ADAM für sich.
Ei, Evchen. Sieh! Und der
vierschröt'ge Schlingel,
Der Ruprecht! Ei, was Teufel, sieh! die ganze Sippschaft!
– Die
werden mich doch nicht bei mir verklagen?
EVE.
O liebste Mutter, folgt mir, ich beschwör Euch,
Laßt diesem
Unglückszimmer uns entfliehen!
ADAM.
Gevatter!
Sagt mir doch, was bringen die?
LICHT.
Was weiß ich? Lärm um
nichts; Lappalien2.
Es ist ein
Krug zerbrochen worden, hör ich.
ADAM.
Ein Krug! So! Ei! – Ei, wer
zerbrach den Krug?
LICHT.
Wer ihn zerbrochen?
ADAM.
Ja, Gevatterchen.
LICHT.
Mein Seel, setzt Euch: so werdet Ihr's erfahren.
ADAM heimlich.
Evchen!
EVE gleichfalls.
Geh Er.
ADAM.
Ein Wort.
EVE.
Ich will nichts wissen.
ADAM.
Was bringt ihr mir?
EVE.
Ich sag Ihm, Er soll gehn.
ADAM.
Evchen! Ich bitte dich! Was soll mir das bedeuten?
EVE.
Wenn Er nicht gleich –! Ich sag's Ihm, laß Er mich.
ADAM zu Licht.
Gevatter, hört, mein Seel, ich
halt's nicht aus.
Die Wund
am Schienbein macht mir Übelkeiten;
Führt Ihr
die Sach, ich will zu Bette gehn.
LICHT.
Zu Bett –? Ihr wollt –?
Ich glaub, Ihr seid verrückt.
ADAM.
Der Henker hol's. Ich muß mich
übergeben.
LICHT.
Ich glaub, Ihr rast3, im
Ernst. Soeben kommt Ihr –?
– Meinthalben.
Sagt's dem Herrn Gerichtsrat dort.
Vielleicht erlaubt er's. –
Ich weiß nicht, was
Euch fehlt?
ADAM wieder zu Even.
Evchen!
Ich flehe dich!
Um alle Wunden4!
Was ist's, das ihr mir bringt?
EVE.
Er wird's schon hören.
ADAM.
Ist's nur der Krug dort,
den die Mutter hält,
Den ich so viel –?
EVE.
Ja, der zerbrochne Krug
nur.
ADAM.
Und weiter nichts?
EVE.
Nichts weiter.
ADAM.
Nichts? Gewiß nichts?
EVE.
Ich sag
Ihm, geh Er. Laß Er mich zufrieden.
ADAM.
Hör du, bei Gott, sei klug,
ich rat es dir.
EVE.
Er, Unverschämter!
ADAM.
In dem Attest steht
Der Name jetzt, Frakturschrift5,
Ruprecht Tümpel.
Hier trag
ich's fix und fertig in der Tasche;
Hörst du es knackern6,
Evchen? Sieh, das kannst du,
Auf meine Ehr,
heut übers Jahr dir holen,
Dir Trauerschürz und Mieder zuzuschneiden,
Wenn's heißt: der Ruprecht in Batavia7
Krepiert' – ich weiß, an welchem Fieber nicht8,
War's gelb9, war's Scharlach10, oder war es
faul11.
WALTER.
Sprecht nicht mit den Partein, Herr Richter Adam,
Vor der Session12!
Hier setzt Euch, und befragt sie.
ADAM.
Was sagt er? – Was befehlen
Euer Gnaden?
WALTER.
Was ich befehl? –
Ich sagte deutlich Euch,
Daß Ihr nicht heimlich vor der Sitzung sollt
Mit den Partein zweideut'ge Sprache führen.
Hier ist
der Platz, der Eurem Amt gebührt,
Und öffentlich Verhör, was ich erwarte.
ADAM für sich.
Verflucht! Ich kann mich nicht dazu entschließen –!
– Es klirrte
etwas, da ich Abschied nahm –
LICHT ihn aufschreckend.
Herr Richter! Seid Ihr –?
ADAM.
Ich? Auf Ehre nicht!
Ich hatte sie
behutsam drauf gehängt,
Und müßt ein Ochs gewesen sein –
LICHT.
Was?
ADAM.
Was?
LICHT.
Ich fragte –!
ADAM.
Ihr fragtet, ob ich –?
LICHT.
Ob Ihr taub seid, fragt
ich.
Dort Seiner
Gnaden haben Euch gerufen.
ADAM.
Ich glaubte –! Wer ruft?
LICHT.
Der Herr Gerichtsrat dort.
ADAM für sich.
Ei! Hol's der Henker auch!
Zwei Fälle gibt's,
Mein Seel, nicht mehr, und wenn's nicht biegt, so bricht's.13
– Gleich! Gleich! Gleich! Was befehlen Euer Gnaden?
Soll jetzt die Prozedur14 beginnen?
WALTER.
Ihr
seid ja sonderbar zerstreut. Was fehlt Euch?
ADAM.
– Auf Ehr! Verzeiht.
Es hat ein Perlhuhn15
mir,
Das ich von einem Indienfahrer16 kaufte,
Den Pips17:
ich soll es
nudeln18, und versteh's nicht,
Und fragte dort
die Jungfer19 bloß um Rat.
Ich bin ein Narr in
solchen Dingen, seht,
Und meine
Hühner nenn ich meine Kinder.
WALTER.
Hier.
Setzt Euch. Ruft den Kläger und vernehmt ihn.
Und Ihr,
Herr Schreiber, führt das Protokoll.
ADAM.
Befehlen Euer Gnaden den
Prozeß
Nach den Formalitäten, oder so,
Wie er in Huisum üblich ist, zu halten?
WALTER.
Nach den gesetzlichen Formalitäten,
Wie er in Huisum üblich ist, nicht anders.
ADAM.
Gut, gut. Ich werd Euch zu bedienen wissen.
Seid Ihr bereit, Herr Schreiber?
LICHT.
Zu Euren Diensten.
ADAM.
– So nimm,
Gerechtigkeit, denn deinen Lauf!
Klägere20 trete vor.
FRAU MARTHE.
Hier, Herr Dorfrichter!
ADAM.
Wer seid Ihr?
FRAU MARTHE.
Wer –?
ADAM.
Ihr.
FRAU MARTHE.
Wer ich –?
ADAM.
Wer Ihr seid!
Wes
Namens, Standes, Wohnorts, und so weiter.
FRAU MARTHE.
Ich glaub, Er spaßt,
Herr Richter.
ADAM.
Spaßen, was!
Ich sitz im
Namen der Justiz, Frau Marthe,
Und die
Justiz muß wissen, wer Ihr seid.
LICHT halblaut.
Laßt doch die
sonderbare Frag –
FRAU MARTHE.
Ihr guckt
Mir alle Sonntag in die Fenster ja,
Wenn Ihr aufs Vorwerk21 geht!
WALTER.
Kennt Ihr die Frau?
ADAM.
Sie wohnt hier um die Ecke,
Euer Gnaden,
Wenn man
den Fußsteig durch die Hecken geht;
Witw' eines Kastellans22,
Hebamme jetzt,
Sonst eine
ehrliche Frau, von gutem Rufe.
WALTER.
Wenn Ihr so unterrichtet seid, Herr Richter,
So sind dergleichen Fragen überflüssig.
