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Aspekte der Szenenanalyse

Inhaltliche Gliederung der Szene

Heinrich von Kleist Der zerbrochne KrugHandlungsverlaufEinzelne SzenenSiebter Auftritt

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) Überblick Biografie Erzählende Texte Dramatische Texte Überblick Der zerbrochne Krug Gesamttext (Rechercheversion) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Historischer Hintergrund • Literaturgeschichtlicher Kontext Entstehungsgeschichte
Stoffgeschichte Komposition des Dramas Handlungsverlauf Überblick Analytische DramenstrukturSzenenüberblick Einzelne SzenenÜberblick 1. Auftritt 2. Auftritt 3. Auftritt Bausteine Fragen und Antworten (KI)  4. Auftritt 5. Auftritt 6. Auftritt Siebter Auftritt Text Didaktische und methodische Aspekte [ Aspekte der Szenenanalyse Überblick Inhaltliche Gliederung der Szene ◄ • Aspekte der Analyse und Interpretation ] Bausteine Fragen und Antworten (KI)8. Auftritt 9. Auftritt 10. Auftritt 11. Auftritt 12. Auftritt 13. Auftritt Variant (12. Auftritt) Bausteine Bausteine Figurenkonstellation Einzelne Figuren Sprachliche Form Weitere Aspekte der Analyse RezeptionsgeschichteInterpretationsansätze Bausteine Textauswahl Fragen und Antworten (KI) Links ins Internet Sonstige Texte BausteineLinks ins Internet ...   Schreibformen Rhetorik Filmanalyse ● Operatoren im Fach Deutsch
 

 

teachSam-YouTube-Playlist Dramatische Texte und Theater
teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der zerbrochne Krug"

Der • Siebte Auftritt  (• Text) in ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811)Komödie • ›Der zerbrochne Krug‹ kann auf unterschiedliche Art und Weise nach inhaltlichen Gesichtspunkten in sieben Abschnitte gegliedert werden.

  1. Adam wittert Gefahr und sondiert die Lage

  2. Adam versucht, von Eve mehr zu erfahren, und erpresst sie.

  3. Vor Prozessbeginn

  4. Prozessauftakt mit Hindernissen

  5. Marthe Rulls lange Krugerzählung

  6. Marthe Rulls Version des Geschehens der Vornacht

  7. Ruprechts Version des Geschehens der Vornacht

  1. Adam wittert Gefahr und sondiert die Lage (V 498 - V 508)
  • Adam kehrt in seiner Amtstracht und mit gepudertem Kopf in die Gerichtsstube zurück. Als er Eve und Ruprecht und die beiden anderen wahrnimmt, kommt ihm sofort der Gedanke, sie könnten ihn bei ihm selbst verklagen wollen.

  • Als er vernimmt, wie Eve ihre Mutter Marthe Rull noch einmal inständig bittet, den Gerichtssaal, das "Unglückszimmer" zu verlassen, will er von seinem Schreiber • Licht wissen, was vor seinem Richterstuhl verhandelt werden soll. So erfährt er, dass es, wie • Licht meint, um eine reine Lappalie gehe, nämlich einen zerbrochenen Krug und will wissen, ob schon klar sei, wer den Krug zerbrochen habe, bekommt aber darauf keine Antwort und wird von Licht auf den weiteren Fortgang der Verhandlung vertröstet.

  1. Adam versucht, von Eve mehr zu erfahren, und erpresst sie (V 509 - V 556)
  • Adam versucht daher heimlich Eve ins Gespräch zu kommen, um mehr zu erfahren, wird aber von dieser entschieden zurückgewiesen.

  • Ohne mehr in der Sache erfahren zu haben, will er sich wegen seiner Wunde am Schienbein und Übelkeit verdrücken und fordert • Licht auf, die Verhandlungsführung zu übernehmen. Dieser wehrt lehnt dies jedoch, ohne entsprechende Zustimmung des Gerichtsrats, entschieden ab.

  • Adam versucht daher, weiter in Eve zu dringen, um herauszufinden, was bei dem anstehenden Prozess zur Sprache gebracht werden soll. Als sie erklärt, es werde einzig und allein um den zerbrochnen Krug gehen, warnt er sie, sich klug zu verhalten.

  • Adam macht Eve mit dem Hinweis auf ein Attest, das auf den Namen   Ruprecht augestellt sei, und das er in der Tasche mit sich führe, klar, dass Ruprecht ohne dieses Dokument wahrscheinlich binnen Jahresfrist in Batavia krepiert und sie selbst Witwe sei.

