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Gattungsgeschichte

Grundzüge der deutschen Gattungsentwicklung

Dramatische Texte Genres/GattungenKomödie

 
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Glossar
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Die • Komödie ist wie die • Tragödie als Kunstform in der griechischen Antike entstanden und wurde in späterer Zeit immer wieder verändert. Unter europäischer Perspektive betrachtet gehören die • Antike griechische Komödie, die • Römische Komödie, die • Commedia dell’arte (Improvisationskomödie). die • Elisabethanische Komödie sowie die • Komödie der französischen Klassik zu den wesentlichen Beispielen aus der Geschichte, die auch auf die Gattungsentwicklung in Deutschland Einfluss genommen haben.

An dieser Stelle soll aber lediglich die Gattungsentwicklung im deutschsprachigen Raum betrachtet und in ihren Grundzügen dargestellt werden.

Schon das späte Mittelalter kennt bei den Geistlichen Spielen (z. B, bei den Osterspielen) derbe und obszön-stößige Szenen, die bei den seit Anfang des 15. Jahrhunderts aufkommenden Fastnachtsspielen sowohl an Zahl wie auch in ihrer über die Grenzen von Moral und Anstand hinausgehenden Qualität von "Fäkalspäßen" zunehmen.

Die durch das Land ziehenden • Commedia dell'Arte-Gruppen aus Italien, die vor allem von der britischen Insel kommenden • Wanderbühnen englischer Komödianten im 17. Jahrhundert, aber auch etliche deutsche • Wandertruppen des 17. und • Wandertruppen des 18. Jahrhunderts, überschritten mit ihrer exzessiven Freizügigkeit nicht selten die • Scham- und Peinlichkeitsschwellen der Zeit, die ansonsten mehr und mehr körperliche Vorgänge verbargen (Bologne 2001, S.12) Ihr stark körperbetontes Spiel war voll von effekthascherischer Mimik und Gestik, Handgreiflichkeiten und Prügelszenen und ihre Rede gespickt mit Zoten, Wortverdrehungen, unflätigen Flüchen und Beschimpfungen etc. (vgl. Profitlich/Stucke (2007, S.310) Zentrale Bedeutung in ihrem Spiel besaß eine Narrenfigur (vgl. auch • Lustige Personen), die, vor allem bei den englischen Komödianten, • Pickelhäring genannt wurde, im Stegreifspiel der »Commedia dell'Arte-Gruppen »Arlecchino, »Dottore oder »Pantalone hieß, in Frankreich als »Jean Potage auftat und in Deutschland u. a. als »Hanswurst-Figur mit einem oft vulgären Spiel das Publikum in den Städten und an den Höfen der Fürsten unterhielt.

Auch das • Lustspiel von Andreas Gryphius (1616-1684) »Absurda Comica oder Herr Peter Squenz (1658) gehört als Schimpfspiel zur Gattung der • Bauern- und Handwerkerkomödien, die noch in der Tradition des älteren • Rüpelspiels stehen. (vgl. Alt 2007, S. 175). Das Doppeldrama • Verlibtes Gespenste/Gesang-Spil. Die gelibte Dornrose/Schertz-Spil 1660) dagegen zählt zur Gattung der Barockkomödien italienischen Stils in der Tradition der italienischen »Commedia dell'arte. Und auch in seiner Komödie • Horribilicribrifax Teutsch (1663) präsentieren sich die beiden Protagonisten als Maulhelden aus dem »Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und "führen geradezu Wettkämpfe in der Kunst des Bramabarsierens auf" (Niefanger 2000/32012, S.195). Was immer der eine als seine besondere Leistung ausgibt, wird vom anderen "getoppt" bzw. überboten.

»Christian Weise (1642-1708) behandelt mit seinem »Bäuerischen Macchiavellus (1679) zwar "noch das barocke Komödienthema, den Zusammenbruch ungerechtfertigter Prätentionen (vor allem beim Versuch, Standesgrenzen zu überschreiten), doch indem er - ebenso wie »Chr[istian] Reuter [1665-1712] (Schlampampe-Komödien, 1695-1697) - neue Möglichkeiten der Darstellung des Bürgertums eröffnet, weist er ins 18. Jahrhundert voraus." (Profitlich/Stucke (2007, S.311)

Die satirischen Komödien des 17. Jahrhunderts verlachen vor allem Angehörige der unteren Schichten, vor allem Bauern, aber auch niedrige Handwerker, Soldaten oder Prostituierte.

