• Baustein:
Konfigurationen in einem Szenenüberblick zusammenstellen
Der
•
Verlauf der dramatischen Handlung
in ▪ Heinrich von Kleists (1777-1811)•
Drama •"Der zerbrochne Krug"
lässt sich
mit Hilfe eines Szenenschemas
darstellen, das allerdings bei diesem Drama die tatsächlich auf der
Bühne realisierte
Konfiguration
und
die jeweiligen Konfigurationswechsel
der Figuren nicht darstellen kann.
Da die Konfigurationswechsel innerhalb
der jeweiligen Szene in der Regel aber nur die Auf- und Abtritte von
▪ Randfiguren wie Mägden betreffen, wird hier auf die Erstellung eines
kombinierten Szenen- und Konfigurationsschemas verzichtet.

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größere Ansicht bitte an*klicken*tippen!
Kleist selbst hat seinem zerbrochnen Krug hat, als er den Text
handschriftlich verfasst hat, keine Untergliederung des Textes mit
Auftritten beigegeben. Erst in der Buchausgabe der Komödie im Jahre 1811
wurden diese •
Szenenmarkierungen
in den • Nebentext
des Dramas eingefügt. Allerdings sind sie nicht am Handlungsablauf oder
am Inhalt orientiert. Konfigurationswechsel mit •
Auf- und Abtritten vor allem der Nebenfiguren finden auch innerhalb
dieser markierten Einheiten statt (•
partielle Konfigurationswechsel). So dienen die eingefügten
Auftritten wohl vornehmlich dazu, dem Leserinnen und Lesern der Komödie
das Lesen zu erleichtern.
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Auftritt |
Handlung |
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1
Text |
Der Schreiber Licht (Li
) trifft seinen Vorgesetzten, den Dorfrichter
Adam (Ad)
morgens bei seinem Dienstantritt mit einer Wunde am Kopf und
einer Verletzung am Bein an, die dieser mit einem Sturz aus dem
Bett erklärt. Das unangekündigte bevorstehende Eintreffen des
Gerichtsrats Walter (Wa)
versetzt den Dorfrichter in Unruhe, zumal jenem der Ruf vorausgeht, im
Nachbarort energisch durchgegriffen zu haben. muss. Von
Licht fordert
Adam unbedingte Loyalität. |
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2
Text |
Kurz bevor der Gerichtsrat eintrifft, spielt
Adam mit dem Gedanken, sich wegen Krankheit
entschuldigen lassen, entscheidet sich dann aber doch dafür, den
Gerichtsrat zu empfangen. Allerdings bleibt seine Perücke
unauffindbar. |
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3
Text |
Adam berichtet
Licht von einem Traum, in dem
er selbst als vor Gericht gestanden habe und sich selbst als
Richter der Angelegenheit verurteilt habe. |
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4
Text |
Nach seiner Ankunft erklärt Gerichtsrat
Walter, dass er mit seiner
Visite einen Eindruck von der Rechtspflege auf dem Land gewinnen
und zu einer Verbesserung des ländlichen Gerichtswesens auf dem
Land sorgen wolle. Bei seinem Besuch im Nachbardorf sei er dabei
schon auf beträchtliche Probleme gestoßen. Nun will er die
Gelegenheit nutzen, an dem an diesem Tag stattfindenden
Gerichtstag teilzunehmen. |
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5
Text |
Da sich auch eine Ersatz-Perücke nicht organisieren lässt, muss
Adam auf Anweisung von
Walter den Gerichtstag auch
ohne dieses äußere Zeichen seiner Amtswürde abhalten. Befragt,
woher denn seine Verletzungen stammen, erklärt
Adam dem Gerichtsrat, dass er
frühmorgens beim Aufstehen aus seinem Bett gestürzt sei. Einen
letzten Versuch, vor der Eröffnung der Session eine Ersatzperücke zu besorgen, will
Adam dazu nutzen, den
Gerichtsrat üppig zu bewirten, was dieser allerdings ablehnt. |
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6
Text |
Marthe Rull (Ru)
erscheint mit ihrer Tochter Eve
(Ev), dem Bauer
Veit Tümpel (Tü)
und dessen Sohn Ruprecht (Rp),
um (Schadenersatz-)Klage wegen eines zerbrochenen Krugs zu
erheben. Veit bietet an, dass er, falls sich nachweislich
herausstellen sollte, dass sein Sohn dafür verantwortlich sei,
den Krug ersetzen wolle. Doch
Marthe
hält den Krug für unersetzlich, da es ihr, wie
Ruprecht
vermutet, eigentlich nur darum gehe, die von ihm aufgrund der
Ereignisse der vergangenen Nacht ausgesprochenen Aufkündigung
seiner Verlobung doch noch zu verhindern, um damit den Ruf von
Eve
zu retten.
