Heinrich von Kleist (1777-1811) hat seine • Komödie • ›Der zerbrochne
Krug‹ mit verschiedenen sprachlichen und stilistischen
Besonderheiten im Unterschied zur Normalsprache und den
literarischen Konventionen seiner Zeit gestaltet.
Indem er sein Stück • Blankversen
verfasst und damit die sprachliche Form eines •
Versdramas
wählt, betont er den ▪
artifiziellen Charakter der ▪
Dramensprache und die Abweichung der ▪ dramatischen Rede von der
"natürlichen" Sprache.
Die metrische Struktur des
•
Blankverses besteht, kurz zusammengefasst, aus
reimlosen Verszeilen mit alternierendem
jambischen (v-)
Metrum von zehn Silben bei
stumpfer
Kadenz (der
Vers schließt mit einer
Hebung) oder elf bei
klingender
Kadenz (der
Vers
schließt mit Hebung und
Senkung bzw.
einer unbetonten Silbe).

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Wie und auch was Figuren in einem ▪
dramatischen Text sprechen, verweist stets auch auf den
jeweiligen Sprecher selbst zurück. Das hat,
kommunikationstheoretisch betrachtet, seinen Ursprung in der
•
Polyfunktionalität der dramatischen Rede, die stets
mehrere kommunikative Funktionen, allerdings meistens mit einer
•
dominierenden Funktion, erfüllt. (vgl.
Pfister
1977, S.151)

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Soll bei der
prosanahen Versform des •
Blankverses die
Sprache von Figuren im • ›Zerbrochnen
Krug‹ zur •
Figurencharakterisierung
herangezogen, muss man zunächst einmal die
• homogenisierende Dominanz
dieser
▪
artifiziellen ▪
Dramensprache im Auge behalten und die ▪
poetische Funktion dieser Sprache reflektieren. Dass die
Figuren von der Normalsprache abweichen und deren Normen
durchbrechen, hat in der Regel nichts mit dem Charakter der Figuren
zu tun.