▪ Heinrich von Kleist (1777-1811)
Setzt eine
Schreibaufgabe vor allem auf die Einfühlung in eine Figur, wie dies
z. B. bei • der
Erarbeitung und Gestaltung von
Rollenbiografien der Fall ist, darf man aber nicht automatisch
davon ausgehen, dass Schülerinnen und Schüler, abgesehen von
Informationen die ein Text zu einer Figur liefert, auch das
entsprechende Weltwissen
besitzen, um sich in eine bestimmte Figur, ihre Bedürfnisse und
Antriebe, Haltungen und Einstellungen einzufühlen. Wie soll es unter
diesen Umständen z. B. einer Jugendlichen gelingen, sich in einen
"alten weißen Mann" einzufühlen, der wie der Dorfrichter •
Adam in •
Heinrich von Kleists (1777-1811) • Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹ skrupellos die junge •
Eve zu sexuellen
Handlungen nötigen will? Wohlgemerkt, mit Einfühlen ist hier nicht
gemeint, den Täter und seine Tat zu verstehen, im Sinne von
entschuldigen, sondern ein Verfahren, seine Innenwelt nach außen zu
kehren.
Ausgangspunkt der
Rollenbiografie könnte u. a. Vorstellung sein, dass es es sich bei
Adam um eine • gespaltene Figur
handelt, in deren •
Selbst
sich zwei Elemente gegenüberstehen: Als sich seiner Tat bewusster Täter
kann er versuchen, alles zu vertuschen, was er getan hat. Es gibt
aber auch den Adam, der sich selbst unbewusst und damit ohne
Kontrolle selbst mit seinen unwillkürlichen körperlichen Aktionen
selbst offenbare. Insgesamt sei die Figur gespalten zwischen Täter,
Kläger und Richter ebenso wie zwischen Verdrängung und Bekenntnis.
(vgl.
Pickerodt
(2004, S.122)