Setzt ihren Namen in das Protokoll,
Und schreibt
dabei: dem Amte wohlbekannt.
ADAM.
Auch das. Ihr seid
nicht für Formalitäten.
Tut so, wie Seiner Gnaden anbefohlen.
WALTER.
Fragt nach
dem Gegenstand der Klage jetzt.
ADAM.
Jetzt soll ich –?
WALTER.
Ja, den Gegenstand ermitteln!
ADAM.
Das ist
gleichfalls ein Krug, verzeiht.23
WALTER.
Wie? Gleichfalls!
ADAM.
Ein Krug. Ein bloßer Krug. Setzt einen Krug,
Und schreibt dabei: dem Amte wohlbekannt.
LICHT.
Auf meine
hingeworfene Vermutung
Wollt Ihr, Herr Richter –?
ADAM.
Mein Seel, wenn ich's Euch sage,
So schreibt Ihr's hin.
Ist's nicht ein Krug, Frau Marthe?
FRAU MARTHE.
Ja, hier der Krug –
ADAM.
Da habt Ihr's.
FRAU MARTHE.
Der zerbrochne –
ADAM.
Pedantische Bedenklichkeit.
LICHT.
Ich bitt Euch –
ADAM.
Und wer zerbrach den Krug?
Gewiß der Schlingel –?
FRAU MARTHE.
Ja, er, der Schlingel dort –
ADAM für sich.
Mehr brauch ich nicht.
RUPRECHT.
Das ist nicht wahr,
Herr Richter.
ADAM für sich.
Auf, aufgelebt, du
alter Adam!
RUPRECHT.
Das lügt sie in den
Hals hinein –
ADAM.
Schweig, Maulaffe!
Du
steckst den Hals noch früh genug ins Eisen.
–
Setzt einen Krug, Herr Schreiber, wie gesagt,
Zusamt dem Namen des, der ihn zerschlagen.
Jetzt wird
die Sache gleich ermittelt sein.
WALTER.
Herr Richter! Ei!
Welch ein gewaltsames Verfahren.
ADAM.
Wieso?
LICHT.
Wollt Ihr nicht förmlich –?
ADAM.
Nein! sag ich;
Ihr Gnaden
lieben Förmlichkeiten nicht.
WALTER.
Wenn Ihr die Instruktion24, Herr Richter Adam,
Nicht des Prozesses einzuleiten wißt,
Ist hier der Ort jetzt nicht, es Euch zu lehren.
Wenn
Ihr Recht anders nicht, als so, könnt geben,
So tretet ab:
vielleicht kann's Euer
Schreiber.
ADAM.
Erlaubt! Ich
gab's, wie's hier in Huisum üblich;
Euer Gnaden
haben's also mir befohlen.
WALTER.
Ich hätt –?
ADAM.
Auf meine Ehre!
WALTER.
Ich befahl Euch,
Recht hier nach den Gesetzen zu erteilen;
Und hier in Huisum glaubt ich die Gesetze,
Wie anderswo in den vereinten
Staaten.25
ADAM.
Da muß submiß26 ich
um Verzeihung bitten!
Wir haben hier, mit Euerer Erlaubnis,
Statuten27,
eigentümliche, in Huisum,
Nicht aufgeschriebene, muß ich gestehn, doch durch
Bewährte Tradition uns überliefert.
Von dieser Form, getrau ich mir zu hoffen,
Bin ich noch heut kein Jota28 abgewichen.
Doch auch in Eurer andern Form bin ich,
Wie sie im Reich mag üblich sein, zu Hause.
Verlangt Ihr den Beweis? Wohlan, befehlt!
Ich kann
Recht so jetzt, jetzo so erteilen.
WALTER.
Ihr gebt mir schlechte Meinungen29, Herr Richter.
Es sei. Ihr
fangt von vorn die Sache an. –
ADAM.
Auf Ehr! Gebt
acht, Ihr sollt zufrieden sein.
– Frau Marthe
Rull! Bringt Eure Klage vor.
FRAU MARTHE.
Ich
klag, Ihr wißt's, hier wegen dieses Krugs;
Jedoch vergönnt, daß ich, bevor ich melde
Was diesem Krug geschehen,
auch beschreibe
Was er vorher mir war.
ADAM.
Das Reden ist an Euch.
FRAU MARTHE.
Seht ihr den Krug, ihr wertgeschätzten Herren?
Seht ihr den Krug?
ADAM.
O ja, wir sehen ihn.
FRAU MARTHE.
Nichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr;
Der Krüge
schönster ist entzweigeschlagen.
Hier grade auf dem Loch, wo jetzo nichts,
Sind die gesamten
niederländischen Provinzen
Dem span'schen Philipp30 übergeben
worden.
Hier im Ornat stand Kaiser Karl
der Fünfte31:
Von dem seht ihr nur noch die Beine stehn.
Hier kniete Philipp, und empfing die Krone:
Der liegt im
Topf, bis auf den Hinterteil,
Und auch noch der hat einen Stoß empfangen.
Dort wischten seine beiden Muhmen sich,
Der Franzen und der
Ungarn Königinnen32,
Gerührt die Augen aus; wenn man die eine
Die Hand noch mit dem Tuch empor sieht heben,
So ist's, als weinete sie über sich.
Hier im Gefolge stützt sich Philibert33,
Für den den Stoß der Kaiser aufgefangen34,
Noch auf das Schwert; doch jetzo müßt er fallen,
So gut wie Maximilian35:
der Schlingel!36
Die Schwerter unten jetzt sind weggeschlagen.
Hier in der Mitte, mit der heil'gen Mütze37,
Sah man den Erzbischof von Arras38
stehn;
Den hat der Teufel ganz und gar geholt,
Sein Schatten nur fällt lang noch übers
Pflaster.
Hier standen rings, im Grunde39,
Leibtrabanten40,
Mit Hellebarden41, dicht gedrängt, und
Spießen,
Hier Häuser, seht, vom großen
Markt zu Brüssel42,
Hier guckt noch ein Neugier'ger aus dem Fenster:
Doch was er jetzo sieht, das weiß ich nicht.
ADAM.
Frau Marth! Erlaßt
uns das zerscherbte Paktum43,
Wenn es zur Sache nicht gehört.
Uns geht das Loch – nichts die Provinzen an,
Die darauf übergeben worden sind.
FRAU MARTHE.
Erlaubt! Wie
schön der Krug, gehört zur Sache! –
Den Krug erbeutete
sich Childerich44,
Der Kesselflicker45, als
Oranien46
Briel47 mit den
Wassergeusen48 überrumpelte.
Ihn hatt ein Spanier, gefüllt mit Wein,
Just an den Mund gesetzt, als Childerich
Den Spanier von hinten niederwarf,
Den Krug ergriff, ihn leert', und weiter ging.
ADAM.
Ein würd'ger Wassergeuse.
FRAU MARTHE.
Hierauf vererbte
Der Krug auf Fürchtegott, den Totengräber;
Der trank zu dreimal nur, der Nüchterne,
Und stets vermischt mit Wasser aus dem Krug.
Das erstemal, als er
im
Sechzigsten
Ein junges Weib sich nahm; drei Jahre drauf,
Als sie noch glücklich ihn zum Vater machte;
Und als
sie jetzt noch funfzehn Kinder zeugte,
Trank er zum dritten Male, als sie starb.
ADAM.
