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teachSam-YouTube-Playlist Dramatische Texte und Theater
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teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der
zerbrochne Krug"
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Langfassung (Variant) und Buchausgabe (1811)
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Die Enthüllungen zur Vorgeschichte in den verschiedenen Textversionen
Heinrich von Kleist (1777-1811)
hat sein Drama •
Der zerbrochne Krug, das er
zwischen 1802 und 1807 niedergeschrieben hat, schon in dieser Zeit
• mehrfach überarbeitet.
In der von Kleist selbst besorgten Buchausgabe des Stücks, die 1811
in Druck ging, präsentierte er das Stück mit einem neuen, erheblich
kürzeren Schluss. Der neu konzipierte
12. Auftritt, der
ursprünglich
einmal 515 Verse umfasst hatte, war darin auf knapp 60 Verse
gekürzt. Allerdings hat er den ursprünglichen Schluss der
Handschrift der Buchausgabe als Anhang beigefügt und diese selbst
als Variant bezeichnet.
Die Fassung der
Buchausgabe aus dem Jahr 1811 belässt es aufgrund der
von Kleist vorgenommenen Kürzungen der älteren Langfassung bei deutlich weniger Informationen über die
• Vorgeschichte.
Der neue Schluss bringt die Handlung schneller zu einem Ende und
rundet dabei doch das gesamte Lustspiel mit dem Aufdecken des
vermeintlich geheimen Briefes als Fälschung •
Adams, der Reue
•
Ruprechts
wegen seiner ungerechtfertigten Herabsetzung •
Eves und der
schließlichen Versöhnung von •
Ruprecht und •
Eve als Brautpaar
angemessen ab, ohne dass darin die eigentlichen Hintergründe des
Geschehens noch einmal thematisiert werden.
Dabei verzichtet die
Kurzfassung der Buchausgabe letzten Endes auf die einen ganz wichtigen Teil der
Figurenperspektive • Eves, indem sie auf
die Darstellung des inneren Konfliktes,
in dem sich
•
Eve befindet, als
die junge Frau sich des Lesens unkundig, auf Gedeih und Verderb dem
skrupellosen Amtsmissbrauch und der sexuellen Nötigung durch den alten
Dorfrichter • Adam ausgesetzt sieht.
Wie sich die
Rekonstruktion der Vorgeschichte in beiden Textfassungen unterscheidet,
soll die nachfolgende tabellarische Gegenüberstellung verdeutlichen.
(Die verlinkte Fassung der Tabelle finden sie •
hier.)

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Heute, wie damals haben die Leserinnen und Leser durch die
Entscheidung Kleists, beide Fassungen der Nachwelt zu hinterlassen,
die Wahl, welchen Text sie für ihre jeweils eigene Lesart des Stücks
bevorzugen. Ein Richtig oder Falsch existiert jedenfalls unter
diesen vom Autor selbst geschaffenen und erhaltenen
Rezeptionsvarianten nicht.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
16.01.2026
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