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teachSam-YouTube-Playlist Dramatische Texte und Theater
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teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der
zerbrochne Krug"
Der
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Siebte Auftritt
(•
Text) in
▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) •
Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹ kann auf unterschiedliche Art und Weise nach inhaltlichen
Gesichtspunkten in sieben Abschnitte gegliedert werden.
-
Adam wittert
Gefahr und sondiert die Lage
-
Adam
versucht, von Eve mehr zu erfahren, und erpresst sie.
-
Vor
Prozessbeginn
-
Prozessauftakt
mit Hindernissen
-
Marthe Rulls
lange Krugerzählung
-
Marthe
Rulls Version des Geschehens der Vornacht
-
Ruprechts
Version des Geschehens der Vornacht
-
-
Adam kehrt in seiner Amtstracht
und mit gepudertem Kopf in die Gerichtsstube zurück. Als er
•
Eve und •
Ruprecht und
die beiden anderen wahrnimmt, kommt ihm sofort der Gedanke, sie
könnten ihn bei ihm selbst verklagen wollen.
-
Als er vernimmt, wie
• Eve ihre
Mutter Marthe Rull noch
einmal inständig bittet, den Gerichtssaal, das "Unglückszimmer" zu
verlassen, will er von seinem Schreiber •
Licht wissen, was vor seinem
Richterstuhl verhandelt werden soll. So erfährt er, dass es, wie •
Licht meint, um eine reine
Lappalie gehe, nämlich einen zerbrochenen Krug und will wissen, ob
schon klar sei, wer den Krug zerbrochen habe, bekommt aber darauf
keine Antwort und wird von Licht auf den weiteren Fortgang der
Verhandlung vertröstet.
-
-
Adam versucht daher heimlich
• Eve ins
Gespräch zu kommen, um mehr zu erfahren, wird aber von dieser
entschieden zurückgewiesen.
-
Ohne mehr in der
Sache erfahren zu haben, will er sich wegen seiner Wunde am
Schienbein und Übelkeit verdrücken und fordert •
Licht auf, die Verhandlungsführung
zu übernehmen. Dieser wehrt lehnt dies jedoch, ohne entsprechende
Zustimmung des Gerichtsrats, entschieden ab.
-
Adam versucht daher, weiter in
• Eve zu
dringen, um herauszufinden, was bei dem anstehenden Prozess zur
Sprache gebracht werden soll. Als sie erklärt, es werde einzig und
allein um den zerbrochnen Krug gehen, warnt er sie, sich klug
zu verhalten.
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Adam macht •
Eve mit dem Hinweis auf ein
Attest, das auf den Namen •
Ruprecht
augestellt sei, und das er in der Tasche mit sich führe, klar, dass
Ruprecht ohne dieses Dokument wahrscheinlich binnen Jahresfrist in
Batavia krepiert und sie selbst Witwe sei.
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Als •
Adam von Gerichtsrat •
Walter ermahnt wird, nicht schon vor dem eigentlichen Prozess mit den Streitparteien zu
sprechen, ist • Adam
schon in Gedanken und erinnert sich daran, bei seinem Abschied etwas
klirren gehört zu haben. Zugleich weiß er, dass er "sie" - was er
meint, aber nicht ausspricht ist die Perücke -, behutsam (auf den
Krug) gehängt hat. Am Ende stellt er sich auf seine Lage ein und
sagt sich, dass alles gut oder eben schlecht ausgehen könne.
-
-
Walter wundert sich über die
offensichtliche Zerstreutheit •
Adams und will wissen, ob ihm
etwas fehle.
-
Adam tischt ihm als Antwort die
Geschichte auf, er habe sich beim Essen eines Perlhuhns den Magen
verdorben und •
Eve daher nur fragen
wollen, was er dagegen tun könne.
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Bevor er die
Gerichtssession eröffnet, will •
Adam aber von •
Walter erfahren, ob er
den anstehenden Prozess auf der Grundlage gesetzlicher Vorgaben oder
eben so führen solle, wie man dies hier vor Ort in Huisum gewöhnlich
tue. Als der Gerichtsrat unmissverständlich klar macht, dass er
davon ausgehe, dass auch in Huisum Recht nach den gesetzlichen
Vorgaben gesprochen werde, eröffnet •
Adam durch den Aufruf der Klägerin
zur Anhörung den Prozess.