Gut. Das ist auch nicht übel.
FRAU MARTHE.
Drauf fiel der Krug
An den Zachäus, Schneider
in Tirlemont49,
Der meinem sel'gen Mann, was ich euch jetzt
Berichten will, mit eignem Mund erzählt.
Der warf, als die
Franzosen plünderten,
Den Krug, samt allem Hausrat, aus dem Fenster,
Sprang selbst, und brach den Hals, der Ungeschickte,
Und dieser irdne Krug, der Krug von Ton,
Aufs Bein kam er zu stehen, und blieb ganz.
ADAM.
Zur Sache,
wenn's beliebt, Frau Marthe Rull! Zur Sache!
FRAU MARTHE.
Drauf in der
Feuersbrunst von sechsundsechzig50,
Da hatt ihn schon mein Mann, Gott hab ihn selig –
ADAM.
Zum Teufel! Weib!
So seid Ihr noch nicht fertig?
FRAU MARTHE.
–
Wenn ich nicht reden soll, Herr Richter Adam,
So bin ich unnütz hier, so will ich gehn,
Und ein
Gericht mir suchen, das mich hört.
WALTER.
Ihr sollt hier reden: doch von Dingen nicht,
Die Eurer Klage fremd. Wenn Ihr uns sagt,
Daß jener Krug Euch wert, so wissen wir
So viel, als wir zum Richten hier gebrauchen.
FRAU MARTHE.
Wieviel ihr brauchen möget, hier zu richten,
Das weiß ich nicht, und untersuch es nicht;
Das aber weiß ich, daß ich, um zu klagen,
Muß vor euch sagen dürfen, über was.
WALTER.
Gut denn. Zum
Schluß jetzt. Was geschah dem Krug?
Was? – Was geschah dem Krug im Feuer
Von Anno sechsundsechzig? Wird man's hören?
Was ist dem Krug geschehn?
FRAU MARTHE.
Was ihm geschehen?
Nichts ist dem Krug, ich bitt euch sehr, ihr Herren,
Nichts Anno sechsundsechzig ihm geschehen.
Ganz
blieb der Krug, ganz in der Flammen Mitte,
Und aus des Hauses Asche zog ich ihn
Hervor, glasiert, am andern Morgen, glänzend,
Als käm er eben aus dem Töpferofen.
WALTER.
Nun gut. Nun kennen
wir den Krug.
Nun wissen
Wir alles, was dem Krug geschehn, was nicht.
Was gibt's jetzt weiter?
FRAU MARTHE.
Nun diesen Krug jetzt seht – den Krug,
Zertrümmert einen Krug noch wert,
den Krug
Für eines Fräuleins Mund51 die Lippe selbst
Nicht der
Frau Erbstatthalterin52 zu schlecht,
Den Krug, ihr hohen Herren Richter beide,
Den Krug
hat jener Schlingel mir zerbrochen.
ADAM.
Wer?
FRAU MARTHE.
Er, der Ruprecht dort.
RUPRECHT.
Das ist gelogen,
Herr Richter.
ADAM.
Schweig Er, bis
man Ihn fragen wird.
Auch heut an Ihn noch wird die Reihe kommen.
– Habt Ihr's im Protokoll bemerkt?
LICHT.
O ja.
ADAM.
Erzählt den
Hergang, würdige Frau Marthe.
FRAU MARTHE.
Es war Uhr eilfe gestern
–
ADAM.
Wann, sagt Ihr?
FRAU MARTHE.
Uhr eilf.
ADAM.
Am Morgen!
FRAU MARTHE.
Nein, verzeiht, am Abend,
Und schon die Lamp im Bette wollt ich löschen,
Als laute Männerstimmen, ein Tumult,
In meiner Tochter abgelegnen Kammer,
Als ob
der Feind einbräche, mich erschreckt.
Geschwind die Trepp eil ich hinab, ich finde
Die Kammertür gewaltsam eingesprengt,
Schimpfreden
schallen wütend mir entgegen,
Und da ich mir den Auftritt jetzt beleuchte,
Was find ich jetzt, Herr Richter, was jetzt find ich?
Den Krug
find ich zerscherbt im Zimmer liegen,
In jedem Winkel liegt ein Stück,
Das Mädchen ringt die Händ,
und er der Flaps53 dort,
Der trotzt, wie toll54, Euch in des
Zimmers Mitte.
ADAM.
Ei, Wetter!
FRAU MARTHE.
Was?
ADAM.
Sieh da, Frau Marthe!
FRAU MARTHE.
Ja! –
Drauf ist's, als ob in so gerechtem Zorn,
Mir noch zehn Arme wüchsen, jeglichen
Fühl ich mir wie ein Geier ausgerüstet.
Ihn stell ich dort zu Rede, was er hier
In später Nacht zu suchen, mir die Krüge
Des Hauses tobend einzuschlagen habe:
Und er, zur
Antwort gibt er mir, jetzt ratet?
Der Unverschämte!
Der Halunke, der!
Aufs Rad will ich ihn
sehen55, oder mich
Nicht mehr geduldig auf den Rücken legen:
Er spricht, es hab ein anderer den Krug
Vom Sims gestürzt – ein anderer, ich bitt Euch,
Der vor ihm
aus der Kammer nur entwichen;
– Und
überhäuft mit Schimpf mir da das Mädchen.
ADAM.
Oh! faule Fische56 – Hierauf?
FRAU MARTHE.
Auf dies Wort
Seh ich
das Mädchen fragend an; die steht
Gleich einer Leiche da, ich sage: Eve! –
Sie setzt sich;
ist's ein anderer gewesen,
Frag ich? Und
Joseph und Maria57, ruft sie,
Was denkt Ihr Mutter auch? – So sprich! Wer war's?
Wer sonst, sagt sie, – und wer auch konnt es anders?
Und schwört
mir zu, daß er's gewesen ist.
EVE.
Was schwor ich Euch? Was hab ich Euch geschworen?
Nichts schwor ich,
nichts Euch –
FRAU MARTHE.
Eve!
EVE.
Nein! Dies lügt Ihr. –
RUPRECHT.
Da hört ihr's.
ADAM.
Hund, jetzt,
verfluchter, schweig,
Soll hier die Faust den Rachen dir noch stopfen!
Nachher ist Zeit für dich, nicht jetzt.
FRAU MARTHE.
Du hättest nicht –?
EVE.
Nein, Mutter! Dies verfälscht
Ihr.
Seht, leid tut's in der Tat mir tief zur Seele,
Daß ich es öffentlich erklären muß:
Doch
nichts schwor ich, nichts, nichts hab ich geschworen.
ADAM.
Seid doch vernünftig,
Kinder.
LICHT.
Das ist ja seltsam.
FRAU MARTHE.
Du hättest mir, o Eve, nicht versichert?
Nicht Joseph und Maria angerufen?
EVE.
Beim Schwur nicht! Schwörend nicht!
Seht dies jetzt schwör ich,
Und Joseph und Maria ruf ich an.
ADAM.
Ei, Leutchen! Ei, Frau
Marthe! Was auch macht Sie?
Wie
schüchtert Sie das gute Kind auch ein.
Wenn sich die Jungfer wird besonnen haben,
Erinnert ruhig dessen, was geschehen,
– Ich sage, was geschehen ist, und was,
Spricht sie nicht, wie sie soll, geschehn noch kann.
