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« Siebter Auftritt »

Text mit Wort- und Sacherklärungen

Heinrich von Kleist Der zerbrochne Krug Handlungsverlauf – Einzelne Szenen

 
FAChbereich Deutsch
Glossar Literatur Autorinnen und Autoren ▪ Heinrich von Kleist (1777-1811) Überblick Biografie Erzählende Texte Dramatische Texte Überblick Der zerbrochne Krug Gesamttext (Rechercheversion) Didaktische und methodische Aspekte Überblick Historischer Hintergrund • Literaturgeschichtlicher Kontext Entstehungsgeschichte
Stoffgeschichte Komposition des Dramas Handlungsverlauf Überblick Analytische DramenstrukturSzenenüberblick Einzelne SzenenÜberblick1, Auftritt 2. Auftritt 3. Auftritt 4. Auftritt 5. Auftritt 6. Auftritt [ Siebter Auftritt TextDidaktische und methodische Aspekte Aspekte der Szenenanalyse Bausteine Fragen und Antworten (KI) ] 8. Auftritt 9. Auftritt 10. Auftritt 11. Auftritt 12. Auftritt 13. Auftritt Variant (12. Auftritt) Bausteine  • Bausteine Figurenkonstellation Einzelne Figuren Sprachliche Form Weitere Aspekte der Analyse RezeptionsgeschichteInterpretationsansätze Bausteine Textauswahl Fragen und Antworten (KI) Links ins Internet Sonstige Texte BausteineLinks ins Internet ...   Schreibformen Rhetorik Filmanalyse ● Operatoren im Fach Deutsch
 

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Siebenter Auftritt

Adam im Ornat1, doch ohne Perücke, tritt auf. Die Vorigen.

ADAM für sich.
Ei, Evchen. Sieh! Und der vierschröt'ge Schlingel,
Der Ruprecht! Ei, was Teufel, sieh! die ganze Sippschaft!
Die werden mich doch nicht bei mir verklagen?

EVE.
O liebste Mutter, folgt mir, ich beschwör Euch,
Laßt diesem Unglückszimmer uns entfliehen!

ADAM.
Gevatter! Sagt mir doch, was bringen die?

LICHT.
Was weiß ich? Lärm um nichts; Lappalien2.
Es ist ein Krug zerbrochen worden, hör ich.

ADAM.
Ein Krug! So! Ei! – Ei, wer zerbrach den Krug?

LICHT.
Wer ihn zerbrochen?

ADAM.
Ja, Gevatterchen.

LICHT.
Mein Seel, setzt Euch: so werdet Ihr's erfahren.

ADAM heimlich.
Evchen!

EVE gleichfalls.
Geh Er.

ADAM.
Ein Wort.

EVE.
Ich will nichts wissen.

ADAM.
Was bringt ihr mir?

EVE.
Ich sag Ihm, Er soll gehn.

ADAM.
Evchen! Ich bitte dich! Was soll mir das bedeuten?

EVE.
Wenn Er nicht gleich –! Ich sag's Ihm, laß Er mich.

ADAM zu Licht.
Gevatter, hört, mein Seel, ich halt's nicht aus.
Die Wund am Schienbein macht mir Übelkeiten;
Führt Ihr die Sach, ich will zu Bette gehn.

LICHT.
Zu Bett –? Ihr wollt –? Ich glaub, Ihr seid verrückt.

ADAM.
Der Henker hol's. Ich muß mich übergeben.

LICHT.
Ich glaub, Ihr rast3, im Ernst. Soeben kommt Ihr –?
– Meinthalben. Sagt's dem Herrn Gerichtsrat dort.
Vielleicht erlaubt er's. – Ich weiß nicht, was Euch fehlt?

ADAM wieder zu Even.
Evchen! Ich flehe dich! Um alle Wunden4!
Was ist's, das ihr mir bringt?

EVE.
Er wird's schon hören.

ADAM.
Ist's nur der Krug dort, den die Mutter hält,
Den ich so viel –?

EVE.
Ja, der zerbrochne Krug nur.

ADAM.
Und weiter nichts?

EVE.
Nichts weiter.

ADAM.
Nichts? Gewiß nichts?

EVE.
Ich sag Ihm, geh Er. Laß Er mich zufrieden.

ADAM.
Hör du, bei Gott, sei klug, ich rat es dir.

EVE.
Er, Unverschämter!

ADAM.
In dem Attest steht
Der Name jetzt, Frakturschrift5, Ruprecht Tümpel.
Hier trag ich's fix und fertig in der Tasche;
Hörst du es knackern6, Evchen? Sieh, das kannst du,
Auf meine Ehr, heut übers Jahr dir holen,
Dir Trauerschürz und Mieder zuzuschneiden
,
Wenn's heißt: der Ruprecht in Batavia7
Krepiert' – ich weiß, an welchem Fieber nicht8,
War's gelb9, war's Scharlach10, oder war es faul11.

WALTER.
Sprecht nicht mit den Partein, Herr Richter Adam,
Vor der Session12! Hier setzt Euch, und befragt sie.

ADAM.
Was sagt er? – Was befehlen Euer Gnaden?

WALTER.
Was ich befehl? – Ich sagte deutlich Euch,
Daß Ihr nicht heimlich vor der Sitzung sollt
Mit den Partein zweideut'ge Sprache führen.

Hier ist der Platz, der Eurem Amt gebührt,
Und öffentlich Verhör, was ich erwarte.

ADAM für sich.
Verflucht! Ich kann mich nicht dazu entschließen –!
Es klirrte etwas, da ich Abschied nahm

LICHT ihn aufschreckend.
Herr Richter! Seid Ihr –?

ADAM.
Ich? Auf Ehre nicht!
Ich hatte sie behutsam drauf gehängt,
Und müßt ein Ochs gewesen sein

LICHT.
Was?

ADAM.
Was?

LICHT.
Ich fragte –!

ADAM.
Ihr fragtet, ob ich –?

LICHT.
Ob Ihr taub seid, fragt ich.
Dort Seiner Gnaden haben Euch gerufen.

ADAM.
Ich glaubte –! Wer ruft?

LICHT.
Der Herr Gerichtsrat dort.

ADAM für sich.
Ei! Hol's der Henker auch! Zwei Fälle gibt's,
Mein Seel, nicht mehr, und wenn's nicht biegt, so bricht's.13
– Gleich! Gleich! Gleich! Was befehlen Euer Gnaden?
Soll jetzt die Prozedur14 beginnen?

WALTER.
Ihr seid ja sonderbar zerstreut. Was fehlt Euch?

ADAM.
– Auf Ehr! Verzeiht. Es hat ein Perlhuhn15 mir,
Das ich von einem Indienfahrer16 kaufte,
Den Pips17: ich soll es nudeln18, und versteh's nicht,
Und fragte dort die Jungfer19  bloß um Rat.
Ich bin ein Narr in solchen Dingen, seht,
Und meine Hühner nenn ich meine Kinder.

WALTER.
Hier. Setzt Euch. Ruft den Kläger und vernehmt ihn.
Und Ihr, Herr Schreiber, führt das Protokoll.

ADAM.
Befehlen Euer Gnaden den Prozeß
Nach den Formalitäten, oder so,
Wie er in Huisum üblich ist, zu halten?

WALTER.
Nach den gesetzlichen Formalitäten,
Wie er in Huisum üblich ist, nicht anders.

