Die
•
Literaturepoche
des • Aufklärung
(1720-1785) muss auf dem Hintergrund des
• historischen Kontextes
und der
• gesellschaftlichen, politischen und
kulturellen Rahmenbedingungen, von denen sie geprägt worden und die sie
mitgestaltet hat, betrachtet werden.
Das 18. Jahrhundert gilt
als Epochenwende und Beginn der Moderne. Das Deutsche Reich war nach dem
Dreißigjährigen Krieg stark zersplittert und die Reichsgewalt des Kaisers
hatte nur symbolische Bedeutung, während die Territorialstaaten eigenständig
herrschten.
Zeitgenossen verspotteten
die "Miniaturhöfe" und beklagten die Belastungen für die Bevölkerung, die
unter feudalen Abgaben, Willkür und oft bitterer Armut litt.
Auch in größeren Staaten
wie Preußen oder Sachsen waren die Lebensbedingungen schlecht, sodass das
Bild einer "guten alten Zeit" bröckelt. Gleichzeitig entwickelten sich
jedoch neue Kräfte: ein wohlhabendes Bürgertum, das durch Handel, Banken und
Manufakturen aufstieg. Dieses Bürgertum, noch schwach, stellte die
Vorherrschaft des Adels zunehmend infrage und beanspruchte eigene
Souveränität. Grundlage war die Aufklärung, die Vernunft, Menschenrechte,
Fortschrittsglauben und Religionskritik betonte. Sie lieferte dem Bürgertum
das ideelle Fundament für den Übergang von der feudalen zur bürgerlichen
Gesellschaft. (vgl.
Stephan 1989, S.121-122)
Zu Beginn des 18. Jahrhunderts war Deutschland ein
•
Agrarstaat und die
überwiegende Mehrheit der Menschen lebte auf dem Lande. Schätzungen
zufolge waren dies im 18. Jahrhundert bei leicht abnehmender Tendenz ca.
vier Fünftel der Gesamtbevölkerung. (vgl.
Möller 1994,
S.78) Noch 1780 waren
in Deutschland von den 10 Millionen Beschäftigten insgesamt noch mehr
als 3/5 aller Beschäftigten (65%) im Agrarsektor (Primärsektor) tätig.
(vgl.
Henning, 1973, S.20)
Im deutschsprachigen Raum
stieg die Gesamtzahl der deutschen Städte von etwa 3.500 zu Beginn der
Frühen Neuzeit (1500) auf etwa 4.000 um das Jahr 1800. Meistens handelte es
sich dabei um Städte kleinerer und mittlerer Größe.
Zu Beginn der Frühen
Neuzeit um das Jahr 1500 herum gehörten 90 Prozent aller deutschen Städte zu
den Kleinstädten unter 2.000 Einwohnern. Die restlichen 10 Prozent entfielen
auf Mittelstädte mit einer Einwohnerzahl von 2.000-10.000 Einwohnern und
Großstädte mit mehr als 10.000 Einwohnern. Auch wenn sich um 1800 sowohl die
Anzahl der Großstädte (61 gegenüber 26) als auch die der Mittelstädte (ca.
400 gegenüber knapp 200) merklich vergrößert hatte, blieben die etwa 3.000
Kleinstädte in der deutlichen Mehrheit. hatten sich die Gewichte zwischen
den Kategorien kaum verschoben. (vgl.
Rosseaux 2006,
S.20f.)
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Der • Siebenjährige Krieg (1756–1763)
prägte die Epoche der Aufklärung nachhaltig. Preußen kämpfte gegen
Österreich und Verbündete um Schlesien, während England und Frankreich
weltweit um Kolonien und Handelsvorteile stritten. Viele deutsche Fürsten
verkauften zwangsrekrutierte Soldaten ins Ausland. Der Krieg wurde als
Weltkrieg wahrgenommen, da er Schlachten in Europa, Nordamerika, der
Karibik, Afrika und Asien umfasste.
Die Folgen waren verheerend: Preußen verlor 180.000 Mann, Dresden und Berlin
wurden zerstört, und vor allem die Zivilbevölkerung litt unter Hunger,
Preisexplosionen und wirtschaftlichem Ruin. In Brandenburg-Preußen starben
etwa 500.000 Menschen. Die Nachkriegsjahre brachten Elend und
Versorgungskrisen, die zu Hungerrevolten führten – Vorboten der
Französischen Revolution.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
21.08.2025