In Deutschland war in diese die Theaterlandschaft iim
Wesentlichen zweigeteilt, so auch in der Zeit der
•
Aufklärung
(1720-1785) als •
Literaturepoche.
Auf der einen Seite gab es etliche •
Hoftheater in den
Residenzen absolutistischer Fürsten und Fürstinnen sowie
einzelnen Städten und seit Ende des 17. Jahrhunderts auch
etliche •
Opernhäuser, dazu noch •
höfische
Feste, die das gesamte Leben bei Hofe für eine gewisse Zeit
theatralisierten. Diese Formen des Theaters standen vor allem im
Zeichen der Repräsentation von Macht im •
höfischen Absolutismus dieser Zeit.
Auf
der anderen Seite gab es eine bunte Vielfalt umherziehender
Theaterkompanien professioneller Schauspieler, die auf ihren •
Wanderbühnen dem breiten Publikum allerlei
Theaterspektakel zur Unterhaltung boten. Das in der frühen
Neuzeit im 16. und 17. Jahrhundert noch angesehene
Jesuitentheater und das
protestantische
Schultheater spielten nur noch eine Nebenrolle.
Die legendären
barocken •
höfischen Feste, die man Ende des 17. Jahrhunderts •
am Hof Ludwigs XIV.( 1638-1715) im »Schloss
Versailles und •
am habsburgischen Kaiserhof in Wien veranstaltet hatte,
lagen zwar schon einige Jahrzehnte zurück, die davon nachhaltig
geprägte höfische Festkultur blieb aber erhalten. Diese stand
weiterhin vor allem im Dienst der politischen
Repräsentationsinteressen der absolutistischen Könige und
Fürsten, die die sie als Teil ihrer als eine Art • "Gesamtkunstwerk"
fungierenden prachtvollen •
Hoffeste
inszenierten. Dabei bevorzugten sie vor allem die »italienische
Oper und das Ballett, deren Personal oft mythologische
Konnotationen erlaubte, die sich auf Mitglieder des Hofes bzw.
europäischer Herrscherhäuser beziehen ließen und mit "ihren
variablen, aktuellen Ereignissen beliebig anzupassenden Fabeln
für die Repräsentation eines politischen Anspruchs in besonderer
Weise geeignet" (Fischer-Lichte
1993, S.55) waren.
Das •
Jesuitentheater,
das katholische, lateinischsprachige Barockdrama des
Ordens der »Jesuiten,
das im 16. und 17. Jahrhundert an jesuitischen Schulen
gepflegt wurde, existierte zwar bis zur »Aufhebung
des Ordens durch Papst »Clemens
XIV. (1705-1774) im Jahr 1773, hatte aber seine Blütezeit,
die in der Zeit zwischen 1550 und 1650 war, längst hinter sich.
Die »gegenreformatorische
Missionierungskampagnen waren abgeebbt und das •
pädagogische Konzept des Jesuitentheaters im Zuge der
heraufziehenden Aufklärung ins Abseits geraten. Die •
aufwändige Bühnentechnik mit ihrer großen Zahl von
Spezialeffekten, die sie bei ihren auf der Schulbühne inszenierten »gegenreformatorischen
Missionierungskampagnen einsetzten, hat die Technik der »Bühnenmaschinerie,
die alle später dauerhaft errichteten Theater- und
Musiktheaterspielstätten ausgebaut haben, aber nachhaltig
beeinflusst.
Vergleichbare
religionspolitische Ziele wie das •
Ordensdrama der Jesuiten verfolgte auch das •
protestantische
Schultheater. Wie das Ordensdrama bemühte es sich
ebenfalls darum, "eine
moralisch-religiöse bzw. die göttliche Ordnung zu
repräsentieren." (ebd.) Allerdings standen hier im Gegensatz zum Jesuitendrama
deutschsprachige Stücke auf dem Spielplan der nach italienischem
Vorbild eingerichteten »Kulissenbühnen.
Hier spielte man neben anderen Autoren die »Trauer-
und Lustspiele von »Andreas
Gryphius (1616-1664).
Die •
Wanderbühnen, deren "Wandertruppen" seit dem 17.