ADAM.
Gut, gut. Ich werd Euch zu bedienen wissen.
Seid Ihr bereit, Herr Schreiber?

LICHT.
Zu Euren Diensten.

ADAM.
So nimm, Gerechtigkeit, denn deinen Lauf!
Klägere20 trete vor.

FRAU MARTHE.
Hier, Herr Dorfrichter!

ADAM.
Wer seid Ihr?

FRAU MARTHE.
Wer –?

ADAM.
Ihr.

FRAU MARTHE.
Wer ich –?

ADAM.
Wer Ihr seid!
Wes Namens, Standes, Wohnorts, und so weiter.

FRAU MARTHE.
Ich glaub, Er spaßt, Herr Richter.

ADAM.
Spaßen, was!
Ich sitz im Namen der Justiz, Frau Marthe,
Und die Justiz muß wissen, wer Ihr seid.

LICHT halblaut.
Laßt doch die sonderbare Frag

FRAU MARTHE.
Ihr guckt
Mir alle Sonntag in die Fenster ja
,
Wenn Ihr aufs Vorwerk21 geht!

WALTER.
Kennt Ihr die Frau?

ADAM.
Sie wohnt hier um die Ecke, Euer Gnaden,
Wenn man den Fußsteig durch die Hecken geht;
Witw' eines Kastellans22, Hebamme jetzt,
Sonst eine ehrliche Frau, von gutem Rufe.

WALTER.
Wenn Ihr so unterrichtet seid, Herr Richter,
So sind dergleichen Fragen überflüssig.

Setzt ihren Namen in das Protokoll,
Und schreibt dabei: dem Amte wohlbekannt.

ADAM.
Auch das. Ihr seid nicht für Formalitäten.
Tut so, wie Seiner Gnaden anbefohlen.

WALTER.
Fragt nach dem Gegenstand der Klage jetzt.

ADAM.
Jetzt soll ich –?

WALTER.
Ja, den Gegenstand ermitteln!

ADAM.
Das ist gleichfalls ein Krug, verzeiht.23

WALTER.
Wie? Gleichfalls!

ADAM.
Ein Krug. Ein bloßer Krug. Setzt einen Krug,
Und schreibt dabei: dem Amte wohlbekannt
.

LICHT.
Auf meine hingeworfene Vermutung
Wollt Ihr, Herr Richter –?

ADAM.
Mein Seel, wenn ich's Euch sage,
So schreibt Ihr's hin
.
Ist's nicht ein Krug, Frau Marthe?

FRAU MARTHE.
Ja, hier der Krug –

ADAM.
Da habt Ihr's.

FRAU MARTHE.
Der zerbrochne –

ADAM.
Pedantische Bedenklichkeit.

LICHT.
Ich bitt Euch –

ADAM.
Und wer zerbrach den Krug? Gewiß der Schlingel –?

FRAU MARTHE.
Ja, er, der Schlingel dort –

ADAM für sich.
Mehr brauch ich nicht.

RUPRECHT.
Das ist nicht wahr, Herr Richter.

ADAM für sich.
Auf, aufgelebt, du alter Adam!

RUPRECHT.
Das lügt sie in den Hals hinein

ADAM.
Schweig, Maulaffe!
Du steckst den Hals noch früh genug ins Eisen.
Setzt einen Krug, Herr Schreiber, wie gesagt,
Zusamt dem Namen des, der ihn zerschlagen
.
Jetzt wird die Sache gleich ermittelt sein.

WALTER.
Herr Richter! Ei! Welch ein gewaltsames Verfahren.

ADAM.
Wieso?

LICHT.
Wollt Ihr nicht förmlich –?

ADAM.
Nein! sag ich;
Ihr Gnaden lieben Förmlichkeiten nicht.

WALTER.
Wenn Ihr die Instruktion24, Herr Richter Adam,
Nicht des Prozesses einzuleiten wißt,
Ist hier der Ort jetzt nicht, es Euch zu lehren
.
Wenn Ihr Recht anders nicht, als so, könnt geben,
So tretet ab: vielleicht kann's Euer Schreiber.

ADAM.
Erlaubt! Ich gab's, wie's hier in Huisum üblich;
Euer Gnaden haben's also mir befohlen.

WALTER.
Ich hätt –?
ADAM.
Auf meine Ehre!

WALTER.
Ich befahl Euch,
Recht hier nach den Gesetzen zu erteilen
;
Und hier in Huisum glaubt ich die Gesetze,
Wie anderswo
in den vereinten Staaten.25

ADAM.
Da muß submiß26 ich um Verzeihung bitten!
Wir haben hier, mit Euerer Erlaubnis,
Statuten27, eigentümliche, in Huisum,
Nicht aufgeschriebene, muß ich gestehn, doch durch
Bewährte Tradition uns überliefert.

Von dieser Form, getrau ich mir zu hoffen,
Bin ich noch heut kein
Jota28 abgewichen.
Doch auch in Eurer andern Form bin ich,
Wie sie im Reich mag üblich sein, zu Hause
.
Verlangt Ihr den Beweis? Wohlan, befehlt!
Ich kann Recht so jetzt, jetzo so erteilen.

WALTER.
Ihr gebt mir schlechte Meinungen29, Herr Richter.
Es sei. Ihr fangt von vorn die Sache an. –

ADAM.
Auf Ehr! Gebt acht, Ihr sollt zufrieden sein.
Frau Marthe Rull! Bringt Eure Klage vor.

FRAU MARTHE.
Ich klag, Ihr wißt's, hier wegen dieses Krugs;
Jedoch vergönnt, daß ich, bevor ich melde
Was diesem Krug geschehen, auch beschreibe
Was er vorher mir war.

ADAM.
Das Reden ist an Euch.

FRAU MARTHE.
Seht ihr den Krug, ihr wertgeschätzten Herren?
Seht ihr den Krug?

ADAM.
O ja, wir sehen ihn.

FRAU MARTHE.
Nichts seht ihr, mit Verlaub, die Scherben seht ihr;
Der Krüge schönster ist entzweigeschlagen.
Hier grade auf dem Loch, wo jetzo nichts,
Sind die gesamten niederländischen Provinzen
Dem span'schen Philipp30 übergeben worden.
Hier im Ornat stand Kaiser Karl der Fünfte31:
Von dem seht ihr nur noch die Beine stehn.
Hier kniete Philipp, und empfing die Krone:
Der liegt im Topf, bis auf den Hinterteil,
Und auch noch der hat einen Stoß empfangen.
Dort wischten seine beiden Muhmen sich,
Der Franzen und der Ungarn Königinnen32,
Gerührt die Augen aus; wenn man die eine
Die Hand noch mit dem Tuch empor sieht heben,
So ist's, als weinete sie über sich.
Hier im Gefolge stützt sich Philibert33,
Für den den Stoß der Kaiser aufgefangen34,
Noch auf das Schwert; doch jetzo müßt er fallen,
So gut wie Maximilian35: der Schlingel!36
Die Schwerter unten jetzt sind weggeschlagen.
Hier in der Mitte, mit der heil'gen Mütze37,
Sah man den Erzbischof von Arras38 stehn;
Den hat der Teufel ganz und gar geholt,
Sein Schatten nur fällt lang noch übers Pflaster.
Hier standen rings, im Grunde39, Leibtrabanten40,
Mit Hellebarden41, dicht gedrängt, und Spießen,
Hier Häuser, seht, vom großen Markt zu Brüssel42,
Hier guckt noch ein Neugier'ger aus dem Fenster:
Doch was er jetzo sieht, das weiß ich nicht.

