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teachSam-YouTube-Playlist Dramatische Texte und Theater
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teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der
zerbrochne Krug"
Der •
Zwölfte Auftritt (Variant) (•
Text)
in
▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) •
Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹ kann in die nachfolgenden drei Abschnitte gegliedert
werden.
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Ruprechts Reue, Eves Schweigen und Walters Forderung nach
Wahrheit
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Nach der endgültigen Entlarvung und Flucht •
Adams zeigt sich • Ruprecht geplagt von Gewissensbissen wegen seiner ungerechtfertigten
Verurteilung • Eves. Er fleht sie
reumütig um Verzeihung an und gesteht ein, dass seine
Verdächtigungen völlig unbegründet gewesen sind. •
Eve, die sich aber nicht so ohne Weiteres davon beeindrucken
lässt, ist aber letzten Endes bereit, wieder einzulenken und ihre
Beziehung zu • Ruprecht
fortzusetzen.
-
Gerichtsrat Walter hält •
Eve allerdings auch vor, dass sie selbst zu dem Missverständnis
beigetragen habe, weil sie ihrer Mutter
Marthe in der Nacht zuvor nicht gleich reinen Wein eingeschenkt
habe.
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Als • Ruprecht •
Eve in Schutz nimmt und erklärt, dass sie wohl aus Scham
geschwiegen habe und ihr Geheimnis ruhig noch eine Weile für sich
behalten könne, besteht • Walter
indessen auf ihrer wahrheitsgemäßen Aussage über die Geschehnisse
der vergangenen Nacht, da nur mit ihrer Hilfe die Streitsache um den
zerbrochenen Krug aufgeklärt und ihre eigene Unschuld bewiesen
werden könne.
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Eve, die nun von • Ruprecht
ermuntert wird, zu berichten, was der •
Adam von ihr gewollt
habe, sieht darin aber zunächst einmal wenig Sinn, denn die Aussicht
auf ein gemeinsames und glückliches Leben mit • Ruprecht
in der Zukunft hält sie angesichts der Tatsache, dass er bei der
Soldatenaushebung zum Dienst gerufen worden sei, für nicht
möglich. Daher erfleht sie in dieser Angelegenheit die Hilfe des •
Walters und will erst dann
aussagen, wenn dieser sich in einem Akt der Menschlichkeit für • Ruprecht
und das künftige Glück des Paares verwende.
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Eves Bericht: Konskription, Adams Täuschung, nächtlicher
Übergriff und Zerbrechen des Krugs
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Als dieser
dies zusichert, teilt ihm Eve ihr
Wissen über die Konskriptionen mit, wie sie es von •
Adam
erfahren hat. Allerdings wendet der •
Walter ein, könne sich • Ruprecht
dieser Pflicht nicht entziehen.
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Für • Eve steht dies auch
grundsätzlich nicht in Frage, mit einem Dienst bei der Landmiliz zum
Schutz der Mauern von Utrecht vor den Spaniern kann sie sich
durchaus abfinden.
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Allerdings habe sie von • Adam
erfahren, dass die neu ausgehobenen Truppen entgegen aller
Versprechungen schon in wenigen Wochen in niederländische Gebiete in
Asien verschifft würden, von wo bekanntlich kaum einer mehr nach
Hause zurückkehre.
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Eve nimmt zwar zur Kenntnis, dass
• Walter erklärt, er wisse von
solchen Absichten nichts, vertraut ihm aber nicht.
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Zum Beweis
für seine Behauptungen habe • Adam ihr nämlich ein vertrauliches
Schreiben der Ämter von Utrecht gezeigt und vorgelesen, da sie
selbst nicht lesen könne.
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Zugleich habe • Adam ihr das Angebot gemacht,
• Ruprecht mit einem Attest des Physikus vom Militärdienst freistellen
zu lassen. Obwohl sie anfänglich nicht darauf habe eingehen wollen,
sei sie, nachdem ihr der vermeintliche Betrug bei den Konskriptionen
klar geworden sei, entschlossen gewesen, auf dieses Angebot
einzugehen.
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Zum Dank habe • Eve sich zu allem
bereit erklärt, was • Adam mit
redlichen Absichten von ihr dafür fordere.
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Adam habe •
Eve daraufhin
versprochen, den Physikus unverzüglich zum Ausstellen des Attests zu
veranlassen. Zugleich habe er ihr vorgeschlagen, ihr das Schreiben
nach in der gleichen Nacht persönlich zu bringen, was sie allerdings
abgelehnt habe. So hätten sie schließlich vereinbart, dass sie es am
Vormittag des kommenden Tages beim Dorfrichter abholen werde.
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Als • Eve in der darauf folgenden
Nacht erfolglos auf • Ruprecht
gewartet habe und um zehn Uhr die Gartentüre habe verschließen
wollen, sei sie auf eine im Dunkel der Nacht kaum erkennbare Person
aufmerksam geworden, die sie zunächst für • Ruprecht
gehalten habe. Sie habe sich aber schnell als der Dorfrichter •
Adam herausgestellt.
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Adam sei schnell
übergriffig geworden und habe offensichtlich klare Vorstellungen
darüber gehabt, was er zu so später Stunde von •
Eve als Dank haben wolle. Als sie
ihn zurückgewiesen habe, habe er erklärt, dass er ihr entgegen ihrer
Vereinbarung wegen einer plötzlich angesetzten Reise am kommenden
Tag das Attest noch in dieser Nacht selbst habe vorbeibringen
wollen.
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Auf eine Nachfrage • Walters erklärt der Schreiber •
Licht, dass er von einer solchen
Anweisung zu einer Dienstreise nichts wisse.
