Oper und • Singspiel gehören zu den wichtigsten •
Theaterformen in der •
Literaturepoche des •
Barock (1600-1720) (vgl.
Niefanger
2000/32012, S.151) Sie gehören, wenn man den Einsatz
von musikalischen Elementen beim Theaterspiel als Kriterium der
Gruppenbildung zugrunde legt, zu einem umfassenderen "Feld des
Musiktheaters [....] das sowohl die Oper im engeren Sinne,
unterschiedliche Formen des »Singspiels
»Operetten, »Serenaden,
musikalische »Prologe,
»Oratorien und
»Ballette umfasst". (ebd.,
S.189)
Ein Singspiel zu sein,
konnten eigentlich alle Formen des Theaters beanspruchen, die Musik,
Text und szenische Darbietungen miteinander verbanden. Insofern waren
bereits die geistlichen Spiele im Mittelalter Singspiele, aber auch die
Aufführungen der Schultheater der Jesuiten und Protestanten oder auch
derbe und komische Dramen, die Musikeinlagen besaßen. (vgl.
Krämer 2007,
S.438)
In der
Gattungsgeschichte kommt es eigentlich erst im 18. Jahrhundert zu einer
klaren Abgrenzung der fremdsprachigen höfischen Oper und dem
volkssprachlichen Singspiel, zumal sich z. B. auch die
Gesangspossen der • englischen
Komödianten oder der zahlreichen »Hans-Wurst-Tiaden,
die auf Wanderbühnen vorgetragen wurden, von den mit großem Pomp
inszenierten italienischen Opern an den Höfen deutlich unterschied.
Im Singspiel wird die »Opernarie
durch ein Lied ersetzt und das »Rezitativ,
der dem Sprechen angenäherte Gesang, durch das gesprochene Wort.
Einfachere Singspiele, in die bekannte Lieder eingelegt waren, wie bei
dem durch Gesang und Instrumentalbegleitung charakterisierten
französischen »Vaudeville,
nannte man oft Liederspiele.
Singspiele waren der Kirche, den Universitäten und namhaften Vertretern
der deutschen ▪
Aufklärung (1720-1785)
wie »Johann
Christoph Gottsched (1700-1766) ein Dorn im
Auge. Dennoch blieben sie lange äußerst erfolgreich, wurden mit
ihren überwiegend komischen Stoffen auch gerne in kleineren und größeren
Hoftheatern aufgeführt.
Als erstes Werk der Gattung Oper gilt »La
Dafne von »Jacopo
Peri (1561-1633) (Uraufführung 1598) mit einem Text von
»Ottavio Rinuccini (1563-1623), von der nur einzelne Fragmente
erhalten geblieben sind. Weitere bedeutende Werke aus der
Anfangszeit sind Peris »Euridice
(1600) als älteste erhaltene Oper, und Il Rapimento di Cefalo (1602)
von »Giulio Caccini
(1551-1616). Stoffe dieser frühen Opern entnahm man der »
Schäferdichtung und vor allem der
»griechischen Mythologie. Wunder, Zauber und Überraschungen,
dargestellt durch aufwändige
»Bühnenmaschinerie, wurden zu beliebten Bestandteilen.
Im 17. Jahrhundert entstanden, nachdem die ersten dauerhaften
Theaterbauten in Italien schon Ende des 16. Jahrhunderts in »Vicenca
(»Theatro
Olimpico)
und in »Parma
(»Teatro
Farnese) errichtet worden waren, an vielen Orten Europas neue
Theater.
Im deutschsprachigen Raum wurden dazu auch • Ball- und Fechthäuser
ganz oder tageweise zu Theaterspielstätten umfunktioniert.
An anderen Orten wurden auch ganz neue Theaterbauten errichtet, wie
z. B. das »Ottoneum
in Kassel (1603-1606). Für das •
Musiktheater
entstanden Opernhäuser in »Dresden
(1664-67), »Wien
(1666-68), •
Hamburg
(1677-78), »Hannover
(1687-89), »Wolfenbüttel
(1688) und
»Leipzig
(1693) sowie das Kleine Komödienhaus in Dresden (1697). (vgl. Fischer-Lichte
1993/21999, S.45)
Dort, wo die Opern im Umfeld von fürstlichen Residenzen errichtet
wurden, standen sie vor allem im Dienst der politischen
Repräsentationsinteressen der absolutistischen Könige und Fürsten,
die die sie als Teil ihrer als eine Art • "Gesamtkunstwerk"
fungierenden prachtvollen •
Hoffeste inszenierten.
Dabei bevorzugten sie vor allem die »italienische
Oper und das Ballett, deren Personal oft mythologische
Konnotationen erlaubte, die sich auf Mitglieder des Hofes bzw.
europäischer Herrscherhäuser beziehen ließen und mit "ihren
variablen, aktuellen Ereignissen beliebig anzupassenden Fabeln
für die Repräsentation eines politischen Anspruchs in besonderer
Weise geeignet" (ebd., S.55) waren.
In einer Zeit, in der die Opern mit dazu errichteten Opernhäusern
noch weitgehend Teil der Repräsentationskultur des höfischen
Absolutismus waren, wurde in Hamburg, um 1700 mit 70.000 Einwohnern die
zweitgrößte Stadt im •
Alten Reich, im Jahr 1677 das erste bürgerliche Opernhaus der
Barockzeit als öffentliches und kommerzielles Theaterhaus errichtet: Das
»Theater
am Gänsemarkt, die "Gänseoper", die von 1678 bis 1738 sechzig
Jahre lang genutzt wurde, wurde ursprünglich "Hamburger Theatro",
"Hamburgischer Schau-Platz" oder auch als "Die Opera“ bezeichnet. Sie
war unter verschiedenen Aspekten einzigartig im deutschen Sprachraum.

