Die didaktischen Konzepte, die bei
der Behandlung von • Kurzgeschichten im •
Literaturunterricht zum Tragen kommen, gelten für
den gesamten Bereich der • erzählenden Literatur. Es gibt also,
das vorweg, keine
besondere Didaktik und Methodik für den Umgang mit Kurzgeschichten. Was für die Konzepte im
Allgemeinen gilt, trifft also auch für die Kurzgeschichten zu.
Das bedeutet allerdings
nicht, dass die unterrichtliche Behandlung dieser Texte nicht
gegenstandsbezogen didaktisch zu reflektieren ist. So muss z. B.
eine begründete Auswahl der zur Behandlung kommenden Texte erfolgen,
festgelegt werden, in welchen Jahrgangsstufen welche der Texte behandelt
werden sollen, welche Lernziele damit verfolgt werden und welche
Kompetenzen damit erworben, gefestigt oder erweitert werden sollen. Und
nicht zuletzt geht es auch darum, den Blick auf die Komplexität und das
Aufeinanderbeziehen von fachwissenschaftlichen Wissensbeständen und
ihrer didaktischen Strukturierung alters- und entwicklungsgemäß zu
richten.
Der •
kognitiv-analytische Zugang
kann über •
Gattungswissen, •
Textanalysewissen, •
Literaturgeschichtliches Wissen, •
Autorenwissen oder •
Intertextuelles Wissen
erfolgen.

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Im Allgemeinen
zielen solche wissensorientierten Konzepte, die auch als • "Literaturwissenschaftsdidaktik"
(Köster
2015, S.60 unter Bezugnahme auf
Pflugmacher
2014, S. 157f.) bezeichnet werden, darauf "in Bauformen,
Strukturen, Untergattungen und Strategien des Erzählens" (Kepser/Abraham
42016,
S.194) einzuführen, wobei, insbesondere in den höheren Jahrgangsstufen,
wissenschaftspropädeutische Ziele hinzukommen.
Die
literaturwissenschaftliche Grundausbildung kann sich dabei nach Ansicht
von
Kepser/Abraham (42016,
ebd.) bei der
Erzähltextanalyse mit den Konzepten der
älteren Erzähltheorie
und ihren ▪ Strukturbegriffen
begnügen. Darunter fallen u. a. das Konzept der ▪
Erzählsituationen von »Franz
K. Stanzel (geb. 1923)
(1964,1979), die Analyse der Bauformen des Erzählens von »Eberhard
Lämmert (1924-2015) (1953/1955)
(z. B.
•
Erzählerbericht
und Figurenrede (Ältere Erzähltheorie).
Wer hingegen ein im
Vergleich zu Stanzels Konzept "weitaus offeneres, programmatisch
dynamischeres und der erzählerischen Praxis in der Tat angemesseneres
Instrumentarium" (Jeßing/Köhnen
22007, S.189) bevorzugt, findet in der ▪
Erzähltextanalyse nach Petersen (1998),
eine kriterienorientierte Alternative zu dem triadischen Konzept von
Stanzel. Dabei kann die etwas ▪
vereinfachte Form der "Kategorientafel" (Petersen
1998, S.8), die Petersen an anderer Stelle (72006,
S.58) zusammengestellt hat, insbesondere für die ▪
schulische Analyse erzählender Texte, nicht nur aus didaktischen
Gründen, die elementaren Instrumente im "▪
Werkzeugkasten"
bereitstellen.
Allerdings sollte,
wie auch wie
Kepser/Abraham (42016,
S.191) meinen, in Leistungskursen auch der Anschluss an die
neueren narratologischen Konzepte gesucht werden, die im Bereich der
Literaturwissenschaft heute an den Universitäten gelehrt werden. Dazu
zählt vor allem die Erzähltheorie von
»Gérard
Genette (1930-2018) (1972,
dt. 1994)
(z. B. Kategorien wie
homodiegetischer
oder
heterodiegetischer Erzähler oder auch das ▪
Fokalisierungkonzept).