ADAM.
Frau Marth! Erlaßt uns das zerscherbte Paktum43,
Wenn es zur Sache nicht gehört.
Uns geht das Loch – nichts die Provinzen an,
Die darauf übergeben worden sind.

FRAU MARTHE.
Erlaubt! Wie schön der Krug, gehört zur Sache!
Den Krug erbeutete sich Childerich44,
Der Kesselflicker45, als Oranien46
Briel47 mit den Wassergeusen48 überrumpelte.
Ihn hatt ein Spanier, gefüllt mit Wein,
Just an den Mund gesetzt, als Childerich
Den Spanier von hinten niederwarf,
Den Krug ergriff, ihn leert', und weiter ging.

ADAM.
Ein würd'ger Wassergeuse.

FRAU MARTHE.
Hierauf vererbte
Der Krug auf Fürchtegott, den Totengräber;

Der trank zu dreimal nur, der Nüchterne,
Und stets vermischt mit Wasser aus dem Krug.
Das erstemal, als er im Sechzigsten
Ein junges Weib sich nahm
; drei Jahre drauf,
Als sie noch glücklich ihn zum Vater machte;
Und als sie jetzt noch funfzehn Kinder zeugte,
Trank er zum dritten Male, als sie starb.

ADAM.
Gut. Das ist auch nicht übel.

FRAU MARTHE.
Drauf fiel der Krug
An den Zachäus, Schneider in Tirlemont49,
Der meinem sel'gen Mann, was ich euch jetzt
Berichten will, mit eignem Mund erzählt.
Der warf, als die Franzosen plünderten,
Den Krug, samt allem Hausrat, aus dem Fenster,
Sprang selbst, und brach den Hals, der Ungeschickte,
Und dieser irdne Krug, der Krug von Ton,
Aufs Bein kam er zu stehen, und blieb ganz.

ADAM.
Zur Sache, wenn's beliebt, Frau Marthe Rull! Zur Sache!

FRAU MARTHE.
Drauf in der Feuersbrunst von sechsundsechzig50,
Da hatt ihn schon mein Mann, Gott hab ihn selig –

ADAM.
Zum Teufel! Weib! So seid Ihr noch nicht fertig?

FRAU MARTHE.
Wenn ich nicht reden soll, Herr Richter Adam,
So bin ich unnütz hier, so will ich gehn
,
Und ein Gericht mir suchen, das mich hört.

WALTER.
Ihr sollt hier reden: doch von Dingen nicht,
Die Eurer Klage fremd
. Wenn Ihr uns sagt,
Daß jener Krug Euch wert, so wissen wir
So viel, als wir zum Richten hier gebrauchen.

FRAU MARTHE.
Wieviel ihr brauchen möget, hier zu richten,
Das weiß ich nicht, und untersuch es nicht;
Das aber weiß ich, daß ich, um zu klagen,
Muß vor euch sagen dürfen, über was
.

WALTER.
Gut denn. Zum Schluß jetzt. Was geschah dem Krug?
Was? – Was geschah dem Krug im Feuer
Von Anno sechsundsechzig? Wird man's hören?
Was ist dem Krug geschehn?

FRAU MARTHE.
Was ihm geschehen?
Nichts ist dem Krug, ich bitt euch sehr, ihr Herren,
Nichts Anno sechsundsechzig ihm geschehen.
Ganz blieb der Krug, ganz in der Flammen Mitte,
Und aus des Hauses Asche zog ich ihn
Hervor, glasiert, am andern Morgen, glänzend,
Als käm er eben aus dem Töpferofen.

WALTER.
Nun gut. Nun kennen wir den Krug. Nun wissen
Wir alles, was dem Krug geschehn, was nicht.

Was gibt's jetzt weiter?

FRAU MARTHE.
Nun diesen Krug jetzt seht – den Krug,
Zertrümmert einen Krug noch wert, den Krug
Für eines Fräuleins Mund51 die Lippe selbst
Nicht der Frau Erbstatthalterin52 zu schlecht,
Den Krug, ihr hohen Herren Richter beide,
Den Krug hat jener Schlingel mir zerbrochen.

ADAM.
Wer?

FRAU MARTHE.
Er, der Ruprecht dort.

RUPRECHT.
Das ist gelogen,
Herr Richter
.

ADAM.
Schweig Er, bis man Ihn fragen wird.
Auch heut an Ihn noch wird die Reihe kommen.
– Habt Ihr's im Protokoll bemerkt?

LICHT.
O ja.

ADAM.
Erzählt den Hergang, würdige Frau Marthe.

FRAU MARTHE.
Es war Uhr eilfe gestern

ADAM.
Wann, sagt Ihr?

FRAU MARTHE.
Uhr eilf.

ADAM.
Am Morgen!

FRAU MARTHE.
Nein, verzeiht, am Abend,
Und schon die Lamp im Bette wollt ich löschen,
Als laute Männerstimmen, ein Tumult,
In meiner Tochter abgelegnen Kammer,
Als ob der Feind einbräche, mich erschreckt.
Geschwind die Trepp eil ich hinab, ich finde
Die Kammertür gewaltsam eingesprengt,
Schimpfreden schallen wütend mir entgegen,
Und da ich mir den Auftritt jetzt beleuchte,
Was find ich jetzt, Herr Richter, was jetzt find ich?
Den Krug find ich zerscherbt im Zimmer liegen,
In jedem Winkel liegt ein Stück,
Das Mädchen ringt die Händ, und er der Flaps53 dort,
Der trotzt, wie toll54, Euch in des Zimmers Mitte.

ADAM.
Ei, Wetter!

FRAU MARTHE.
Was?

ADAM.
Sieh da, Frau Marthe!

FRAU MARTHE.
Ja! –
Drauf ist's, als ob in so gerechtem Zorn,
Mir noch zehn Arme wüchsen, jeglichen
Fühl ich mir wie ein Geier ausgerüstet.
Ihn stell ich dort zu Rede, was er hier
In später Nacht zu suchen
, mir die Krüge
Des Hauses tobend einzuschlagen habe:
Und er, zur Antwort gibt er mir, jetzt ratet?
Der Unverschämte! Der Halunke, der!
Aufs Rad will ich ihn sehen55, oder mich
Nicht mehr geduldig auf den Rücken legen:
Er spricht, es hab ein anderer den Krug
Vom Sims gestürzt – ein anderer, ich bitt Euch
,
Der vor ihm aus der Kammer nur entwichen;
– Und überhäuft mit Schimpf mir da das Mädchen.

ADAM.
Oh! faule Fische56 – Hierauf?

FRAU MARTHE.
Auf dies Wort
Seh ich das Mädchen fragend an; die steht
Gleich einer Leiche da
, ich sage: Eve! –
Sie setzt sich; ist's ein anderer gewesen,
Frag ich?
Und Joseph und Maria57, ruft sie,
Was denkt Ihr Mutter auch? – So sprich! Wer war's?
Wer sonst, sagt sie, – und wer auch konnt es anders?
Und schwört mir zu, daß er's gewesen ist.

EVE.
Was schwor ich Euch? Was hab ich Euch geschworen?
Nichts schwor ich, nichts Euch – 

FRAU MARTHE.
Eve!

EVE.
Nein! Dies lügt Ihr.

RUPRECHT.
Da hört ihr's.

