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Nach dem •
Fiasko bei der Uraufführung von
▪ Heinrich von Kleists (1777-1811)
Lustspiel •
Der zerbrochne Krug im Jahr 1808
wurde das Stück lange nicht gespielt.
Erst 1820 kam es in
Hamburg in einer • Bearbeitung
des dortigen Theaterdirektors und Schauspielers Friedrich Schmidt
(1772-1848) wieder auf die Bühne eines namhaften Theaters.
Schmidt selbst hat
seine Bearbeitung von Kleists Stück wie folgt gerechtfertigt:
"Der
zerbrochne Krug. – Wer kennt nicht dessen originellen Spuk
aus des genialen Heinrich von Kleist's dramatischen Schriften? [...]
Wie dieses einmal abgefaßt ist, mußt' es schlechterdings für die
Aufführung verloren gehen;
um so reizender war die Versuchung, dieses echte deutsche Lustspiel
für die Bühne zu gewinnen. Man hat in dieser Absicht vielfache
Versuche, in einem und und in zwei Aufzügen gewagt, jedoch, soweit
mir bekannt, nie mit dem gewünschten Erfolg. Sollt' er gelingen, so
galt es, das Interesse und die Grenzen
Eines Acts mit Sicherheit
abzumessen; daher waren Kürzungen unvermeidlich. Aber auch das
Zusetzen ist bei einem
genialen Werke nicht minder schwierig. Diese Klippe ist gleichfalls
umschifft, denn nur einige Verbindungsstrophen, nebst der Schlußrede,
gehören mir an."
(aus: Friedrich
Ludwig Schmidt, Neue Hamburger Bühne. Eine Sammlung der neuesten
Lustspiele, Hamburg: Heroldsche Buchhandlung 1824, S.V-VI) (google
books)
An anderer Stelle
hat Schmidt über seine Bearbeitung und die Wirkung seiner
Inszenierung und Darstellung des Dorfrichters Adam wie folgt
berichtet:
"Am 28. September
1820 wagte ich ein Experiment, welches vor Jahren selbst Goethe
völlig mißglückt war, nämlich Heinrich von Kleists Lustspiel ›Der
zerbrochne Krug‹ auf die Bühne zu bringen. Ich hatte dasselbe in
einen Akt zusammengezogen [!] und passend gekürzt; in dieser
Form gefiel es so sehr, daß es bald ein Lieblingsstück des Publikums
wurde, welches mich als Dorfrichter Adam immer sehr ausgezeichnet
hat; [...] Andere Bühnen gaben (und geben) den ›zerbrochnen Krug‹
gleichfalls nach meiner Einrichtung, welche daher wohl das Verdienst
hat, das originelle Lustspiel des herrlichen, nie genug gewürdigten
Dichters dem deutschen Repertoire gewonnen zu haben. In Weimar
wenigstens war der ›zerbrochne Krug‹" vordem so ungünstig
aufgenommen worden, daß Kleist, offenbar gehetzt durch boshafte
Zwischenträger, eine Ausfoderung* gesendet haben soll."
(aus:
Denkwürdigkeiten des Schauspieldirektors F. L. Schmidt, Hrsg. von H.
Uhde, Bd. 2, Hamburg 1875, S. 148, (google
books)
* Angeblich soll
Kleist, der Goethe die gesamte Schuld für das Debakel bei der •
Uraufführung des Zerbrochnen Krugs
in Weimar am 2.3.1808 gab, so enttäuscht und tief verletzt
gewesen sein, dass er gar mit dem Gedanken spielte, Goethe zum Duell
zu fordern. Ob an dem Gerücht wirklich etwas daran war, lässt sich
heute kaum sagen. Feststeht nur, dass Goethe es wohl selbst mit
Veranlassung dafür nahm, Kleist später in einer Art •
Krankheits-Verdikt
"schwere Verirrung der Natur", eine "zu große Reizbarkeit der
Nerven" und "Krankheit" zuschrieb.
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