Gebt
acht, so sagt sie heut uns aus, wie gestern,
Gleichviel, ob sie's beschwören kann ob nicht.
Laßt Joseph und
Maria aus dem Spiele.
WALTER.
Nicht doch, Herr
Richter, nicht! Wer wollte den
Parteien so zweideut'ge Lehren geben.
FRAU MARTHE.
Wenn
sie ins Angesicht mir sagen kann,
Schamlos, die liederliche Dirne,
die,
Daß es ein
andrer, als der Ruprecht war,
So mag meintwegen sie – ich mag nicht sagen, was.
Ich aber, ich versichr' es Euch, Herr Richter,
Und kann ich gleich nicht, daß sie's schwor, behaupten,
Daß
sie's gesagt hat gestern, das beschwör ich,
Und Joseph und Maria ruf ich an.
ADAM.
Nun weiter will
ja auch die Jungfer –
WALTER.
Herr Richter!
ADAM.
Euer Gnaden? – Was sagt er? –
Nicht, Herzens-Evchen?
FRAU MARTHE.
Heraus damit! Hast du's mir nicht gesagt?
Hast du's
mir gestern nicht, mir nicht gesagt?
EVE.
Wer leugnet Euch, daß ich's gesagt
–
ADAM.
Da habt ihr's.
RUPRECHT.
Die Metze, die!58
ADAM.
Schreibt auf.
VEIT.
Pfui, schäm Sie sich.
WALTER.
Von Eurer Aufführung, Herr Richter Adam,
Weiß ich nicht, was ich denken soll.
Wenn Ihr selbst
Den Krug zerschlagen hättet, könntet Ihr
Von Euch ab den Verdacht nicht eifriger
Hinwälzen auf den jungen Mann, als jetzt. –
Ihr setzt nicht mehr ins Protokoll, Herr Schreiber,
Als nur der Jungfer Eingeständnis, hoff ich,
Vom gestrigen Geständnis, nicht vom Facto59.
– Ist's an
die Jungfer jetzt schon auszusagen?
ADAM.
Mein Seel, wenn's ihre Reihe noch nicht ist,
In
solchen Dingen irrt der Mensch, Euer Gnaden.
Wen hätt ich fragen
sollen jetzt? Beklagten?
Auf Ehr! Ich nehme gute Lehre
an.
WALTER.
Wie unbefangen! –
Ja, fragt den Beklagten.
Fragt, macht ein Ende, fragt, ich bitt Euch sehr:
Dies ist die
letzte Sache, die Ihr führt.60
ADAM.
Die letzte! Was! Ei freilich! Den
Beklagten!
Wohin auch,
alter Richter, dachtest du?
Verflucht, das
pips'ge Perlhuhn61 mir!
Daß es
Krepiert wär an der Pest62 in Indien!
Stets
liegt der Kloß von Nudeln mir im Sinn.63
WALTER.
Was liegt? Was für ein Kloß liegt Euch –?
ADAM.
Der Nudelkloß,
Verzeiht, den ich dem
Huhne geben soll.
Schluckt mir das Aas die Pille nicht herunter,
Mein Seel, so weiß ich nicht, wie's werden wird.
WALTER.
Tut Eure
Schuldigkeit, sag ich, zum Henker!
ADAM.
Beklagter trete vor.
RUPRECHT.
Hier, Herr Dorfrichter.
Ruprecht, Veits des
Kossäten64 Sohn, aus Huisum.
ADAM.
Vernahm Er dort, was vor Gericht soeben
Frau Marthe gegen Ihn hat angebracht?
RUPRECHT.
Ja, Herr Dorfrichter, das hab ich.
ADAM.
Getraut Er sich
Etwas dagegen aufzubringen, was?65
Bekennt Er,
oder unterfängt Er sich,
Hier wie ein gottvergeßner Mensch zu leugnen?
RUPRECHT.
Was ich dagegen aufzubringen habe,
Herr Richter? Ei! Mit Euerer Erlaubnis,
Daß sie kein
wahres Wort gesprochen hat.
ADAM.
So? Und das denkt Er zu
beweisen?
RUPRECHT.
O ja.
ADAM.
Die
würdige Frau Marthe, die.
Beruhige Sie sich. Es wird sich finden.
WALTER.
Was geht
Ihn die Frau Marthe an, Herr Richter?
ADAM.
Was mir –? Bei Gott! Soll ich als Christ –?
WALTER.
Bericht
Er, was Er für sich anzuführen hat. –
Herr
Schreiber, wißt Ihr den Prozeß zu führen?
ADAM.
Ach, was!
LICHT.
Ob ich – ei nun, wenn Euer
Gnaden –
ADAM.
Was glotzt Er
da? Was hat Er aufzubringen?
Steht nicht
der Esel, wie ein Ochse, da?
Was hat Er aufzubringen?
RUPRECHT.
Was ich aufzubringen?
WALTER.
Er ja, Er soll den
Hergang jetzt erzählen.
RUPRECHT.
Mein
Seel, wenn man zu Wort mich kommen ließe.
WALTER.
's
ist in der Tat, Herr Richter, nicht zu dulden.
RUPRECHT.
Glock zehn
Uhr mocht es etwa sein zu Nacht, –
Und warm, just diese Nacht des
Januars
Wie Mai, als ich zum Vater sage: Vater!
Ich will ein
bissel noch zur Eve gehn.
Denn heuren wollt ich sie66,
das müßt ihr wissen,
Ein rüstig Mädel67ist's, ich
hab's beim Ernten
Gesehn, wo alles von der Faust ihr ging,
Und ihr das Heu man flog, als wie
gemaust68.
Da sagt' ich: willst du?
Und sie sagte: ach!
Was du da gakelst69.
Und nachher sagt' sie, ja.
ADAM.
Bleib Er bei seiner
Sache. Gakeln! Was!
Ich sagte, willst du? Und sie sagte, ja.
RUPRECHT.
Ja, meiner Treu, Herr Richter.
WALTER.
Weiter! Weiter!
RUPRECHT.
Nun –
Da sagt ich: Vater, hört Er?
Laß Er mich.
Wir schwatzen noch am Fenster was zusammen.
Na, sagt er, lauf; bleibst du auch draußen, sagt er?
Ja,
meiner Seel, sag ich, das ist geschworen.
Na, sagt er,
lauf, um eilfe bist du hier.
ADAM.
Na, so sag du, und gakle, und kein Ende.
Na, hat er bald sich
ausgesagt?
RUPRECHT.
Na, sag ich,
Das ist ein Wort, und setz die Mütze auf,
Und geh; und übern Steig will ich, und muß
Durchs Dorf zurückgehn, weil der Bach geschwollen.
Ei, alle Wetter, denk ich, Ruprecht, Schlag!70
Nun ist die
Gartentür bei Marthens zu:
Denn bis
um zehn läßt 's Mädel sie nur offen,
Wenn
ich um zehn nicht da bin, komm ich nicht.
ADAM.
Die liederliche
Wirtschaft, die.
WALTER.
Drauf weiter?
RUPRECHT.
Drauf – wie ich übern
Lindengang mich näh're,
Bei Marthens, wo die Reihen dicht gewölbt,
Und dunkel, wie der Dom
zu Utrecht, sind,
Hör ich die
Gartentüre fernher knarren.