-
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Als •
Marthe Rull vortritt, besteht •
Adam zur Verwunderung Marthes auf
der Feststellung ihrer Personalien, wird aber, nachdem •
Walter erfährt, dass es
sich quasi um eine Nachbarin des Dorfrichters handelt, die ihm
persönlich bekannt ist, darauf hingewiesen, darauf zu verzichten.
-
Walter verlangt von •
Adam die Klägerin nach dem
Gegenstand ihrer Klage zu fragen, doch dieser diktiert seinem
Schreiber •
Licht ins Protokoll, dass es um
einen Krug geht, was Marthe mit dem Hinweis, dass es sich um einen
zerbrochnen Krug handelt, bestätigt.
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Als •
Marthe Rull auf •
Adams Frage hin, wer den Krug
zerbrochen habe, auf •
Ruprecht deutet, glaubt Adam trotz
des Protest von Ruprecht, der Marthe der Lüge bezichtigt, das gerade
erste begonnene Verfahren mit einem raschen Urteil beenden zu
können. Als ihn jedoch •
Walter darauf hinweist,
dass ein solches Vorgehen weder dem entspreche, was er ihm
aufgetragen habe noch in seinen Augen rechtens sei.
-
Adam versucht sich
mit Hinweis zu verteidigen, dass er doch auf seine Anweisung hin, so
habe verfahren wollen, wie es es sonst in Huisum üblich sei, muss
sich aber von Walter eines besseren belehren lassen.
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Trotzdem verteidigt
er noch einmal seine Position, indem er auf die ungeschriebenen
Gesetze und das traditionelle Herkommen verweist, an die er sich
stets gehalten habe. Aber natürlich könne er auch anders. Auf
Anweisung •
Walters beginnt er den
Prozess neu und fordert • Marthe Rull
auf, ihre Klage vorzubringen.
-
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Marthe Rull erzählt, während sie
den beschädigten Tonkrug und die Scherben präsentiert, ehe sie die
Umstände schildert, wie der Krug zerbrochen sein soll, breit und
ausführlich, wie der Krug zuvor ausgesehen hat. Zunächst beschreibt
sie, welche verschiedenen historische Szenen darauf abgebildet waren
bzw. noch in Fragmenten zu sehen sind, um die ideelle Bedeutsamkeit
zu unterstreichen, den das Gefäß für sie hat.
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Sie beginnt mit einer
Stelle, an der der Krug ein Loch aufweist, also nichts mehr zu sehen
ist. Hier sei die Übergabe der niederländischen Provinzen an den
Sohn Karls V. Philipp (II., dargestellt gewesen. Von Karl sehe man
nur noch die Beine und von seinem Sohn nur noch das Hinterteil.
Ähnlich verhält es sich mit anderen Abbildungen der französischen
und ungarischen Königinnen, den Schwestern Karls V., und der des
Bischof von Arras sowie Abbildungen des Großen Markts in Brüssel, wo
ein Neugieriger aus seinem Fenster nur noch ins Leere schauen könne.
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Als •
Adam genug davon hat, fährt
sie dennoch fort, und schildert, die Geschichte, wie sie in den
Besitz des Kruges gekommen ist. Erstbesitzer sei Childerich, ein
Kesselflicker, der als Wassergeuse an der Belagerung von Briel durch
Wilhelm von Oranien gewesen, der den Krug von einem niedergerungenen
Spanier erbeutet habe. Dann sei er im Besitz des Totengräbers
Fürchtegott gewesen, der nur dreimal aus ihm getrunken habe, und
zwar zuletzt als seine Frau verstorben sei. Der nächste Besitzer,
Zachäus aus Tirlemont, habe bei der Plünderung der Stadt durch die
französischen Truppen, den Krug aus dem Fenster geworfen, der das
unbeschadet überstanden, während er selbst beim Sprung aus dem
Fenster sich das Genick gebrochen habe.
