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Lustspiel

Die Lustspiele von Andreas Gryphius

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»Andreas Gryphius (1616-1664) hat verschiedene barocke • Lustspiele verfasst, die verschiedenen • Gattungstypen der Barockkomödie zugeordnet werden können.

Absurda Comica oder Herr Peter Squenz (1658)

Das unregelmäßig gebaute Schimpfspiel in drei Akten »Absurda Comica oder Herr Peter Squenz (1658), gehört zur Gattung der • Bauern- und Handwerkerkomödien, die noch in der Tradition des älteren • Rüpelspiels stehen. (vgl. Alt 2007, S. 175)

Es ist eine metadramatische Konstruktion, bei der ein Drama im Drama aufgeführt und als Spiel im Spiel kommentiert wird. (vgl. Niefanger 2000/32012, S.196)

In Prosa und im Knittelvers verfasst, macht sich das Stück als Parodie über das dilettantische Theater seiner Zeit lustig, verweist aber über das Theater hinaus auf das große Welttheater (• theatrum mundi) außerhalb des Theaters. Unter dem Blickwinkel dieses Topos sind das Theater, die Welt bzw. das menschliche Leben vergänglich und zeigen sich in ihrer gemeinsamen Scheinhaftigkeit. (vgl. Fischer-Lichte 1993/21999, S.42)

Im Zentrum der Komödie steht Peter Squenz, der als "Schreiber und Schulmeister zu Rumpelskirchen" ein ausgesprochener Möchtegern-Dramatiker ist. Nachdem er erfahren hat, dass der König durch sein Dorf kommen werde, will er diesem zu Ehren mit einer unbeholfenen Laienspieltruppe ein tragisches Stück aufführen. Doch die Aufführung des Stücks Pyramus und Thisbe, das auf die »gleichnamige Sage zurückgeht und schon von »William Shakespeare (1564-1616) in seinem Sommernachtstraum (A Midsummer Nights Dream, 1600) genutzt wurde, endet in einem Fiasko  – voller Patzer, Missverständnisse und übertriebenem Pathos.

Dabei steht das überhebliche Auftreten der aus Handwerkern bestehenden Truppe (eine der Figuren ist Pickelhäring, die den Pyramus gibt), "die als Besserwisser erscheinen, [...] in offensichtlichem Widerspruch zu ihrer Ignoranz." (Szyrocki 1979/1994, S.336)

Die Schauspieler des Stücks im Stück können Realität und Spiel kaum unterscheiden, "vergessen den Text, fallen aus der Rolle, reden dazwischen, verwechseln die Personen und prügeln sich. Sie machen unflätige Anspielungen auf den Verdauungsprozeß, werden obszön. Sie vernachlässigen das Wesentliche zu Gunsten des Nebensächlichen, verletzen den Anstand und versagen als Schauspieler, was Squenz als »Sau« (Fehler) bezeichnet." (ebd.)

Die Diskrepanzen zwischen Schein und Wirklichkeit, die sich darin zeigen, veranlassen den König die Schauspieler nicht nach ihrer künstlerischen Leistung, sondern nach Anzahl der Fehler (Säue) bei der Aufführung zu belohnen.

So kommt es denn auch bei der Aufführung der selbstgebastelten Tragödie zu einer Vielzahl dramaturgischer Fehler und stilistischer Patzer bei der mit Pathos überladenen dramatischen Rede und zahlreichen Missverständnissen und Pannen während der Probe und der Aufführung.

Das Lustspiel enthält viele »komische Elemente. Mit viel Wortkomik (z. B. durch Wortverdrehungen, Wortspiele und der falschen Verwendung von Wörtern) bringt das Stück satirisch seine Sprachkritik an der von Pathos gezeichneten Theatersprache des Barock zum Ausdruck und regt zum Nachdenken über die "Funktion des (Scherz-)Spiels in ernsten Zeiten" (Niefanger 2000/32012, S.197) an.

Verlibtes Gespenste/Gesang-Spil. Die gelibte Dornrose/Schertz-Spil (1660)

Das zum Teil in schlesischer Mundart verfasste Doppeldrama Verlibtes Gespenste/Gesang-Spil. Die gelibte Dornrose/Schertz-Spil 1660) gehört zur Gattung der Barockkomödien italienischen Stils, die in der Tradition der italienischen »Commedia dell'arte stehend dadurch eine ständeübergreifende Perspektive wahrt, dass sie die darin gestaltete Liebeshandlung "auf zwei sich wechselseitig spiegelnden sozialen Ebenen" (Alt 2007, S. 175) ansiedelt.