ADAM.
Hund, jetzt, verfluchter, schweig,
Soll hier die Faust den Rachen dir noch stopfen!
Nachher ist Zeit für dich, nicht jetzt.

FRAU MARTHE.
Du hättest nicht –?

EVE.
Nein, Mutter! Dies verfälscht Ihr.
Seht, leid tut's in der Tat mir tief zur Seele,
Daß ich es öffentlich erklären muß:
Doch nichts schwor ich, nichts, nichts hab ich geschworen.  

ADAM.
Seid doch vernünftig, Kinder.

LICHT.
Das ist ja seltsam.

FRAU MARTHE.
Du hättest mir, o Eve, nicht versichert?
Nicht Joseph und Maria angerufen?

EVE.
Beim Schwur nicht! Schwörend nicht!
Seht dies jetzt schwör ich,
Und Joseph und Maria ruf ich an.

ADAM.
Ei, Leutchen! Ei, Frau Marthe! Was auch macht Sie?
Wie schüchtert Sie das gute Kind auch ein.
Wenn sich die Jungfer wird besonnen haben,
Erinnert ruhig dessen, was geschehen
,
– Ich sage, was geschehen ist, und was,
Spricht sie nicht, wie sie soll, geschehn noch kann.
Gebt acht, so sagt sie heut uns aus, wie gestern,
Gleichviel, ob sie's beschwören kann ob nicht.
Laßt Joseph und Maria aus dem Spiele.

WALTER.
Nicht doch, Herr Richter, nicht! Wer wollte den
Parteien so zweideut'ge Lehren geben.

FRAU MARTHE.
Wenn sie ins Angesicht mir sagen kann,
Schamlos
, die liederliche Dirne, die,
Daß es ein andrer, als der Ruprecht war,
So mag meintwegen sie – ich mag nicht sagen, was.
Ich aber, ich versichr' es Euch, Herr Richter,
Und kann ich gleich nicht, daß sie's schwor, behaupten,
Daß sie's gesagt hat gestern, das beschwör ich,
Und Joseph und Maria ruf ich an.

ADAM.
Nun weiter will ja auch die Jungfer

WALTER.
Herr Richter!

ADAM.
Euer Gnaden? – Was sagt er? – Nicht, Herzens-Evchen?

FRAU MARTHE.
Heraus damit! Hast du's mir nicht gesagt?
Hast du's mir gestern nicht, mir nicht gesagt?

EVE.
Wer leugnet Euch, daß ich's gesagt

ADAM.
Da habt ihr's.

RUPRECHT.
Die Metze, die!58

ADAM.
Schreibt auf.

VEIT.
Pfui, schäm Sie sich.

WALTER.
Von Eurer Aufführung, Herr Richter Adam,
Weiß ich nicht, was ich denken soll.
Wenn Ihr selbst
Den Krug zerschlagen hättet, könntet Ihr
Von Euch ab den Verdacht nicht eifriger
Hinwälzen auf den jungen Mann, als jetzt.

Ihr setzt nicht mehr ins Protokoll, Herr Schreiber,
Als nur der Jungfer Eingeständnis
, hoff ich,
Vom gestrigen Geständnis, nicht vom Facto59.
Ist's an die Jungfer jetzt schon auszusagen?

ADAM.
Mein Seel, wenn's ihre Reihe noch nicht ist,
In solchen Dingen irrt der Mensch, Euer Gnaden.
Wen hätt ich fragen sollen jetzt? Beklagten?
Auf Ehr! Ich nehme gute Lehre an.

WALTER.
Wie unbefangen!Ja, fragt den Beklagten.
Fragt, macht ein Ende, fragt, ich bitt Euch sehr:
Dies ist die letzte Sache, die Ihr führt.60

ADAM.
Die letzte! Was! Ei freilich! Den Beklagten!
Wohin auch, alter Richter, dachtest du?
Verflucht, das pips'ge Perlhuhn61 mir! Daß es
Krepiert wär an der Pest62 in Indien!
Stets liegt der Kloß von Nudeln mir im Sinn.63

WALTER.
Was liegt? Was für ein Kloß liegt Euch –?

ADAM.
Der Nudelkloß,
Verzeiht, den ich dem Huhne geben soll.
Schluckt mir das Aas die Pille nicht herunter,
Mein Seel, so weiß ich nicht, wie's werden wird.

WALTER.
Tut Eure Schuldigkeit, sag ich, zum Henker!

ADAM.
Beklagter trete vor.

RUPRECHT.
Hier, Herr Dorfrichter.
Ruprecht, Veits des Kossäten64 Sohn, aus Huisum.

ADAM.
Vernahm Er dort, was vor Gericht soeben
Frau Marthe gegen Ihn hat angebracht?

RUPRECHT.
Ja, Herr Dorfrichter, das hab ich.

ADAM.
Getraut Er sich
Etwas dagegen aufzubringen, was?
65
Bekennt Er, oder unterfängt Er sich,
Hier wie ein gottvergeßner Mensch zu leugnen?

RUPRECHT.
Was ich dagegen aufzubringen habe,
Herr Richter? Ei! Mit Euerer Erlaubnis,
Daß sie kein wahres Wort gesprochen hat.

ADAM.
So? Und das denkt Er zu beweisen?

RUPRECHT.
O ja.

ADAM.
Die würdige Frau Marthe, die.
Beruhige Sie sich.
Es wird sich finden.

WALTER.
Was geht Ihn die Frau Marthe an, Herr Richter?
ADAM.
Was mir –? Bei Gott! Soll ich als Christ –?

WALTER.
Bericht
Er, was Er für sich anzuführen hat. –
Herr Schreiber, wißt Ihr den Prozeß zu führen?

ADAM.
Ach, was!

LICHT.
Ob ich – ei nun, wenn Euer Gnaden

ADAM.
Was glotzt Er da? Was hat Er aufzubringen?
Steht nicht der Esel, wie ein Ochse, da?
Was hat Er aufzubringen?

RUPRECHT.
Was ich aufzubringen?

WALTER.
Er ja, Er soll den Hergang jetzt erzählen.

RUPRECHT.
Mein Seel, wenn man zu Wort mich kommen ließe.

WALTER.
's ist in der Tat, Herr Richter, nicht zu dulden.

RUPRECHT.
Glock zehn Uhr mocht es etwa sein zu Nacht,
Und warm, just diese Nacht des Januars
Wie Mai, als ich zum Vater sage: Vater!
Ich will ein bissel noch zur Eve gehn.
Denn heuren wollt ich sie66, das müßt ihr wissen,
Ein rüstig Mädel67ist's, ich hab's beim Ernten
Gesehn
, wo alles von der Faust ihr ging,
Und ihr das Heu man flog, als wie gemaust68.
Da sagt' ich: willst du? Und sie sagte: ach!
Was du da gakelst69. Und nachher sagt' sie, ja.

ADAM.
Bleib Er bei seiner Sache. Gakeln! Was!
Ich sagte, willst du? Und sie sagte, ja.

RUPRECHT.
Ja, meiner Treu, Herr Richter.

WALTER.
Weiter! Weiter!

RUPRECHT.
Nun –
Da sagt ich: Vater, hört Er? Laß Er mich.
Wir schwatzen noch am Fenster was zusammen.
Na, sagt er, lauf; bleibst du auch draußen, sagt er?
Ja, meiner Seel, sag ich, das ist geschworen.
Na, sagt er, lauf, um eilfe bist du hier.