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Als sie fortfahren
will, was dem Krug, als er schon im Besitz ihres Mannes gewesen sei,
in einer Feuersbrunst von 1666 widerfahren sei, wird sie von •
Adam erneut unterbrochen und
ermahnt, nur noch zur Sache zu sprechen.
Marthe Rull besteht aber darauf
ihre Klage so vorbringen zu können, wie sie es sich vorstellt. Sie
berichtet noch, ehe sie nun auch von •
Walter unterbrochen
wird, dass der Krug auch diese Flammen unbeschadet überstanden habe.
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Sie beendet ihre
Erzählung mit der Anschuldigung, dass •
Ruprecht den Krug zerbrochen habe.
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Von •
Adam aufgefordert ihre
Beobachtungen über den Tathergang zu schildern, der zum Bruch des
Krugs geführt habe, berichtet •
Marthe Rull, wie sie in der
vergangenen Nacht um elf Uhr auf laute Männerstimmen und
tumultartige Geräusche aus •
Eves abgelegener Kammer
hin, dort nach dem rechten habe sehen wollen. Dabei habe sie dort,
nachdem sie durch die aufgebrochene Tür in die Kammer Eves
eingetreten sei, den Krug zerbrochen, den herumtobenden •
Ruprecht und ihre verängstigte Tochter vorgefunden.
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Als •
Marthe Rull •
Ruprecht wegen des in Scherben liegenden Krugs zur Rede
gestellt habe, habe dieser erklärt, dieser sei von einem anderen,
der gerade aus •
Eves Kammer geflohen sei,
vom Sims heruntergestoßen worden. Zugleich habe er Eve übel
beschimpft.
-
Als sie ihre Tochter
daraufhin gefragt habe, habe diese ihr geschworen, dass kein anderer
als •
Ruprecht für das Zerbrechen des Krugs verantwortlich sei.
Doch •
Eve bestreitet zur
Überraschung ihrer Mutter, einen solchen Schwur geleistet zu haben.
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Adam, der den mit Zwischenrufen
protestierenden •
Ruprecht mit derben Worten und Drohungen zum Schweigen
aufgefordert hat, interveniert und ermahnt •
Marthe Rull ihre Tochter wegen
ihres angeblichen Schwurs nicht weiter einzuschüchtern, zumal dieser
für ihre Aussage zur Sache eigentlich nichts beitrage.
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Walter
kommentiert, die Art und Weise, wie sich •
Adam einmischt, mit Missfallen,
was •
Marthe Rull ermuntert, in der
Öffentlichkeit des Gerichts den Gedanken weiter zu spinnen, was es
bedeuten würde, wenn sich tatsächlich ein anderer als •
Ruprecht in Eves Kammer aufgehalten habe. Sie spricht die
Konsequenzen einer solchen Möglichkeit zwar nicht aus, bezeichnet
ihre Tochter aber in einem solchen Fall als schamlos und liederlich,
die daraus entstehenden Folgen zu tragen habe. Sie beharrt
allerdings auch darauf, dass Eve, ihr auch ohne Eid gesagt habe,
dass •
Ruprecht der Täter und der einzige gewesen sei, der in Eves
Kammer gewesen sei. Diese Version wird dann auch von •
Eve unter wütendem Protest
•
Ruprechts bestätigt. Adam
will, dass •
Ruprecht als Täter im Protokoll festgehalten wird.
-
Walter
unterbindet dies mit seiner Anweisung an den Protokoll führenden
Schreiber •
Licht, lediglich zu
notieren, dass •
Eve eingeräumt habe, ihrer
Mutter gegenüber in der Vornacht ein solches Geständnis gemacht zu
haben. Zugleich äußert er sein Missfallen darüber, wie •
Adam alles dafür tue, den Verdacht
auf •
Ruprecht zu lenken und den Prozessverlauf nach eigenem
Gutdünken zu gestalten. Statt die Zeugin Eve schon zu befragen,
müsse doch erst einmal dem Beschuldigten Gelegenheit gegeben werden,
sich zur Sache zu äußern.
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Adam gibt vor, sich lediglich
geirrt zu haben, wird aber von • Walter
zurechtgewiesen und damit konfrontiert, dass dies der letzte Prozess
sei, dem er als Richter vorsitze.
