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Nun schleichet dein Schätzchen mit
wankendem Schritte, |
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Nun schleicht sie zu Bette, mißt sie
die Tritte. |
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O welche Veränderung droht ihr der Ort! |
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Auf! Künftiger Ehemann, und mache dich
fort |
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Und laß sie nicht etwan im Kranze
zurücke! |
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Sie zittert, sie bebet, verkleinert die
Blicke |
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Vor Warten der Dinge, die jetzo
geschehn. |
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Sie grämt sich zu fühlen und scheut
sich zu sehn, |
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Verhüllet den Wohlstand der züchtigen
Röte; |
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Und bin ich im Lieben kein fremder
Poete, |
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So mein ich, es lock ihr der nahe
Verlust |
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Die frühe Bereuung aus Augen und Brust. |
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Verfolge sie kühnlich und laß dich
nicht irren, |
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Betäub ihr die Seufzer durch Küssen und
Kirren, |
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Verschluck ihr den Kummer, verzehr ihr
die Pein |
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Und sauge die Tränen der Jungfrauschaft
ein! |
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Empfängt nun der Brautpfiehl die
reizenden Glieder |
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Und zieht dich ihr artiges Lager
darnieder, |
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So bist du vergnügter und glücklicher
dran, |
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Als böte dir Mogol sein Kronengold an. |
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Ich wenigstens wäre noch besser
zufrieden, |
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Als wenn mir gleich Anna drei Reiche
beschieden. |
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Hier mache das Vorspiel, hier spitze de
Hand |
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Und bringe das Hauptwerk der Wollust
instand. |
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Erhitze die Adern durch sanftes Bewegen |
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Und klatsch ihr die Backen mit
freundlichen Schlägen |
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Und küß ohr die Augen und netz ihr das
Kinn. |
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Bald grüble von weiten, bald wälze dich
hin. |
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Bald strecke den Vorwitz der listigen
Finger, |
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Bald kneipe die runden und wallenden
Dinger |
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Und küsse nach vieler Erfindung und Art |
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Und forsche, was Amor am tiefsten
verwahrt. |
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Besinn ich mich richtig, so wird sie
dich strafen, |
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So dichtet sie anfangs ein nötiges
Schlafen, |
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So nennt sie dich lose, so zückt sie
und rückt, |
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So weit sich’s im Bette der Breite nach
schickt. |
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Sie droht dir und droht nur, sie will
sich erbosen, |
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Sie stemmt sich, den Angriff zurück zu
stoßen: |
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Sie wehrt sich mit Tränen, sie krümmt
sich und spricht |
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Und weinet darzwischen: Ach, tu es doch
nicht! |
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Doch tu es nur immer und halt ihr die
Armen, |
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Denn hierher gehört nicht des Nächsten
Erbarmen, |
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Sie streitet, du streitest, ihr
streitet zugleich; |
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Durch Streiten und Kämpfen mehrt Venus
ihr Reich, |
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Durch Streiten und Kämpfen wächst
Kyprigors Stärke. |
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Die Stunden verfließen, drum schreite
zum Werke |
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Und brauche, sobald du den Vorteil
erlernst, |
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Den lieblichen Notzwang, den
scherzenden Ernst. |
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Erhasche den weichen und fliehenden
Nacken, |
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Es mag auch sein Widerstand noch so
sehr knacken, |
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Und prüfe die Schönheit der ganzen
Person; |
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Ein Diener der Liebe besichtigt den
Lohn, |
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Bald senke dich unten, bald breite dich
oben, |
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Verwechsle die Glieder, versuche die
Proben, |
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Sei immer geschäftig und überall da |
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Und bring es dem ehrlichen Kinde so
nah, |
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Bis hinten am Rücken und vornen am
Leibe |
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Kein einziges Fleckchen entschuldigt
bleibe. |
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Vom Nacken zum Halse, vom Halse zur
Brust, |
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Ich darf es nicht nennen, du wirst es
wohl finden. |
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Hierunter hat Venus ein Wunder versenkt |
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Und Flammen und Funken zusammen
vermengt. |