Sieh da! Da ist die Eve
noch! sag ich,
Und schicke freudig Euch, von wo die Ohren
Mir Kundschaft brachten, meine Augen nach –
– Und schelte sie, da sie mir wiederkommen,
Für blind, und schicke auf der Stelle sie
Zum zweitenmal, sich besser umzusehen,
Und schimpfe sie nichtswürdige Verleumder,
Aufhetzer, niederträcht'ge Ohrenbläser71,
Und schicke sie zum drittenmal, und denke,
Sie werden, weil sie ihre Pflicht getan,
Unwillig los sich aus dem Kopf mir reißen,
Und sich in einen andern Dienst begeben:
Die Eve ist's, am Latz72 erkenn ich sie,
Und einer ist's noch obenein.
ADAM.
So? Einer noch? Und wer, Er
Klugschwätzer?
RUPRECHT.
Wer? Ja, mein
Seel, da fragt Ihr mich –
ADAM.
Nun also!
Und nicht
gefangen, denk ich, nicht gehangen.
WALTER.
Fort! Weiter in der Rede! Laßt ihn doch!
Was unterbrecht Ihr ihn, Herr Dorfrichter?
RUPRECHT.
Ich kann
das Abendmahl darauf nicht nehmen73,
Stockfinster
war's, und alle Katzen grau.
Doch müßt Ihr wissen, daß der
Flickschuster74,
Der Lebrecht,
den man kürzlich losgesprochen,
Dem Mädel
längst mir auf die Fährte ging.
Ich sagte vor'gen Herbst schon: Eve, höre,
Der Schuft schleicht mir ums Haus, das mag ich nicht;
Sag ihm, daß
du kein Braten bist für ihn,
Mein Seel, sonst
werf ich ihn vom Hof herunter.
Die spricht: ich glaub, du
schierst mich75, sagt ihm was,
Das ist nicht hin, nicht her, nicht Fisch, nicht Fleisch:
Drauf geh ich hin, und werf den Schlingel herunter.
ADAM.
So? Lebrecht heißt der Kerl?
RUPRECHT.
Ja, Lebrecht.
ADAM.
Gut.
Das ist ein
Nam. Es wird sich alles finden.
– Habt Ihr's bemerkt im Protokoll, Herr Schreiber?
LICHT.
O ja, und alles
andere, Herr Richter.
ADAM.
Sprich
weiter, Ruprecht, jetzt, mein Sohn.
RUPRECHT.
Nun schießt,
Da ich
Glock eilf das Pärchen hier begegne,
– Glock zehn Uhr zog ich immer ab – das Blatt mir.
Ich denke, halt, jetzt ist's noch Zeit, o Ruprecht,
Noch wachsen dir die Hirschgeweihe nicht76: –
Hier mußt du sorgsam dir die Stirn befühlen,
Ob dir von fern hornartig etwas keimt.
Und drücke
sacht mich durch die Gartenpforte,
Und berg in einen Strauch von Taxus77
mich:
Und hör Euch ein Gefispre78 hier,
ein Scherzen,
Ein Zerren hin, Herr Richter, Zerren her,
Mein Seel, ich denk, ich
soll vor Lust
79–
EVE.
Du
Böswicht!
Was das, o schändlich ist von dir!
FRAU MARTHE.
Halunke!
Dir weis ich noch einmal, wenn wir allein sind,
Die Zähne! Wart!
Du weißt noch nicht, wo mir
Die Haare wachsen80! Du sollst's erfahren!
RUPRECHT.
Ein Viertelstündchen
dauert's so, ich denke,
Was wird's doch werden,
ist doch heut nicht Hochzeit?
Und eh ich den Gedanken ausgedacht,
Husch! sind sie beid ins Haus schon, vor dem Pastor.
EVE.
Geht,
Mutter, mag es werden, wie es will –
ADAM.
Schweig du mir dort, rat
ich, das Donnerwetter
Schlägt über dich ein,
unberufne Schwätzerin!
Wart, bis ich auf zur Red dich rufen werde.
WALTER.
Sehr sonderbar, bei Gott!
RUPRECHT.
Jetzt hebt, Herr Richter Adam
Jetzt hebt sich's, wie ein Blutsturz81,
mir. Luft!
Da mir der
Knopf am Brustlatz82 springt: Luft jetzt!
Und reiße mir den Latz auf: Luft jetzt sag
ich!
Und geh, und drück, und tret und donnere,
Da ich der Dirne83 Tür verriegelt finde,
Gestemmt, mit Macht, auf einen Tritt, sie ein.
ADAM.
Blitzjunge, du!
RUPRECHT.
Just da sie auf jetzt rasselt,
Stürzt dort der Krug vom Sims ins Zimmer hin,
Und
husch! springt einer aus dem Fenster Euch:
Ich seh die
Schöße noch vom Rocke84 wehn.
ADAM.
War das der Leberecht?
RUPRECHT.
Wer sonst, Herr Richter?
Das
Mädchen steht, die werf ich übern Haufen,
Zum Fenster eil ich hin, und find den Kerl
Noch in den Pfählen hangen, am Spalier,
Wo sich das Weinlaub aufrankt bis zum Dach.
Und da die Klinke in der Hand mir blieb,
Als ich die Tür eindonnerte,
so
reiß ich
Jetzt mit dem Stahl eins pfundschwer übern Detz85
ihm:
Den just, Herr Richter, konnt ich noch erreichen.
ADAM.
War's eine Klinke?
RUPRECHT.
Was?
ADAM.
Ob's –
RUPRECHT.
Ja, die Türklinke.
ADAM.
Darum.
LICHT.
Ihr glaubtet wohl,
es war ein Degen?
ADAM.
Ein Degen? Ich – wieso?
RUPRECHT.
Ein Degen!
LICHT.
Je nun!
Man kann sich wohl verhören.
Eine Klinke
Hat sehr viel Ähnlichkeit mit einem Degen.
ADAM.
Ich glaub –!
LICHT.
Bei meiner Treu! Der Stiel,
Herr Richter?
ADAM.
Der Stiel!
RUPRECHT.
Der Stiel! Der
war's nun aber nicht.
Der Klinke umgekehrtes Ende war's.
ADAM.
Das umgekehrte
Ende war's der Klinke!
LICHT.
So! So!
RUPRECHT.
Doch auf dem
Griffe lag ein Klumpen
Blei, wie ein Degengriff, das muß ich sagen.
ADAM.
Ja, wie ein Griff.
LICHT.
Gut. Wie ein Degengriff.
Doch irgendeine
tück'sche Waffe mußt es
Gewesen sein. Das wußt ich wohl.
WALTER.
Zur Sache
stets, ihr Herrn, doch! Zur Sache!
ADAM.
Nichts als Allotrien86, Herr Schreiber! –
Er, weiter!
RUPRECHT.
Jetzt stürzt der Kerl, und
ich schon will mich wenden,
Als ich's im Dunkeln auf sich rappeln sehe.
Ich denke, lebst du noch? und
steig aufs Fenster
Und will dem Kerl das Gehen unten legen:
Als jetzt, ihr Herrn,
da ich zum Sprung just aushol,
Mir eine Handvoll grobgekörnten Sandes –
– Und Kerl und Nacht und Welt und Fensterbrett,
Worauf ich steh, denk ich nicht, straf mich Gott,
Das alles fällt in einen Sack zusammen –
Wie Hagel,
stiebend, in die Augen fliegt.
ADAM.
Verflucht! Sieh da!