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Als •
Ruprecht seine Aussage machen will, versucht •
Adam, ihn von Anfang an zu
verunsichern und seine mögliche Entgegnung als Lüge abzuwerten, bis
• Walter ihm offen droht, ihm die
Prozessführung zu entziehen und sie seinem Schreiber •
Licht zu übertragen. Durch
die Aufforderung • Adams an •
Ruprecht, den Tathergang aus seiner Sicht zu schildern, kann
Adam dies gerade noch einmal verhindern.
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Ruprecht berichtet in seiner Darstellung der Ereignisse der
Vornacht, dass er gegen zehn Uhr mit Zustimmung seines Vaters,
dem er versichert habe, nur noch am Fenster etwas mit seiner
Braut reden zu wollen, nach zehn Uhr am Tor zum Garten •
Marthe Rulls, das um diese Zeit
eigentlich immer schon verschlossen sei,
angekommen sei. In der Dunkelheit habe er darin
Eve an ihrer Kleidung erkannt und jemanden
anderen bemerkt, den er aber im Dunkel der Nacht nicht habe
sehen können.
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Für •
Ruprecht steht dennoch fest, dass dies der Flickschuster
Lebrecht gewesen ist, der Eve schon seit einiger Zeit trotz
seiner Warnungen immer wieder nachgestellt habe.
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Der über den von
•
Ruprecht neu ins Spiel gebrachten Namen des Flickschusters
offensichtlich erfreute • Adam
ermuntert Ruprecht weiter zu berichten. So schildert dieser,
dass er die beiden um elf Uhr heimlich belauscht habe und dabei
Geräusche vernommen habe, die für sich sprechen. Nach einer
Viertelstunde seien Eve und der Flickschuster im Haus
verschwunden.
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Ruprecht berichtet weiter,
dass den beiden gefolgt sei und wütend die verriegelte Tür zu
Eves Kammer eingetreten habe. In diesem Moment sei der Krug von
seinem Sims gestürzt und eine Person, die nur der Lebrecht
gewesen sein könne, sei aus dem Fenster in den Garten
gesprungen, um zu flüchten. Dabei sei der Flüchtende aber für
einen Moment im Weinlaub des am Haus angebrachten Spaliers
hängen geblieben, so dass er ihn doch noch erwischt habe und ihm
mit der stählernen Türklinke, die er nach seinem Aufbrechen der
Kammertür noch in der Hand gehabt habe, einen Schlag auf den
Kopf habe verpassen können.
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Adams Schreiber •
Licht vermutet sogleich,
dass dies der Kopf Adams gewesen ist, spielt aber, da er
mit seinem Wissen über die Kopfverletzung Adams an dieser Stelle
nicht herausrückt, nur ein ironisches Spiel mit der
Türklinke als Waffe, das • Adam
als Unfug bezeichnet, ehe er •
Ruprecht auffordert, mit seinem Bericht fortzufahren.
-
Dieser berichtet,
dass er den Flüchtenden aber nicht habe ergreifen können, weil
dieser ihm Sand in die Augen geworfen habe, so dass er selbst zu
Boden gefallen sei. Als •
Eve sich um ihn habe
kümmern wollen, habe er, sie als liederliche Metze beschimpfend,
nach ihr getreten, als •
Marthe Rull begleitet von der
ganzen Nachbarschaft und einigen anderen hinzugekommen sei. Auf
die Frage ihrer Mutter, wer den Krug zerschlagen habe, habe •
Eve ihr gesagt, dass er es
gewesen sei.
-
Marthe Rull hält, was den Krug
betrifft, an ihrer Beschuldigung •
Ruprechts fest und verlangt von ihrer Tochter, als Zeugin
jetzt die Wahrheit zu sagen. Dies will •
Adam mit einem ominösen
Hinweis auf die Prozessordnung verhindern, wird aber von • Walter
gezwungen, als nächstes die Aussage von •
Eve anzuhören.
-
Eine kurze
Unterbrechung, in der • Adam
seine Mägde anweist, ihm und seinem Vorgesetzten Wasser und Wein
zu kredenzen, führt zu einer kurzen Prozesspause.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
30.12.2025
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