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Allgemeine Theorie der
Persönlichkeit von Sigmund Freud
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Ödipus-Konflikt
Heinrich von Kleist (1777-1811)
selbst hat schon auf Parallelen zwischen seiner Komödie
• "Der zerbrochne
Krug"
und der ▪
antiken griechischen Tragödie
»"König
Ödipus" von »Sophokles
(497/496-406/405 v. Chr.) hingewiesen. Gemeinsam ist ihnen
die
▪
analytische Struktur
der Dramenhandlung, einer "Technik, in der die im Auftakt
präsentierte Situation im weiteren Verlauf der szenischen
Handlung sukzessive in ihren Bedingungen beleuchtet wird" und
"der Ausgang [...] somit bereits vorgezeichnet [ist]." (Boehnisch
2012, S.137) Dramaturgisch wird die analytische Form durch
die Gerichtsverhandlung vorgegeben. (vgl.
Schneider 2013, S.34) Allerdings treten dabei das gegenläufige
Spiel, das • Adam mit seinen
Vertuschungsmanövern und Täuschungsversuchen treibt, und die
analytische Bauform in einen
ironischen
Kontrast. (vgl.
Titzmann 91974. S.263)
Zudem weisen beide Theaterstücke auch gravierende Unterschiede
auf, so dass Manfred
Pfister
(1977, S.84) beim zerbrochnen Krug von einer "ins
Komische gewendeten
Kontrafaktur der Oidipus-Fabel" spricht. Dabei betrifft die
"spiegelbildliche
Verkehrung" (Schadewaldt
1967, S.319f., zit. n.
van Rinsum/van Rinsum 1978, S.95), die Kleists Komödie im
Vergleich zur antiken Tragödie vornimmt, eine Vielzahl von
unterschiedlichen Aspekten.
Ingesamt stellt die Gattungsform der Tragödie in Kleists
"Komödie auf dem Grundmuster des ›Ödipus‹" (Fülleborn
2004, S.91) einen wichtigen Bezugpunkt dar, weil es dem
"Muster des ›Ödipus‹ mit seiner anscheinend ausweglos-tragischen
Zwangsläufigkeit" folgt. zum anderen den Hintergrund der eigenen
nicht gelungenen Tragödie, wobei diese zweite Relation die noch
wichtigere sein dürfte. Hinzukommt, dass Kleists Orientierung am
›Ödipus‹ auch damit zusammenhängt, dass er sein eigenes, groß
angelegtes Tragödienprojekt (›Robert
Guiskard. Herzog der Normänner‹) nicht vollenden konnte und
es Fragment geblieben ist.
Die Unterschiede zwischen den Stücken Kleists und von Sophokles
betreffen z. B. nicht nur die
"Umsetzung des einen Weltbereichs in den anderen" ((Schadewaldt
1967, S.319f., zit. n.
van Rinsum/van Rinsum 1978, S.95), sondern auch die Figuren,
bei denen der Dorfrichter Adam "die genaue Umkehrung des Ödipus,
sein Gegenbild wie im Zerrspiegel" (ebd.)
darstellt.
Adams "fast schrankenloser Wille zur Lüge"
steht dem "großen Wahrheitswillen des Ödipus" (ebd.)
diametral entgegen, denn "anders als ein griechischer Vorgänger
weiß Adam sich von Anfang an als der Schuldige, und seine
Prozessführung dient nicht der Aufklärung, sondern der
Verbergung des wahren Sachverhalts." (Schneider 2013, S.34)
Darin unterscheiden sich Adam und Ödipus, so dass eigentlich von
einer beiden Figuren gemeinsamen Detektivrolle, wie
Wellbery (1997, S.24) meint, nicht die Rede sein kann, da
"die wesentliche Differenz zwischen den Protagonisten diejenige
(ist), dass Ödipus erst wissend wird, während Adam sein stets
präsentes Wissen gewaltsam zu verdrängen sucht, indem er einen
Unschuldigen verurteilt." (Pickerodt 2004,
S.119)
Seine verschiedenen Manöver, mit denen er die Wahrheit
vertuschen will, möge man, so
Schneider (2013) weiter im Vergleich zur antiken Tragödie als
"weniger monströs" ansehen, harmlos seine Täterschaft aber
deshalb nicht. Schließlich handle es sich um sexuelle
Erpressung, die mit Amtmissbrauch einhergehe. Dabei werde die
Tragödie "auf die Ebene der Komödie heruntergespielt [...] die
traditionell dem ›niedrigen‹ Bereich des Lebens, dem
Alltäglichen und dem Körperlichen zugeordnet" sei. Statt der "hohe(n)
Welt von Königen und Fürsten, Menschen von großer Art, mit
großen Leidenschaften, großen Zwecken [...] die enge Dorfwelt
[...] eine Bauernstube, die Schlafraum und zugleich Gerichtsraum
ist, wo Hosen am Ofen trocknen, Schinken und Würste in der
Registratur aufbewahrt werden und vielleicht gar die Katze in
die Perücke hineingejungt hat." (Schadewaldt
1967, S.319f., zit. n.
van Rinsum/van Rinsum 1978, S.94).
