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Auktoriale Ich-Erzählsituation

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Wenn ein Ich-Erzähler die Geschichte arrangiert und organisiert
Die ▪ auktoriale Ich-Erzählsituation (Erzählperspektive, Erzählhaltung) besitzt eine Reihe von Merkmalen, die sie von ▪ Erzählsituationen unterscheidet.

Beim Erzählen wird durchgängig die erste Person Singular verwendet.

Der auktoriale Ich-Erzähler ist nicht identisch mit dem Autor

Auch wenn man das leicht verwechseln kann: Der auktoriale Ich-Erzähler ist nicht identisch mit dem Autor, sondern wird von diesem zur Darbietung der Erzählung auf eine bestimmte Art und Weise gestaltet.

Damit der auktoriale Ich-Erzähler nicht vorschnell mit dem Autor identifiziert werden kann, wartet die auktoriale Ich-Erzählung häufig mit Passagen auf, die den auktorialen Ich-Erzähler im Erzählakt selbst thematisieren (z.B. Ansprechen von Problemen beim Erzählen, Artikulieren von Einfällen über die bestmögliche Weiterführung der Geschichte etc.)

Bei einer Textinterpretation kann es also nicht heißen: "Der Autor XY berichtet ...". Stattdessen muss es heißen: "Der auktoriale Ich-Erzähler berichtet, ...".

Der auktoriale Ich-Erzähler ist oder war eine Figur der erzählten Welt

Im Gegensatz Ggs. zur ▪ auktorialen Erzählperspektive, bei der Erzähler im Allgemeinen einem anderen Seinsbereich außerhalb der erzählten Welt der Geschichte angehört, gehört oder gehörte der auktoriale Ich-Erzähler einstmals zu dieser Welt.

Aus der Tatsache, dass der auktoriale Ich-Erzähler die erzählte Geschichte aus der Retrospektive erzählt, ergibt sich auch eine zweipolige Ich-ich-Struktur. Das bedeutet, das erzählende Ich tritt nicht nur als das auf, das sich an Vergangenes von einem späteren Zeitpunkt aus erinnert, sondern auch als Ich, das mittendrin im erzählten Geschehen handelt. Beide Ichs kann man daher als unterschiedliche Ich-Instanzen voneinander unterscheiden.

Diese in-persona-Identität von erzählendem und erlebendem Ich (Stanzel) kann dabei unterschiedlich gestaltet sein und dementsprechend unterschiedliche Wirkungen haben. Aus ihrer grundsätzlichen Spannung entstehen oft Gegensätze, Kontraste bis hin zu parodierende Wirkungen, wenn das erzählende Ich in der Rückschau auf sein Treiben als erlebendes Ich sieht und dieses in irgendeiner Weise kommentiert.

(vgl. Stanzel 1964/1979, S.37f., Vogt 1990, S.67ff.)

Erzählerstandort: Innerhalb der Welt der Erzählung

Der auktoriale Ich-Erzähler steht bzw. stand einstmals innerhalb der von ihm erzählten Welt (Innenperspektive), an der er als handelnde Figur teilhat(te).

Der auktoriale Ich-Erzähler übernimmt  als erzählendes Ich vom auktorialen Erzähler die Fähigkeit, die Elemente seiner Geschichte von einem zumindest zeitlich späteren Standpunkt und/oder unter dem Blickwinkel späterer Einsichten zu ordnen. Dieser point of view ist dem erlebenden Ich nicht möglich.

(vgl. Stanzel 1964/1979, S.37f., Vogt 1990, S.67ff.)

Der auktoriale Ich-Erzähler kennt nur die Innensicht der eigenen Figur

Das Blickfeld des  auktorialen Ich-Erzählers ist auf die Innensicht der eigenen Figur beschränkt, d. h. er kann nicht nur von seinen eigenen Gedanken, Gefühlen usw. erzählen und nicht wie der auktoriale Erzähler in das Innere sämtlicher Figuren hineinsehen.  Von den anderen Figuren kann er also nur in Außensicht erzählen.

(vgl. Stanzel 1964/1979, S.37f., Vogt 1990, S.67ff.)

Beispiele:

Die beiden Erzählinstanzen fluktuieren häufig

Innerhalb eines Textes können sich die beiden erzählenden Ichs (erzählendes und erlebendes Ich) abwechseln, das erzählende Ich kann die Geschichte des erlebenden Ichs rahmen oder in einzelnen Textpassagen kann ein mehr oder weniger ständiges Fluktuieren zwischen beiden Ich-Instanzen auftreten. Daher muss man als Leser versuchen, das erzählte Geschehen immer wieder der Instanz zuzuordnen, die das Geschehen darbietet.

 Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 03.09.2019

 
 

 
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