Eve wird von Ruprecht brüsk und abwertend
zurückgewiesen. |
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7
Text |
Adam zeigt sich über die
Sache, die jetzt vor seinem Richterstuhl verhandelt werden soll,
sichtlich beunruhigt und will im Voraus noch heimlich Einfluss
auf Eve nehmen, die sein
Ansinnen aber zurückweist. Daher droht er Eve
damit, ihr ein schon ausgefertigtes Attest nicht auszuhändigen,
das verhindere, dass Ruprecht
in absehbarer Zeit in Batavia krepiere, wenn sie sich jetzt
nicht klug verhalte. Im Verlauf der Verhandlung der Krugsache
vor dem Dorfrichter muss Walter
immer wieder intervenieren, um einen verfahrensrechtlich
ordnungsgemäßen Verlauf zu gewährleisten.
Marthe Rull trägt ihre Version
der Ereignisse der vergangenen Nacht vor und schildert die lange
Geschichte des Krugs, um dessen Unersetzlichkeit zu
unterstreichen. Zugleich beschuldigt sie Ruprecht nachts zuvor
in das Zimmer Eves eingedrungen zu sein und dabei den Bruch des
Krugs verursacht zu haben. Ruprecht
bestreitet den Vorwurf, den Krug kaputt gemacht zu haben, und
gibt dem Schuster Lebrecht die Schuld. Dieser sei geflohen, als er
selbst in die von innen verschlossene Kammer Eves eingedrungen
sei. Allerdings habe er ihn nicht genau erkennen können, weil
dieser ihm Sandkörner in die Augen geworfen habe. Bei dessen Flucht aus dem Fenster
habe er ihm noch mit einem
Schlag auf den Kopf eine Kopfwunde beigebracht. Da
Marthe darauf besteht, dass
Eve noch einmal ihre Version
bestätigt, fordert Walter
gegen den hinhaltenden Widerstand
Adams Eve auf, den Hergang der Ereignisse der vorangehenden
Nacht mit ihrer Aussage aufzuklären. |
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8
Text |
Adam lässt sich von einer Magd
ein Glas Wasser bringen und bietet
Walter dasselbe und/oder stattdessen auch ein Gläschen Wein
an. |
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9
Text |
Adam, der das Verfahren in
Erwartung der Aussage von Eve am liebsten mit einem Vergleich zu
Ende bringen will, wird von Walter
unbeirrt angewiesen, die Verhandlung fortzusetzen. Nach
ausführlichen Belehrungen, mit denen er
Eve noch einmal beeinflussen
will, gibt diese am Ende auch unter dem Druck ihrer Mutter
Marthe an, dass
Ruprecht den Krug nicht kaputt
gemacht habe. Da auch der Flickschuster mit einem Alibi
ausfällt, steht damit im Raum, dass in der vorigen Nacht ein
andere Person bei ihr gewesen sein muss. Das sie den Namen
angeblich aus Scham nicht preisgibt, hält
Marthe, der es neben dem Krug
auch um die Ehre ihrer Tochter geht, daran fest, dass entgegen der gegenteiligen Aussage ihrer Tochter doch ihr
Bräutigam Ruprecht der Täter gewesen
sei. So wie sie es sehe, und dafür spräche auch, was ihre
Nachbarin
Frau Brigitte
mit eigenen Augen und Ohren gesehen habe, habe Ruprecht, der in
wenigen Tagen der entsprechenden Konskription folgend seinen
Dienst in Utrecht anzutreten habe,
Eve offenbar nötigen wollen, mit ihm gemeinsam zu fliehen.
