teachSam- Arbeitsbereiche:
Arbeitstechniken - Deutsch - Geschichte - Politik - Pädagogik - PsychologieMedien - Methodik und Didaktik - Projekte - So navigiert man auf teachSam - So sucht man auf teachSam - teachSam braucht Werbung


deu.jpg (1524 Byte)

 

Die Rolle des Chores

Überblick

Dramatische Texte Genres/GattungenTragödie Antike griechische Tragödie

 
FAChbereich Deutsch
Glossar
Literatur:▪ Autorinnen und Autoren Gattungen Erzählende Texte Dramatische TexteÜberblick Strukturen dramatischer Texte Genres/Gattungen Überblick Tragödie Überblick Formen   Antike griechische Tragödie Entstehungsgeschichte [ Rolle des Chores in der griechischen Tragödie Überblick Aristoteles und der Chor • Die Inszenierung des Chores ] Das griechische Theater als Maskentheater  Bürgerliches Trauerspiel Komödie Theorie des Dramas Didaktik: Das Drama im Literaturunterricht Methodenrepertoire zur szenischen Erarbeitung von Dramentexten Links ins Internet Textauswahl Bausteine Lyrische Texte Literarische Zweckformen Literaturgeschichte Motive der Literatur Grundlagen der Textanalyse und Interpretation Literaturunterricht Schulische Schreibformen Operatoren im Fach Deutsch ANALYSE UND INTERPRETATION EINES DRAMATISCHEN TEXTES
 

Theaterformen im Überblick

Die dramaturgische Funktion des Chors im Wandel

In der ursprünglichen Form der ▪ antiken griechischen Tragödie, also ehe sich seit dem Beginn des 5. Jahrhundert die athenische Tragödie aus den besonderen kultischen Festkontexten löste (vgl. ebd., S.185), säkularisierte und allmählich verdrängt wurde, besaß der Chor eine zentrale Bedeutung. Dies wird auch von ▪ Aristoteles so gesehen.

Der nach und nach sich entwickelnde dramaturgische Bedeutungsverlust des Chores korrespondiert dabei mit der Einführung, des zweiten Schauspielers durch »Aischylos (525-456 v. Chr.) in seiner Tragödie »Die Perser (472 v. Chr.), mit der "dialogische Partien sowie ein mehrfacher Wechsel zwischen Chor und Einzelrede möglich wurden." (Schößler 2017, S.20)

Und »Euripides (480-406 v. Chr.) führte dies fort, indem er in seinen Tragödien (»Elektra (um 413), »Orestes (408 v. Chr.)...) einen weiteren, den dritten Schauspieler, hinzufügte und zugleich, selbst wenn er die Strukturen insgesamt kaum veränderte, die Tragödie "intellektualisierte und psychologisierte". (ebd.)

Die Tendenz weg vom Chor, hin zum Schauspieler in der Entwicklung der Tragödie in Griechenland, bis im späten 5. Jahrhundert "die Lieder des Chores nur noch Zutat zum Stück waren, die nichts Wesentliches zum Gehalt beitrugen und austauschbar - oder auslassbar - wurden" (Hose 2012, S.180), hatte natürlich strukturelle Veränderungen der Tragödiendramaturgie zur Folge.

Dennoch ist die antike griechische Tragödie aber ohne Chor nicht denkbar. Es war nämlich wohl vor allem der Chor, der stets die Brücke zu dem archaischenDionysos-Kult schlug, weil "Tanz und Gesang der Chöre (...) bei aller Überformung die Bewegungsdynamik und musikalische Atmosphäre des kultischen Brauchtums noch erahnen (ließen) ." (Brauneck 2012, S.20)

Funktionen des Chores

Der Chor erfüllte in der antiken Tragödie über die Zeit hinweg mit unterschiedlicher Akzentuierung in der klassischen und hellenistischen Zeit vor allem drei Funktionen (Schößler 2017, S.20 unter Berufung auf Zimmermann 2000, S.156f.), ):

  • Als eine allwissende Instanz, die über Zukunft und Schicksal im Bilde ist, kann er das Geschehen unter eine verallgemeinernde Perspektive bringen.