In der griechischen Tragödie »"König
Ödipus" von »Sophokles
(497/496-406/405 v. Chr.) will der König und oberste Richter
von
Theben den Mörder seines Vorgängers »Laios
ermitteln. Während der Untersuchung überführt er sich selbst als
den Mann, der unwissentlich Laios, seinen eigenen Vater, getötet
hat und nach dessen Tod mit seiner eigenen Mutter, »Iokaste,
verheiratet ist, mit der er vier Kinder gezeugt hat.
Die Vorgeschichte und
damit der »Ödipus-Mythos
als solcher mit seinen zentralen mythischen Motiven (»Mytheme)
(»Orakel
und Aussetzung des Ödipus, »Ermordung
seines Vaters Laios, »Begegnung
mit der Sphinx und »Ehe
mit der Mutter Iokaste sowie der Selbstmord der Mutter und die
Selbstblendung des Ödipus) werden von Sophokles in seinem Stück
thematisiert und zusammengeführt und dürften den antiken Rezipientinnen
und Rezipienten im Allgemeinen bekannt gewesen sein.
Einst will »Laios
von Theben »Chrysippos,
den Sohn des Königs »Pelops
von »Pisa
auf der Halbinsel »Peloponnes,
entführen, weil er sich in den Knaben verliebt. Weil er damit auch die
Gastfreundschaft von Pelops bricht, wird er von diesem und womöglich
auch von
Hera, der Frau des wichtigsten
olympischen
Gottes,
Zeus, verflucht.
Laios heiratet »Iokaste,
die Ehe bleibt aber lange Zeit kinderlos und damit scheint sein Ziel,
mit einem männlichen Nachkommen eine eigene Dynastie zu begründen, in
weite Ferne gerückt. Daher entscheidet er sich dafür, das »Orakel
von Delphi zu befragen und erfährt so auch von dem auf ihm lastenden
Fluch.
Vom »Orakel
von Delphi erhält Laios daraufhin die düstere Prophezeiung und eine
unmissverständliche Warnung: Falls er je einen Sohn zeugen sollte, werde
ihn dieser töten und dann seine verwitwete Gemahlin und eigene Mutter
zur Frau nehmen. Als Ödipus, sein Sohn geboren ist, lässt er dem
Neugeborenen im Einverständnis mit seiner Frau »Iokaste
die Füße durchstechen und zusammenbinden. Danach lässt er ihn von einem
Hirten im »Kithairon-Gebirge
aussetzen.
Da der Hirte jedoch
Mitleid mit dem Neugeborenen hat, übergibt er ihn einem befreundeten
Hirten in Korinth. Über diesen gelangt das Kind zum Königspaar »Polybos
und »Merope
von »Korinth.
Sie adoptieren den Jungen und geben ihm wegen seiner geschwollenen Füße
den Namen
Ödipus (Οἰδίπους, Oi-dipos; deutsch: ›Schwellfuß‹). Allerdings ist
in neuerer Zeit diese »etymologische
Herleitung des Namens angezweifelt worden. Einige Forscher glauben, dass
"Ödipus“ besser mit "Der, der alles weiß" zu übersetzen ist.
Ohne jedes Wissen über
seine eigene Herkunft wächst Ödipus in Korinth heran. Erst im
Erwachsenenalter kommen ihm Andeutungen zu Ohren, wonach er nicht der
leibliche Sohn von »Polybos
und »Merope
sei. Deren Antworten befriedigen den beunruhigten Ödipus jedoch nicht
und so befragt er schließlich das »Orakel
von Delphi.
Der Orakelspruch ist
für Ödipus verheerend. Es weissagt ihm, dass er seinen Vater töten und
seine eigene Mutter heiraten werde. Da er glaubt, dass sich diese
Prophezeiung auf seine korinthischen Eltern bezieht, will er verhindern,
dass sie in Erfüllung geht. Aus diesem Grund verlässt er Korinth und
zieht in die Ferne.
Unterwegs im Gebirge
gerät er an einer engen Weggabelung auf dem Weg nach »Daulis,
ohne es zu wissen, mit seinem leiblichen Vater, der mit seinem Gefolge
unterwegs ist, in einen heftigen Streit darüber, wer an dieser Stelle
die Vorfahrt beanspruchen könne. Der Wagen des Laios versucht dabei,
Ödipus gewaltsam von der Straße zu drängen. In dem daraus folgenden
Kampf tötet Ödipus nichts ahnend seinen biologischen Vater Laios.
