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Theorien des Komischen

Freuds Theorie des Komischen

Dramatische Texte « Komödie Komik, Komisches und Komödie

 
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Fragen und Antworten (KI)
Was sind die Grundthesen von Bergsons Theorie des Komischen?
Was sind die Grundthesen von Freuds Theorie des Komischen?
Stelle die Grundthesen von Bachtins Theorie des Komischen zusammen.

Sigmund Freud (1856-1939) erklärt das • Komische in seiner Schrift "Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten" (1905) als eine Entladung von seelischer Energie. Daher wird sie auch als Entlastungstheorie bezeichnet.

Die Entlastungstheorie, die auf Sigmund Freud zurückgeht, nimmt an, "dass Komik und verwandte Phänomene als Einsparungen im psychischen Energiehaushalt von Individuen anzusehen sind; das Komische geht, [...] mit der als lustvoll erfahrenen Befreiung von moralischen und rationalen Kontrollanstrengungen einher, die Personen in sozialen Zusammenhängen gemeinhin zu erbringen haben." (Wirth 2017, S.2)

Seine Überlegungen zum Witz und dem Komischen sind Teil seiner allgemeinen psychoanalytischen Theorie bzw. • allgemeinen Theorie der Persönlichkeit und der Beziehungsdynamik zwischen den psychischen InstanzenEs, ▪ Ich und ▪ Über-Ich, die im Mittelpunkt seiner Persönlichkeitspsychologie stehen. ( Strukturmodell der Persönlichkeit)

Lachen entsteht nach Freud, wenn eine psychische Spannung, die für einen bestimmten Zweck aufgebaut wurde (z.B. für einen ernsthaften Gedanken), plötzlich unnötig wird, weil der Witz oder die komische Situation sie auflöst. Diese freiwerdende Energie wird als Lachen entladen. Dabei beruht diese Vorstellung darauf, dass das menschliche Bewusstsein wie ein im Meer treibender Eisberg, nur einen vergleichsweise kleinen Teil dessen ausmacht, was unser Fühlen, Denken und Handeln bestimmt. (▪ Eisbergmodell der Persönlichkeit).

Für Freud fallen das Komische ein Phänomen, das vor allem mit der psychischen Ökonomie zusammenhängt. Die Vorstellung von der psychischen Ökonomie beruht dabei auf seiner Vorstellung, dass die Psyche bestimmte Aufgaben nur dadurch bewältigen kann, dass sie beständig ein energetisches Potenzial aufbaut und nutzt. Wird diese Energie nicht mehr benötigt, und tritt dies mehr oder weniger plötzlich und unerwartet, ohne Kontrolle des Bewusstseins ein, dann wird diese Energie unmittelbar freigesetzt. Man könnte, um im Energiemodell zu bleiben, auch davon sprechen, dass die Energie schlagartig entladen wird, ähnlich wie ein man urplötzlich aus einem unter Druck stehenden Kessel den Druck ablässt. Komisches entsteht eher in Situationen (Situationskomik) oder im Zusammenhang mit Personen (Charakterkomik i. w. S).


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Witze haben, auch wenn sie wie das Komische auch von innerem Druck befreien, hingegen vor allem eine Ventilfunktion. Dabei ist der Witz eine bewusste, im Allgemeinen sprachliche Handlung, die darauf abzielt, durch überraschende Wortspiele, Doppelbedeutungen oder logische Brüche eine innere Spannung zu erzeugen und diese dann schlagartig zu lösen. Witze umgehen gesellschaftliche Tabus und gemeinhin anerkannte bzw. geltende moralische Normen und ermöglichen so, unterdrückte aggressive oder sexuelle Impulse auf sozial akzeptable Weise auszudrücken.

Wenn diese Energie plötzlich nicht mehr benötigt wird, wird sie freigesetzt. Lachen ist die physische Manifestation dieser plötzlichen Freisetzung von psychischer Energie. Man kann es sich wie das Ablassen von Druck aus einem Kessel vorstellen.