  • Als Adam von Gerichtsrat • Walter ermahnt wird, nicht schon vor dem eigentlichen Prozess mit den Streitparteien zu sprechen, ist Adam schon in Gedanken und erinnert sich daran, bei seinem Abschied etwas klirren gehört zu haben. Zugleich weiß er, dass er "sie" - was er meint, aber nicht ausspricht ist die Perücke -, behutsam (auf den Krug) gehängt hat. Am Ende stellt er sich auf seine Lage ein und sagt sich, dass alles gut oder eben schlecht ausgehen könne.

  1. Vor Prozessbeginn (V 557 - V 574)
  • Walter wundert sich über die offensichtliche Zerstreutheit Adams und will wissen, ob ihm etwas fehle.

  • Adam tischt ihm als Antwort die Geschichte auf, er habe sich beim Essen eines Perlhuhns den Magen verdorben und Eve daher nur fragen wollen, was er dagegen tun könne.

  • Bevor er die Gerichtssession eröffnet, will Adam aber von • Walter erfahren, ob er den anstehenden Prozess auf der Grundlage gesetzlicher Vorgaben oder eben so führen solle, wie man dies hier vor Ort in Huisum gewöhnlich tue. Als der Gerichtsrat unmissverständlich klar macht, dass er davon ausgehe, dass auch in Huisum Recht nach den gesetzlichen Vorgaben gesprochen werde, eröffnet Adam durch den Aufruf der Klägerin zur Anhörung den Prozess.

  1. Prozessauftakt mit Hindernissen (V 575 - V 639)
  • Als • Marthe Rull vortritt, besteht Adam zur Verwunderung Marthes auf der Feststellung ihrer Personalien, wird aber, nachdem • Walter erfährt, dass es sich quasi um eine Nachbarin des Dorfrichters handelt, die ihm persönlich bekannt ist, darauf hingewiesen, darauf zu verzichten.

  • Walter verlangt von Adam die Klägerin nach dem Gegenstand ihrer Klage zu fragen, doch dieser diktiert seinem Schreiber • Licht ins Protokoll, dass es um einen Krug geht, was Marthe mit dem Hinweis, dass es sich um einen zerbrochnen Krug handelt, bestätigt.

  • Als • Marthe Rull auf Adams Frage hin, wer den Krug zerbrochen habe, auf Ruprecht deutet, glaubt Adam trotz des Protest von Ruprecht, der Marthe der Lüge bezichtigt, das gerade erste begonnene Verfahren mit einem raschen Urteil beenden zu können. Als ihn jedoch Walter darauf hinweist, dass ein solches Vorgehen weder dem entspreche, was er ihm aufgetragen habe noch in seinen Augen rechtens sei.

  • Adam versucht sich mit Hinweis zu verteidigen, dass er doch auf seine Anweisung hin, so habe verfahren wollen, wie es es sonst in Huisum üblich sei, muss sich aber von Walter eines besseren belehren lassen.

  • Trotzdem verteidigt er noch einmal seine Position, indem er auf die ungeschriebenen Gesetze und das traditionelle Herkommen verweist, an die er sich stets gehalten habe. Aber natürlich könne er auch anders. Auf Anweisung • Walters beginnt er den Prozess neu und fordert • Marthe Rull auf, ihre Klage vorzubringen.

  1. Marthe Rulls lange Krugerzählung (V 640 - V 741)
  • Marthe Rull erzählt, während sie den beschädigten Tonkrug und die Scherben präsentiert, ehe sie die Umstände schildert, wie der Krug zerbrochen sein soll, breit und ausführlich, wie der Krug zuvor ausgesehen hat. Zunächst beschreibt sie, welche verschiedenen historische Szenen darauf abgebildet waren bzw. noch in Fragmenten zu sehen sind, um die ideelle Bedeutsamkeit zu unterstreichen, den das Gefäß für sie hat.

  • Sie beginnt mit einer Stelle, an der der Krug ein Loch aufweist, also nichts mehr zu sehen ist. Hier sei die Übergabe der niederländischen Provinzen an den Sohn Karls V. Philipp (II., dargestellt gewesen. Von Karl sehe man nur noch die Beine und von seinem Sohn nur noch das Hinterteil. Ähnlich verhält es sich mit anderen Abbildungen der französischen und ungarischen Königinnen, den Schwestern Karls V., und der des Bischof von Arras sowie Abbildungen des Großen Markts in Brüssel, wo ein Neugieriger aus seinem Fenster nur noch ins Leere schauen könne.