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Eve berichtet weiter, dass •
Adam daraufhin zum gänzlichen
Ausfüllen des Schreibens mit ihr in ihre Kammer habe mitgehen
wollen.
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Als •
Eve sich dies ohne den
Beistand ihrer schlafenden Mutter verbeten habe, habe •
Adam sie damit
erpresst, dass er dann das Blanko-Schreiben vor seiner Abreise nicht
mehr ordnungsgemäß mit dem Namen von • Ruprecht
ausfüllen könne und dieser dann eben in drei Tagen einrücken müsse.
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Notgedrungen habe •
Eve ihn daher mit in ihre Kammer
genommen, wo • Adam sogleich die
Tür von innen verschlossen habe, seine Weste geöffnet und die
Perücke abgenommen und auf den Krug abgesetzt habe. Dann habe er
ihre Hände gefasst und sie eine Weile lang, ohne etwas zu sagen,
angesehen.
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Als •
Eve durchschaut habe, worauf •
Adam aus gewesen sei, habe sie ihn
zurückgestoßen, als sie zugleich • Ruprechts
Pochen gegen die verschlossene Türe gehört habe.
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Adam habe aus Angst vor Entdeckung
das Attest und seine Schreibutensilien gepackt, sei zum Fenster
gegangen, und dabei habe er, noch ehe er vom Fensterbrett hinunter
gesprungen sei, noch so überstürzt nach seiner Perücke gegriffen,
dass der Krug zu Boden gefallen sei und dies genau zu dem
Augenblick, in dem • Ruprecht
in ihre Kammer habe eindringen können.
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Ruprecht sei indessen so
aufgebracht gewesen, dass er •
Eve von sich und umgestoßen habe.
Als sie ihn habe beruhigen wollen, habe er aber nach ihr geschlagen
und getreten.
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Als nächstes sei ihre Mutter • Marthe in Begleitung von Nachbarn und
verschiedenen Bekannten in die Kammer gekommen. Sie hätten • Ruprecht
entgegen seiner Beteuerung, dass es ein anderer gewesen sei, für den
Schuldigen gehalten, der den Bruch des Kruges zu verantworten habe.
Zugleich hätten alle mit dem Finger auf •
Eve gezeigt und erwartet, dass
sie, wenn dem so sei, das Geheimnis um den vermeintlichen anderen
lüften werde. Da sie jedoch dazu geschwiegen und auf entsprechende
Fragen nur mit einem Nicken Zustimmung signalisiert habe, seien die
anderen der festen Überzeugung gewesen, dass nur • Ruprecht
als Schuldiger in Frage komme.
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Eve habe sich zwar am heutigen
Morgen noch vergeblich mit • Ruprecht
darüber aussprechen wollen, ihre Mutter •
Marthe habe aber schon den Entschluss gefasst, die Sache mit dem
zerbrochenen Krug vor den Dorfrichter zu bringen.
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Walter, der aller
fragwürdiger Handlungen •
Eves zum Trotz die Ursache in dem von •
Adam inszenierten Betrug sieht, stellt dazu
fest, dass das vermeintlich geheime Schreiben, welches •
Adam •
Eve vorgelesen hatte, eine frei
erfundene Fälschung gewesen sei: Die Landmiliz, bei der • Ruprecht
seinen Dienst antreten müsse, bleibe in jedem Falle in den
Niederlanden.
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Ruprecht und •
Eve, die auf ähnliche Vorkommnisse
sieben Jahre zuvor verweisen, glauben indessen diese Erklärung •
Walters nicht und sehen in ihr
einen weiteren Versuch, sie zu täuschen.
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Aufklärung, Vertrauenswette und Versöhnung
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Walter, der seine
Zusage einhalten will, bietet •
Eve daraufhin Geld an, um • Ruprecht
vom Militärdienst freizukaufen. Wenn die Landmiliz wirklich nach
Asien verschifft werde, könne sie das Geld behalten, andernfalls sei
sie verpflichtet, es ihm in Raten zurückzuzahlen.
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Doch • Ruprecht, und mit ihm auch
•
Eve, glauben den Worten •
Walters nicht und weisen den
Beutel mit den 20 Gulden zurück.
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Mit dem Hinweis, dass die Gulden die Prägung des spanischen Königs
trügen und dieser damit quasi für die Wahrheit der von ihm gemachten
Aussagen bürge, gelingt es • Walter
schließlich •
Eve und • Ruprecht
von seinem Angebot zu überzeugen.
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Ruprecht erklärt aber, dass er
unter diesen Umständen seinen einjährigen Dienst bei der Landmiliz
in Utrecht antreten wolle .Eve ist
damit einverstanden und erklärt, dass sie dann eben ein Jahr später
als ursprünglich geplant, an Pfingsten zu heiraten beabsichtigten.
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Walter, der zuvor, als er das
Vertrauen von •
Eve gewonnen hat, dieser mit
Zustimmung • Ruprechts (!) einen
Kuss gegeben hat, will an der Hochzeit der beiden teilnehmen. Er versichert sich noch, dass
die den Streit führenden Personen, •
Frau Marthe und der Vater von Ruprecht, •
Veit, mit dem Vereinbarten
einverstanden sind und kommt dann noch einmal auf den verschwundenen
• Adam zu sprechen.
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Vom Fenster aus sehen die Anwesenden, wie sich •
Adam durch die Winterlandschaft
davonmacht und dabei seine Perücke wie eine Peitsche auf den Rücken
schlägt. Walter lässt ihn
zurückholen, auch wenn er ihn aus dem Amt entfernt. Wenn die
Überprüfung der Gerichtskasse keine Beanstandungen ergäben, könne er
sich schon noch irgendeine Verwendung für •
Adam vorstellen.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
30.12.2025
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