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Ich-Erzählperspektive

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Der Ich-Erzähler als Handlungsfigur
Die Ich-Erzählperspektive (Ich-Erzählsituation, Ich-Erzählhaltung) in Form einer Ich-Erzählung setzt voraus, dass die verwendete Erste Person der Grammatik den Erzähler selbst und eine mit ihm identische Handlungsfigur bezeichnet. Diese muss aber nicht unbedingt Hauptfigur sein. (vgl. Vogt 1990, S.66) Ein fiktiver, aber leibhaftiger Erzähler erzählt ("berichtet") über seine vorgebliche Vergangenheit. (FAQ 6)
Die Ich-Erzählung basiert auf einer Überlagerung von drei verschiedenen Gesichtspunkten:
  • Fiktionalitätserklärung (Verfasserangabe und Titel, Verifikationsschema)

  • "nicht-fiktionaler" Tempusgebrauch, d.h. kein episches Präteritum, das Fiktionalität anzeigt, sondern ein "fingiertes historisches Präteritum" (Käte Hamburger), das ein erzähltes Geschehen in der Vergangenheit des Ich-Erzählers situiert

  • fiktionalisierende Oberflächenstruktur durch Verwendung fiktionaler Techniken (z.B. auktoriales oder personales Erzählen)
    (vgl. Vogt 1990, S.68) 

Weitere Merkmale der Ich-Erzählung sind:

  • Der Ich-Erzähler steht - oder stand einstmals - in der von ihm erzählten Welt (Ggs. epische Distanz beim auktorialen Erzähler, der einem anderen Seinsbereich angehört).
  • Im Vergleich zu anderen Erzählperspektiven (auktorial, personal, neutral) findet eine Verschiebung wichtiger Erzählstrukturen statt (point of view, Zeitgestaltung).
  • Starke Eingrenzung des Blickfeldes auf Außensicht bei anderen Figuren (FAQ), gleichzeitig Möglichkeit zur sehr intensiven Innensicht des Ich-Erzählers (Annäherung an den point of view der personalen Erzählperspektive bzw. an den Wirklichkeitsbericht)
  • Anlehnung an nichtfiktionale Gebrauchsformen der Literatur wie die Autobiographie, Memoiren, Tagebuch oder Brief 

Man kann in Anlehnung die verschiedenen Varianten der Ich-Erzählperspektive nach Stanzel in "zwei Variationsrichtungen einordnen, von denen die eine zum Typus des auktorialen Romans, die andere zum Typus des personalen Romans hinweist." (Stanzel 1964/1979, S.37) Diese beiden Variationsrichtungen (Stanzel) werden im Folgenden etwas vergröbernd:

genannt.

Erzählperspektiven können sich auch innerhalb eines Textes ändern

Ein literarischer Text muss keineswegs das Erzählte nur aus einer Erzählerperspektive darbieten, auch wenn viele Texte das tun. In der modernen Literatur werden die  Erzählperspektiven aber auch häufig innerhalb ein und desselben Textes geändert. Daher lassen sich bestimmte Erzählperspektiven oft unbedingt zur Charakterisierung eines gesamten Werkes oder auch nur eines größeren Abschnitts heranziehen, "sondern lediglich zur Klassifizierung kleinerer Erzähleinheiten" (Vogt 1990, S. 52)

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 02.07.2019

 
 

 
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