Dies könne
Frau Brigitte
bezeugen, die beide um halb elf Uhr in der Nacht noch im Garten
beobachtet habe. Ruprecht bestreitet diese Person im Garten
gewesen zu sein. Adam versucht
die Aussage von
Frau Brigitte
hinauszuzögern, was Walter
aber ablehnt. |
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10
Text |
In der Verhandlungspause, die dadurch entsteht, dass
Licht
Frau Brigitte
unverzüglich einbestellen soll, versucht
Adam, Gerichtsrat
Walter besonders üppig zu
bewirten. Es gelingt ihm nicht, noch einmal heimlich mit Eve zu
sprechen. Als Walter das
Gespräch auf seine Kopfverletzung bringt, gibt
Adam noch einmal an, dass er
frühmorgens beim Aufstehen aus seinem Bett gestürzt sei und sich
dabei den Kopf am Ofen angeschlagen habe. Als er angesichts der
Tatsache, dass er sowohl eine Wunde vorn und hinten am Kopf und
weiter Kratzer im Gesicht hat, auf Nachfrage
Walters dafür eine wenig
plausible Erklärung gibt, bohrt Walter weiter nach und will
wissen, wieso ihm gerade heute die Perücke abhanden gekommen
sei. Sie sei, so versucht sich
Adam herauszuwinden, abends zuvor infolge eines ihm
unterlaufenen Missgeschicks durch eine brennende Kerze
angezündet worden und teilweise verbrannt. Während
Adam ein Glas Wein nach dem
anderen trinkt, befragt Walter
Marthe und
Ruprecht nach weiteren Details
des Geschehens in vorgegangenen Nacht und erfährt dabei, dass
Ruprecht in seiner Wut den flüchtigen Dritten beim Sprung aus
dem Fenster von Eves Kammer zweimal am Kopf getroffen. Während
dieser Aussagen stößt Adam
immer wieder unsinnige Trinksprüche aus und erklärt auf eine
entsprechende Frage Walters,
dass er eher in seltenen Fällen zu Besuch bei Frau
Marthe ist. |
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11
Text |
Frau Brigitte
erscheint mit einer Perücke vor Gericht. Sichtlich erstaunt will
Walter wissen, wie sie dazu
gekommen sei. Licht, der
offenkundig über die Beobachtungen Frau Brigittes
schon vor ihrer Aussage im Bild ist, gibt daraufhin zu Protokoll, dass
die Frau die Perücke am Gartenzaun unterhalb des Fenster zu
Eves Kammer gefunden habe.
Walter, der auf entsprechende
Andeutungen Lichts
die Frage und damit auch die Antwort, wem die Perücke gehört,
hinauszögert, will Adam vorher
noch Gelegenheit geben,
ihm, ohne dass die anderen es mitbekommen können, die Wahrheit
anzuvertrauen. Doch dieser gibt an, dass es sich bei der Perücke
um seine Ersatzperücke handle, die
Ruprecht schon vor Wochenfrist zum Perückenmacher nach
Utrecht habe bringen sollen. Ruprecht erklärt den Auftrag
ausgeführt zu haben und
Frau Brigitte
springt ihm mit ihrer weiteren Aussage über ihre Beobachtung in
der vergangenen Nacht bei. Sie habe auf ihrem Weg zu ihrer
bettlägerigen Tante abends Eve jemanden beschimpfen gehört. Auf
ihre Nachfrage habe ihr Eve geantwortet, dass es sich bei ihrem
Gegenüber um Ruprecht
gehandelt habe. Auf dem Rückweg sei sie gegen Mitternacht wieder
an Marthes Garten vorbeigekommen und dort sei eine kahlköpfige
Gestalt mit einem Hinkebein an ihr vorbeigehuscht. Als sie tags
darauf, den Ort des nächtlichen Geschehens angesehen habe, habe
sie nicht nur die Perücke, sondern auch Spuren eines Pferde-
bzw. Klumpfußes im Schnee gefunden, die von Eves Fenster
weggeführt hätten. Sie habe angesichts des seltsamen Fu8abdrucks
dabei das Gefühl gehabt, dass dies nur ein Fuß des Satans selbst
gewesen sein konnte. Für die Wahrheitsgemäßheit ihrer Aussage
benennt sie
Licht als Zeugen, der sich, zumindest was die Aussagen über
die Fußspuren anbelangt, in der Verhandlungspause, in der er
Frau Brigitte holen soll, schon über die Aussagen Brigittes zu den
Spuren im Schnee ein eigenes Bild gemacht hat. Sie hätten,
erklärt er auf Nachfrage Walters,
so wie von Frau Brigitte dargestellt, direkt zu Adams
Haus, aber von dort nicht mehr weiter weggeführt. Mit einer Finte
will Walter Dorfrichter
Adam zum Aufstehen und Gehen
zu bewegen, um sich einen Eindruck von seinem Pferdefuß zu
machen. Als ihm Adam dann aber nur seinen gesunden Fuß zeigt,
gibt Walter ihm noch einmal
zunächst heimlich, dann in mehrfacher Wiederholung Gelegenheit,
die Verhandlung zu beenden. Doch halsstarrig beharrt
Adam darauf, dass er, solange Eve
die Wahrheit nicht kundgebe, für unschuldig zu gelten habe und
die gefundene Perücke nicht ihm gehöre. Auch als ihm Licht die
Perücke aufsetzt und diese ihm genau passt, will er die
Verhandlung immer noch mit einer Verurteilung
Ruprechts beenden.