ADAM.
Na, so sag du, und gakle, und kein Ende.
Na, hat er bald sich ausgesagt?

RUPRECHT.
Na, sag ich,
Das ist ein Wort, und setz die Mütze auf,
Und geh; und übern Steig will ich, und muß
Durchs Dorf zurückgehn, weil der Bach geschwollen.
Ei, alle Wetter, denk ich, Ruprecht, Schlag!70
Nun ist die Gartentür bei Marthens zu:
Denn bis um zehn läßt 's Mädel sie nur offen,
Wenn ich um zehn nicht da bin, komm ich nicht.

ADAM.
Die liederliche Wirtschaft, die.

WALTER.
Drauf weiter?

RUPRECHT.
Drauf – wie ich übern Lindengang mich näh're,
Bei Marthens, wo die Reihen dicht gewölbt,
Und dunkel, wie der Dom zu Utrecht, sind,
Hör ich die Gartentüre fernher knarren.
Sieh da! Da ist die Eve noch! sag ich,
Und schicke freudig Euch, von wo die Ohren
Mir Kundschaft brachten, meine Augen nach –
– Und schelte sie, da sie mir wiederkommen,
Für blind, und schicke auf der Stelle sie
Zum zweitenmal, sich besser umzusehen,
Und schimpfe sie nichtswürdige Verleumder,
Aufhetzer, niederträcht'ge Ohrenbläser71,
Und schicke sie zum drittenmal, und denke,
Sie werden, weil sie ihre Pflicht getan,
Unwillig los sich aus dem Kopf mir reißen,
Und sich in einen andern Dienst begeben:
Die Eve ist's, am Latz72 erkenn ich sie,
Und einer ist's noch obenein.

ADAM.
So? Einer noch? Und wer, Er Klugschwätzer?

RUPRECHT.
Wer? Ja, mein Seel, da fragt Ihr mich –

ADAM.
Nun also!
Und nicht gefangen, denk ich, nicht gehangen.

WALTER.
Fort! Weiter in der Rede! Laßt ihn doch!
Was unterbrecht Ihr ihn, Herr Dorfrichter?

RUPRECHT.
Ich kann das Abendmahl darauf nicht nehmen73,
Stockfinster war's, und alle Katzen grau.
Doch müßt Ihr wissen, daß der Flickschuster74,
Der Lebrecht, den man kürzlich losgesprochen,
Dem Mädel längst mir auf die Fährte ging.
Ich sagte vor'gen Herbst schon: Eve, höre,
Der Schuft schleicht mir ums Haus, das mag ich nicht
;
Sag ihm, daß du kein Braten bist für ihn,
Mein Seel, sonst werf ich ihn vom Hof herunter.
Die spricht: ich glaub, du schierst mich75, sagt ihm was,
Das ist nicht hin, nicht her, nicht Fisch, nicht Fleisch:
Drauf geh ich hin, und werf den Schlingel herunter.

ADAM.
So? Lebrecht heißt der Kerl?

RUPRECHT.
Ja, Lebrecht.

ADAM.
Gut.
Das ist ein Nam. Es wird sich alles finden.
– Habt Ihr's bemerkt im Protokoll, Herr Schreiber?

LICHT.
O ja, und alles andere, Herr Richter.

ADAM.
Sprich weiter, Ruprecht, jetzt, mein Sohn.

RUPRECHT.
Nun schießt,
Da ich Glock eilf das Pärchen hier begegne,
– Glock zehn Uhr zog ich immer ab – das Blatt mir.
Ich denke, halt, jetzt ist's noch Zeit, o Ruprecht,
Noch wachsen dir die Hirschgeweihe nicht
76: –
Hier mußt du sorgsam dir die Stirn befühlen,
Ob dir von fern hornartig etwas keimt.
Und drücke sacht mich durch die Gartenpforte,
Und berg in einen Strauch von Taxus77 mich:
Und hör Euch ein Gefispre78 hier, ein Scherzen,
Ein Zerren hin, Herr Richter, Zerren her
,
Mein Seel, ich denk, ich soll vor Lust 79

EVE.
Du Böswicht!
Was das, o schändlich ist von dir!

FRAU MARTHE.
Halunke!
Dir weis ich noch einmal, wenn wir allein sind,
Die Zähne! Wart! Du weißt noch nicht, wo mir
Die Haare wachsen
80! Du sollst's erfahren!

RUPRECHT.
Ein Viertelstündchen dauert's so, ich denke,
Was wird's doch werden, ist doch heut nicht Hochzeit?
Und eh ich den Gedanken ausgedacht,
Husch! sind sie beid ins Haus schon, vor dem Pastor.

EVE.
Geht, Mutter, mag es werden, wie es will –

ADAM.
Schweig du mir dort, rat ich, das Donnerwetter
Schlägt über dich ein, unberufne Schwätzerin!
Wart, bis ich auf zur Red dich rufen werde.

WALTER.
Sehr sonderbar, bei Gott!

RUPRECHT.
Jetzt hebt, Herr Richter Adam
Jetzt hebt sich's, wie ein Blutsturz81, mir. Luft!
Da mir der Knopf am Brustlatz82 springt: Luft jetzt!
Und reiße mir den Latz auf: Luft jetzt sag ich!
Und geh, und drück, und tret und donnere,
Da ich der Dirne83 Tür verriegelt finde,
Gestemmt, mit Macht, auf einen Tritt, sie ein.

ADAM.
Blitzjunge, du!

RUPRECHT.
Just da sie auf jetzt rasselt,
Stürzt dort der Krug vom Sims ins Zimmer hin,

Und husch! springt einer aus dem Fenster Euch:
Ich seh die Schöße noch vom Rocke84 wehn.

ADAM.
War das der Leberecht?

RUPRECHT.
Wer sonst, Herr Richter?
Das Mädchen steht, die werf ich übern Haufen,
Zum Fenster eil ich hin, und find den Kerl
Noch in den Pfählen hangen, am Spalier,

Wo sich das Weinlaub aufrankt bis zum Dach.
Und da die Klinke in der Hand mir blieb,
Als ich die Tür eindonnerte, so reiß ich
Jetzt mit dem Stahl eins pfundschwer
übern Detz85 ihm:
Den just, Herr Richter, konnt ich noch erreichen.

ADAM.
War's eine Klinke?

RUPRECHT.
Was?

ADAM.
Ob's –

RUPRECHT.
Ja, die Türklinke.

ADAM.
Darum.

LICHT.
Ihr glaubtet wohl, es war ein Degen?

ADAM.
Ein Degen? Ich – wieso?

RUPRECHT.
Ein Degen!

LICHT.
Je nun!
Man kann sich wohl verhören. Eine Klinke
Hat sehr viel Ähnlichkeit mit einem Degen.

ADAM.
Ich glaub –!

LICHT.
Bei meiner Treu! Der Stiel, Herr Richter?

ADAM.
Der Stiel!

RUPRECHT.
Der Stiel! Der war's nun aber nicht.
Der Klinke umgekehrtes Ende war's.

ADAM.
Das umgekehrte Ende war's der Klinke!

LICHT.
So! So!

RUPRECHT.
Doch auf dem Griffe lag ein Klumpen  
Blei, wie ein Degengriff, das muß ich sagen.

ADAM.
Ja, wie ein Griff.

LICHT.
Gut. Wie ein Degengriff.
Doch irgendeine tück'sche Waffe mußt es
Gewesen sein. Das wußt ich wohl.

