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teachSam-YouTubePlaylist Barockdrama und
Barocktheater
Das Drama und die Theaterformen in der • Literaturepoche des •
Barock (1600-1720) lassen sich kaum von früheren Vorbildern her betrachten und haben
solche auch nicht wirklich weiterentwickelt. (vgl.
Niefanger
2000/32012, S.151)
Und doch sind sie natürlich auch nicht aus dem Nichts entstanden,
sondern gehen in Teilen auf verschiedene internationale
Einflüsse zurück. In der •
Bühnentechnik knüpfte das Theater des Barocks an die Renaissance
an.
Das Barockdrama und Barocktheater in Deutschland empfingen ihre
wesentlichen Impulse aus der Konkurrenz unterschiedlicher
Religionen, Finanziers, •
Wanderbühnen sowie
schulischem Theaterspiels,
bildeten aber zunächst die konfessionelle Bühne des Ordensdramas heraus. (vgl.
ebd.)
Die ersten Bühnen, auf denen in dieser Zeit Theaterstücke gespielt wurden, sind
nur für eine gewisse Zeit errichtet worden. Dauerhafte Spielstätten
entstanden im deutschsprachigen Raum im Allgemeinen erst im 17.
Jahrhundert. Die Bühnen des •
Jesuitentheaters , des •
protestantischen
Schultheaters, der •
Wanderbühnen
•
oder des • Laientheaters mit seinen Possen,
• Fastnachts- und
• Passionsspielen
wurden für die zeitlich begrenzten Aufführungen eigens
zusammengezimmert und danach wieder abgebaut.
Im 17. Jahrhundert entstanden, nachdem die ersten dauerhaften
Theaterbauten in Italien schon Ende des 16. Jahrhunderts in »Vicenca
(»Theatro
Olimpico)
und in »Parma
(»Teatro
Farnese) errichtet worden waren, an vielen Orten Europas neue
Theater. (vgl.
Fischer-Lichte
1993/21999, S.45 )

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Im deutschsprachigen Raum wurden dazu auch
Ball- und Fechthäuser
ganz oder tageweise zu Theaterspielstätten umfunktioniert.
So
wurde in Nürnberg 1627 das
unüberdachte »Fechthaus
errichtet, das einen Hof von etwa 20 × 25 Metern mit zwei bzw.
dreigeschossigen hölzernen Galerien auf steinernen Grundmauern
umschloss. In dessen Inneren fanden unterschiedliche Arten von
Veranstaltungen statt. Bei den darin stattfindenden
Schaufechtkämpfen kam es immer
wieder zu schweren Verletzungen und vereinzelt auch zu Todesopfern.
Aus diesem Grund wurden sie Anfang des 17. Jahrhunderts vom
Magistrat verboten.
Ähnlich einem »römischen
Amphitheater veranstaltete die »Fleischerzunft
darin Ochsen- und Bärenhatzen
(»Bear-
an Bullbaiting). Dabei wurden Ochsen oder Bären, die an Ketten
angebunden waren, von Hunden auf grausame Weise zu Tode gehetzt. Da
es bei diesen Veranstaltungen oftmals hoch herging und es immer
wieder zu Ausschreitungen kam, verbot der städtische Rat dieses
barbarische Treiben im Jahr 1759.
Wenn
das Fechthaus nicht als »Hetztheater
genutzt wurde, fanden darin allerlei andere
Veranstaltungen statt, darunter auch Theateraufführungen, für die eigens
eine Bretterbühne errichtet wurde, auf der auch •
englische Komödianten und
andere von Stadt zu Stadt ziehende •
Theaterkompanien
gastierten. Während der Theatervorstellungen nahmen die
wohlhabenderen Zuschauer*innen auf den Galerien und in den »Logen
Platz, während das einfache Volk sich im Hof versammelte. Als erstes
kommunales Theatergebäude auf dem Gebiet des »Alten
Reiches (HRR) verwirklichte das Nürnberger Fechthaus damit eine frühe Form des
Rang- und »Logentheaters.
Anfang des 17. Jahrhunderts wurden die Schaukämpfe der Fechter, bei
denen es immer wieder zu schweren Verletzungen und vereinzelt auch
zu Todesopfern gekommen war, vom Magistrat verboten.
Das Fechthaus war eine Open-air-Spielstätte ohne Dach. Daher erwuchs
ihm Konkurrenz ab 1668 durch das in Nürnberg eröffnete
Nachtkomödienhaus, das jahres- und tageszeitlich unabhängig bespielt
werden konnte. Dennoch kamen die Bürgerinnen und Bürger offenbar
immer wieder gern in den mehr und mehr baufällig werdenden
Spieltort, wo 1766 die letzte Theateraufführung stattfand.
An anderen Orten wurden auch ganz neue Theaterbauten errichtet, wie
z. B. das »Ottoneum
in Kassel (1603-1606). Für das •
Musiktheater
entstanden Opernhäuser in »Dresden
(1664-67), »Wien
(1666-68), »Hamburg
(1677-78), »Hannover
(1687-89), »Wolfenbüttel
(1688) und
»Leipzig
(1693) sowie das Kleine Komödienhaus in Dresden (1697). (vgl. Fischer-Lichte
1993/21999, S.45)
Es ist vor allem der
Topos vom »Theatrum
mundi, dem großen Welttheater, der als
Metapher für die
Eitelkeit und Nichtigkeit der Welt verdeutlicht, wie Theater und
Welt in dieser Zeit aufeinander zu beziehen sind, nämlich als
"Theatralisierung des Lebens und in der Ausweitung des Theaters
unter universalem Aspekt" (Fischer-Lichte
1993/21999, S.40)
Unter dem Blickwinkel dieses Topos sind das Theater, die Welt bzw.
das menschliche Leben vergänglich und zeigen sich in ihrer
gemeinsamen Scheinhaftigkeit. Daher wird auch das vergängliche Leben
an sich zum Schauspiel und die Welt zur Bühne, auf der es gelebt
wird. Aus diesem Grunde ist das Theater auch "imstande, als
perfekte Repräsentation der Welt zu fungieren." (ebd.,
S.42)
Europaweit wurde der Topos vom »Theatrum
mundi zur Grundlage des öffentlichen gesellschaftlichen Lebens der adeligen Gesellschaft an den
Höfen, deren Leben, ob mit dem »spanischen
Hofzeremoniell oder dem französischen »Lever,
"wie eine Theateraufführung inszeniert (wurde)." (ebd.)
In der • barocken höfischen
Festkultur, vor allem den Events der
•
höfischen Festspiele
bzw. Hoffeste, wurde der Topos bis ins letzte Detail umgesetzt
und kultiviert, da die höfische Gesellschaft, wie
Fischer-Lichte (ebd., S.40f.) betont, erst im Fest "ihre
gültigste Form (erreicht)."
Neben dem • höfischen Festspiel
kann man nach
Niefanger
2000/32012,
S.151) noch die folgenden wichtigen Formen des Theaters im Barock
unterscheiden, die wir hier in leicht veränderter Form aufgreifen.
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Barocktheater
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
08.08.2025
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