Schockiert über dieses Ende der Verhandlung gibt Eve die
Wahrheit preis und erklärt, dass der Dorfrichter
in der Nacht zuvor
die bislang nicht genannte Person in ihrer Kammer gewesen sei.
Adam ergreift auf diese
Enthüllung hin sofort die Flucht, an den ihn die Anwesenden
nicht hindern können. |
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12
Text
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Nach der Flucht
Adams
bittet
Ruprecht
Eve um Verzeihung. In ihrer
Verzweiflung wegen der Einberufung ihres Bräutigams fleht
Eve
Walter um Hilfe an,
denn, wie ihr Adam gesagt habe, würden die Truppen bald nach
Ostindien verlegt, von wo kaum einer der Soldaten zurückkehre.
Walter erklärt daraufhin den das Schreiben, das Adam ihr
vorgelegt habe, für eine Fälschung. Damit sie ihm glaube, werde
er
Ruprecht von der Konskription freikaufen.
Eve
erkennt nun das ganze Ausmaß des Betrugs und die Verlobten
fallen sich vor Freude in die Arme. Als die Anwesenden vom
Fenster aus beobachten, wie
Adam
draußen in der Winterlandschaft davonflieht, ordnet
Walter an, ihn
zurückrufen, da sich für ihn, auch wenn er seines Amts
suspendiert sei, wenn sonst nichts weiter zu beanstanden sei,
noch irgendeine Verwendung werde finden lassen. |
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13
Text |
Nachdem die wesentlichen persönlichen Verwicklungen ein gutes oder
mehr oder weniger gutes Ende gefunden haben, will •
Frau Marthe vom •
Gerichtsrat wissen, wo sich der
Sitz der Regierung in Utrecht befindet. Da die Klage um den den
zerbrochenen Krug in Huisum offenbar nicht entschieden werden könne,
will sie ihre Klage dort in der kommenden Woche noch einmal
vorbringen, damit auch diese Weise auch dem Krug noch zu seinem
Recht verholfen werde.
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Variant (12. Auftritt)
Text |
Nach der Entlarvung und der Flucht
Adams zeigt sich • Ruprecht
geplagt von Gewissensbissen wegen seiner ungerechtfertigten
Verurteilung Eves. Er fleht
sie reumütig um Verzeihung an und kann erreichen, dass Eve nach
anfänglichem Zögern einlenkt. Der Gerichtsrat besteht allerdings
auf ihrer wahrheitsgemäßen Aussage über die Geschehnisse der
vergangenen Nacht. Eve, die
nun von Ruprecht ermuntert wird, zu berichten, was der
Dorfrichter Adam von ihr gewollt
habe, angesichts der Einberufung • Ruprechts
zum Militär wenig Sinn. Daher erfleht sie in dieser
Angelegenheit die Hilfe des Gerichtsrats und will erst dann
aussagen, wenn dieser sich für
Ruprecht und das künftige Glück des Paares verwendet. Als dieser
dies zusichert, teilt ihm Eve ihr
Wissen über die Konskriptionen mit, wie sie es von dem Dorfrichter
erfahren hat. So habe sie vom Dorfrichter Adam erfahren, dass
die neu ausgehobenen Truppen entgegen aller Versprechungen schon in
wenigen Wochen in niederländische Gebiete in Asien verschifft
würden, von wo bekanntlich kaum einer mehr nach Hause zurückkehre.
Dabei verweist sie auf ein Schreiben, das ihr der Dorfrichter
vorgelesen habe. Zugleich habe er ihr das Angebot gemacht,
Ruprecht mit einem Attest des Physikus vom Militärdienst freistellen
zu lassen. Zum Dank habe sie sich zu allem bereit erklärt, was
der Dorfrichter mit redlichen Absichten von ihr dafür fordere.
