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Erzählsituationen

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Perspektiven beim Erzählen
Überblick
▪  Modelle der Perspektiven beim Erzählen

Erzählperspektive - ein schwieriger Begriff
Was unter Perspektive und Erzählperspektive zu verstehen ist, ist in der Literaturwissenschaft bzw. ihrem besonderen Zweig der »Narratologie umstrittener denn je.

Im Literaturunterricht der Schule dominieren aber aus gutem Grund bis heute Kategorien der traditionellen, älteren literaturwissenschaftlichen Erzählforschung. Dabei richtet sich die Aufmerksamkeit im Gegensatz zur neueren Erzähltheorie eben "auf die formalen Facetten der Relation zwischen dem Erzähler und der erzählten Welt" (Schmid 2011, S.138).

So wird in der Schule vor allem auf die Arbeiten von »Franz K. Stanzel (geb. 1924) (z. B. Die typischen Erzählsituationen im Roman 1955, Typische Formen des Romans 1964/1979, Theorie des Erzählens 1979) und »Eberhard Lämmert (1924-2015) (z. B. Bauformen des Erzählens 1952/55) Bezug genommen. Was die beiden Literaturwissenschaftler erarbeitet haben, ist in unterschiedlichem Maße auch bis in heute populäre Einführungen in die Literaturwissenschaft eingegangen. 

Stanzels Konzept der Erzählsituation

Franz K. Stanzel (1964) verwendet statt des Begriffs Erzählperspektive den der Erzählsituation und manchmal wird, meistens mehr oder weniger synonym, Erzählhaltung verwendet. Hier bleiben wir i. d. R. beim Begriff der Erzählsituation.

Das ▪ Konzept der Erzählsituation beruht bei Stanzel auf einer Kombination von drei Elementen: Person (Ich vs. Er-Bezug), Perspektive (Innen- vs. Außenperspektive) und Modus (Erzähler vs. Reflektorfigur bzw. telling und showing). Dabei geht es ihm vor allem um das formale Kriterium der Mittelbarkeit des Erzählens.

und dabei mal drei, mal vier ▪ idealtypische Erzählsituationen unterschieden. Ob drei oder vier Erzählsituationen hängt dabei davon ab, ob den anderen dreien (▪ auktoriale E., ▪ personale E. und ▪ Ich-Erzählsituation) eine ▪ neutrale Erzählsituation beigeordnet wird, die sich von jenen unterscheiden lässt.

Als Idealtypen können sie in einem konkreten Text auf unterschiedliche Art und Weise modifiziert werden, können im Verlauf einer Erzählung, oft auch in kurzen Abschnitten, wechseln. Mischtypen sind eher die Regel statt die Ausnahme.

Die Erzählsituationen Stanzels, gegen die immer wieder berechtigte Einwände hinsichtlich ihrer theoretischen Fundierung und Stringenz erhoben wurden, sind dessen ungeachtet ein weitgehend anerkanntes Instrumentarium zur Interpretation erzählender Texte, bei der eben nicht die vollständige analytische "Zerlegung" des Textes bzw. seine Dekonstruktion im Vordergrund steht.


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Mittelbarkeit als Ausgangspunkt der Beschreibung eines Erzähltextes

Der Erzähler ist für Stanzel ein (Aussage-)Subjekt, so wie es auch bei den meisten Erzähltexten vom Leser wahrgenommen wird. Diesen Subjektstatus besitzt der Erzähler selbst dann, wenn er wie z. B. im Fall der ▪ Tierfabel mit bestimmten anthropomorphen Eigenschaften ausgestattet ein Tier ist.

Die Mittelbarkeit ist für ihn das wichtigste Gattungsmerkmal erzählender Text, die sich im Erzählvorgang und dem erzählten Vorgang zeigt. Der Erzähler spielt seine Mittlerrolle einerseits zwischen dem Autor und der erzählten Geschichte, andererseits zwischen der Geschichte und ihrem Leser.

Der reale Autor kommt in der Geschichte nicht selbst zu Wort. Stattdessen beauftragt er den Erzähler als eine Art Stellvertreter. Dieser Erzähler ist in der Regel fiktiv und die Beziehung zwischen Erzähler und Autor lässt sich vereinfacht auf den Satz bringen: "Der reale Autor erfindet, der fiktive Erzähler erzählt, was gewesen ist." (Scheffel 2006, S.106) So ist jeder "implizit dargestellte Erzähler ein Konstrukt" (Schmid 2011, S.131)

Der Erzähler wird vom realen Autor mit bestimmten Fähigkeiten ausgestattet, die ihm unterschiedliche Möglichkeiten zur Gestaltung der Geschichte lassen. Es kommt vor, dass man den Erzähler quasi persönlich zu fassen glaubt, aber genauso gut kann es sein, dass er sich so sehr hinter das erzählte Geschehen zurückzieht, dass es den Anschein hat, es gäbe ihn gar nicht.

Stanzel entwickelt seine Vorstellung von den drei bzw. vier Erzählperspektiven (Erzählsituationen) "auf der Basis der Triade Modus (Erzählerfigur vs. Reflektor), Person (Identität vs. Nichtidentität der Seinsbereiche von Mittlerfigur und Charakteren) und Perspektive (Außenperspektive vs. Innenperspektive)". (Scheffel 2006, S.103, Hervorh. d. Verf.)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2019

 
 

 
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