WALTER.
Zur Sache stets, ihr Herrn, doch! Zur Sache!

ADAM.
Nichts als Allotrien86, Herr Schreiber! – Er, weiter!

RUPRECHT.
Jetzt stürzt der Kerl, und ich schon will mich wenden,
Als ich's im Dunkeln auf sich rappeln sehe.
Ich denke, lebst du noch? und steig aufs Fenster
Und will dem Kerl das Gehen unten legen
:
Als jetzt, ihr Herrn, da ich zum Sprung just aushol,
Mir eine Handvoll grobgekörnten Sandes –

– Und Kerl und Nacht und Welt und Fensterbrett,
Worauf ich steh, denk ich nicht, straf mich Gott,
Das alles fällt in einen Sack zusammen –
Wie Hagel, stiebend, in die Augen fliegt.

ADAM.
Verflucht! Sieh da! Wer tat das?

RUPRECHT.
Wer? Der Lebrecht.

ADAM.
Halunke!

RUPRECHT.
Meiner Treu! Wenn er's gewesen.

ADAM.
Wer sonst!

RUPRECHT.
Als stürzte mich ein Schloßenregen87
Von eines Bergs zehn Klaftern88 hohen Abhang,
So schlag ich jetzt vom Fenster Euch ins Zimmer:
Ich denk, ich schmettere den Boden ei
n.
Nun brech ich mir den Hals doch nicht, auch nicht
Das Kreuz mir, Hüften, oder sonst
, inzwischen
Konnt ich des Kerls doch nicht mehr habhaft werden,

Und sitze auf, und wische mir die Augen.
Die kommt, und ach, Herr Gott! ruft sie, und Ruprecht!
Was ist dir auch? Mein Seel, ich hob den Fuß,
Gut war's, daß ich nicht sah, wohin ich stieß.

ADAM.
Kam das vom Sande noch?

RUPRECHT.
Vom Sandwurf, ja.

ADAM.
Verdammt! Der traf!

RUPRECHT.
Da ich jetzt aufersteh
Was sollt ich auch die Fäuste hier mir schänden?
So schimpf ich sie, und sage liederliche Metze,
Und denke, das ist gut genug für sie.
Doch Tränen, seht, ersticken mir die Sprache.
Denn da Frau Marthe jetzt ins Zimmer tritt,
Die Lampe hebt, und ich das Mädchen dort
Jetzt schlotternd, zum Erbarmen vor mir sehe
,
Sie, die so herzhaft sonst wohl um sich sah,
So sag ich zu mir, blind ist auch nicht übel.
Ich hätte meine Augen hingegeben,
Knippkügelchen89, wer will, damit zu spielen.

EVE.
Er ist nicht wert, der Böswicht

ADAM.
Sie soll schweigen.

RUPRECHT.
Das Weitre wißt ihr.

ADAM.
Wie, das Weitere?

RUPRECHT.
Nun ja, Frau Marthe kam, und geiferte,
Und Ralf, der Nachbar, kam, und Hinz, der Nachbar,
Und Muhme Sus' und Muhme Liese kamen,
Und Knecht und Mägd und Hund und Katzen kamen,
's war ein Spektakel, und Frau Marthe fragte
Die Jungfer dort, wer ihr den Krug zerschlagen,

Und die, die sprach, ihr wißt's, daß ich's gewesen.
Mein Seel, sie hat so unrecht nicht, ihr Herren.
Den Krug, den sie zu Wasser trug, zerschlug ich,
Und der Flickschuster hat im Kopf ein Loch. –

ADAM.
Frau Marthe! Was entgegnet Ihr der Rede?
Sagt an!

FRAU MARTHE.
Was ich der Red entgegene?
Daß sie, Herr Richter, wie der Marder einbricht,
Und Wahrheit wie ein gakelnd Huhn erwürgt.

Was Recht liebt, sollte zu den Keulen greifen,
Um dieses Ungetüm der Nacht zu tilgen.

ADAM.
Da wird Sie den Beweis uns führen müssen.

FRAU MARTHE.
O ja, sehr gern. Hier ist mein Zeuge. – Rede!

ADAM.
Die Tochter? Nein, Frau Marthe.

WALTER.
Nein? Warum nicht?

ADAM.
Als Zeugin, gnäd'ger Herr? Steht im Gesetzbuch
Nicht titulo, ist's quarto? oder quinto?90
Wenn Krüge oder sonst, was weiß ich?  
Von jungen Bengeln sind zerschlagen worden,
So zeugen Töchter ihren Müttern nicht?

WALTER.
In Eurem Kopf liegt Wissenschaft und Irrtum
Geknetet, innig, wie ein Teig, zusammen;
Mit jedem Schnitte gebt Ihr mir von beidem.
Die Jungfer zeugt noch nicht, sie deklariert91 jetzt;
Ob, und für wen, sie zeugen will und kann,
Wird erst aus der Erklärung sich ergeben.

ADAM.
Ja, deklarieren. Gut. Titulo sexto92
Doch was sie sagt, das glaubt man nicht.

WALTER.
Tritt vor, mein junges Kind.

ADAM.
He! Lies' –! – Erlaubt!
Die Zunge wird sehr trocken mir – Margrete!

Wort- und Sacherklärungen

1 Ornat: Schmuck; Amtstracht/-robe des Richters mit einer kostbaren, bodenlangen Robe

2 Lappalien: lächerliche Kleinigkeiten

3 Ihr rast: Ihr seid nicht ganz bei Verstand

4 Um alle Wunden: Um Gottes Willen (um aller Wunden von Jesus Christus am Kreuz willen)

5 Frakturschrift: Schriftart »Fraktur, die in Kanzleien für Urkunden genutzte Schrift, die dem jeweiligen Schriftstück einen amtlichen Charakter verleihen sollte

6 knackern: lautmalerisch für lautes Knistern des Papiers

7 Batavia: »Batavia von 1619 bis 1799 das Hauptquartier der »Niederländischen Ostindien-Kompanie in Asien. Heute ist es unter dem Namen »Jakarta der ehemaligen Hauptstadt der »Republik Indonesien bejannt. Die Stadt liegt an der Nordküste »Javas, an einer gut geschützten Bucht, in einer flachen und an manchen Stellen morastigen Umgebung, durchzogen von Kanälen und Flüssen. Batavia bestand aus einer Altstadt im tiefsten und ungesunden Teil und einer etwas höher gelegenen Neustadt im modernen Stil. Zur Zeit der Niederländischen Ostindien-Kompanie zählte Batavia 30.000 bis 50.000 Einwohner.

8 Krepiert' – ich weiß, an welchem Fieber nicht: Infektionskrankheiten wie »Gelbfieber, »Scharlach, »Fleckfieber (= Flecktyphus)

9 gelb: »Gelbfieber, tropische Infektionskrankheit

10 Scharlach: »Scharlach, Infektionskrankheit

11 faul: Faulfieber oder »Fleckfieber (= Flecktyphus), Infektionskrankheit

12 Session: Gerichtsverhandlung, Prozess

13 Zwei Fälle gibt's, ... und wenn's nicht biegt, so bricht's: sprichwörtlich: es geht gut oder eben schlecht aus

14 Prozedur: Gerichtsverhandlung, Prozess

15 Perlhuhn: Hühnervogelart »Perlhuhn, die als verwilderte Hausperlhühner auch in Vorderindien zu finden ist

16 Indienfahrer: Seereisender, der aus Indien kommt

17 Pips: Geflügelkrankheit »Pips oder Ziep, die mit Atemnot, schweren Entzündungen der Schnabelhöhle beim Geflügel, wie beispielsweise bei Vogelpocken auftritt.

