Der Kleinbauernsohn •
Ruprecht ist in ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811)
Drama « "Der zerbrochne Krug"
▪ Eves Verlobter und Sohn von ▪
Veit Tümpel.
Ruprecht
ist an den wichtigsten Konfigurationen des Stückes beteiligt und ist
von seinem Eintreffen in der Gerichtsstube (•
7. Auftritt) bis zum Ende des
Dramas immer auf der Bühne.
Er ist eine
• Nebenfigur, die mit
verschiedenen Aspekten die dramatische Handlung beeinflusst und auf
das Handeln der •
Hauptfiguren des Stücks einwirkt. Als der von ▪
Frau Marthe wegen des zerbrochenen
Kruges im Prozess Beschuldigte steht er zwar mit dem Beginn der
Verhandlung im Fokus, bestimmt aber den Fortgang der Handlung beim
Aufdecken der Vergehen •
Adams nur wenig mit.
Allerdings hat sein impulsives
Verhalten in der Tatnacht, das der Vorgeschichte angehört, hat zwar
dazu geführt, dass •
Adam mit den von ihm zugefügten Kopfwunden Hals
über Kopf geflüchtet ist und damit wichtige Indizien zur späteren
Aufklärung des Sachverhaltes beigetragen.
Ruprecht ist ein als einfältig und impulsiv agierender
eifersüchtiger Bauernsohn. Er ist mit ▪ Eve
verlobt, versteht die Beziehung aber weniger romantisch als
sozial-pragmatisch: Ehe bedeutet für ihn Ordnung, Besitzsicherung
und Wahrung der Ehre.
Nach dem Vorfall in Eves Kammer glaubt Ruprecht fest, sie habe ihn
mit Lebrecht betrogen. Seine Wahrnehmung ist von Eifersucht,
verletztem Stolz und patriarchalen Ehrvorstellungen geprägt. Dadurch
erkennt er lange nicht, dass Dorfrichter Adam der eigentliche Täter
ist, obwohl viele Indizien darauf hinweisen.
Ruprecht erscheint als komische Figur: aufrichtig, aber ungebildet,
leichtgläubig und unfähig, Zusammenhänge richtig zu deuten. Er folgt
erst der Lebrecht-Hypothese, dann der Teufelsgeschichte und vertraut
schließlich wieder der Obrigkeit. Am Ende versöhnt er sich mit Eve,
bleibt aber ohne tiefere Erkenntnis. Seine „Scheuklappen“ bestimmen
sein Denken und verhindern echte Empathie für Eve als Opfer
sexualisierter Gewalt.

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Vor allem aber bringt er
mit seiner zutiefst verletzenden und unnachgiebigen Haltung gegenüber
▪ Eve eine Dynamik des Auf und Ab
in die Beziehung zu seiner Verlobten. Erst diese und die Erwartung,
dass er infolge der Konskription in den nächsten Tagen seinen
Militärdienst mit einem vermeintlichen Dienst in Asien antreten
muss, bringt ▪ Eve angesichts des von
•
Adam inszenierten Betrugs dazu,
auf dessen Erpressung ein Stück weit einzugehen und schließlich aber
doch die (ihre) Wahrheit über die Ereignisse der vergangenen Nacht zu
enthüllen. Am Ende trägt • Ruprecht
durch die Versöhnung mit ▪ Eve zu dem
• rührseligen Happy
End der beiden Brautleute bei.
Wenn man berücksichtigt, dass •
Veit
Tümpel vor Gericht erklärt, er, nicht • Ruprecht,
wolle die Verlobung zwischen • Ruprecht
und
und
▪ Eve offiziell lösen (9.Auftritt,
V 1383ff.) und die Rückgabe der Verlobungsgeschenke (•
Silberkettlein, •
Schaupfennig) (9. Auftritt,
V 1386f.)
verlangen, dann ist dies zugleich auch indirektes Zeichen auf das Alter • Ruprechts,
der wohl noch jünger als 26 Jahre alt sein muss, wenn man sich an
der weit verbreiteten Altersgrenze für das Erreichen der Mündigkeit
in der frühen Neuzeit orientiert.
Dass der gewiss einige Jahre ältere •
Ruprecht und •
Eve zu
Beginn der Dramenhandlung noch ein Brautpaar sind, das im nächsten Jahr
an Pfingsten mit Zustimmung ihrer Vormünder (•
Marthe Rull und •
Veit Tümpel) zu heiraten beabsichtigt,
entspricht durchaus Gepflogenheiten der Zeit, in der die Handlung
spielt.
Eve dürfte eine •
junge Frau im Alter zwischen 14 und 16 Jahren sein.
Eve mit Adam in
ihrer Kammer