Auch die
Einführung in die Erzähltheorie (1998, 10. Aufl. 2016) von »Matías
Martínez und »Michael
Scheffel (geb.1958) schließt vor allem an Genette an. Aber auch die Narratologie von »Wolf
Schmid (geb. 1944) (2005)
(z. B. •
Parameter der Perspektive)
bietet einiges, was schon im Literaturunterricht bei der Analyse von
Erzähltexten verwendet werden kann
. Eine umfassende Orientierung der •
schulischen Erzähltextanalyse an den umfangreichen
Kategoriensystemen und
▪
Strukturbegriffen der
neueren Erzähltheorie bzw. der neueren wissenschaftlichen Narratologien ist
dabei allerdings sicherlich nicht möglich.
Ein Beispiel für
einen kognitiv-analytischen Ansatz, der die Ziele einer
Unterrichtseinheit zu Kurzgeschichten auf der Grundlage von •
Gattungswissen und
historischem Kontextwissen (i. e. S.•
Literaturgeschichtliches Wissen)
haben
Leubner/Saupe/Richter (2016, S. 357, kindle Edition)
zusammengestellt. Dabei weisen sie darauf hin, dass es "für die
Ordnung von Zielen für Unterrichtseinheiten und ebenso für ihre
Formulierung (...) keine festen Regeln gibt." Zudem seien die extrem
ausdifferenzierten Zieltaxonomien der 1970er Jahre (mit ihren
kognitiven, sozialen, affektiven und psychomotorischen
Lernzieldimensionen) wegen ihrer Unhandlichkeit längst weitgehend
aufgegeben worden. Bei der konkreten Planung von
Unterrichtseinheiten sei Schwerpunktssetzung nötig und die
Konzentration auf ein Hauptziel, das im Ganzen oder in den
jeweiligen Unterrichtsstunden verfolgt werden soll.
Danach verfolgt
eine solche Einheit das allgemeine Ziel, dass die Schülerinnen und
Schüler unter Nutzung von Genre- und historischem Kontextwissen
Kurzgeschichten selbständig erschließen und auf ihre
Lebenswirklichkeit beziehen können. Dazu sollen sie die
Kurzgeschichten
-
unter
Berücksichtigung der Aspekte Handlung (Komplikationsstruktur),
Figur (Eigenschaften von Figuren) und Darstellung (Perspektivierung,
Stil) erschließen
-
mit ihren
Merkmalen erfassen und diese im Hinblick auf ihren Beitrag für
das Verstehen des Textes erörtern und gezielt für die
Texterschließung nutzen
-
unter
Heranziehung historischer Kontexte erschließen
-
im historischen
Wandel beschreiben
-
unter dem Aspekt
ihrer Aktualität für die Gegenwart erörtern und deuten
Kompetenzorientierte,
auf den produktiven Umgang mit erzählenden Texten setzende Konzepte,
auch als "Literaturdidaktik" (Köster
2015, S.60) bezeichnet, gehen mit den Texten "spielerisch" um
und wollen damit ein Verständnis für historische und moderne Formen des
Erzählens schaffen. Sie setzen an der Ganzheitlichkeit ästhetischer
Erfahrung an und rücken als •
Prototypendidaktik (vgl. u. a.
Spinner 2006,
Köster 2015) bildliches
Denken und das Finden von selbst generierten Ähnlichkeiten mit all ihren
dabei auftretenden Unschärfen in den Mittelpunkt. Im •
handlungs- und
produktionsorientierter Unterricht
mit seinen vielfältigen •
Methoden und
Konzepten steht ein großes Repertoire unterschiedlicher
Möglichkeiten zur Verfügung mit erzählenden Texten •
produktiv und
•
kreativ
umzugehen.(•
Surfbrett Kreatives
Schreiben)