18 nudeln: mästen, stopfen, vollstopfen vgl. 63

19 Jungfer: unverheiratetes bürgerliches Mädchen; Ggs. adeliges "Fräulein"

20 Klägere: altertümlich für Klägerin

21 Vorwerk: Als »Vorwerk wird ein vom Hauptgut räumlich abgetrennter landwirtschaftlicher Pachtbetrieb bezeichnet, h: mglw. außerhalb des Dorfes gelegen

22 Witw' eines Kastellans: Witwe eines Hausmeisters, Verwalters

23 Das ist gleichfalls ein Krug: gemeint ist wohl in einer Art logischen Kurzschlusses: gleichfalls bekannter Krug

24 Instruktion: Verfahrensregel zur Prozessführung

25 vereinten Staaten: vereinigte Provinzen der Niederlande

26 submiß: untertänig

27 Statuten: Satzungen, Verfahrensregelungen

28 kein Jota abgewichen: nicht im geringsten, nicht im allermindesten abgewichen; »Jota ist der kleinste Buchstabe des griechischen Alphabets

29 Ihr gebt mir schlechte Meinungen: Ich erhalte eine schlechte Meinung von euch

30 span'schen Philipp: »Philipp II. (geb. 1527, 1556-98), der Sohn von »Karl V. (geb. 1500, 1516/19-56), regierte die spanischen Niederlande von • 1555 an mit Hilfe verschiedener Statthalter und Statthalterinnen ( • Die Niederlande unter der Herrschaft Philipps I. bis zum Aufstand gegen die spanische Herrschaft ab 1566) ( Zeittafel)

31 Kaiser Karl der Fünfte: »Karl V. (geb. 1500, 1516/19-56) ( Die Niederlande unter der Herrschaft Karls V. bis 1555) ( Zeittafel)

32 der Franzen und der Ungarn Königinnen: gemeint sind die Tanten ("Muhmen") von »Philipp II. (geb. 1527, 1556-98), »Maria von Ungarn (1505-1558), die bis zu seiner Übernahme der Herrschaft in den spanischen Niederlanden • 1556 im Auftrag seines Vaters Regentin in den Niederlanden gewesen ist, und Karls V. ältere Schwester »Eleonore von Kastilien (1498-1558), die als Ehefrau von »Franz I. (1494-1547, König von 1515 bis •1 547 französische Königin gewesen ist;

33 Philibert: »Emanuel Philibert von Savoyen (1528-1580), »Herzog von Savoyen wird 1556 von »Philipp II. (geb. 1527, 1556-98), zum Statthalter der habsburgischen Niederlande ernannt

34 Für den den Stoß der Kaiser aufgefangen: hier bleibt Marthe Rull im Bild des zerbrechenden Krugs

35 Maximilian: nach dem Tod von Kaiser »Ferdinand I. (1503-1564), dem jüngeren Bruder und Nachfolger von »Karl V. (geb. 1500, 1516/19-56) in Wien und dem Verzicht von »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) auf die Kaiserwürde, wird der Sohn Ferdinands »Maximilian (II.) (1527–1576), der seit 1548 mit der ältesten Tochter von »Karl V., »Maria von Spanien (1528–1603) verheiratet ist, Kaiser des »Heiligen Römischen Reiches; da er einen ausschweifenden Lebensstil hat, charakterisiert • Marthe Rull ihn mit "der Schlingel")

36 der Schlingel: • Marthe Rull kommentiert damit offenbar den ausschweifenden Lebensstil, den »Maximilian (II.) (1527–1576) gepflegt hat

37 mit der heil'gen Mütze: liturgische Bischofmütze, -hut, auch »Mitra genannt; sie wird heute nur bei »Pontifikalhandlungen im Gottesdienst getragen und gehört zu den »Liturgischen Gewändern.

38 Erzbischof von Arras: während der Regentschaft von »Margarete von Parma (1522-1586, Statthalterin 1559-1567) in den »spanischen Niederlanden soll der Bischof »Antoine Perrenot de Granvelle (1517-86, seit 1661 Kardinal) im Auftrag »Philipps II., (geb. 1527, 1556-98) den antireformatorischen Repressionskurs des spanischen Königs mit der Verschärfung der »Spanischen Inquisition garantieren; als »Erzbischof von Mechelen versucht er, die spanische Repressionspolitik ganz im Sinne seines spanischen Königs »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) gegenüber »Lutheranern, »Wiedertäufern und »Calvinisten weiter zu verschärfen und mit der allgemein verhassten »Inquisition noch härter gegen vermeintliche Ketzerinnen und Ketzer vorzugehen; angesichts des zunehmenden Unmuts über ihn im ganzen Land wird er 1564 auf Gesuch der Regentin »Margarete von Parma (1522-1586) beim spanischen König »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) aus den Niederlanden abberufen und verlässt das Land; 1584 wird er zum »Erzbischof von Besançon gewählt;

39 im Grunde: im Hintergrund der bildlichen Darstellung auf dem Krug

40 Leibtrabanten: Leibwächter

41 Hellebarden: »Hellebarde Mischform von Hieb- und Stichwaffe, die einen von ihr Getroffenen möglichst schnell bewegungsunfähig (handlungsunfähig) machen sollte; gehört zu den »Stangenwaffen des »Fußvolks und kam vor allem vom 14. bis zum 16. Jahrhundert zum Einsatz.

42 großen Markt zu Brüssel: Die Übertragung der Macht in den spanischen Niederlanden durch »Karl V. (geb. 1500, 1516/19-56) an seinen Sohn »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) fand • 1555 nicht auf dem »großen Markt in Brüssel (Grote Markt), sondern im Großen Saal des Schlosses statt

43 zerscherbte Paktum: gemeint ist der so genannte Brüsseler Vertrag (Pakt) aus dem Jahr 1555, dessen Darstellung auf dem Krug jetzt in Scherben zerbrochen ist; »Karl V. vollzieht seine Abdankung in »Brüssel in einer Reihe wohl gut durchdachter, einander folgenden und auf einander bezogenen Schritte;

44 Childerich: altgermanischer Vorname

45 Kesselflicker: als Handwerker war ein »Kesselflicker eine häufig als »Kupferschmied ausgeführte Tätigkeit, bei dem es um das Reparieren von Löchern und Rissen in den großen, wertvollen Kochkesseln ging.

46 Oranien: »Wilhelm von Oranien (1553-1584) aus dem »Haus Oranien-Nassau, seit • 1559Statthalter von »Holland und »Zeeland; allerdings ist Oranien nicht der Anführer bei der Eroberung der Stadt »Den Briel in Südholland • 1572, sondern der »Wassergeusen-Führer »Wilhelm von Lumey (Wilhelm II. von der Mark (1542-1578)

47 Briel: »Den Briel ist die Stadt in den Niederlanden. die am 1. April 1572 im »Achtzigjährigen Krieg von niederländischen Freiheitskämpfern, den mit »Wilhelm von Oranien (1553-1584) verbündeten »Wassergeusen, als erste Stadt überhaupt erobert wurde.