Die Komödien der Aufklärung (sächsische Typenkomödie), wie sie im Rahmen der von »Johann Christoph Gottsched (1700-1766) im Konzept seiner Literarisierung der Komödie  vertretenen Regelpoetik fokussieren  mit ihrem Erziehungsprogramm dagegen • auf die bürgerliche Lebenswelt. Sie zeigen dabei Fehler als Torheiten des jeweiligen Protagonisten auf, der nicht als Charakter, sondern • als Typ gestaltet ist, und zielen auf die moralische Besserung des Zuschauers.

Typisch dafür sind

Die weitere Entwicklung führt auf der einen Seite zu den empfindsamen Rührstücken »Gellerts (1715-1769) (z. B. »Die Betschwester, 1745, »Die zärtlichen Schwestern, 1747).

Auf der anderen Seite stehen weiterhin satirische Komödien. die sich vom moraldidaktischen Zeigefinger aufklärerischer Komödien befreien und damit auch "der im sächsischen Typus üblichen Überlegenheitshaltung des Zuschauers den Boden" (ebd.) entziehen , wie dies z. B. »Lessing mit seinem Lustspiel »Minna von Barnhelm (1767) tut.

Mit dem »Hofmeister (1774) und den »Soldaten (1776) von »Jakob Michael Reinhold Lenz (1751-1792) stehen im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts, nachdem die aufklärerischen Komödien Gottschedscher Prägung ihre Blütezeit (1740-160) hinter sich haben, nicht mehr nur die Fehler und Torheiten eines Protagonisten im Zentrum, sondern mehr und mehr verschiebt sich der Fokus auf gesellschaftliche Missstände.

Weniger die politischen Missstände als ästhetische Probleme rücken »Ludwigs Tiecks (1773-1853) Komödien »Der gestiefelte Kater, 1797 oder die »Die verkehrte Welt,1799 ins Zentrum.

»Heinrich von Kleist (1777-1811) setzt in seinen Komödien »Amphitryon (1807) und • Der zerbrochne Krug (1811) "seine Protagonisten Prüfungssituationen aus, in denen menschliche (und göttliche) Begrenztheit, aber auch soziale Phänomene wie Autoritätsmißbrauch zutage treten." (ebd.)

Und auch »Johann Nestroys (1801-1862) »Possen im »Alt-Wiener Volkstheater sind, verglichen mit den zu dieser Zeit auf allen Bühnen in nahezu ununterbrochener Folge gespielten Familienrührstücken »Ifflands (1759-1814) (z. B. »Die Hagestolzen, 1793) und »Kotzebues(1761-1819) (z. B. »Die deutschen Kleinstädter, 1803), von einem durchaus kritisch geprägten Menschen- und Weltbild gekennzeichnet. (vgl. ebd.)

Mit der Wende zum 19. Jahrhundert wird das Feld der Dramen, die von ihren Autor*innen als Komödien bezeichnet oder als solche angesehen werden, weiter, unübersichtlicher und in jedem Fall heterogener. Daher lassen sich nur bestimmte Grundlinien aufzeigen.

Bei zahlreichen Komödien fehlt nun am Ende ein gutes Ende im Sinne eines moralisch akzeptablen Schlusses. Schon »Gerhart Hauptmanns (1862-1946) Drama »Der Biberpelz (1893) verzichtet darauf und etliche Autoren des 19. Jahrhunderts tun es ihm gleich.

Nach 1945 geht die früher noch immer spürbare heitere Grundstimmung der Komödien mehr und mehr in die Groteske über, weil "der Komödie die Behandlung der NS-Kriminalität, Mitläufertum und Schuldverdrängung übertragen wird." (Profitlich/Stucke (2007, S.312)

Viele der modernen Komödien entziehen sich einer eindeutigen Gattungszuschreibung, enthalten Tragisches und Komisches und bewegen sich inhaltlich meist zwischen Groteske, Farce und Tragödie oder lassen sich auch anderen (Unter-)Gattungen, wie z. B. dem Volksstück zuordnen.

Dies gilt auch für etliche der nachfolgenden Autoren bzw. ihre Werke:

Gert Egle. zuletzt bearbeitet am: 07.09.2025

 
 

 
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