Die Handlung des elften Auftritts in
▪ Heinrich von Kleists (1777-1811)
Drama Der zerbrochne
Krug spielt in der Gerichtsstube in
einem niederländischen Dorf bei Utrecht.
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Auftritt

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Frau Brigitte
erscheint mit einer Perücke vor Gericht. Sichtlich erstaunt will
Walter wissen, wie sie dazu
gekommen sei. Licht, der
offenkundig über die Beobachtungen Frau Brigittes
schon vor ihrer Aussage im Bild ist, gibt daraufhin zu Protokoll, dass
die Frau die Perücke am Gartenzaun unterhalb des Fenster zu
Eves Kammer gefunden habe.
Walter, der auf entsprechende
Andeutungen Lichts
die Frage und damit auch die Antwort, wem die Perücke gehört,
hinauszögert, will Adam vorher
noch Gelegenheit geben,
ihm, ohne dass die anderen es mitbekommen können, die Wahrheit
anzuvertrauen. Doch dieser gibt an, dass es sich bei der Perücke
um seine Ersatzperücke handle, die
Ruprecht schon vor Wochenfrist zum Perückenmacher nach
Utrecht habe bringen sollen. Ruprecht erklärt den Auftrag
ausgeführt zu haben und
Frau Brigitte
springt ihm mit ihrer weiteren Aussage über ihre Beobachtung in
der vergangenen Nacht bei. Sie habe auf ihrem Weg zu ihrer
bettlägerigen Tante abends Eve jemanden beschimpfen gehört. Auf
ihre Nachfrage habe ihr Eve geantwortet, dass es sich bei ihrem
Gegenüber um Ruprecht
gehandelt habe. Auf dem Rückweg sei sie gegen Mitternacht wieder
an Marthes Garten vorbeigekommen und dort sei eine kahlköpfige
Gestalt mit einem Hinkebein an ihr vorbeigehuscht. Als sie tags
darauf, den Ort des nächtlichen Geschehens angesehen habe, habe
sie nicht nur die Perücke, sondern auch Spuren eines Pferde-
bzw. Klumpfußes im Schnee gefunden, die von Eves Fenster
weggeführt hätten. Sie habe angesichts des seltsamen Fu8abdrucks
dabei das Gefühl gehabt, dass dies nur ein Fuß des Satans selbst
gewesen sein konnte. Für die Wahrheitsgemäßheit ihrer Aussage benennt
sie
Licht als Zeugen, der sich, zumindest was die Aussagen über
die Fußspuren anbelangt, in der Verhandlungspause, in der er
Frau Brigitte holen soll, schon über die Aussagen Brigittes zu den
Spuren im Schnee ein eigenes Bild gemacht hat. Sie hätten, erklärt
er auf Nachfrage Walters, so wie
von Frau Brigitte dargestellt, direkt zu Adams
Haus, aber von dort nicht mehr weiter weggeführt. Mit einer Finte
will Walter Dorfrichter
Adam zum Aufstehen und Gehen
zu bewegen, um sich einen Eindruck von seinem Pferdefuß zu
machen. Als ihm Adam dann aber nur seinen gesunden Fuß zeigt,
gibt Walter ihm noch einmal
zunächst heimlich, dann in mehrfacher Wiederholung Gelegenheit,
die Verhandlung zu beenden. Doch halsstarrig beharrt
Adam darauf, dass er, solange Eve
die Wahrheit nicht kundgebe, für unschuldig zu gelten habe und
die gefundene Perücke nicht ihm gehöre. Auch als ihm Licht die
Perücke aufsetzt und diese ihm genau passt, will er die
Verhandlung immer noch mit einer Verurteilung
Ruprechts beenden.
Schockiert über dieses Ende der Verhandlung gibt Eve die
Wahrheit preis und erklärt, dass der Dorfrichter
in der Nacht zuvor
die bislang nicht genannte Person in ihrer Kammer gewesen sei.
Adam ergreift auf diese
Enthüllung hin sofort die Flucht, an den ihn die Anwesenden
nicht hindern können.
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