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zerbrochne Krug"
In ▪ Heinrich von Kleists (1777-1811)
• Komödie •
Der zerbrochne Krug ist der
Kleinbauer ▪
Veit
Tümpel eine der vier •
Nebenfiguren. Er
gehört zur • Dorfwelt von
Huisum. Im
Unterschied zu den weiteren Nebenfiguren ( •
Licht, •
Ruprecht, •
Frau
Brigitte) besitzt
▪
Veit
Tümpel eigentlich keine für den Verlauf der •
analytischen •
Dramenhandlung wesentliche
dramaturgische Funktion.
Aus eigener Beobachtung weiß
▪
Veit
Tümpel nichts über das nächtliche Geschehen und auch sonst trägt
er wenig
zur Aufklärung der Vorgeschichte bei. Einzig seine Anweisungen an seinen Sohn
•
Ruprecht, die von diesem verlangen, bei seinem abendlichen Besuch •
nicht mit Eve auf ihre Kammer zu gehen und am elf Uhr wieder zu
Hause zu sein an, seine Beobachtungen, dass dieser •
am Vorabend seine Sachen gepackt habe, und sein ursprünglicher
Plan, nach dem Ende der Verhandlung, die die Unschuld •
Ruprechts
erweisen werde, die •
Verlobung zwischen ihm und Eve aufzulösen und die
Verlobungsgeschenke (•
Silberkettlein, •
Schaupfennig)
zurückzufordern, sind Informationen, die zur Vorgeschichte
beitragen.
Veit begleitet seinen Sohn Ruprecht vor Gericht, ist zunächst fest
von dessen Unschuld überzeugt und bietet dennoch Schadenersatz an.
Zugleich plant er, bei erwiesenem Fehlverhalten die Verlobung mit
Eve zu lösen.
Während des Prozesses hält er sich zurück, solange er keinen
sittlich-moralischen Verstoß erkennt. Dies ändert sich, als Eves
Aussage nahelegt, dass Ruprecht zwar nicht den Krug zerbrochen, aber
gegen Anstand und väterliche Anordnungen verstoßen hat. Veit wendet
sich daraufhin scharf gegen seinen Sohn, droht ihm Gewalt an und
glaubt dem Verdacht der geplanten Desertion.
Diese Vorverurteilung entspringt Veit Tümpels strenger Moral, seiner
Loyalität gegenüber Obrigkeit und Gericht sowie seinem Respekt vor
richterlicher Autorität. Dadurch entzieht er Ruprecht demonstrativ
den familiären Rückhalt.
In der weiteren Handlung bleibt Veit weitgehend bedeutungslos,
greift nur noch einmal ermahnend ein und schweigt selbst angesichts
eines drohenden Fehlurteils.
Im Schluss variiert seine Rolle je nach Fassung: In der gekürzten
Buchfassung schließt er die Handlung versöhnlich, indem er Ruprecht
und Eve zur Aussöhnung und Hochzeit auffordert; in der
Variant-Fassung bleibt er dagegen passiver Beobachter, während
Gerichtsrat Walter die versöhnende Vaterrolle übernimmt.
Neben seinem sprechenden Handeln ist Veit Tümpel vor allem durch
Korrespondenz- und Kontrastbezüge zu anderen Figuren gekennzeichnet.
Obwohl er vom 6. Auftritt bis zum Schluss auf der Bühne präsent ist,
besitzt er den geringsten Redeanteil und bleibt überwiegend ein
wortloser Beobachter. Seine wenigen Wortmeldungen beschränken sich
auf derbe Zwischenrufe, eine längere moralische Zurechtweisung
seines Sohnes Ruprecht sowie – in der Kurzfassung – einen
versöhnlichen Schlusssatz.
Als Mitglied der Dorfwelt repräsentiert Veit deren patriarchalische
Normen, moralische Regeln und sozialen Gepflogenheiten. Er verlangt
von Ruprecht sittliches Verhalten gegenüber Eve, ist bereit,
Schadenersatz zu leisten, und will bei Ehrverletzungen die Verlobung
lösen.
Sein abrupter Wechsel vom schützenden Vater zum strengen Verurteiler
seines Sohnes – bis hin zum Wunsch nach göttlicher Strafe – und sein
späteres Zurückkehren zur Rolle des Ehestifters erzeugen eine
komische Wirkung.