Wer tat das?
RUPRECHT.
Wer? Der Lebrecht.
ADAM.
Halunke!
RUPRECHT.
Meiner Treu! Wenn er's
gewesen.
ADAM.
Wer sonst!
RUPRECHT.
Als stürzte mich ein Schloßenregen87
Von eines Bergs zehn Klaftern88 hohen
Abhang,
So schlag ich jetzt vom Fenster Euch ins Zimmer:
Ich denk, ich schmettere den Boden ein.
Nun brech ich mir den Hals doch nicht, auch nicht
Das Kreuz mir, Hüften, oder sonst, inzwischen
Konnt ich des Kerls doch nicht mehr habhaft werden,
Und sitze
auf, und wische mir die Augen.
Die kommt, und ach, Herr Gott! ruft sie, und Ruprecht!
Was ist dir auch? Mein Seel,
ich hob den Fuß,
Gut war's, daß ich nicht sah, wohin ich stieß.
ADAM.
Kam das vom Sande noch?
RUPRECHT.
Vom Sandwurf, ja.
ADAM.
Verdammt! Der traf!
RUPRECHT.
Da ich jetzt aufersteh
Was sollt ich auch die Fäuste hier mir schänden?
So
schimpf ich sie, und sage liederliche Metze,
Und denke, das ist gut genug für sie.
Doch
Tränen, seht, ersticken mir die Sprache.
Denn da Frau Marthe jetzt ins Zimmer tritt,
Die Lampe hebt, und ich das Mädchen dort
Jetzt schlotternd, zum Erbarmen vor mir sehe,
Sie, die
so herzhaft sonst wohl um sich sah,
So sag
ich zu mir, blind ist auch nicht übel.
Ich hätte meine Augen hingegeben,
Knippkügelchen89, wer will, damit zu spielen.
EVE.
Er ist nicht wert,
der Böswicht –
ADAM.
Sie soll schweigen.
RUPRECHT.
Das Weitre wißt ihr.
ADAM.
Wie, das Weitere?
RUPRECHT.
Nun ja, Frau Marthe kam,
und geiferte,
Und
Ralf, der Nachbar, kam, und Hinz, der Nachbar,
Und Muhme Sus' und
Muhme Liese kamen,
Und Knecht
und Mägd und Hund und Katzen kamen,
's war ein Spektakel, und Frau
Marthe fragte
Die Jungfer dort, wer ihr den Krug zerschlagen,
Und
die, die sprach, ihr wißt's, daß ich's gewesen.
Mein
Seel, sie hat so unrecht nicht, ihr Herren.
Den
Krug, den sie zu Wasser trug, zerschlug ich,
Und der
Flickschuster hat im Kopf ein Loch. –
ADAM.
Frau Marthe!
Was entgegnet Ihr der Rede?
Sagt an!
FRAU MARTHE.
Was ich der Red entgegene?
Daß sie, Herr Richter, wie der Marder einbricht,
Und Wahrheit wie ein gakelnd Huhn erwürgt.
Was Recht liebt, sollte zu den Keulen greifen,
Um dieses Ungetüm der Nacht zu tilgen.
ADAM.
Da wird Sie
den Beweis uns führen müssen.
FRAU MARTHE.
O ja,
sehr gern. Hier ist mein Zeuge. – Rede!
ADAM.
Die Tochter? Nein, Frau
Marthe.
WALTER.
Nein? Warum nicht?
ADAM.
Als Zeugin, gnäd'ger Herr?
Steht im Gesetzbuch
Nicht titulo, ist's
quarto? oder quinto?90
Wenn Krüge oder sonst, was weiß ich?
Von jungen Bengeln sind zerschlagen worden,
So zeugen Töchter ihren Müttern nicht?
WALTER.
In Eurem Kopf liegt Wissenschaft und Irrtum
Geknetet, innig, wie ein Teig, zusammen;
Mit jedem
Schnitte gebt Ihr mir von beidem.
Die Jungfer zeugt noch nicht, sie deklariert91 jetzt;
Ob, und für wen, sie zeugen will und kann,
Wird erst aus der Erklärung sich ergeben.
ADAM.
Ja, deklarieren.
Gut. Titulo sexto92
Doch was sie
sagt, das glaubt man nicht.
WALTER.
Tritt vor, mein junges
Kind.
ADAM.
He! Lies' –! – Erlaubt!
Die Zunge wird sehr
trocken mir – Margrete!
Wort- und Sacherklärungen
1
Ornat: Schmuck; Amtstracht/-robe des Richters
mit einer kostbaren, bodenlangen Robe
2
Lappalien: lächerliche
Kleinigkeiten
3
Ihr rast: Ihr seid nicht ganz bei Verstand
4
Um alle Wunden: Um Gottes Willen (um
aller Wunden von Jesus Christus am Kreuz willen)
5
Frakturschrift: Schriftart »Fraktur,
die in Kanzleien für Urkunden genutzte Schrift, die dem jeweiligen
Schriftstück einen amtlichen Charakter verleihen sollte
6
knackern: lautmalerisch
für lautes Knistern des Papiers
7
Batavia: »Batavia
von 1619 bis 1799 das Hauptquartier der »Niederländischen
Ostindien-Kompanie in Asien. Heute ist es unter dem Namen »Jakarta
der ehemaligen Hauptstadt der »Republik
Indonesien bejannt. Die Stadt liegt an der Nordküste »Javas,
an einer gut geschützten Bucht, in einer flachen und an manchen Stellen
morastigen Umgebung, durchzogen von Kanälen und Flüssen. Batavia bestand
aus einer Altstadt im tiefsten und ungesunden Teil und einer etwas höher
gelegenen Neustadt im modernen Stil. Zur Zeit der Niederländischen
Ostindien-Kompanie zählte Batavia 30.000 bis 50.000 Einwohner.
8
Krepiert' –
ich weiß, an welchem Fieber nicht: Infektionskrankheiten wie »Gelbfieber,
»Scharlach,
»Fleckfieber
(= Flecktyphus)
9
gelb: »Gelbfieber,
tropische Infektionskrankheit
10
Scharlach: »Scharlach,
Infektionskrankheit
11 faul:
Faulfieber oder »Fleckfieber
(= Flecktyphus), Infektionskrankheit
12
Session: Gerichtsverhandlung, Prozess
13
Zwei Fälle gibt's, ... und wenn's nicht biegt, so bricht's:
sprichwörtlich: es geht gut oder eben schlecht aus
14
Prozedur: Gerichtsverhandlung, Prozess
15
Perlhuhn: Hühnervogelart
»Perlhuhn, die als verwilderte Hausperlhühner auch in Vorderindien zu
finden ist
16
Indienfahrer: Seereisender, der aus
Indien kommt
17
Pips: Geflügelkrankheit »Pips
oder Ziep, die mit Atemnot, schweren Entzündungen der Schnabelhöhle
beim Geflügel, wie beispielsweise bei Vogelpocken auftritt.
18
nudeln: mästen, stopfen, vollstopfen vgl.
