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Nach dem Desaster bei der •
Uraufführung in Weimar am 2.3.1808 dauerte es über ein
Jahrzehnt, bis
▪ Heinrich von Kleists (1777-1811)
Komödie •
Der zerbrochne Krug in einem
namhaften Theater wieder auf die Bühne kam. Neun Jahre nach dem Tod
des Autors wurde es 1820 in Hamburg in einer Bearbeitung durch den
dortigen Theaterdirektor und Schauspieler »Friedrich
Schmidt (1772-1848), der auch den •
Dorfrichter Adam spielte, wieder,
und das mit großem Erfolg, inszeniert.
Das Theater wurde 1765 als "Comödienhaus" eröffnet, unter Lessing
1767-1769 als "Deutsches Nationaltheater" bezeichnet, danach auch
"Hamburgisches Stadt-Theater" und 1806-1814 "Théàtre du Gänsemarkt".
1822 wurde der Beschluss für ein Nachfolgehaus gefasst, das 1827 in
der Dammtorstraße eröffnet wurde.

Schmidt
hatte Lehren aus der schon lange zurückliegenden, verpatzten Uraufführung
gezogen und das Stück wieder, wie in der ursprünglichen Fassung
Kleists, als Einakter ohne Pausen und ohne Szeneneinteilung
konzipiert und drastisch gekürzt.
Der Schluss des Dramas in seiner
Bearbeitung, mit der er nach eigenen Worten "die Dichtung
bühnengerecht" machen wollte (Brief an Ludwig Tieck v.
24.4.1824, zit.
Sembdner 1982, S. 114), lautet wie folgt:
RUPRECHT.
[...]
Wie hab
ich heute schändlich dich beleidigt!
Wirst du dein Lebtag mir vergeben können?
EVE wirft
sich dem Gerichtsrat zu Füßen.
Herr!
Wenn Ihr jetzt nicht helft, sind wir verloren!
WALTER.
Verloren? Warum das?
RUPRECHT.
Herr Gott! Was gibt's?
EVE.
Errettet
Ruprecht von der Konskription!
Denn diese Konskription – der Richter Adam
Hat mir's als ein Geheimnis anvertraut,
Geht nach Ostindien; und
von dort, Ihr wißt,
Kehrt von drei Männern einer nur zurück!
WALTER.
Was! Nach Ostindien! Bist du bei Sinnen?
EVE.
Nach Bantam, gnäd'ger Herr; verleugnet's
nicht!
Hier ist der Brief, die stille
heimliche
Instruktion, die Landmiliz betreffend,
Die die Regierung jüngst deshalb erließ:
Ihr seht, ich bin von allem unterrichtet.
WALTER nimmt
den Brief und liest ihn.
O unerhört, arglistiger Betrug!
–
Der Brief ist falsch!
EVE.
Falsch?
WALTER.
Wie ich euch versichre.
EVE steht auf.
O Himmel! Wie belog der
Böswicht mich!
Denn mit der schrecklichen Besorgnis eben,
Quält' er mein Herz, und
kam, zur Zeit der Nacht,
Mir ein Attest für Ruprecht aufzudringen;
Bewies, wie ein erlognes Krankheitszeugnis,
Von allem Kriegsdienst ihn befreien könnte;
Erklärte und versicherte und schlich,
Um es mir auszufert'gen, in mein Zimmer:
FRAU
MARTHE.
Ei, der
nichtswürdig-schändliche Betrüger
FRAU BRIGITTE.
Nun Friede jetzt! küßt und versöhnt und liebt euch.
FRAU
MARTHE.
Und
Pfingsten, wenn ihr wollt, mag Hochzeit sein.
WALTER.
Doch seines Amt's ist Adam jetzt entsetzt.
Und Ihr, Herr Licht, verwaltet seine Stelle.
FRAU
MARTHE.
Kommt Licht in das Gericht, will ich mich trösten.
Zerbricht dann jemals wieder Recht und Krug.
So sieht man dich, wer beides uns zerschlug.
Ende.
(aus: Friedrich
Ludwig Schmidt, Neue Hamburger Bühne. Eine Sammlung der neuesten
Lustspiele, Hamburg: Heroldsche Buchhandlung 1824, S.83-85) (»google
books)
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