Wie im Peter Squenz weist das Stück damit also auch eine metadramatische Konstruktion auf, wobei damit aber nicht auf die Fragwürdigkeit des Theaters, sondern auf die Theatralität des großen Welttheaters jenseits der Bühne, dem Theatrum mundi verwiesen wird.

In dem bürgerlichen Gesangsspiel Verlibtes Gespenste, das vorwiegend in Alexandrinerversen abgefasst ist, spukt ein Geist in einem Haus herum und sorgt für Aufregung. Am Ende stellt sich heraus, dass das Gespenst eigentlich ein Liebender ist, der seine Geliebte zurückgewinnen will. Die Komik entsteht dabei durch das Spiel von Verwechslung und Entlarvung.

Ähnlich verhält es sich im Scherzspiel Die gelibte Dornrose, in dem ein junger adeliger Liebhaber mit dem ironischen Namen "Wilhelm von den Sinnen" sich in Dornrose, eine kluge und schöne Frau, verliebt.

Um ihre Zuneigung zu gewinnen, muss er sich gegen Konkurrenten und die Tücken der höfischen Konventionen behaupten und immer wieder mit Missverständnissen auseinandersetzen, die von seinem überhöhten Selbstbild herrühren.

Um zum Ziel zu kommen, kann er "als so geschickter wie anmaßender Theatermann" (ebd., S.197) trotz seiner fehlenden Bildung verschiedene • schlesische Trauerspiele anspielen und eine Art jüngstes Gericht mit ihm selbst als Richter inszenieren, das den Liebeskonflikt zwischen den schwerfälligen und unbeholfenen Bauern Bartel und Jokel aus den Zwischenspielen löst.(vgl. ebd.; vgl. Szyrocki 1979/1994, S.338) Im ganzen Stück kommt es immer wieder zu Verkleidungen, Verwechslungen und komischen Situationen.

Horribilicribrifax Teutsch (1663)

Gryphius' Komödie »Horribilicribrifax Teutsch (1663) weist eine "recht eigenwillige Handlungsführung aus" (Alt 2007, S. 175). Eine ihrer bemerkenswerten Besonderheiten ist, dass darin mit dem vornehm geborenen Cleander eine sozial höherstehende Figur vorkommt und in das Geschehen verwickelt ist. Dies unterscheidet sie von der im Peter Squenz vorkommenden Königsfigur, die das darin entfaltete Geschehen von einem übergreifenden Standpunkt außerhalb des Geschehens kommentiert. (vgl. ebd.)

Im Horribilicribrifax Teutsch (1663) agieren die beiden Protagonisten Horriblicribrifax von Donnerkeil auf Wüsthauen und Daradiridatumtarides, Windbrecher von tausend Mord, in der Nachfolge des Miles gloriosus, eines selbstgefälligen Soldaten, des römischen Komödiendichters »Plautus (250-184 v. Chr.).

Sie sind Maulhelden aus dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) und "führen geradezu Wettkämpfe in der Kunst des Bramabarsierens auf" (Niefanger 2000/32012, S.195). Was immer der eine als seine besondere Leistung ausgibt, wird vom anderen "getoppt" bzw. überboten.

Mit solchen Wortgefechten und "Sprachkriegen" werden auch die "Liebeshändel" (ebd.). dargestellt, die in der Komödie vorkommen.

Dabei führt Gryphius in seinem Stück verschiedene Arten der Gattenwahl vor: "Die Konflikte werden durch eine Reihe von Heiraten gelöst, wobei die Partner nach dem Prinzip »Jedem das Seine« zueinander finden. Die Hochmütige verfällt dem Aufschneider, der Verdorbene bekommt die Kupplerin, die beständige Liebe wird durch einen guten Gatten belohnt." (Szyrocki 1979/1994, S.337) Die Tatsache, dass Cleander am Ende des Stücks, "dem Vorbild der polternden Offiziere und des eitlen Schulmeisters Sempronius folgend, in den Stand der Ehe tritt, so zeugt dies davon, das die versöhnende Kraft des Gefühls jenseits aller Statusdifferenzen zur Wirkung kommen darf." (Alt 2007, S. 175) Allerdings steht dahinter wohl nicht die Idee zur Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse. sondern die Vorstellung vom Walten göttlicher Vorsehung.

Auch andere Figuren zeigen typische Diskrepanzen von Sein und Schein. So protzt der doctus gloriosus, der Dorfschulmeister mit seinen miserablen Latein- und Griechischkenntnissen.

Die Komik des Stückes entsteht vor allem aus Kommunikationsproblemen zwischen den Protagonisten. (vgl. Niefanger 2000/32012, S.196)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 03.08.2025

 
 

 
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