Die Diskursanalyse ist, allgemein gesehen, ein Ansatz der qualitativen
Forschung, die darauf zielt, Bedeutungen, Erfahrungen und soziale
Realitäten zu verstehen. Dazu nutzt sie grundsätzlich eine große
Vielfalt von so genannten qualitativen Methoden, um damit
nicht-numerische Daten (Bilder, Wörter, Sprech- und Verhaltensweisen
etc.) mit dem Ziel zu erfassen und zu interpretieren, die untersuchten
Gegenstände in ihren Kontexten zu verstehen.
Anders als die
sozialwissenschaftliche bzw. psychologische •
thematische
Analyse, die inhaltliche Themen in Daten erfassen und kategorisiert
oder auch die •
textlinguistische •
textthematische Analyse (s. Abb.), die einzelne Texte unter
dem Blickwinkel der
▪
thematischen Bedingungen
der Textkohärenz, ihres ▪
Themas und ihrer ▪
thematischen Entfaltung (•
argumentativ,
•
deskriptiv,
•
explikativ,
• narrativ)
untersucht, weitet die diskursanalytische Perspektive den Blick über den
einzelnen Text hinaus und betrachtet ihn als • "Resultat
eines vielstimmigen diskursiven Gewimmels." (Bendel Larcher/Eggler (22023,
S.91 Kindle Edition)

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Die Art und Weise, wie die allgemeinen
•
Aufgaben der Diskursanalyse
in die Praxis umgesetzt wird, variiert je nach Fachdisziplin. Die
Diskursanalyse ist auch "keine Methode [...], sondern ein Feld von
heterogenen Forschungsperspektiven bzw. Theorie-Methoden-Paketen auf den
Gegenstand." (Keller/Bosančić
2018, S.47) Daher gibt also auch nicht die Diskursanalyse,
sondern eine große Vielfalt unterschiedlicher Ansätze der
Diskursforschung, die sich seit der Jahrtausendwende stark entwickelt
und vor allem auch interdisziplinär weiterentwickelt haben.
Bis heute lassen sich wohl immer noch "zwei Hauptrichtungen der
Diskursanalyse" (Keller
2013, S.427) unterscheiden: die sprachwissenschaftlich-linguistische
Diskursanalysen und die sozialwissenschaftlichen Diskursanalysen (z. B.
• Wissenssoziologische Diskursanalyse,
Hegemonietheoretische Diskursanalyse, •
Kritische Diskursanalyse)
Ungeachtet solcher Unterschiede zielt die Diskursanalyse aber
grundsätzlich darauf, "festzustellen, was in einer bestimmten Zeit
faktisch gesagt wurde und dann gleichsam zu stabilen Aussagemustern
kristallisierte, die nach einiger Zeit wieder zerfallen" (Sarasin
2005, S.106) und deren Gesamtheit der in einer Epoche möglichen
Aussagen ein • ›Archiv‹,
bildet. (vgl.
Parr 2014, S.234)
Da man gewöhnlich stets mit einem meist nicht bewussten Vorverständnis
an die Sache herangeht, die von der eigenen kulturellen Prägung abhängt
(vgl.
Rosa/Strecker/Kottmann 32018, S. 292, die man erfahren
hat, muss man, da dieses nicht einfach abgeschaltet werden kann,
reflektiert mit der Bestimmung des Diskurses und der Identifizierung der
• diskursiven und nicht-diskursiven
Praktiken umgehen. Diese bilden als Aussagemuster oder als
Kombination solcher das •
Aussagesystem, welches
die Regeln, das Denken, Sein und Tun der Menschen in einer Kultur
bestimmten. (Rosa/Strecker/Kottmann
32018, S. 292)
Indem die Diskursanalyse die "genaue Untersuchung von
Funktionsweisen
und Bedingungen" (Winko
1996/82008, S.465) solcher in •
diskursiven Praktiken geschaffenen •
Diskursereignisse
vornimmt, untersucht sie im Sinne »Michel
Foucaults (1926-1984) auch die soziale Praxis, die diese Prozesse
auszeichnen.
Dabei richtet sie ihr Augenmerk auf die positiven, d. h. wahrnehmbaren
und feststellbaren Fakten. Statt diese auf ihre "Wahrheit" zu
untersuchen und kritisch gegeneinander abzuwägen, trägt sie diese
zusammen, um am Ende unter einer historischen Perspektive auch die • "Episteme
der eigenen Kultur" •
freizulegen
(vgl.
Rosa/Strecker/Kottmann 32018, S. 292). Indem sie dieses
als gesichert und verbindlich geltende Wissen (Episteme) einer
bestimmten Zeit untersucht, soll sie, •
wie Foucault sagt, auch dazu dienen, die "Gesamtheit erzwungener
oder erzwingender Bedeutungen" zu erkennen, "die
die gesellschaftlichen Verhältnisse" der Gegenwart "durchziehen"
Um eine Diskursanalyse durchzuführen, die das Ziel hat, •
Episteme der
Vergangenheit und Gegenwart als •
mediale Wissensformationen freizulegen, kann man einer
Abfolge von Arbeitsschritten folgen. Diese stellt aber nur einen
Vorschlag dar, der je nach Gegenstand und konkreten Zielen, die
mit einer Diskursanalyse verfolgt werden, aber jederzeit
abgeändert und angepasst werden kann.
Darüber hinaus wird das Vorgehen im •
didaktischen Umfeld der Schule,
selbst wenn die Diskursanalyse als •
Einzeltextanalyse durchgeführt
wird, wohl eher in einem
prozessorientierten,
teilweise kooperativen Verfahren zu organisieren sein als in
einem
produktorientierten Schreiben eines Einzelnen.
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
20.03.2025