Humor entsteht, wenn wir eine eigene, potenziell schmerzhafte oder bedrohliche Situation als harmlos umdeuten. Die Energie, die wir zur Abwehr eines unangenehmen Zustands oder Verlangens oder zur Abwehr von Ängsten aufwenden müssten, wird stattdessen als Lachen freigesetzt. Insofern kann man sagen, dass Humor eine Art des Umgangs mit schwierigen Situationen, Problemen und Themen ist, bei dem die Zielobjekte des Humors, ohne verletzt zu werden, belächelt werden können.

Komik als Aufwandsdifferenz

Bei Freud entsteht Komik durch die "Aufwandsdifferenz". Darunter versteht er die Ersparnis von psychischem Aufwand. Beim Komischen bedeutet dies: Es gibt einen Unterschied zwischen dem psychischen Aufwand, den wir normalerweise für eine bestimmte seelische Leistung erwarten würden, und dem tatsächlich geringeren Aufwand, der in einer komischen Situation sichtbar wird. Diese Differenz bildet die Quelle des komischen Lustgefühls, das uns durch die Umgehung weiterer Reflexion, das Abbauen von Hemmungen oder die Entlastung von Gefühlen einen Lachanreiz bietet.

Zusammenfassend: Freud erklärt Lachen und Komik durch das Prinzip der "Aufwand-Differenz", bei dem die unerwartete Freigabe oder Umleitung psychischer Energie – sei es

Diese Differenz entsteht durch die Umleitung von Triebenergie (Witz), die Entlastung von Hemmungen (Witz) oder die Abfuhr von Gefühlen wie Zorn (Humor). Dadurch wird eine unerwartete Lust ausgelöst, die durch das System psychischer Ökonomie erklärt wird. In diesem psychische "Wirtschaftssystem" lösen bestimmte Energieflüsse dann Freude aus, wenn sie umgelenkt oder freigesetzt werden. Anders gesagt: Komisch wird etwas, wenn wir sehen, dass jemand – oder wir selbst – weniger psychische Energie aufwendet, als wir normalerweise für nötig hielten. Daraus resultiert eine Energieverschiebung, so dass z. B. die Energie, die es uns kostet, wenn wir uns ängstigen oder wenn wir uns über etwas ärgern, plötzlich entlastet wird und abfließen kann. Der Unterschied – also die Aufwandsdifferenz – wird von uns unbewusst registriert und in eine lustvolle Empfindung verwandelt.

Grundsätzlich kann man verschiedene Arten von "Aufwands-Differenz" unterscheiden:

Beim Witz handelt es sich um die Ersparnis von Vorstellungsaufwand). Die Komik entsteht, weil der Witz eine überraschende Wendung hat und unseren Aufwand, die Situation zu durchdenken, reduziert, was zu Lachen führt.

Beim Komischen kommt es zur Ersparnis von Hemmungsaufwand. Hier wird der Aufwand, den wir betreiben, um etwas (z.B. Sexuelles, Aggressives) zu unterdrücken, durch die Entlastung des Witzes oder einer Situation abgebaut, was eine lustvolle Erleichterung bringt.

Der Humor erspart einen höheren Gefühlsaufwand und gibt uns die Möglichkeit, uns von intensiven negativen Gefühlen wie Leid oder Zorn lösen, indem wir sie humorvoll betrachten, wodurch wir uns bis zu einem gewissen Grade über sie erhaben fühlen.

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 08.12.2025

    
   Arbeitsanregungen
  1. Wie erklärt Freud das Entstehen von Lachen im Rahmen seiner Entlastungs- bzw. energetischen Theorie der Psyche?
  2. Welche Funktion schreibt der Text dem Witz im Unterschied zur allgemeinen Komik zu, und wie hängt diese mit gesellschaftlichen Normen und Tabus zusammen?
  3. Was bedeutet bei Freud die „Aufwandsdifferenz“ und wie erklärt sie das Lustempfinden in komischen Situationen?
  4. Wodurch unterscheidet sich Humor nach dem Text von Komik und Witz hinsichtlich der Art der ersparten psychischen Energie?
  5. Inwiefern ist die Theorie des Komischen in Freuds allgemeines Persönlichkeitsmodell (Es–Ich–Über-Ich, psychische Ökonomie, Eisbergmodell) eingebettet?

 

 
 
 

 
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