...] zum Charakteristikum der Niederlande" (vgl.
ebd.,
S.59) verklärt wurde.
• Geschichte der Niederlande vom
16. bis 18. Jahrhundert
•
Überblick •
Zeittafel:
Die Niederlande im Kampf gegen die spanischen Habsburger
•
Die
Burgundischen Niederlande unter Karl V. (1515-1556)
•
Die Niederlande unter der Herrschaft Philipps II. bis zum
Aufstand gegen die spanische Herrschaft ab 1566
•
Das Goldene Zeitalter der
Niederlande im 17. Jahrhundert
•
Der Niedergang der Niederlande im
18. Jahrhundert