63
19
Jungfer: unverheiratetes bürgerliches
Mädchen; Ggs. adeliges "Fräulein"
20
Klägere: altertümlich für Klägerin
21
Vorwerk: Als »Vorwerk
wird ein vom Hauptgut räumlich abgetrennter landwirtschaftlicher
Pachtbetrieb bezeichnet, h: mglw. außerhalb des Dorfes gelegen
22
Witw' eines Kastellans: Witwe
eines Hausmeisters, Verwalters
23
Das ist gleichfalls
ein Krug: gemeint ist wohl in einer Art logischen Kurzschlusses:
gleichfalls bekannter Krug
24
Instruktion: Verfahrensregel zur
Prozessführung
25
vereinten Staaten: vereinigte
Provinzen der Niederlande
26
submiß: untertänig
27
Statuten: Satzungen, Verfahrensregelungen
28
kein Jota abgewichen: nicht im geringsten,
nicht im allermindesten abgewichen; »Jota
ist der kleinste Buchstabe des griechischen Alphabets
29
Ihr gebt mir schlechte
Meinungen: Ich erhalte eine schlechte Meinung von euch
30
span'schen
Philipp:
»Philipp II. (geb.
1527, 1556-98), der Sohn von »Karl V. (geb.
1500, 1516/19-56), regierte die spanischen Niederlande von •
1555
an mit Hilfe verschiedener Statthalter und Statthalterinnen ( •
Die
Niederlande unter der Herrschaft Philipps I. bis zum Aufstand
gegen die spanische Herrschaft ab 1566) (•
Zeittafel)
31
Kaiser Karl der Fünfte: »Karl V. (geb.
1500, 1516/19-56) (• Die Niederlande unter der
Herrschaft Karls V. bis 1555) (•
Zeittafel)
32
der Franzen und der Ungarn
Königinnen: gemeint sind die Tanten ("Muhmen") von
»Philipp II. (geb.
1527, 1556-98), »Maria
von Ungarn (1505-1558), die bis zu seiner Übernahme der
Herrschaft in den spanischen Niederlanden •
1556
im Auftrag seines Vaters Regentin in den Niederlanden gewesen ist, und
Karls V. ältere Schwester »Eleonore
von Kastilien (1498-1558), die als Ehefrau von »Franz
I. (1494-1547, König von 1515 bis •1 547
französische Königin gewesen ist;
33
Philibert:
»Emanuel
Philibert von Savoyen (1528-1580), »Herzog von Savoyen
wird 1556 von
»Philipp II. (geb.
1527, 1556-98), zum Statthalter der habsburgischen
Niederlande ernannt
34
Für den den Stoß der
Kaiser aufgefangen: hier bleibt Marthe Rull im Bild des
zerbrechenden Krugs
35
Maximilian: nach dem Tod von Kaiser »Ferdinand
I. (1503-1564), dem jüngeren Bruder und Nachfolger von »Karl V. (geb.
1500, 1516/19-56) in Wien und dem Verzicht von
»Philipp II.,
(geb. 1527, 1556-98) auf die Kaiserwürde, wird der Sohn Ferdinands
»Maximilian (II.) (1527–1576), der seit 1548 mit der
ältesten Tochter von »Karl
V., »Maria
von Spanien (1528–1603) verheiratet ist, Kaiser des »Heiligen
Römischen Reiches; da er einen ausschweifenden
Lebensstil hat, charakterisiert •
Marthe Rull ihn mit "der Schlingel")
36
der Schlingel: •
Marthe Rull kommentiert damit
offenbar den ausschweifenden Lebensstil, den »Maximilian
(II.) (1527–1576) gepflegt hat
37
mit der heil'gen Mütze:
liturgische Bischofmütze, -hut, auch »Mitra
genannt; sie wird heute nur bei »Pontifikalhandlungen
im Gottesdienst getragen und gehört zu den »Liturgischen
Gewändern.
38
Erzbischof von Arras: während der Regentschaft von »Margarete
von Parma (1522-1586, Statthalterin 1559-1567) in den »spanischen
Niederlanden soll der Bischof »Antoine
Perrenot de Granvelle (1517-86, seit 1661 Kardinal) im Auftrag
»Philipps II.,
(geb. 1527, 1556-98) den antireformatorischen Repressionskurs des
spanischen Königs mit der Verschärfung der »Spanischen
Inquisition garantieren; als »Erzbischof
von Mechelen versucht er, die spanische
Repressionspolitik ganz im Sinne seines spanischen Königs
»Philipp
II., (geb.
1527, 1556-98) gegenüber »Lutheranern,
»Wiedertäufern
und »Calvinisten
weiter zu verschärfen und mit der allgemein verhassten »Inquisition
noch härter gegen vermeintliche Ketzerinnen und Ketzer
vorzugehen; angesichts des zunehmenden Unmuts über ihn im
ganzen Land wird er 1564 auf Gesuch der Regentin »Margarete von Parma (1522-1586)
beim spanischen König
»Philipp II.,
(geb. 1527, 1556-98) aus den Niederlanden abberufen und
verlässt das Land; 1584 wird er zum »Erzbischof
von Besançon gewählt;
39
im Grunde: im
Hintergrund der bildlichen Darstellung auf dem Krug
40
Leibtrabanten: Leibwächter
41
Hellebarden: »Hellebarde
Mischform von Hieb- und Stichwaffe, die einen von ihr Getroffenen
möglichst schnell bewegungsunfähig (handlungsunfähig) machen sollte;
gehört zu den »Stangenwaffen
des »Fußvolks
und kam vor allem vom 14. bis zum 16. Jahrhundert zum Einsatz.
42
großen Markt zu Brüssel: Die
Übertragung der Macht in den spanischen Niederlanden durch »Karl V. (geb.
1500, 1516/19-56) an seinen Sohn
»Philipp II.,
(geb. 1527, 1556-98) fand •
1555
nicht auf dem »großen
Markt in Brüssel (Grote Markt), sondern im Großen Saal des Schlosses
statt
43
zerscherbte Paktum: gemeint ist
der so genannte Brüsseler Vertrag (Pakt) aus dem Jahr 1555, dessen
Darstellung auf dem Krug jetzt in Scherben zerbrochen ist; »Karl
V. vollzieht seine Abdankung in »Brüssel in
einer Reihe wohl gut durchdachter, einander folgenden und auf einander
bezogenen Schritte;
44
Childerich: altgermanischer Vorname
45
Kesselflicker: als Handwerker war ein »Kesselflicker
eine häufig als »Kupferschmied
ausgeführte Tätigkeit, bei dem es um das Reparieren von Löchern und
Rissen in den großen, wertvollen Kochkesseln ging.
46
Oranien: »Wilhelm von Oranien (1553-1584) aus dem »Haus
Oranien-Nassau, seit •
1559 •
Statthalter von
»Holland und
»Zeeland;
allerdings ist Oranien nicht der Anführer bei der Eroberung
der Stadt
»Den Briel in Südholland •
1572,
sondern der »Wassergeusen-Führer
»Wilhelm
von Lumey (Wilhelm II. von der Mark (1542-1578)
47
Briel:
»Den Briel ist die Stadt in den Niederlanden. die am 1.
April 1572 im »Achtzigjährigen
Krieg von niederländischen Freiheitskämpfern, den mit »Wilhelm von Oranien (1553-1584)
verbündeten »Wassergeusen,
als erste Stadt überhaupt erobert wurde.