  • Als • Adam genug davon hat, fährt sie dennoch fort, und schildert, die Geschichte, wie sie in den Besitz des Kruges gekommen ist. Erstbesitzer sei Childerich, ein Kesselflicker, der als Wassergeuse an der Belagerung von Briel durch Wilhelm von Oranien gewesen, der den Krug von einem niedergerungenen Spanier erbeutet habe. Dann sei er im Besitz des Totengräbers Fürchtegott gewesen, der nur dreimal aus ihm getrunken habe, und zwar zuletzt als seine Frau verstorben sei. Der nächste Besitzer, Zachäus aus Tirlemont, habe bei der Plünderung der Stadt durch die französischen Truppen, den Krug aus dem Fenster geworfen, der das unbeschadet überstanden, während er selbst beim Sprung aus dem Fenster sich das Genick gebrochen habe.

  • Als sie fortfahren will, was dem Krug, als er schon im Besitz ihres Mannes gewesen sei, in einer Feuersbrunst von 1666 widerfahren sei, wird sie von • Adam erneut unterbrochen und ermahnt, nur noch zur Sache zu sprechen. Marthe Rull besteht aber darauf ihre Klage so vorbringen zu können, wie sie es sich vorstellt. Sie berichtet noch, ehe sie nun auch von • Walter unterbrochen wird, dass der Krug auch diese Flammen unbeschadet überstanden habe.

  • Sie beendet ihre Erzählung mit der Anschuldigung, dass • Ruprecht den Krug zerbrochen habe.

  1. Marthe Rulls Version des Geschehens der Vornacht (V 742 - V 845)
  • Von • Adam aufgefordert ihre Beobachtungen über den Tathergang zu schildern, der zum Bruch des Krugs geführt habe, berichtet • Marthe Rull, wie sie in der vergangenen Nacht um elf Uhr auf laute Männerstimmen und tumultartige Geräusche aus • Eves abgelegener Kammer hin, dort nach dem rechten habe sehen wollen. Dabei habe sie dort, nachdem sie durch die aufgebrochene Tür in die Kammer Eves eingetreten sei, den Krug zerbrochen, den herumtobenden • Ruprecht und ihre verängstigte Tochter vorgefunden.

  • Als • Marthe Rull Ruprecht wegen des in Scherben liegenden Krugs zur Rede gestellt habe, habe dieser erklärt, dieser sei von einem anderen, der gerade aus • Eves Kammer geflohen sei, vom Sims heruntergestoßen worden. Zugleich habe er Eve übel beschimpft.

  • Als sie ihre Tochter daraufhin gefragt habe, habe diese ihr geschworen, dass kein anderer als • Ruprecht für das Zerbrechen des Krugs verantwortlich sei. Doch • Eve bestreitet zur Überraschung ihrer Mutter, einen solchen Schwur geleistet zu haben.

  • Adam, der den mit Zwischenrufen protestierenden • Ruprecht mit derben Worten und Drohungen zum Schweigen aufgefordert hat, interveniert und ermahnt • Marthe Rull ihre Tochter wegen ihres angeblichen Schwurs nicht weiter einzuschüchtern, zumal dieser für ihre Aussage zur Sache eigentlich nichts beitrage.

  • Walter kommentiert, die Art und Weise, wie sich • Adam einmischt, mit Missfallen, was • Marthe Rull ermuntert, in der Öffentlichkeit des Gerichts den Gedanken weiter zu spinnen, was es bedeuten würde, wenn sich tatsächlich ein anderer als • Ruprecht in Eves Kammer aufgehalten habe. Sie spricht die Konsequenzen einer solchen Möglichkeit zwar nicht aus, bezeichnet ihre Tochter aber in einem solchen Fall als schamlos und liederlich, die daraus entstehenden Folgen zu tragen habe. Sie beharrt allerdings auch darauf, dass Eve, ihr auch ohne Eid gesagt habe, dass • Ruprecht der Täter und der einzige gewesen sei, der in Eves Kammer gewesen sei. Diese Version wird dann auch von • Eve unter wütendem Protest • Ruprechts bestätigt. Adam will, dass • Ruprecht als Täter im Protokoll festgehalten wird.

  • Walter unterbindet dies mit seiner Anweisung an den Protokoll führenden Schreiber • Licht, lediglich zu notieren, dass • Eve eingeräumt habe, ihrer Mutter gegenüber in der Vornacht ein solches Geständnis gemacht zu haben. Zugleich äußert er sein Missfallen darüber, wie • Adam alles dafür tue, den Verdacht auf • Ruprecht zu lenken und den Prozessverlauf nach eigenem Gutdünken zu gestalten. Statt die Zeugin Eve schon zu befragen, müsse doch erst einmal dem Beschuldigten Gelegenheit gegeben werden, sich zur Sache zu äußern.