Jahrhundert aus Italien, England, Frankreich und den
Niederlanden kommend überall in Europa unterwegs waren, nutzten
zwar im Wesentlichen die gleichen Mittel für ihre Aufführungen,
hatten aber anders als das
höfische Theater,
das Jesuitendrama und das
protestantische
Schultheater keine dezidierten politisch-ideologischen Ziele
wie diese. Sie befriedigten als kommerzielle Unternehmen mit
ihren Darbietungen, die sie bei Hofe und in der Stadt als Ware
anboten, offenbar über viele Jahrzehnte vorhandene Bedürfnisse
ihres Publikums und konnten aber nur zum Teil davon ganz gut
leben. (vgl.
ebd., S.61)
Das, was die
Wandertheater unter dem Beifall ihres Publikums allerorten zum
Besten gaben, erregte allerdings den Unmut etlicher
Intellektueller im Land, die befürchteten, die Possen, Zoten und
Anzüglichkeiten, die dabei zur Schau gestellt würden, würden zu
einem Verfall der Sitten beitragen. Zudem wünschten sie sich ein
anspruchsvolleres Theater und Theaterspiel, das sich an den
französischen Vorbildern der Zeit orientierte. Nur so, so
meinten sie, käme das Theater auf die Höhe der Zeit mit ihrer
Betonung von Vernunft und bürgerlicher Moral.
So leitete in
dieser Zeit »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766) mit seiner
Literaturreform eine beispiellose
Wende in der deutschen Theatergeschichte ein, die man als die •
Literarisierung des
Theaters bezeichnen kann. Sie basierte auf der
aufklärerischen Vorstellung, dass das Theater eine Institution
werden sollte, "von der aus »moralische Lehrsätze ... seinen
Zuschauern auf sinnliche Art eingeprägt« werden sollten." (Brauneck
2012, S.199)
In der Blütezeit der
• deutschen Komödie der Aufklärung Gottschedscher Prägung zwischen
1740 und 1760 bestimmte sie mit ihrer •
moralischen und
didaktischen Ausrichtung, ihrer Vernunftorientierung, ihrer
plausiblen Handlungsführung, ihren bestimmten Regel folgenden
Strukturen, mit ihrer •
Tendenz zur Typen- statt
der Charakterkomödie, ihrer •
Ablehnung des "Hanswurst" und
des derben Humors, ihrer •
Fokussierung auf die bürgerlichen Lebenswelt
bei Beachtung
der sog. Ständeklausel und ihrer Art,
•
Konflikte durch rationale Einsicht und vernünftiges Handeln zu
lösen, die Komödienproduktion der Zeit.
Statt tiefgründiger, individueller Charaktere präsentierte
die Komödie der Aufklärung oft Typen (z.B.
der geizige Bürger, der prahlerische Soldat, der
verschwenderische Edelmann). Diese Typen verkörperten bestimmte
Laster oder Tugenden und dienten als Beispiele, von denen man
lernen sollte. Psychologische Tiefe war weniger wichtig als die
exemplarische Darstellung.
Auch wenn die
Orientierung insbesondere am klassizistischen französischen
Drama zu einer spürbaren Verbesserung des Niveaus der fortan
produzierten Komödien führte, fühlten sich schon bald etliche
namhafte Dichter, darunter vor allem »Gotthold
Ephraim Lessing (1729-1781), von der "starre(n)
Regeldogmatik Gottscheds und seiner Freunde" (Stephan
1992, S.135) in ihrer Gestaltungsfreiheit eingeengt, so dass
die vom Ehepaar Gottsched geprägte aufklärerische Komödie in
Deutschland vergleichsweise schnell ihren herausragenden Platz
und ihre literarische Bedeutung verlor. (vgl.
Steinmetz 1996a, S.1)
Gottscheds Reform zielte explizit darauf ab, die
derbe
Stegreifkomödie der Wanderbühnen, insbesondere die Figur des
"Hanswurst", zu eliminieren. Stattdessen wurde ein
geistreicherer, verstandesbetonter Humor angestrebt, der auf
Dialogwitz, Situationskomik und der Überführung von Lastern
basierte, nicht auf bloßen Zoten oder Slapstick.
Die Komödien spielten zunehmend
im bürgerlichen Milieu.
Während Tragödien den Adel vorbehalten waren (Ständeklausel),
bot die Komödie dem Bürgertum eine Bühne. Sie thematisierte ihre
Probleme, Erfolge und Werte. Die Sprache war gehobener und
geordneter als zuvor, aber dennoch verständlich und oft in Prosa
oder gereimten
Alexandrinern verfasst.
Die
Lösungen für die in den Stücken dargestellten Konflikte
wurden in diesen Komödien selten durch dramatische Zuspitzungen,
sondern eher durch vernünftige Argumente, Überzeugungen oder die
Einsicht der Figuren gelöst. Am Ende stand oft eine moralische
Läuterung oder eine harmonische Versöhnung, die den
triumphierenden Verstand feierte.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
04.09.2025