Die
Ausmaße des von außen wie ein schlichter hölzerner Fachwerkbau wirkenden
Theaters waren gewaltig. Innen aber zeigte es sich auf der Höhe der
zeitgenössischen Bühnentechnik. Es gab darin ein dreiteilige,
außerordentlich tiefe »Kulissenbühne
mit 15 »Kulissenpaaren,
die schnelle Verwandlungen auf der Bühne ermöglichten. Und auch sonst
konnte man bei den Aufführungen auf eine »Bühnenmaschinerie
zurückgreifen, die so gut wie alles bot, was in dieser Zeit möglich war.
Im Zuschauerraum fanden etwa 2.000 Besucher Platz, die gewöhnlich an
drei Tagen in der Woche den Aufführungen beiwohnen konnten. Im
Durchschnitt kamen aber nur ca. 400 Zuschauer*innen in eine Aufführung
(1695, 1705) (vgl.
Wikipedia), offenbar aber genügend, dass der Spielbetrieb bis 1738
aufrecht erhalten werden konnte.

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Während an den großen absolutistischen Höfen Frankreichs, Dresdens
oder Wiens Opern im Rahmen höfischer Feste immer wieder vor
Tausenden von Zuschauern inszeniert wurden, suchten auch kleinere
Fürsten diesen Beispielen zu folgen. So gehörten Opern und Singspiele auch zu den wichtigsten "Events" der
▪
höfischen
Festkultur
Carl Eugens von Württemberg.
In »Bayreuth,
wo der 20-jährige ▪
Carl
Eugen (1728-1798) ▪
1748 die 16-jährige Nichte
des preußischen Königs
»Friedrich
II.(1712-1786), »Elisabeth Friederike von
Brandenburg-Ansbach (1732-1780) heiratete, wurd in dem eigens zur
Hochzeit vollendeten prunkvollen ▪
markgräflichen Opernhaus der vergleichsweise kleinen
Residenz eine von der Mutter Friederikes, der Markgräfin
»Friederike Sophie Wilhelmine von Preußen (1709-1758), selbst inszenierte
italienische Oper aufgeführt, die den Bräutigam begeistert. (vgl.
Walter 1987, S. 113)
Herzog ▪
Carl Eugen
(1728-1798)
1758 den schon von seinem Vorgänger ohne Logen begonnenen Theaterbau
fertig stellen und mit dem notwendigen Inventar und
der Bühnentechnik ausstatten. (vgl.
Merten 2004, S. 72f.)
Als Herzog Carl Eugen nach der Verlegung seiner Residenz von Stuttgart
nach Ludwigsburg im Herbst 1764 das Hoftheater im Ludwigsburger Schloss fertig stellen
ließ, war es aber für die Repräsentationsbedürfnisse des Fürsten und die
Inszenierung großer Opern- und Ballettaufführungen längst schon zu klein.

Daher ließ der Herzog im Winter 1764/65 östlich des Alten
Corps de logis ein •
Opernhaus zimmern, das zu den größten in ganz Europa
zählte. Der "in höchster Eile" errichtete "windige und zugleich
utopisch-phantastisch gestaltete Bau, in dem ganze Regimenter als
Statisten auftreten konnten" (Rainer
1979, S.141), konnte jedenfalls mit anderen vergleichbaren
Gebäuden ohne weiteres konkurrieren.
m Opernhaus fanden
1.000 Personen Platz, die als Besucher kostenlosen
Zutritt hatten. Allerdings handelte es sich auch um einen ausgesuchten
Personenkreis: Bürger, Bauern und einfaches Volk blieben selbstverständlich
außen vor. (vgl.
Alt Bd. I, 2004, S.49f)
1768 wird die Bühne durch einen Anbau um 25 Meter verlängert, so dass an den
Zuschauern, wie Christian
Belschner (1904) sagt, halbe
Regimenter zu Pferde vorbeidefilieren konnten (vgl.
Kotzurek 2004, S.133) Die von Marmorsälen beherrschte Inneneinrichtung,
darunter ein Foyer, das an den Wänden
vollständig mit Spiegelgläsern versehen ist und pro Aufführung mit 2000
Kerzen und unzähligen Öllampen illuminiert wurde, machte den Theaterbesuch für
die Zuschauer zu einem festlichen Ereignis (vgl.
Alt Bd. I, 2004, S. 46, 49).
Gert Egle, zuletzt bearbeitet am:
02.08.2025
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