48 Wassergeusen: Die »Wassergeusen, die sich auf die Seite »Wilhelms von Oranien (1553-1584) gestellt hatten; waren eine Gruppe von Menschen, die vor der wachsenden Unterdrückung und Verfolgung Andersgläubiger durch den Statthalter von Philipp II., (geb. 1527, 1556-98), »Fernando Álvarez de Toledo, 3. Herzog von Alba (1507–1582), meist nur als »Herzog von Alba bezeichnet, in der Fluchtwelle, die das Land ergriff, auf das Meer auf Schiffe geflohen waren. Von dort aus operierten sie als Seeräuber und kaperten noch eine längere Zeitlang alle Schiffe, derer sie Herr werden konnten; ihr Anführer war bei der Eroberung von »Den Briel »Wilhelm von Lumey (Wilhelm II. von der Mark (1542-1578)

49 Tirlemont: auch »Tienen, tadt und Gemeinde in der niederländischen Provinz Brabant in Flandern Das Herzogtum Brabant rebellierte im niederländischen Aufstand gegen Spanien im »Achtzigjährigen Krieg und schloss sic, einem Vertrag verschiedener nördlicher niederländischer Provinzen und Städte an, die zu diesem Zeitpunkt noch unter spanischer Herrschaft standen. Dieser Zusammenschluss gilt als Beginn der »Republik der Sieben Vereinigten Niederlande, die sich mit dem »Plakkaat van Verlatinghe1581 für unabhängig erklärten. Zur Begründung für diesen Schritt führten sie an, dass der spanische König als Landesherr versagt habe, weil er seine Untertanen nicht vor Ungerechtigkeit, Schaden und Gewalt bewahrt und weil er die Rechte seiner Untertanen verletzt habe, insbesondere durch Missachtung des »Großen Privilegs. Gleichzeitig übertrugen sie »Wilhelm von Oranien (1553-1584) die Statthalterschaft.; Tienen wurde 1635 von den Franzosen erobert.

50 in der Feuersbrunst von sechsundsechzig: im Jahr 1666 gibt es wohl keine Feuersbrunst in der Umgebung des Kruges, die für ihn hätte Gefahr darstellen können; daher wohl eher ein erfundenes Datum, das sie Feuerfestigkeit des Krugs unter Beweis stellen soll.

51 eines Fräuleins Mund: Mund einer unverheiratet adeligen jungen Frau

52 Frau Erbstatthalterin: Ehefrau eines Erbstatthalters; die Statthalterschaft wurde unter den Prinzen Oranien seit 1674 erblich; gemeint ist hier wahrscheinlich aber »Maria von Ungarn (1505-1558), die bis zur Übernahme der Herrschaft in den spanischen Niederlanden durch »Philipp II., (geb. 1527, 1556-98) im Jahr • 1556 im Auftrag seines Vaters »Karl V. (geb. 1500, 1516/19-56) Regentin in den Niederlanden gewesen ist.

53 Flaps: Schuft

54 trotzt, wie toll: tobt wie von Sinnen

55 Aufs Rad will ich ihn sehen: Hinrichtungswerkzeug beim »Rädern als einer vom europäischen Mittelalter bis in die Frühe Neuzeit praktizierten Form der Hinrichtung; den Betroffenen wurden dabei mit einem großen Wagenrad, dem Richtrad, zunächst die Glieder gebrochen; danach wurden sie mit ihren gebrochenen Gliedmaßen zwischen die Radspeichen geflochten und zur Abschreckung ausgestellt. Da es eine besonders qualvolle und entehrende Todesart war, blieb das Rädern der Sanktionierung von Kapitalverbrechen vorbehalten.

56 faule Fische: erlogene, ausgedachte Informationen

57 Joseph und Maria: in der Alltagskommunikation typische Anrufung der Eltern von Jesus, um die Wahrheit einer eigenen Aussage zu bekräftigen

58 Die Metze, die: hier im Sinne von Flittchen

59 nicht vom Facto: gemeint sind bewiesene, durch die möglich Aussage Eves erst gesicherte Fakten

60 Dies ist die letzte Sache, die Ihr führt: Dies wird der letzte Prozess sein, dem ihr vorsitzt bzw. den ihr durchführt.

61 pips'ge Perlhuhn: vgl. 17

62 Pest: Hühnerpest, vgl. 17

63 Stets liegt der Kloß von Nudeln mir im Sinn: vgl. 18

64 Kossäten: historische Bezeichnung für einen Kleinbauern oder Häusler, der eine Kate (kleines Haus) bewohnte und von der Landwirtschaft lebte, oft mit eingeschränkten Rechten und Abgaben an einen Grundherrn

65 aufzubringen: vorzubringen, vorzutragen

66 heuren: heiraten

67 rüstig Mädel: kräftiges, zupackendes Mädchen

68 als wie gemaust: hier wohl im Sinne von flink, eifrig

69 gakelst: gackerst (wie ein Huhn)

70 Schlag: Fluch wie etwa Donnerschlag! Donnerwetter!

71 Ohrenbläser: Bezeichnung für eine Person, die jemand anderen etwas Verleumdungen einflüstert

72 Latz: Brustlatz, Miedereinsatz

73 Ich kann das Abendmahl darauf nicht nehmen: Anspielung auf ein mittelalterliches Gottesurteil, bei dem einem Beschuldigten eine geweihte Hostie dann im Hals stecken bleiben sollte, wenn er tatsächlich schuldig war.

74 Flickschuster: »Schuhmacher/Schuster, dem es untersagt war, Lederschuhe herzustellen; seine Aufgabe bestand darin, diese Schuhe nur zu reparieren

75 schierst mich: quälst mich (vgl. "das schert mich nicht")

76 Noch wachsen dir die Hirschgeweihe nicht: Hörner. h: das Hirschgeweih gelten als Zeichen für einen betrogenen bzw. gehörnten Ehemann

77 Strauch von Taxus: Taxus ist ein »Eibenholzgewächs

78 Gefispre: wispern, fispern, lautmalerisch für leises Flüstern

79 ich denk, ich soll vor Lust: zu ergänzen ist hier wohl etwa "vor Lust (in die Luft gehen, zerbersten)"

80 wo mir Die Haare wachsen: Anspielung auf die volkstümliche Redensart "Haare auf den Zähnen haben"

81 Blutsturz: »Blutsturz stellt umgangssprachlich eine plötzliche, starke Blutung aus einer Körperöffnung, im engeren Sinne aus einer Arterie dar, die sich durch Bluterbrechen oder Bluthusten

82 Brustlatz: bei Männern so etwas wie geschnürte Weste

83 Dirne: hier nicht in abwertender Weise verwendet: junge Frau

84 Schöße noch vom Rock: Im Bereich der Kleidung bezeichnet man mit dem Begriff Rockschöße die unteren, oft ausladenden und meist hinten angesetzten Teile eines Rocks oder Mantels.

85 Detz: Deets, Kopf

86 Allotrien: Unfug

87 Schloßenregen: Hagel

88 Klaftern: »Klafter, altes Längen-, Raum- und Flächenmaß

89 Knippkügelchen: Murmel, eine kleine Kugel gemeint, die zum Spielen verwendet wird

90 Nicht titulo, ist's quarto? oder quinto: Nicht als Überschrift, vielleicht an vierter oder fünfter Stelle/Absatz/Artikel

91 deklariert: gibt eine Erklärung ab, macht eine Aussage

92 Titulo sexto: 6.Absatz/Artikel

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 01.12.2025

 
 

 
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