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teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der
zerbrochne Krug"
Die • Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹ von •
Heinrich von Kleist (1777-1811) ist für ein Bühnenstück
vergleichsweise handlungsarm. Das ist allerdings für den •
Formtyp eines
geschlossenen Dramas, zu dem das Stück zählt, •
nichts Außergewöhnliches.
Was sich in dem •
analytischen Drama ereignet,
spielt sich an einem Ort, in dem fiktiven niederländischen Ort
Huisum in der Nähe von Utrecht, und in einer Zeit ab, die linear
chronologisch verläuft.
Die Bühnenhandlung, so erfährt man im •
9. Auftritt von
• Frau Marthe Rull, findet am •
1. Februar, mitten im Winter, zwei Tage vor ihrem Geburtstag,
statt.
In der Erzählung
• Marthe Rulls, wie der Krug in
ihre Hände gelangt ist, die sie bei ihrer Anklageerhebung vorträgt (7.
Auftritt, V 659 -
V 729) lassen sich
weitere Indizien zur Einordnung der Handlung in einen bestimmten
Zeitraum vornehmen. Sie erzählt dabei von bestimmten, historisch
belegbaren Ereignissen, wie die Belagerung von
»Briel (• 1572) durch
»Wilhelm von Oranien (1553-1584)
(7.
Auftritt, V
680) und die Plünderung der Stadt »Tirlemont
(Flandern) durch französische Truppen (1635 während des •
Französisch-Spanischen Kriegs, 1635-1659) (V
697ff.) und einer "Feuersbrunst von sechsundsechzig" (V
706), als der Krug schon im Besitz ihres inzwischen verstorbenen
Manns gewesen sei. Alles dies lässt vermuten, dass die
Bühnenhandlung von Kleist in die Zeit des ausgehenden 17. und/oder
angehenden 18. Jahrhunderts verlegt hat.
Um es salopp zu sagen: Bühnenwirksame "action" spielt sich vor dem
Einsetzen der Bühnenhandlung ab. Es sind die Geschehnisse, die mit
der sexuellen Nötigung und Erpressung des •
Dorfrichters Adam gegenüber der
jungen Nachbarstochter • Eve
zusammenhängen, die zu einem nächtlichen Zwischenfall führen, bei
dem der Dorfrichter nicht ungeschoren davongekommen ist. Das
eigentliche Drama, seine poetische Ausweitung der Lügen (vgl.
Titzmann 91974, S.263), die der Dorfrichter Adam
auftischt, und das "Aneinandervorbeireden [...] das zum eigentlichen
Vorgang des Dramas wird"
(ebd.)
verlangt dem Publikum, das auf Unterhaltung durch das Lustspiel aus
ist, einiges ab. Wenn der Dialog der Figuren mit seinen "Wortfetzen,
die keine Verbindung zwischen den Partnern mehr herstellen [...]
(...) und ihren Sinnzusammenhang erst wieder für das zuhörende
Publikum (gewinnen)", wird klar, dass der zerbrochne Krug
ein Publikum verlangt, der die Handlung über das burleske Spiel der
"prallen Charaktere"
(ebd.)
hinaus in einem "Bedeutungsfeld" erkennt, "das in Wortspielen und
Schlüsselworten das wirkliche Verhältnis der Personen zueinander
zeigt und damit die Wahrheit blitzartig aufscheinen lässt."
Bei genauerer Betrachtung des Verlaufs der Bühnenhandlung zeigt sich ein Spannungsbogen.

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Man
kann den Handlungsverlauf auch unter dem Blickwinkel der •
Komposition
des Dramas betrachten, um zu
verdeutlichen, dass der
Einakter nach der
• Aufteilung der Handlung in
fünf verschiedene Akte mit dem •
Kompositionsprinzip
des Dramas der geschlossen Form nach
Gustav Freytag (Technik des Dramas,
1863) beschrieben werden kann.
Dies ist der Tatsache geschuldet, dass vom Aufbau der Dramenhandlung
her gedacht, das "Konstruktionsschema des ▪
analytischen Dramas [...]
in besonderen Maße" zu einem Drama der geschlossenen Form (Klotz
1969, S. 41) passt.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
14.11.2025
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