•
Die Literaturreform von Martin Opitz
▪
Überblick
▪
Kurzbiografie
▪
Martin Opitz - ein
Gelehrtendichter mit sozialen Aufstiegsambitionen
▪
Kunstdichtung, neulateinische
Dichtung und Popularliteratur
▪
Grundmomente des Reformprogramms
▪ Die metrische Reform
Das protestantische Schultheater gehört zu den wichtigsten •
Theaterformen in der •
Literaturepoche des •
Barock (1600-1720) (vgl.
Niefanger
2000/32012, S.151)
Es ist in gewisser Weise das konfessionelle Pendant der Protestanten
gegen das • Ordensdrama der
Jesuiten und Benediktiner.
Beide verfolgten vergleichbare
religionspolitische Ziele.
Wie das Ordensdrama bemühte es sich ebenfalls darum, "eine
moralisch-religiöse bzw. die göttliche Ordnung zu
repräsentieren." (Fischer-Lichte
1993, S.55)
Allerdings standen hier im Gegensatz zum Ordensdrama
deutschsprachige Stücke, darunter auch •
Lustspiele, auf dem Spielplan der nach italienischem
Vorbild eingerichteten »Kulissenbühnen.
Auf diesen spielte man neben anderen Autoren die »Trauer-
und Lustspiele von »Andreas
Gryphius (1616-1664). Dabei nutze das protestantische
Schultheater alles, was der aufwändige Apparat des
Barocktheaters bot, "um dem Zuschauer die »Vergänglichkeit
menschlicher Sachen« nachdrücklich und effektvoll vor Augen zu
führen und ihn im komischen Theater gegen die Scheinhaftigkeit
alles Irdische, insbesondere des gesellschaftlichen Lebens, zu
immunisieren." (ebd.)
Zunächst
auf den protestantischen Schulbühnen, allen voran in Schlesien,
kamen deutschsprachige Tragödien (Schlesisches Trauerspiel) zur
Aufführung, die sich an die Regeln der von •
Martin Opitz (1597-1639),
einem der bedeutendsten Dichter und humanistischen Theoretiker des
Barock eingeleiteten •
Sprach- und Literaturreform hielten.
Von der Literaturgeschichtsschreibung
werden unter dem Begriff
»Schlesische
Dichterschule
dabei die Autoren zusammenfasst, die in seiner
stilistischen Nachfolge
stehen.
Opitz gilt als wichtigster Vertreter der neuen •
Kunstdichtung, mit
der vorwiegend protestantische Humanisten auf der Grundlage einer Sprach-
und Literaturreform in klarer Abgrenzung z. B. zum ▪
Meistergesang u. ä. in der frühen Neuzeit
"die deutsche Sprache im humanistische(n) Sinne
literaturtauglich" (Meid
2008, S.5) machen wollten.
In seinem »Buch
von der Deutschen Poeterey
von 1624 hat »Martin
Opitz (1597-1639) seine Regeln als •
Grundmomente seines Reformprogramms festgehalten.
Erklärtes
Ziel von Martin
Opitz (1597-1639)
war es, "die deutsche Sprache im humanistische(n) Sinne
literaturtauglich" (Meid
2008, S.5)
zu machen.
Die schlesischen Trauerspiele orientierten sich dabei an dem Muster
das »Martin
Opitz (1597-1639) mit seiner Übertragung der römischen Tragödie
Die Troerinnen von
Seneca (etwa 1 bis 65 n. Chr.) (Trojanerinnen, 1625)
vorlegte.
Zu den wichtigsten Autoren zählten »Andreas
Gryphius (1616-1664), der eine ganze Reihe verschiedener »Trauer-
und Lustspiele verfasste, und »Daniel
Caspar von Lohenstein (1635-1683), der ebenfalls »etliche
Trauerspiele geschrieben hat.
Wie im • Jesuitentheater
standen auch im protestantischen Schultheater die •
Märtyrertragödien besonders hoch im Kurs, zu denen auch etliche
Stücke von »Andreas
Gryphius (1616-1664) zählten. Die antagonistische
Figurenkonstellation dieser Stücke, der sich im Gegensatz von Tyrann
und Märtyrer ausdrückt, bringt am Beispiel des passiv erleidenden
Märtyrers dessen Beständigkeit (constantia)
zur Darstellung, die sich letzten Endes mächtiger als die
Hartnäckigkeit (pertinacia) des Tyrannen erweist. (vgl.
