In ▪ Heinrich von Kleists (1777-1811)
• Komödie
•
Der zerbrochne Krug ist •
Frau
Brigitte, die zur • Dorfwelt von
Huisum gehört, eine der vier •
Nebenfiguren. Sie hat für den Verlauf der •
analytischen •
Dramenhandlung wichtige
dramaturgische Funktion, auch wenn sie erst ab dem •
11. Auftritt auf der Bühne
erscheint.
Was sie vor Gericht aussagt, ist der Anfang vom danach raschen Ende •
Adams als Richter in
Huisum. Sie gibt mit ihren Bebachtungen bei •
Marthe Rulls Garten in der
Vornacht, ihrem Finden einer Perücke im Weinspalier unter •
Eves Kammer und einer
Fußspur im Schnee von Marthens Garten zu • Adams Haus am
Morgen der Handlung die entscheidenden Impulse, die zur
Aufklärung der ▪
Vorgeschichte und damit zur vollständigen Entlarvung
•
Adams und seiner Flucht
aus der Gerichtsstube führen.
(11.Auftritt,
V 1900)

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Ungebrochen bleibt ihre Perspektive auf die Vornacht jedoch nicht,
die sich an die bis dahin erfolgten Darstellungen der Ereignisse
durch • Ruprecht und •
Marthe Rull anschließt. Ihr
Aberglaube, so sehr sich dieser auch im Volksglauben der Zeit
gehalten haben mag, sowie ihre absurd wirkende Deutung des
Geschehens in •
Eves Kammer,
einschließlich der von ihr wild zusammengereimten nachfolgenden
Flucht des leibhaftigen Teufels macht sie zu einer zwiespältigen,
insgesamt lächerlichen Figur.
Dass
ausgerechnet sie mit der gefundenen Perücke (Adams) und der
"Teufelsspur", die von •
Eves Kammerfenster bis zum
Haus • Adams führt, die
entscheidenden Beweise zur Entlarvung • Adams
beisteuert, sich in ihrer Deutung aber vollkommen in die
Irrationalität verrennt, dürfte auf unterschiedliche Momente
hindeuten.
Frau
Brigitte ist, der ganzen selbstgewählten, detektivischen
Attitüde zum Trotz, Teil der "ungebildeten" Dorfwelt, eine Frau, die
selbst die nahe liegenden Schlüsse nicht aus den von ihr entdeckten
Fakten ziehen kann. Ihre eigene Fantasie und ihr Aberglaube reißt
sie fort, wenn sie sich mit der "Denkmalgeschichte" (11.Auftritt,
V 1771ff.) befasst,
statt einmal rational abzuwägen, was ihre Beobachtungen bedeuten
könnten. Die selbsternannte "Spionin" (11.Auftritt,
1711) erweist sich daher im Grunde genommen auf beiden Augen
blind. Ihre Wahrheit ist vollkommen irrational.
Was ihr allerdings im Vergleich zu den "Ermittlern" im Dorfgericht
zu gute zu halten ist, dass sie sich im Gegensatz zu diesen, indem
sie das Umfeld des "Tatorts" noch einmal in Augenschein nimmt, auf
der Suche nach "Beweisen" ist. Damit steht sie ziemlich allein da,
denn selbst •
Walter will den
Prozess, als er merkt, worauf er hinausläuft, eigentlich nur •
ohne Ansehensverlust der Justiz
über die Bühne bringen.