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Frühe Neuzeit (1300-1600): Sonstige sozialgeschichtliche Aspekte

Liebe und Erotik


FAChbereich Deutsch
Glossar
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 ▪ Annäherungen: Spuren, Zeugnisse und Zugänge zu einer fremden Welt

Sexualstrafrecht in der frühen Neuzeit
Ehebruch
Vorehelicher  und außerehelicher Geschlechtsverkehr

Vorrücken der Scham- und Peinlichkeitsschwellen
Die Entwicklung sozial konstruierter Scham in der frühen Neuzeit und im Barock

Eigene Voraussetzungen von Einstellungen zur Sexualität reflektieren

Wer sich auf die Suche nach den Vorstellungen begibt, die die Menschen in der frühen Neuzeit und im Barock über Liebe, Erotik und Sexualität gehabt haben, muss sich auf eine Zeitreise einlassen, die nur dann funktioniert, wenn man die Brille moderner Ansichten abnimmt und sich auf eine Fremderfahrung einlässt, die viel Anderes, Unverständliches und, aus unserer heutigen Sicht, ganz und gar "Unmögliches" bereithält.

Allzu schnell werden ansonsten beim Betrachten von bildlichen Darstellungen und manchen Gedichten der Zeit Maßstäbe an das Fremde angelegt, mit denen wir uns im Grunde genommen nur schnell und ohne weitere Mühe ihren Sinn zurechtschustern und dabei alles Befremdliche einebnen, ohne dass die Begegnung mit diesem uns und unsere Vorstellungen und sozialen Praktiken in diesem Bereich einbezieht und damit ermöglicht, zu neuen Erkenntnissen in einem selbstreflexiven Prozess zu gelangen.

Schnelle Antworten darauf, wie, wann, warum oder wie häufig "sie" "es" vor vierhundert Jahren "gemacht" haben, um wie in einer Art Lexikon der Erotik in alten, vergilbten Ansichten zu blättern, taugen daher wenig. Wer sich aber ernsthaft und auch mit der Bereitschaft, sich unter Einsatz von etwas Zeit und Mühe darauf einzulassen, wird in den nachfolgenden Ausführungen, die in keiner Weise den Anspruch erheben wollen und können, das Thema in allen Facetten und schon gar nicht erschöpfend darzustellen, vielfache Möglichkeiten finden, die Zugänge zu dieser fremden Welt eröffnen können und interessante Vergleiche mit unserem heutigen Empfinden und Umgehen mit Erotik und Sexualität finden, bei der ein einzelner Mausklick genügt, um in die "Untiefen" der Pornographie zu kommen.

Das Eigene im Fremden erkennen

Liebe und Erotik sind in den permissiven Gesellschaften wie der unseren in einer Weise gerahmt, dass vielen Menschen, die hier leben, andere Gestaltungen des Geschlechterverhältnisses als zurückgeblieben und unakzeptabel vorkommen.

Wenn Frauen, die in den aufgeklärten Gesellschaften Europas leben, aufgrund religiöser Überzeugungen und der Normen der streng patriarchalisch ausgerichteten Kultur, der sie sich zugehörig fühlen, so kleiden, dass ihre Geschlechtsmerkmale, so gut es geht, dem männlichen Blick entzogen sind, wenn Muslima, sofern sie es überhaupt wagen, im Burkini ein öffentliches Bad betreten, muslimische Frauen Männern die Begrüßung mit Handschlag verweigern, dann geraten unsere Vorstellungen über das Recht darauf, ein selbstbestimmtes Leben führen zu können, schnell an ihre Grenzen.

Auf breite Ablehnung stoßen soziale Praktiken traditionaler, meist muslimischer Gesellschaften, bei denen die männlichen Familienmitglieder darüber wachen sollen, dass ihre weiblichen Verwandten keinen vorehelichen Geschlechtsverkehr haben oder sich gar des Ehebruchs schuldig machen. Wenn wir dann noch hören, dass in manchen dieser traditionalen Gesellschaften, in denen das islamische Recht gilt, "ehebrechende" Frauen gemäß der »Scharia auf grausame Weise hingerichtet werden, dann empfinden wir eine solche Abscheu darüber, dass wir uns nicht einmal mehr in solche Praktiken hineindenken wollen. Religiöser Fundamentalismus, wir kennen ihn meistens als Islamismus, mit dem wir die meisten dieser Erscheinungen in Verbindung bringen, ist uns heute ganz und gar fremd.