  • Als Vermittler von Informationen kann er, z. B. zu Beginn der Tragödie, den Mythos, um den es darin geht, erzählen und erläutern.

  • Als parteiische Instanz kann er aber auch eigene Positionen vertreten oder zur Parteinahme durch die Figuren der Tragödie aufgefordert oder veranlasst werden.

Die Zusammensetzung des Chores

Der Chor bestand gewöhnlich aus 15 Mitgliedern, den so genannten Choreuten, und einem Chorführer bzw. Chor-Lehrer (chorodidaskalós) als einer Art Regisseur.

Alle Mitglieder des Chores waren Laien im Gegensatz zu den Berufsschauspielern, und mussten wie die ▪ Choregen auch Bürger der Polis sein. Die Stars unter den Berufsschauspielern durften durchaus von außerhalb kommen.

Die ausschließlich männlichen Choreuten und Schauspieler (nur Männer besaßen das Bürgerrecht) studierten in monatelangen Proben, für deren Teilnahme sie eine Art Aufwandsentschädigung von den betuchten, antiken "Produzenten", den ▪ Choregen, erhielten, die Gesänge und Tänze ein. Bei der Aufführung während der ▪ Dionysien waren auch Frauen und Kinder und sogar Sklaven als Zuschauer zugelassen, so dass die Stücke vor der Kulisse tausender Zuschauer und Zuschauerinnen vorgeführt wurden.

Die Orchestra als Auftrittsraum des Chores

Die Architektur des griechischen Freilufttheaters stellte bestimmte Raumelemente in den Dienst der Inszenierung des Chores.

Der Chor betrat die "Bühne" durch die beiden seitlich gelegenen mächtigen Parodostore, um auf seinen Auftrittsbereich, die  kreisrunde oder halbkreisförmige Orchestra zu gelangen. Und durch die gleichen Tore ging er am Ende, während des Exodos, wieder ab. Der Ort, wo die Schauspieler spielten (Logeion), lag nur ein wenig höher.

Spielexterne und spielinterne Episierung des Dramas durch den Chor

Darüber hinaus kann der Chor aber auch als "Stellvertreter des Autors" (Asmuth 62004, S.59) fungieren, sofern er "als Figurenkollektiv außerhalb der inneren Spielebene bleibt, die Situationen des Spiels kommentiert, ohne in sie involviert zu sein." (Pfister 1977, S.110). Diese "Episierung durch spieltexterne Figuren" (ebd., S.109) wird insbesondere in Prologen und Epilogen sichtbar.

Meistens allerdings ist er, wie auch in der ▪ Dramentheorie von Aristoteles normativ gefordert, in die Handlung eingebunden.

Allerdings "(ginge) ein Chor, der streng diesen Forderungen entspricht, (...) völlig in der inneren Spielebene als agierende Figur auf, die sich nur in ihrer Kollektivität von den anderen Figuren unterscheidet." (Pfister 1977, S.115).

Dieses Mithandeln ist aber, wie Pfister (1977, S.115) auch an der Tragödie »Oidipus Tyrannos von »Sophokles (497/496 - 406/405 v. Chr.) zeigt "fast immer auf die Funktion eines interessierten, meist passiv reagierenden oder allenfalls in Rat, Warnung oder Gebet verbal agierenden Beobachters (beschränkt)" und kann sich stets wieder vom dramatischen Geschehen distanzieren. Diese Fähigkeit zur Einnahme einer situationsabstrakten Haltung ist damit stets der mögliche Ansatzpunkt für eine "epische Vermittlungsfunktion" (ebd.) des Chores. Selbst im Rahmen eines Dramas kann der Chor zwischen einer spieltexternen und spieltinternen Episierung variieren.

Theaterformen im Überblick

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 05.08.2025

 
 

 
ARBEITSTECHNIKEN und mehr
Arbeits- und Zeitmanagement Kreative Arbeitstechniken Teamarbeit ▪ Portfolio ● Arbeit mit Bildern  Arbeit mit Texten Arbeit mit Film und VideoMündliche Kommunikation Visualisieren PräsentationArbeitstechniken für das Internet Sonstige digitale Arbeitstechniken 

 
  Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA)
Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von
externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de
-
CC-Lizenz