Niefanger
2000/32012, S.170)
Die schlesischen Trauerspiele weisen fünf Akte auf und sind im
Allgemeinen in
Alexandrinerversen verfasst. Das Personal der Stücke sind meist
Personen höheren Standes, die auch einen gehobenen Stil sprechen (genus
grande = hoher, erhabener Stil), der dazu dient, starke Affekte
auszulösen. Die Stücke halten sich im Großen und Ganzen an die
Einheit der Zeit und gestalten damit einen linearen zeitlichen
Handlungsverlauf, wobei es aber hier durchaus Ausnahmen gibt. Der
Dramentext enthält neben Widmungen und Vorreden oft eine
Inhaltsangabe und einen Teil mit Anmerkungen, der ergänzende
Informationen zum Haupttext liefert, aber auch die Historie des
jeweiligen Dramenstoffes kommentiert. (vgl.
Niefanger
2000/32012, S.167)
Bei seinen Aufführungen nutzte das protestantische Schultheater
alles, was der aufwändige Apparat des Barocktheaters bot, "um dem
Zuschauer die »Vergänglichkeit menschlicher Sachen« nachdrücklich
und effektvoll vor Augen zu führen und ihn im komischen Theater
gegen die Scheinhaftigkeit alles Irdische, insbesondere des
gesellschaftlichen Lebens, zu immunisieren." (Fischer-Lichte
1993, S.59)
Zu den wichtigsten Autoren zählten »Andreas
Gryphius (1616-1664), der eine ganze Reihe verschiedener »Trauer-
und Lustspiele verfasste, und »Daniel
Caspar von Lohenstein (1635-1683), der ebenfalls »etliche
Trauerspiele geschrieben hat.
Wie das katholische Ordensdrama an den Jesuitenkollegien verfolgte
das protestantische Schultheater auch didaktische und pädagogische
Ziele. Die Schüler sollten damit ihr Gedächtnis schulen, ihre
rhetorischen Fähigkeiten entwickeln und auch "die Wirksamkeit ihres
eigenen Auftretens verbessern." (vgl.
Niefanger
2000/32012, S.167) Ihre öffentlichen Aufführungen
waren Teil einer Marketingstrategie, mit dem die Schulen adligen
oder bürgerlichen Mäzenen ihre Referenz erwiesen und zugleich
versuchten, neue Schüler aus der aristokratischen Oberschicht zu
gewinnen.
Neben den schlesischen Schauspielformen brachte das protestantische
Schultheater aber auch "eine spezifische Form des Prosaschauspiels
(Meid 2009, 374.397)" auf die Bühne, "das sich zwar zum Teil an die
Vorgaben von Opitz hielt, die gebundene Sprache aber als der Mimesis
nachträglich ansah." (Niefanger
2000/32012, S.180)
Der Typus der protestantischen Prosaschauspiele ist vor allem mit
dem Werk von »Christian
Weise (1642-1708) verbunden. Dessen im Allgemeinen ebenfalls
fünftaktigen »Stücke
– er hat ca. 60, meist •
Lustspiele verfasst – weichen von den in
Opitzscher Manier gestalteten Dramen der Zeit in zwei zentralen
Punkten. ab: Zum einen sind seine Dramen statt in Versform, wie von
der Gattungspoetik der Opitz'schen • "Kunstdichtung"
gefordert, in Prosa verfasst. Zum anderen treten nicht nur sehr
viele, sondern vor allem auch komische Figuren auf. Allerdings
dürfte die Tendenz zu einem beträchtlich aufgeblähten Figurenarsenal
mit mitunter über 100 Mitspielern auch daran gelegen haben, dass es
ihm darauf ankam, in seinem Schultheater möglichst viele Schüler am
Spiel zu beteiligen. (vgl.
Niefanger
2000/32012, S.182)
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
02.08.2025