Im Figurenvergleich steht Veit im Kontrast zur resoluten Marthe
Rull, der er als Beistand seines Sohnes unterlegen ist. Zugleich
bildet er mit den Dorfbewohnern einen Gegenpol zur Gerichtswelt,
deren Autorität er – im Unterschied zu Ruprecht – vorbehaltlos
anerkennt. Damit erscheint Veit Tümpel als typischer,
obrigkeitstreuer Vertreter der Dorfgemeinschaft.
Als Oberhaupt einer bäuerlichen Familie steht Veit Tümpel in
Korrespondenz zur Mutter-Tochter-Familie von Marthe Rull und Eve,
zugleich aber in einem deutlichen Figurenkontrast zu Marthe. Dieser
rückt ihn in die Nähe des komischen Typus des einfältigen
"Bauerntölpels", der der resoluten Marthe sprachlich und situativ
unterlegen ist und damit eine satirische Funktion erfüllt.
Im Prozess nimmt Veit überwiegend eine wortlose Beobachterrolle ein
und trägt nichts zur Aufklärung der Krugsache bei. Er vertraut naiv
auf das Gericht und die Obrigkeit, was angesichts des Wissens des
Publikums um Adam zumindest suspekt wirkt. Erst als er durch Eves
Aussage von Ruprechts sittlichem Fehlverhalten erfährt, wendet er
sich scharf gegen seinen Sohn Ruprecht und droht ihm sogar
körperliche Züchtigung an, was vor allem eine komische Wirkung
entfaltet.
Veit erscheint so als komische Figur, deren energisches Auftreten im
Missverhältnis zu ihrer Unkenntnis der tatsächlichen Umstände steht.
Seine Haltung ist geprägt von patriarchalischer Moral, wankelmütigem
"gesunden Menschenverstand" und unbedingter Treue zur Obrigkeit,
deren Vertreter – insbesondere Walter – er vorbehaltlos respektiert
und deren Urteil er anerkennt.
Trotz seiner geringen Bedeutung für den Handlungsverlauf ist Veit
Tümpel kann ihre Bedeutung im Rahmen ihres mimisch-gestischen Spiels
betont werden, über die im Rahmen der mentalen Inszenierung des
Textes, die die den dramatischen Text als Textpartitur
liest, reflektiert werden kann.
Veit bleibt fast durchgehend auf der Bühne, spricht wenig, verändert
aber zweimal seine Haltung zu seinem Sohn Ruprecht: vom überzeugt
schützenden Vater über den moralisch empörten Verurteiler bis zum
versöhnlichen Ehestifter am Schluss. Seine derben Drohungen erzeugen
vor allem komische Effekte, deren Wirkung stark von Gestik, Mimik,
Stimme und Körperhaltung abhängt. Die Figur entfaltet ihre Komik aus
der Diskrepanz zwischen lautem Auftreten und fehlender Einsicht in
die tatsächlichen Vorgänge sowie aus ihrem Kontrast zu Marthe Rull
und ihrer naiven Obrigkeitstreue gegenüber Gericht und Amt, die sich
in seinem mimisch-gestischen Spiel niederschlägt.
Der Bauer Veit Tümpel eine Nebenfigur ohne wesentliche
dramaturgische Funktion für die analytische Handlung. Er erscheint
als teilweise satirisch gezeichneter "Bauerntölpel", zugleich aber
auch als komische Figur. Nach seinem ersten Auftritt bleibt er bis
zum Ende des Stückes meist wortlos auf der Bühne und fungiert vor
allem als Beobachter des Prozesses.
Zu Beginn ist Veit von der Unschuld seines Sohnes Ruprecht überzeugt
und bereit, im Notfall Schadenersatz zu leisten. Er plant jedoch,
bei bestätigten Vorwürfen die Verlobung mit Eve offiziell zu lösen
und die Geschenke zurückzufordern. Als er durch Eves Aussage von
Ruprechts sittlichem Fehlverhalten erfährt und dem Verdacht einer
geplanten Desertion Glauben schenkt, wendet er sich scharf gegen
seinen Sohn, droht ihm Gewalt an und verurteilt ihn moralisch.
Diese Haltung entspringt Veit Tümpels strenger Dorfmoral, seiner
patriarchalischen Autorität und seiner unbedingten Treue zur
Obrigkeit, deren Vertreter – insbesondere Walter – er respektiert
und deren Urteil er anerkennt. Im weiteren Verlauf greift er kaum
noch ein. Im Schluss unterscheidet sich seine Rolle je nach Fassung:
In der Buchfassung wirkt er versöhnlich auf Ruprecht und Eve ein,
während er in der Variant-Fassung passiver Beobachter bleibt.