  • Adam gibt vor, sich lediglich geirrt zu haben, wird aber von • Walter zurechtgewiesen und damit konfrontiert, dass dies der letzte Prozess sei, dem er als Richter vorsitze.

  1. Ruprechts Version des Geschehens der Vornacht (V 846 - V 1069)
  • Als • Ruprecht seine Aussage machen will, versucht • Adam, ihn von Anfang an zu verunsichern und seine mögliche Entgegnung als Lüge abzuwerten, bis • Walter ihm offen droht, ihm die Prozessführung zu entziehen und sie seinem Schreiber • Licht zu übertragen. Durch die Aufforderung • Adams an • Ruprecht, den Tathergang aus seiner Sicht zu schildern, kann Adam dies gerade noch einmal verhindern.

  • Ruprecht berichtet in seiner Darstellung der Ereignisse der Vornacht, dass er gegen zehn Uhr mit Zustimmung seines Vaters, dem er versichert habe, nur noch am Fenster etwas mit seiner Braut reden zu wollen, nach zehn Uhr am Tor zum Garten • Marthe Rulls, das um diese Zeit eigentlich immer schon verschlossen sei, angekommen sei. In der Dunkelheit habe er darin Eve an ihrer Kleidung erkannt  und jemanden anderen bemerkt, den er aber im Dunkel der Nacht nicht habe sehen können.

  • Für • Ruprecht steht dennoch fest, dass dies der Flickschuster Lebrecht gewesen ist, der Eve schon seit einiger Zeit trotz seiner Warnungen immer wieder nachgestellt habe.

  • Der über den von • Ruprecht neu ins Spiel gebrachten Namen des Flickschusters offensichtlich erfreute • Adam ermuntert Ruprecht weiter zu berichten. So schildert dieser, dass er die beiden um elf Uhr heimlich belauscht habe und dabei Geräusche vernommen habe, die für sich sprechen. Nach einer Viertelstunde seien Eve und der Flickschuster im Haus verschwunden.

  • Ruprecht berichtet weiter, dass den beiden gefolgt sei und wütend die verriegelte Tür zu Eves Kammer eingetreten habe. In diesem Moment sei der Krug von seinem Sims gestürzt und eine Person, die nur der Lebrecht gewesen sein könne, sei aus dem Fenster in den Garten gesprungen, um zu flüchten. Dabei sei der Flüchtende aber für einen Moment im Weinlaub des am Haus angebrachten Spaliers hängen geblieben, so dass er ihn doch noch erwischt habe und ihm mit der stählernen Türklinke, die er nach seinem Aufbrechen der Kammertür noch in der Hand gehabt habe, einen Schlag auf den Kopf habe verpassen können.

  • Adams Schreiber • Licht vermutet sogleich, dass dies der Kopf Adams gewesen ist, spielt aber, da er mit seinem Wissen über die Kopfverletzung Adams an dieser Stelle nicht herausrückt, nur ein ironisches Spiel mit der Türklinke als Waffe, das • Adam als Unfug bezeichnet, ehe er • Ruprecht auffordert, mit seinem Bericht fortzufahren.

  • Dieser berichtet, dass er den Flüchtenden aber nicht habe ergreifen können, weil dieser ihm Sand in die Augen geworfen habe, so dass er selbst zu Boden gefallen sei. Als • Eve sich um ihn habe kümmern wollen, habe er, sie als liederliche Metze beschimpfend, nach ihr getreten, als • Marthe Rull begleitet von der ganzen Nachbarschaft und einigen anderen hinzugekommen sei. Auf die Frage ihrer Mutter, wer den Krug zerschlagen habe, habe • Eve ihr gesagt, dass er es gewesen sei.

  • Marthe Rull hält, was den Krug betrifft, an ihrer Beschuldigung • Ruprechts fest und verlangt von ihrer Tochter, als Zeugin jetzt die Wahrheit zu sagen. Dies will • Adam mit einem ominösen Hinweis auf die Prozessordnung verhindern, wird aber von • Walter gezwungen, als nächstes die Aussage von • Eve anzuhören.

  • Eine kurze Unterbrechung, in der • Adam seine Mägde anweist, ihm und seinem Vorgesetzten Wasser und Wein zu kredenzen, führt zu einer kurzen Prozesspause.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 30.12.2025

 
 

 
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