48
Wassergeusen: Die »Wassergeusen,
die sich auf die Seite »Wilhelms von Oranien (1553-1584)
gestellt hatten; waren eine Gruppe von Menschen, die vor der
wachsenden Unterdrückung und Verfolgung Andersgläubiger durch
den Statthalter von
Philipp II., (geb. 1527, 1556-98), »Fernando
Álvarez de Toledo, 3. Herzog von Alba (1507–1582), meist
nur als »Herzog
von Alba bezeichnet, in der Fluchtwelle, die das Land
ergriff, auf das Meer auf Schiffe geflohen waren. Von dort aus
operierten sie als Seeräuber und kaperten noch eine längere
Zeitlang alle Schiffe, derer sie Herr werden konnten; ihr
Anführer war bei der Eroberung von
»Den Briel »Wilhelm
von Lumey (Wilhelm II. von der Mark (1542-1578)
49
Tirlemont: auch »Tienen,
tadt und Gemeinde in der niederländischen Provinz Brabant in
Flandern Das Herzogtum Brabant rebellierte im
niederländischen Aufstand gegen Spanien im »Achtzigjährigen
Krieg und schloss sic, einem Vertrag verschiedener nördlicher
niederländischer Provinzen und Städte an, die zu diesem Zeitpunkt noch
unter spanischer Herrschaft standen. Dieser Zusammenschluss gilt als
Beginn der »Republik
der Sieben Vereinigten Niederlande, die sich mit dem »Plakkaat
van Verlatinghe • 1581 für
unabhängig erklärten. Zur Begründung für diesen Schritt
führten sie an, dass der spanische König als Landesherr versagt
habe, weil er seine Untertanen nicht vor Ungerechtigkeit,
Schaden und Gewalt bewahrt und weil er die Rechte seiner
Untertanen verletzt habe, insbesondere durch Missachtung des
»Großen
Privilegs. Gleichzeitig übertrugen sie »Wilhelm von Oranien (1553-1584)
die Statthalterschaft.; Tienen wurde 1635 von den Franzosen
erobert.
50
in der Feuersbrunst
von sechsundsechzig: im Jahr 1666 gibt es wohl keine
Feuersbrunst in der Umgebung des Kruges, die für ihn hätte Gefahr
darstellen können; daher wohl eher ein erfundenes Datum, das sie
Feuerfestigkeit des Krugs unter Beweis stellen soll.
51
eines Fräuleins Mund: Mund
einer unverheiratet adeligen jungen Frau
52
Frau Erbstatthalterin: Ehefrau
eines Erbstatthalters; die Statthalterschaft wurde unter den Prinzen
Oranien seit 1674 erblich; gemeint ist hier wahrscheinlich aber »Maria
von Ungarn (1505-1558), die bis zur Übernahme der Herrschaft
in den spanischen Niederlanden durch
»Philipp II.,
(geb. 1527, 1556-98) im Jahr •
1556
im Auftrag seines Vaters »Karl V. (geb.
1500, 1516/19-56) Regentin in den Niederlanden gewesen ist.
53
Flaps: Schuft
54
trotzt, wie toll: tobt wie von
Sinnen
55
Aufs Rad will ich ihn sehen:
Hinrichtungswerkzeug beim »Rädern
als einer vom europäischen Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit
praktizierten Form der Hinrichtung; den Betroffenen wurden dabei mit
einem großen Wagenrad, dem Richtrad, zunächst die Glieder gebrochen;
danach wurden sie mit ihren gebrochenen Gliedmaßen zwischen die Radspeichen geflochten und zur Abschreckung
ausgestellt. Da es eine besonders qualvolle und entehrende Todesart war,
blieb das Rädern der Sanktionierung von Kapitalverbrechen vorbehalten.
56
faule Fische: erlogene, ausgedachte
Informationen
57
Joseph und Maria: in der
Alltagskommunikation typische Anrufung der Eltern von Jesus, um die
Wahrheit einer eigenen Aussage zu bekräftigen
58
Die Metze, die: hier im Sinne von
Flittchen
59
nicht vom Facto: gemeint sind
bewiesene, durch die möglich Aussage Eves erst gesicherte Fakten
60
Dies ist die letzte
Sache, die Ihr führt: Dies wird der letzte Prozess sein, dem ihr
vorsitzt bzw. den ihr durchführt.
61
pips'ge Perlhuhn: vgl.
17
62
Pest: Hühnerpest, vgl. 17
63
Stets liegt der
Kloß von Nudeln mir im Sinn: vgl. 18
64
Kossäten: historische Bezeichnung für einen
Kleinbauern oder Häusler, der eine Kate (kleines Haus) bewohnte und von
der Landwirtschaft lebte, oft mit eingeschränkten Rechten und Abgaben an
einen Grundherrn
65
aufzubringen:
vorzubringen, vorzutragen
66
heuren: heiraten
67
rüstig Mädel: kräftiges, zupackendes
Mädchen
68
als wie gemaust: hier wohl im Sinne
von flink, eifrig
69
gakelst: gackerst (wie ein Huhn)
70
Schlag: Fluch wie etwa Donnerschlag!
Donnerwetter!
71
Ohrenbläser: Bezeichnung für eine Person, die jemand anderen
etwas Verleumdungen einflüstert
72
Latz: Brustlatz, Miedereinsatz
73
Ich kann das
Abendmahl darauf nicht nehmen: Anspielung auf ein
mittelalterliches Gottesurteil, bei dem einem Beschuldigten eine
geweihte Hostie dann im Hals stecken bleiben sollte, wenn er tatsächlich
schuldig war.
74
Flickschuster: »Schuhmacher/Schuster,
dem es untersagt war, Lederschuhe herzustellen; seine Aufgabe bestand
darin, diese Schuhe nur zu reparieren
75
schierst mich: quälst
mich (vgl. "das schert mich nicht")
76
Noch wachsen dir die Hirschgeweihe nicht: Hörner. h: das
Hirschgeweih gelten als Zeichen für einen betrogenen bzw. gehörnten
Ehemann
77
Strauch von Taxus: Taxus ist ein »Eibenholzgewächs
78
Gefispre: wispern, fispern, lautmalerisch
für leises Flüstern
79
ich denk, ich soll vor Lust:
zu ergänzen ist hier wohl etwa "vor Lust (in die Luft gehen,
zerbersten)"
80
wo mir Die Haare wachsen:
Anspielung auf die volkstümliche Redensart "Haare auf den Zähnen haben"
81
Blutsturz: »Blutsturz
stellt umgangssprachlich eine plötzliche, starke Blutung aus einer
Körperöffnung, im engeren Sinne aus einer Arterie dar, die sich durch
Bluterbrechen oder Bluthusten
82
Brustlatz: bei Männern so etwas wie
geschnürte Weste
83
Dirne: hier nicht in abwertender Weise
verwendet: junge Frau
84
Schöße noch vom Rock: Im
Bereich der Kleidung bezeichnet man mit dem Begriff Rockschöße die
unteren, oft ausladenden und meist hinten angesetzten Teile eines Rocks
oder Mantels.
85 Detz:
Deets, Kopf
86
Allotrien: Unfug
87
Schloßenregen: Hagel
88
Klaftern: »Klafter,
altes Längen-, Raum- und Flächenmaß
89
Knippkügelchen: Murmel, eine kleine
Kugel gemeint, die zum Spielen verwendet wird
90
Nicht titulo, ist's quarto?
oder quinto: Nicht als Überschrift, vielleicht an vierter oder
fünfter Stelle/Absatz/Artikel
91
deklariert: gibt eine Erklärung ab, macht
eine Aussage
92
Titulo sexto: 6.Absatz/Artikel