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Foucaults Verständnis von Wissen

Überblick

« Diskursanalytisches Modell Einzelne Begriffe und Konzepte (Foucault) Macht und Wissen

 
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»Michel Foucaults (1926-1984) • Diskursbegriff ist wissenssoziologisch fundiert. Um zu verstehen, was das grundsätzlich bedeutet, muss man sich, zumindest in Form eines knappen Überblicks über den • Begriff des Wissens in der Wissenssoziologie Klarheit verschaffen.

Hier nähern wir uns dem Begriff des Wissens zunächst einmal durch Darstellung seiner alltagssprachlichen Bedeutungen und der Bedeutung des Begriffs in der Philosophie, ehe wir auf • Foucaults Begriff des Wissens zu sprechen kommen.

Die alltagssprachliche Verwendung des Begriffs Wissen

Das Deutsche Universalwörterbuch von DUDEN (62007) verzeichnet unter dem Eintrag des Verbs wissen als vier Bedeutungen:

  1.  "durch eigene Erfahrung od. Mitteilung von außen Kenntnis von etw. jmdm. haben, sodass zuverlässige Aussagen gemacht werden können"

  2. "über jmdn., etw. unterrichtet sein; sich einer Sache in ihrer Bedeutung, Tragweite, Auswirkung bewusst sein"

  3. "davon Kenntnis haben, sicher sein, dass sich jmd., etw. in einem bestimmten Zustand, an einem bestimmten Ort o. Ä. befindet, sich etw. in bestimmter Weise verhält"

  4. "(mit Inf. mit »zu«) in der Lage sein, etw. zu tun"

  5. "(ugs.) in verstärkenden, floskelhaften Einschüben: so tun, also ob die Angelegenheit wer weiß wie (als ob sie äußerst) wichtig sei; dies und noch wer weiß alles (u. noch alles Mögliche) hat er erzählt; dies und ich weiß nicht was noch alles."

Zum Begriffsumfeld gehören in der Alltagskommunikation umgangssprachliche Redensarten wie "wissen, wie der Hase läuft" oder "wissen, woher der Wind weht", die auf sowohl auf die erste und zweite der oben dargestellten Bedeutungen referieren und zum Ausdruck bringen, dass man unterrichtet, orientiert, in bestimmte Geheimnisse eingeweiht und auf dem Laufenden ist sowie die Kontrolle über das besitzt, das man in Erfahrung gebracht hat.

Ansonsten findet man im Umfeld von Wissen auch Begriffe wie Meinung, Erfahrung, Glauben,  Einbildung oder Vorstellung, aber Emotionen.

Die Wissensgesellschaft schafft und prägt unser Leben

Zu den Begriffen, die im Bereich der Alltagskommunikation und in der Wissenschaft eine wichtige Rolle spielen, gehört auch der Begriff der Wissensgesellschaft, dessen theoretische Implikationen hier allerdings nicht dargestellt werden können.

Allgemein dürfte der Begriff der »Wissensgesellschaft heute auf ein besonderes Charakteristikum unserer heutigen, »postindustriellen Gesellschaft verweisen. Diese wird in diesem Kontext als »Wissensgesellschaft bezeichnet, weil das Wissen immer stärker zur Grundlage des sozialen und ökonomischen sowie des medialen Zusammenlebens wird.

Als soziales Wissen wird es von Institutionen, die darauf spezialisiert sind, ebenso produziert wie von der Ökonomie, vom Recht oder auch der Politik. In allen diesen Bereichen wird Wissen auch zu einer Ware gemacht, das den Gesetzen der Ökonomie unterliegt.

Dieses Wissen prägt unser ganzes Alltagsleben bis ins Detail,

  • legt fest, wie Organisationen bzw. Institutionen aufgebaut sind und handeln,

  • gibt vor, welche sexuellen Praktiken in Frage kommen,

  • bestimmt über unsere alltägliche Erziehungs- und Bildungsarbeit,

  • sagt uns, wie wir uns fit halten können,

  • lüftet das Geheimnis, welche Lebensmittel gesund sind

  • ....

Kurzum Wissen bestimmt, wie wie wir leben, produzieren und konsumieren. Wissen bestimmt aber auch  die Handlungssphären der nationalen, internationalen oder auch globalen Politik.

