ADAM.
Mir ahndet heut nichts
Guts, Gevatter Licht.
LICHT.
Warum?
ADAM.
Es geht bunt alles über Ecke mir.
Ist nicht auch heut
Gerichtstag?
LICHT.
Allerdings.
Die Kläger stehen
vor der Türe schon.
ADAM.
– Mir träumt',
es hätt ein Kläger mich ergriffen,
Und schleppte vor den Richtstuhl mich; und ich,
Ich säße
gleichwohl auf dem Richtstuhl dort,
Und schält'1
und hunzt'2
und schlingelte mich
herunter,
Und judiziert den
Hals ins Eisen mir3.
LICHT.
Wie? Ihr Euch selbst?
ADAM.
So wahr ich ehrlich bin.
Drauf wurden
beide wir zu eins, und flohn,
Und mußten in
den Fichten übernachten.
LICHT.
Nun? Und der Traum meint Ihr?
ADAM.
Der Teufel hol's.
Wenn's auch der Traum nicht ist, ein
Schabernack4,
Sei's, wie es woll, ist wider
mich im Werk!
LICHT.
Die läpp'sche Furcht!
Gebt Ihr nur vorschriftsmäßig,
Wenn der Gerichtsrat gegenwärtig ist,
Recht den Parteien auf dem Richterstuhle,
Damit der Traum vom
ausgehunzten Richter5
Auf andre Art
nicht in Erfüllung geht.
Wort- und Sacherklärungen
1
schält': schälte mich im Sinne von sich winden
2 hunzt:
sich wie ein geschundener Hund aufführen
3
judiziert den Hals
in Eisen mir: verurteilt mich, das eiserne Halsband eines
Verbrechers zu tragen
4
Schabernack: übermütiger
Streich
5
ausgehunzter Richter:
ein Richter, der durch seine Nachlässigkeiten und seine
Unfähigkeit auffällt