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teachSam-YouTube-Playlist Dramatische Texte und Theater
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teachSam YouTube-Playlist: Heinrich von Kleist "Der
zerbrochne Krug"
Das Freiburger Stadttheater hat in der Spielzeit 2025/26 eine
Neuinszenierung von •
Heinrich von Kleists (1777-1811) Drama • ›Der zerbrochne
Krug‹ auf die Bühne gebracht, die ein unterschiedliches Echo
gefunden hat.
Die Aufführung der Regisseurin »Eva
Yana Thönnes (geb. 1990) und der Dramaturgin Katrina Mäntele
rief Theaterkritiker aus der ganzen Bundesrepublik auf den Plan.
Ihre Kritiken zeichnen ein stark polarisiertes Bild, das weniger aus
inhaltlichen Differenzen als aus grundlegend unterschiedlichen
Theater- und Textverständnissen resultiert.
Im Prinzip geht es bei allen Kritiken auch um die
Grundfrage, was
Theater leisten soll: Soll es Texte bewahren und verständlich machen
– oder sie zerstören, um neue Erfahrungen zu ermöglichen? Im
Raum stehen dabei stets auch Fragen, die mit dem •
Ruf nach Werktreue oder Werkgerechtigkeit
zusammenhängen und, davon abgeleitet, die Frage, welche Rolle das
gute alte • "Reclamheft-Theater"
- wenn es dieses denn je gegeben hat - unter der "Deutungshoheit des
Lehrers" (Stephan
2006) im Literaturunterricht heute noch haben kann.
Dabei sind die Antworten, die das moderne Regietheater auf die
dargestellte Grundfrage gibt, naturgemäß
andere als die der alten Schaubühne. Ein solches Theater will
einfach nicht mehr "als Stätte der Kontemplation, der zahmen Text-
und Seelenbehandlung (dienen)" (Höbel 2006),
kann und will weder Trost noch Erbauung spenden, sondern als
lebendige Kunst ein Spiegelbild ihrer Zeit sein, "die von den Ängsten,
Schrecken, Katastrophen der Gegenwart erzählen sollte und nicht nur
museal ausstellen, was früher einmal war." (ebd.)
Und dabei verläuft auch in Freiburg die Front der Kritik eigentlich
immer wieder entlang derselben Linien: Ins Fadenkreuz der Kritik
gerät, was andere als "Kern der Theaterkunst" ansehen: Die "
Subjektivität, die Aneignung eines Stoffes durch ein Regisseur-Ich."
(ebd.)
Solche Regisseur*innen haben nach
Ansicht von
Ute Nyssen (2006) zu der über 30 Jahre lang zu beobachtenden "verächtliche[n]
Hintanstellung des Textes" und zu einer "Veränderungswut gegenüber dem
Text" geführt, die schließlich in eine mehr oder weniger eindeutige Klassikerdekonstruktion
gemündet hätten. Sie hätten durch ihre Orientierung an jedem möglichen
Tagesthema Klassiker ganz unverbindlich zerpflückt und Texte
aneinandergereiht, um sie letzten Endes zu Revuen und Liederabenden
zu arrangieren.
Und die so
Gescholtenen? Sie sehen sich wegen ihrer "Obsessionen "
als Opfer eines fundamentalen
Missverständnisses, denn "Inszenieren ist immer ein Akt schierer Willkür
[....] Jeder Regisseur tut dem Text, den er interpretiert, Gewalt an." (Höbel
2006
Ein Teil der
Rezensent*innen – insbesondere •
Benno Schirrmeister, •
Reingart Sauppe und •
Annette Hoffmann – bewertet die Inszenierung ausdrücklich
positiv. Sie verstehen den radikalen Umgang mit Kleists Text nicht
als Defizit, sondern als bewusste ästhetische Entscheidung. Kleists
Lustspiel fungiert hier nicht mehr als verbindliche Vorlage, sondern
als Materialreservoir, dessen Fragmente in einer zeitgenössischen,
feministisch geprägten Trauma-Erzählung neu zusammengesetzt werden.
Die Zerstörung der dramatischen Struktur wird als notwendige
Voraussetzung verstanden, um sexualisierte Gewalt, Erinnerung und
weibliche Selbstermächtigung sichtbar zu machen.
Demgegenüber stehen
die kritischen Stimmen von •
Bettina Schulte, •
Robin Passon und – in abgeschwächter Form – •
Chris Libuda. Sie messen die Inszenierung stärker an Kleists
Original und werfen der Regie vor, dessen sprachliche,
dramaturgische und politische Komplexität zu verspielen.
Insbesondere •
Schulte spricht polemisch von einem "Missbrauch" des Textes,
während •
Passon die Aufführung als performativ-zeitgeistige Oberfläche
kritisiert, die sich zu sehr auf politische Aktualität verlasse,
ohne diese ästhetisch einzulösen.
Auffällig ist, dass
alle Kritiken die Verlagerung der Handlung vom Gerichtssaal in Eves
Schlafzimmer und die Pyjama-Party-Ästhetik als zentralen Zugriff
erkennen. Während diese von den einen als präzise Metapher für einen
vermeintlichen Schutzraum gelesen wird, der sich als Tatort
entpuppt, erscheint sie den anderen als Infantilisierung und
Symbolüberfrachtung.