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Vergleich der Langfassung (Variant) und der Fassung der Buchausgabe (Kurzfassung, 1811)

Überblick

« Der zerbrochne Krug « – « – Variant (12. Auftritt) « Aspekte der Analyse und Interpretation

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) Überblick Biografie Erzählende Texte Dramatische Texte Überblick Der zerbrochne Krug Gesamttext (Rechercheversion) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Historischer Hintergrund • Literaturgeschichtlicher Kontext Entstehungsgeschichte
Stoffgeschichte Komposition des Dramas Handlungsverlauf Überblick Analytische DramenstrukturSzenenüberblick Einzelne SzenenÜberblick1. Auftritt 2. Auftritt 3. Auftritt 4. Auftritt 5. Auftritt 6. Auftritt 7. Auftritt 8.Auftritt 9. Auftritt  10. Auftritt 11. Auftritt 12. Auftritt 13. Auftritt VARIANT (12. Auftritt) Text Didaktische und methodische Aspekte Aspekte der Szenenanalyse Überblick Inhaltliche Gliederung der Szene Aspekte der Analyse und Interpretation  Überblick Die Haltung Eves Das Münzgleichnis Die Begnadigung Adams [ Vergleich der Langfassung (Variant) und der Fassung der Buchausgabe (1811) Überblick ◄ • Die Vorgeschichte in der Langfassung (Variant) und in der Buchausgabe (1811 ] Bausteine Fragen und Antworten (KI)Bausteine Bausteine Figurenkonstellation Einzelne Figuren Sprachliche Form Weitere Aspekte der Analyse RezeptionsgeschichteInterpretationsansätze Bausteine Textauswahl Fragen und Antworten (KI) Links ins Internet Sonstige Texte BausteineLinks ins Internet ...   Schreibformen Rhetorik Filmanalyse ● Operatoren im Fach Deutsch
 

 

teachSam-YouTube-Playlist Dramatische Texte und Theater
teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der zerbrochne Krug"

Langfassung (1802ff.) und Buchausgabe (1811)
Die Enthüllungen zur Vorgeschichte in den verschiedenen Textversionen

Heinrich von Kleist (1777-1811) hat seine • KomödieDer zerbrochne Krug, die er zwischen 1802 und 1807 niedergeschrieben hat, schon in dieser Zeit • mehrfach überarbeitet.

Erstmals zur Aufführung auf einer Theaterbühne kam es im Jahr 18008. Die • Uraufführung unter »Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832) Regie am »Weimarer Hoftheater im Jahr 1808 endete als ein Riesendebakel.

Das Publikum war wohl überwiegend gelangweit oder konnte mit der derben Sprache, die Kleists Figuren artikulierten, nichts anfangen. Kurz und gut: Das Stück fiel beim Publikum durch.

Auf der Suche nach dem Schuldigen des Debakels machte man entweder den Autor und sein Stück selbst verantwortlich oder zog über die katastrophale Leistung der Schauspieler, namentlich des Darstellers des Dorfrichters • Adam her.

Bald schon konzentrierte sich die • Kritik auf Kleist, dem man u. a. mangelndes dramatisches Talent bescheinigte, weil sich das Stück so handlungsarm über eineinhalb Stunden reiner Spielzeit zog,

Ganz konkret warf man dem Autor vor, nicht nur "moralischen Aussatz" (»Henriette von Knebel) auf die Bühne gebracht zu haben, sondern vor allem, dass er mit den • "ellenlangen Reden" und der Tatsache, dass vor allem •"im letzten Akte so entsetzlich viel und alles so breit erzählt" werde, den • "Geduldsfaden" des Publikums einfach so lange überspannt habe, bis dieser gänzlich gerissen sei und die Zuschauerinnen und Zuschauer zu lauten Missfallenskundgebungen gereizt habe. (• Zeitung für die elegante Welt,14. März 1808)

Als Reaktion auf die negativen Urteile über die Weimarer Inszenierung durch das Publikum und einiger Kritiker veröffentlichte Kleist im März 1808 einige Fragmente (2., 6. und 7. Auftritt) aus dem Lustspiel in der gemeinsam mit »Adam Müller von Nittersdorf (1779-1829) ​herausgegebenen Zeitschrift Phöbus. Ein Journal für die Kunst. Darin gab er der Hoffnung Ausdruck, dass sich die Leser dadurch selbst ein Bild darüber machen könnten, warum "das Stück auf der Bühne von Weimar verunglückt ist". Allerdings dürfte die Wirkung dieses Rechtfertigungsversuches eher gering gewesen sein.

In der von Kleist selbst besorgten Buchausgabe des Stücks, die 1811 in Druck ging, präsentierte er das Stück mit einem neuen, erheblich kürzeren Schluss. Der neu konzipierte 12. Auftritt, der ursprünglich einmal 515 Verse umfasst hatte, war darin auf knapp 60 Verse gekürzt. Allerdings hat er den ursprünglichen Schluss der Handschrift der Buchausgabe als Anhang beigefügt und diese selbst als "Variant" bezeichnet.

Der neue Schluss der Buchausgabe bringt die Handlung schneller zu einem Ende und rundet dabei doch das gesamte Lustspiel mit dem Aufdecken des vermeintlich geheimen Briefes als Fälschung Adams, der Reue Ruprechts wegen seiner ungerechtfertigten Herabsetzung Eves und der schließlichen Versöhnung von Ruprecht und Eve als Brautpaar angemessen ab, ohne dass darin die eigentlichen Hintergründe des Geschehens noch einmal thematisiert werden.

Dadurch geht aber auch verloren, was die Langfassung des Schlusses bei aller Kritik ausgezeichnet hat, nämlich die • Darstellung des inneren Konfliktes, in dem sich Eve befindet. Im Grunde fällt damit weg, was die junge Frau, als sie sich, des Lesens unkundig, auf Gedeih und Verderb dem skrupellosen Amtsmissbrauch und der sexuellen Erpressung durch den alten Dorfrichter Adam ausgesetzt sieht, innerlich erlebt und wie sie damit umgeht. Der Variant hingegen, der alles Komische, nicht zuletzt dadurch, dass Adam der Konfiguration nach seiner Flucht nicht mehr angehört, hinter sich lässt, verleiht, in dem er dies alles en détail zur Darstellung bringt, dem Stück jene tragische Komponente, die es insgesamt zu einer besonderen Tragikomödie werden lässt.

Dazu bedarf es der vollständigen Aufklärung über die Vorgeschichte, die nur Eve mit ihrem bis zuletzt gehaltenen Wissensvorsrprung im Vergleich zu den anderen Figuren und dem Publikum geben kann. Dies macht die • Gegenüberstellung der Informationen zur Vorgeschichte, die in den beiden Textversionen gegeben werden, deutlich. Die Fassung der Buchausgabe der Komödie aus dem Jahr 1811 belässt es aufgrund der von Kleist vorgenommenen Kürzungen der älteren Langfassung bei deutlich weniger Informationen.

Heute, wie damals haben die Leserinnen und Leser durch die Entscheidung Kleists, beide Fassungen der Nachwelt zu hinterlassen, die Wahl, welchen Text sie für ihre jeweils eigene Lesart des Stücks bevorzugen. Ein Richtig oder Falsch existiert jedenfalls unter diesen vom Autor selbst geschaffenen und erhaltenen Rezeptionsvarianten nicht.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 19.01.2026

 
 

 
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