Adam habe ihr vorgeschlagen,
ihr das Schreiben nach in der gleichen Nacht persönlich zu
bringen, was sie allerdings abgelehnt habe. In der gleichen
Nacht so dieser dennoch zu ihr gekommen, als sie nachts die
Gartentüre habe verschließen wolle. Dabei sei er schnell
übergriffig geworden. Eve berichtet weiter, dass Adam daraufhin
zum gänzlichen Ausfüllen des Attests für Ruprecht mit ihr in
ihre Kammer habe mitgehen wollen. Als sie sich dies ohne den
Beistand ihrer schlafenden Mutter verbeten habe, habe er
erpresst, so dass sie ihn notgedrungen mit in ihre Kammer
genommen, wo dieser sogleich die Tür von innen verschlossen
habe, seine Weste geöffnet und die Perücke abgenommen und auf
den Krug abgesetzt habe. Dann habe er ihre Hände gefasst und sie
eine Weile lang, ohne etwas zu sagen, angesehen. Als sie
durchschaut habe, worauf er aus gewesen sei, habe sie ihn
zurückgestoßen, als sie zugleich Ruprechts Pochen gegen die
verschlossene Türe gehört habe. Der Dorfrichter habe aus Angst
vor Entdeckung das Attest und seine Schreibutensilien gepackt,
sei zum Fenster gegangen, und dabei habe er, noch ehe er vom
Fensterbrett hinunter gesprungen sei, noch so überstürzt nach
seiner Perücke gegriffen, dass der Krug zu Boden gefallen sei.
Dies sei auch der Augenblick gewesen, in dem Ruprecht in die
Kammer habe eindringen können. Dieser sei indessen so
aufgebracht gewesen, dass er sie umgestoßen habe. Als nächstes
sei ihre Mutter Marthe in Begleitung von Nachbarn und
verschiedenen Bekannten in die Kammer gekommen. Sie hätten
Ruprecht
entgegen seiner Beteuerung, dass es ein anderer gewesen sei, für
den Schuldigen gehalten, der den Bruch des Kruges zu
verantworten habe. Zugleich hätten alle mit dem Finger auf Eve
gezeigt und erwartet, dass sie, wenn dem so sei, das Geheimnis
um den vermeintlichen anderen lüften werde. Da sie jedoch dazu
geschwiegen und auf entsprechende Fragen nur mit einem Nicken
Zustimmung signalisiert habe, seien die anderen der festen
Überzeugung gewesen, dass nur Ruprecht als Schuldiger in Frage
komme. Eve habe sich zwar am heutigen Morgen noch vergeblich mit
Ruprecht darüber aussprechen wollen, ihre Mutter habe aber schon
den Entschluss gefasst, die Sache mit dem zerbrochenen Krug vor
den Dorfrichter zu bringen. Der Gerichtsrat
stellt fest, dass das vermeintlich geheime Schreiben, welches
Adam Eve vorgelesen hatte,
eine frei erfundene Fälschung gewesen sei. Er bietet ihr
daraufhin Geld an, um Ruprecht vom Militärdienst freizukaufen.
Wenn die Landmiliz wirklich nach Asien verschifft werde, könne
sie das Geld behalten, andernfalls sei sie verpflichtet, es ihm
in Raten zurückzuzahlen. Doch Ruprecht,
und mit ihm auch Eve, glauben den Worten des Gerichtsrates nicht
und weisen den Beutel mit den 20 Gulden zurück. Mit dem Hinweis,
dass die Gulden die Prägung des spanischen Königs trügen und
dieser damit quasi für die Wahrheit der von ihm gemachten
Aussagen bürge, gelingt es dem Gerichtsrat schließlich Eve und
Ruprecht von seinem Angebot zu überzeugen. Ruprecht erklärt
aber, dass er unter diesen Umständen seinen einjährigen Dienst
bei der Landmiliz in Utrecht antreten wolle. Der Gerichtsrat
versichert sich dann noch, dass die den Streit führenden
Personen,
Frau Marthe und der Vater von Ruprecht,
Veit, mit dem Vereinbarten
einverstanden sind und kommt dann noch einmal auf den
verschwundenen Dorfrichter zu sprechen und gibt
die Anweisung den flüchtigen Dorfrichter zurückzuholen und ihm,
auch wenn er vom Amt suspendiert sei, für eine andere Verwendung
vorzusehen.
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Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
14.10.2025
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