Der Schreiber ▪ Licht
ist in ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811)
Drama « "Der zerbrochne Krug
ist nach Ansicht
Schneiders (2013, S.40) ein "berechnender Karrierist".
Er stellt dabei
eine komische Figur dar, weil er mehrere Eigenschaften vereint, die ihn
lächerlich wirken lassen. Er wirkt komisch, weil er als
opportunistischer, kleinlicher Schreiber durch sein Verhalten
ungewollt die Wahrheit enthüllt, dabei aber stets als karikierte
Figur des bürgerlichen Beamten erscheint.
Unterwürfigkeit
und Anpassung
-
Er versucht
ständig, es allen recht zu machen: dem Dorfrichter Adam ebenso
wie dem Gerichtsrat Walter.
-
Dabei wechselt er
seine Haltung opportunistisch – ein Verhalten, das durchschaubar
und komisch wirkt.
Enthüllung des
Dorfrichters
-
Eigentlich sollte
er Adam unterstützen, verrät aber durch unbedachte Bemerkungen
oder übertriebenen Eifer immer wieder dessen Fehltritte.
-
Er stolpert
dadurch ungewollt in die Rolle eines "komischen Entlarvers".
Karikatur des
bürgerlichen Karrieristen
-
Licht ist
ehrgeizig, aber ohne innere Größe: Er wirkt wie ein kleinlicher,
spitzfindiger "Beamtenwitzling".
-
Sein Name
("Licht") ist ein sprechender Name, mit dem Kleist die Figur
auktorial charakterisiert: Er bringt zwar Aufklärung ins Dunkel,
aber auf unbeholfene und humorvolle Weise.
Sprachliche und
gestische Komik
Eine besonders deutliche komische Szene mit Licht findet sich
gleich zu Beginn des Dramas:
1. Auftritt (Adam und Licht). Darin erscheint der Dorfrichter Adam
mit bandagiertem Kopf im Gericht. Schreiber Licht erkundigt sich
neugierig nach der Verletzung. Adam versucht auszuweichen und gibt
widersprüchliche Erklärungen (mal sei er gegen den Schrank, mal
gegen den Ofen gestoßen). Lichts hartnäckiges, pedantisch
diensteifriges Nachfragen bringt den Richter in Verlegenheit und
lässt die ganze Szene komisch wirken: Ausgerechnet der
untergeordnete Schreiber fühlt seinem Vorgesetzten aus purem
Amtsfleiß peinlich genau auf den Zahn fühlt und bringt den diesen
ins Schwitzen, weil er sich von seinem Untergebenen verunsichern
lässt.
Auch im 6. und 7. Auftritt tritt dieselbe Komik auf: Licht will
korrekt "nach Vorschrift" arbeiten, stolpert aber dabei über Adams
Vertuschungsmanöver und macht ihn so immer verdächtiger.

Der "studierte Schreiber Licht als raffinierter Intrigant [...], der
immer nur dann der Rechtsfindung zu dienen bereit ist, wenn es ihm
Vorteile verschafft – schließlich will er auch Dorfrichter werden,
und zwar anstelle Adams" (Loch
2003, S.239)
Licht vermutet sogleich,
dass dies der Kopf • Adams gewesen ist, spielt aber mit seinem Wissen über die Kopfverletzung
seines Vorgesetzten,
das er an dieser Stelle
nicht kundtut, ein
ironisches Spiel mit der
Türklinke als Waffe, das • Adam
als Unfug bezeichnet.
Im Hin und Her der Sprecherwechsel (Antilaben)
nimmt der Dialog zwischen • Adam und
•
Licht für kurze Zeit Fahrt auf. Noch, so scheint es, sieht •
Licht seine Stunde nicht gekommen,
sondern hält sich an seine vor dem Eintreffen des Gerichtsrates • Adam
gegenüber versicherte Loyalität. (1.
Auftritt, V 128 -
V 159). Das ironische
Spiel des Schreibers stellt aber dennoch ein erstes Abrücken von ihrer
gegenseitigen Loyalitätserklärung dar und wird von • Adam
daher
auch nicht als witzig angesehen, sondern mit dem Hinweis, das
seien doch "Allotrien" (V
997) abgetan. Damit weist er diese Spielereien nicht nur als Unfug
und dummes Zeug zurück, sondern hält •
Licht auch vor, damit unnötigen Wirbel
zu machen und die Aufmerksamkeit auf seine Kopfverletzung zu lenken.
Was er vermeiden muss und will, ist, dass •
Walter in dieser Situation auf die bis dahin von diesem nur am
Rande zur Kenntnis genommene Kopfverletzung Adams (5.
Auftritt, V 405)
zurückkommt.
Ruprecht, der von seinen eigenen Schilderungen offenbar
davon gerissen wird, kann seine Erzählung mit den Blessuren,
insbesondere seiner Kopfwunde, die • Adam
ohne Perücke notgedrungen zur Schau tragen muss, ganz offensichtlich
nicht in Verbindung bringen und zeigt sich damit einmal mehr als
Einfaltspinsel und Bauerntölpel.