Zugleich weiß er auch nicht, dass sich damit der erste Teil der
Weissagung des Orakels erfüllt hat. So ist ihm auch nicht klar, dass
seine weiteren Handlungen sämtliche Elemente der Weissagung wahr werden
lassen.
Als er Jahre später in
»Theben
ankommt, gelingt es ihm vor dessen Toren die Stadt von der »Sphinx,
einem drachenartigen Ungeheuer, zu erlösen, das bis dahin alle Reisenden
verschlingt, die an ihr vorbei wollen und das von ihr aufgegebene Rätsel
nicht lösen können. Ödipus löst das »Rätsel
der Sphinx, die sich daraufhin selbst umbringt. Für die Befreiung
Thebens von der Sphinx erhält er »Iokaste,
die Witwe des Königs Laios, also seine eigene biologische Mutter, zur
Frau und damit die Herrschaft über das Königreich Theben. Mit ihr zeugt
er die Zwillinge »Eteokles
und »Polyneikes
sowie die Töchter »Antigone
und »Ismene.
Damit bewahrheitet sich auch der zweite Teil der Prophezeiung des
Orakels, ohne dass Ödipus davon weiß.
Eine Seuche in Theben
bringt die Wahrheit ans Licht. Das von den Thebanern befragte »Orakel
von Delphi verkündet, dass die Seuche nur dann ein Ende haben werde,
wenn der noch immer in Theben unerkannt und ungestraft lebende Mörder
des »Laios
gefunden werde. Der blinde Seher »Teiresias
wird dabei von Ödipus dazu gedrängt, die Wahrheit darüber zu sagen. Auch
wenn er dem Seher zunächst nicht glaubt, gelangt er aufgrund eigener
Untersuchungen über das zurückliegende Geschehen selbst zu der
Erkenntnis, dass er seinen biologischen Vater Laios getötet hat und »Iokaste,
seine Frau, eben auch seine eigene Mutter ist. Als Iokaste davon
erfährt, geht sie freiwillig in den Tod.
Über das »weitere
Schicksal von Ödipus gibt es der Überlieferung des Mythos nach
unterschiedliche Versionen. Ob er sich nach dem Selbstmord von Iokaste
mit zwei goldenen Nadeln aus Iokastes Gewand die Augen aussticht und
sich damit selbst blendet, ist dabei nur eine der mythologischen
Varianten.
Die Handlung der
Tragödie »"König
Ödipus" von »Sophokles
(497/496-406/405 v. Chr.) setzt ein, als Theben und seinen König der
Orakelspruch aus Delphi erreicht. Ödipus verspricht im Folgenden
Aufklärung und erlässt eine Reihe von Maßnahmen um den Mörder des Laios
zu enttarnen. Die Hauptfigur, die von Sophokles mit einem "großartigen
Willen zur Wahrheit" ausgestattet wurde, der "durch heraufkommende
Ahnungen und Befürchtungen nicht gebrochen, sondern nur um so mehr
gesteigert wird" (Schadewaldt
1967, S.319f., zit. n.
van Rinsum/van Rinsum 1978, S.95) treibt die
"Enthüllungshandlung der Tragödie, hinter der der Wille des
wahrheitsliebenden Gottes steht" (Schadewaldt
1967, S.319f., zit. n.
van Rinsum/van Rinsum 1978, S.95), unaufhaltsam voran.
Wolfgang Schadewaldts
Studie hat rezeptionsgeschichtlich dazu geführt, dass Kleists
zerbrochner Krug iwegen seiner "deutlichen strukturellen und
textlichen Entsprechungen" im Allgemeinen "als eine ›spiegelbildliche
Verkehrung‹ des Sophokleischen ›Oedipus Rex‹" gelesen wird. (Fülleborn
2004, S.91) Daher habe sich, wie Fülleborn meint auch mit Recht, die
Deutung des Stücks mehr von seinem ursprünglichen Lustspielcharakter "in
die Richtung eines tragischen oder Tragödiennahen Spiels verschoben".
Der zerbrochne Krug
stellt sich, wie
Fülleborn
(2004, S.101) betont, zwar nachdrücklich an die Seite der Tragödie,
ohne allerdings selbst zur Tragödie zu werden. Das Konzept eines
eigengesetzlichen Geschehens eröffne nämlich für die Darstellung der
schwer durchschaubaren und beherrschbaren Zufallswelt die Möglichkeit
sowohl des tragischen wie des komischen Ausgangs. Daher sei es auch im
Grunde ist es gleich, ja ›gleichviel‹, ob Ödipus mit aller Kraft einen
wahren Sach- verhalt aufklären wolle oder Adam die Wahrheit seines
Handelns und Erleidens mit allen Mitteln verberge: "Es geschieht
jedesmal etwas anderes als das Beabsichtigte, und es geschieht ›von
selbst‹ und kann entweder zur tragischen Katastrophe oder zum
›glücklichen Ende‹ einer Komödie führen."