Zugleich ist dieses Wissen nicht ein für allemal gültig, ist selbst "Gegenstand permanenter Bearbeitung und Modifikation durch Expertenregime" und beeinflusst "von ganz verschiedenen gesellschaftlichen Akteuren bzw. moralischen Unternehmerinnen und Unternehmern", die mit ihren wissenspolitischen Interventionen unterschiedlichster Art darauf einwirken (vgl. Keller 2015), was als gerechtfertigtes Wissen anerkannt wird oder eben nicht. Dabei spielen die Wissenschaften zwar immer noch die Rolle  zentraler Legitimationsinstanzen, allerdings nehmen in der Wissensgesellschaft auch andere Bereiche, in denen Wissen produziert wird, Einfluss auf die Wissenschaft. (vgl. Knoblauch 32014, S.14)., S.357f.)

Der Wissensbegriff in der Philosophie

Zunächst einmal ist es die Philosophie, die sich seit der Antike mit dem Wissen im Zusammenhang mit der Möglichkeit menschlicher Erkenntnis befasst. Ihr älteres Erkenntnismodell "stellt sich Erkenntnis als einen Vorgang vor, der sich zwischen der wahrnehmenden, erfahrenden Person (bzw. dem Subjekt oder dessen Geist) und dem Erkenntnisgegenstand abspielt. Erkenntnis also ist eine Art solitärer Prozess, der sich zwischen Erkennendem und Erkanntem vollzieht." (Knoblauch 32014, S.13f., Kindle Edition)

Hierher gehört auch die Unterscheidung von Wissen (έπιστήμη, Episteme) und Meinung (δοξα, doxa), die der griechische Philosoph »Platon (428/27-348/47 v. Chr.) vorgenommen hat. Dabei verhält sich Wissen zur Meinung "wie Augenzeugenerfahrungen zu Aussagen." (ebd.


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Wissen (έπιστήμη, »Episteme) beruht bei Platon auf "Erfahrungen im Bereich der wahrnehmbaren Welt" (ebd., S.16f.) und bezieht sich darauf. Wissen ist für ihn im Vergleich zu Meinung grundsätzlich als höherwertiger, weil sich das Denken, das dahinter steht, auf das Allgemeine ausrichtet und Aussagen darüber macht. Man hat Platons Wissensbegriff, allerdings »nicht unumstritten, dennoch auch als "wahre, gerechtfertigte Meinungen" rekonstruiert. (vgl. Gettier 1963)

Meinung (»δοξα« (»doxa«) bezieht sich "auf etwas Wahrgenommenes; sie ist wandelbar und zwiespältig, d.h. entweder wahr oder falsch. Sie führt nicht zu Wissen" (ebd.), weil sie dem zufälligen Sinnesreiz folgt, aus dem die Wahrnehmung einen Sinneseindruck gewinnt.

Steht die Episteme philosophiegeschichtlich betrachtet für universal gültiges, wissenschaftliches und vernünftiges Wissen, das keinem historischen Wandel unterworfen ist, sind "doxa" bloße Meinungen, Glaubensauffassungen oder auch Vorurteile.

Neben der Grundlegung einer Erkenntnistheorie hat auch die neuere Philosophie immer wieder, • Klassifikationssysteme des Wissens entwickelt (Modelle von ▪ Ryle/Baumgartner u. a. und ▪ Michael Polanyi)

Im Gegensatz zu der philosophischen Erkenntnistheorie geht Wissen, wie es die • Wissenssoziologie versteht, von der These der • "Sozialität von Wissen und Erkennen" aus. Sie meint damit, dass "Wissen und Erkenntnis (...) nicht nur ein individuelles Vorkommnis, sondern ein soziales Ereignis (ist)" (Knoblauch 32014, S.14), Wissen also seinem Wesen nach sozial ist. (vgl. ebd., S.16) Dabei ist aus Sicht "der Wissenssoziologie [...] alles Handeln grundsätzlich an Wissen gebunden " (ebd., S.356)

Michel Foucault, der Wissen "als empirische Gesamtheit der Elemente" (Kammler 2014, S.303) versteht, "die eine • ›diskursive Praxis‹ ausmachen" (ebd.), teilt neben anderen Annahmen der Wissenssoziologie die Grundthese von der Sozialität des Wissen, gibt dem Wissen aber im Zusammenhang mit seinem • Diskursbegriff im Kräftefeld von Wissen, • Macht und der Rolle des Menschen als • Subjekt ("Subjektivierung") ein • anderes Gewicht.

»Wissensbegriff in der Wissenssoziologie
»Wissen als Aussagesystem diskursiver Praxis

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 22.03.2025

    
 

 
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