Wenn es um Fragen geht, die mit Liebe, Erotik und Sexualität verbunden sind, reagieren wir also, wenn wir auf Anderes und Fremdes treffen, das nicht zu unseren permissiven Vorstellungen in diesem Bereich passt, auf unterschiedliche Art und Weise.

Vorstellungen, in denen es oft um ein keusches Leben geht, erscheinen vielen als verklemmt und spießig und vor allem repressiv. Keuschheit ist dieser Auffassung nach stets Ausdruck einer patriarchalisch dominierten repressiven Sexualmoral. Dass vorehelicher Geschlechtsverkehr auch bis heute in modernen Gesellschaften zumindest sozial sanktioniert ist, zeigt ein Blick auf einige Staaten des mittleren Westens der USA, in denen solche puritanisch-evangelikale Traditionen, die auch andere Schamgrenzen ziehen, nahezu ungebrochen fortgeführt werden.

Literarisch hat dies schon »Nathanel Hawthorne (1804-1864) mit seinem Roman »"Der scharlachrote Buchstabe" (1850) angeklagt, der das Schicksal der Ehebrecherin Hester Prynne schildert, die, weil sie trotz ihrer öffentlichen »Anprangerung den Vater ihres unehelichen Kindes nicht nennen will, neben anderen Sanktionen dafür, dazu verurteilt ist, ein scharlachrotes "A" als Zeichen ihrer Ächtung auf der Brust zu tragen. Der Roman, dessen Geschichte etwa 200 Jahre früher im gerade erst von englischen Puritanern gegründeten Boston im 17. Jahrhundert spielt, ist zugleich ein herausragendes Beispiel dafür, wie Literatur als eine Art "Archiv" (Greiner 22014, S.21) fungieren kann, "das die Wandlungen der Gefühlskultur sammelt und aufbewahrt" (ebd.) und uns mit der gebotenen kritischen Distanz zur Fiktionalität des jeweiligen Werkes – Literatur ist schließlich keine Quelle im geschichtswissenschaftlichen Sinne –, bei der Überwindung der historischen Distanz zu einer, insbesondere auch in diesem Bereich fremden Zeit unterstützen kann.

Geht es um Sexualität und die Sexualmoral regieren wir heute, auch wenn dies nicht alle Formen von Sexualität betrifft, besonders sensibel, weil es dabei auch immer, wie Willems (2012, Bd. I, S.50) betont, um die "Vorstellung von der Selbstverwirklichung in der Liebe" geht, in die sich, unserem modernen Verständnis nach, niemand mehr, weder durch Religion oder Gesellschaft reinreden lassen will.

Wer sich mit Liebe und Erotik in der frühen Neuzeit, in der Zeit der Renaissance und des Humanismus (1300-1600) befasst, muss sich über diese Voraussetzungen eigenen Urteilens im Klaren sein. Er / sie  muss sich gerade in diesem Bereich auf eine Spurensuche einlassen, die das Fremde bis zum gewissen Grade "erfahrbar", zumindest aber nachvollziehbar werden lässt, um im besten Fall das Eigene besser zu verstehen. Dabei muss man versuchen, die historische Distanz zu überwinden und ihre Erscheinungsformen nicht mit vorschnellen Interpretationen, die aus unserem eigenen Verständnis und Umgang mit Sexualität resultieren, vorschnell zu überziehen, um das Fremde, das Irritierende und Ungewöhnliche so schnell wie möglich in die bewährten Denkmuster, mit denen wir uns in unserem Leben orientieren, einzupassen, ja in diese hineinzuplanieren.

 ▪ Annäherungen: Spuren, Zeugnisse und Zugänge zu einer fremden Welt

Sexualstrafrecht in der frühen Neuzeit
Ehebruch
Vorehelicher  und außerehelicher Geschlechtsverkehr

Vorrücken der Scham- und Peinlichkeitsschwellen
Die Entwicklung sozial konstruierter Scham in der frühen Neuzeit und im Barock

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 24.12.2023

 
 

 
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