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Formen

Von der Perspektivbühne zur Kulissenbühne

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teachSam-YouTubePlaylist Barockdrama und Barocktheater
YouTube: Creating an 18-th century Mechanical Theatre / V&A (3:14)
YouTube: Barocke Spezialeffekte. Die Bühne des Ekhof-Theaters in Schloss Friedenstein in Gotha (3:23)

Baustein: Die Raumkonzeption barocker Theater untersuchen

Das Theater des • Barock (1600-1720) lässt sich nicht direkt aus früheren Theaterformen ableiten und entwickelte sich unabhängig von antiken oder Renaissance-Vorbildern.

Technisch knüpfte es allerdings an etliche Entwicklungen der • Renaissance an, insbesondere an die perspektivische Bühnenmalerei zur Erzeugung von Raumtiefe, ging aber in seiner Innovationskraft weit darüber hinaus.

In beiden Epochen war die durch perspektivische Verzerrung erzeugte Illusion der Raumtiefe das zentrale Element des Bühnenbildes. Im Barock aber wurde der schnelle und reibungslose Wechsel zwischen unterschiedlichen Bühnenbildern durch den Einsatz einer immer wichtiger werdenden »Bühnenmaschinerie ein ganz zentrales Element jeder Aufführung (vgl. Brauneck 1996. Bd. 2, S. 22)

Insbesondere in der • Oper wurde eine Vielzahl an aufwendig gestalteten Schauplätzen verlangt, die durch prächtige Kulissen und mechanische Effekte dargestellt wurden. Szenenwechsel wurden durch geschlossene Vorhänge unterstützt, und erstmals wurde der gesamte Bühnenraum, einschließlich der hinteren Bereiche, aktiv genutzt. Diese Entwicklungen führten zur Entstehung der »Kulissenbühne.


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»Giovanni Battista Aleotti (1546–1636) war ein Pionier auf diesem Gebiet mit dem Teatro degli Intrepidi in »Ferrara und später dem »Teatro Farnese in »Parma, das als Vorbild für viele europäische Bühnen diente.

Aleottis Schüler »Giacomo Torelli (1604/1608-1678) verbesserte die Technik weiter, unter anderem durch synchrone Bewegungen von Kulissen und Soffitten mittels komplexer Flaschenzugsysteme. (vgl. Eke/Haß/ Kaldrack 2014, S.320)

Diese technischen Errungenschaften ermöglichten sekundenschnelle Szenenwechsel. Mit der wachsenden Komplexität der Bühnentechnik wuchs auch der Platzbedarf. Theaterbauten mussten Seiten- und Unterbühnen aufnehmen, um die Bewegung der Kulissen zu ermöglichen. Weil auf echte Dreidimensionalität oft verzichtet wurde, wurde perspektivische Malerei immer wichtiger. Auch die Beleuchtung spielte eine zunehmend bedeutende Rolle: Bühnenarchitekten wie »Giulio Parigi (1571-1635) setzten raffinierte Lichttechniken wie indirekte »bengalische Beleuchtungen hinter transparenten bespannten Wolken ein. (vgl. Brauneck 1996. Bd. 2, S. 15)Dadurch wurde nicht nur die Illusion der Bühne verstärkt, sondern auch der Zuschauerraum zunehmend verdunkelt – ein Trend, der sich im Laufe des 17. Jahrhunderts etablierte. (vgl. ebd., S. 24ff.; vgl. Kotte 2013, S.260)

Die Raumkonzeption der barocken Rang- und Logentheater

Der Raum des barocken Rang- und Logentheaters war ganz auf die Repräsentation absolutistischer Herrschaft ausgerichtet. Damit ist zunächst einmal die ungeheure Pracht gemeint, die solche Theaterbauten im Innern ausgezeichnet haben. Dabei setzten die im Innern stets im Holzbau ausgeführten goldverzierten Logen, Ränge, Säulen im Marmorlook der Fantasie kaum Grenzen und verschlangen Unsummen.

Die gesamte Raumarchitektur spiegelte die Hierarchien der absolutistischen Ständeherrschaft wider. Die Zuschauerinnen und Zuschauer hatten dort ihren Platz, wo sie, wenn man die Raumkonzeption auf die gesellschaftlichen Verhältnisse übertrug, auch ihren von Geburt und von zugewiesenem Status festen Platz in der Ständeordnung besaßen. (vgl. Brauneck 2012, S.138)

Bei höfischen Festen und in kleineren Theatern nahm der Fürst und seine Familie gewöhnlich in der ersten Reihe im Parkett Platz. Später wurde sein Platz aber in eine besonders prachtvoll ausgestattete Loge an der Rückwand des Logentheaters verlegt, von dem aus die perspektivischen Verzerrungen der Raumtiefe erzeugenden Bühnenbilder vom Auge des Betrachters in optimaler Weise ausgeglichen werden konnte. (vgl. ebd. ) Der Fürst avancierte damit nicht nur zum idealen Zuschauer, sondern repräsentierte, indem er diesen Platz einnahm, wie Fischer-Lichte (1993/21999, S.46) betont, "Gott, der allein fähig ist, den Bühnenraum (die Welt) in der richtigen Perspektive wahrzunehmen.


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Mit der Einführung von Rängen und Logen konnten im Zuschauerraum auf den übereinander geschichteten Rängen eine große Zahl von Zuschauern untergebracht werden. Auf der anderen Seite machten diese große Anzahl von Menschen und die große gesellschaftliche Bedeutung, die Theateraufführungen in dieser Zeit beigemessen wurden, erforderlich, "dass zureichend intime und den gesellschaftlichen Hierarchien entsprechende Raumeinheiten" (Brauneck 2012, S.139), die Logen, geschaffen wurden. Diese konnten zum Teil mit Vorhängen zum Saal hin verschlossen werden, besaßen untereinander Trennwände, ohne damit die Kommunikation zwischen den Logenbesucher*innen ernsthaft zu stören. In den großzügig angelegten Opernhäusern trugen auch großräumige Foyers, als gesellschaftliches Parkett, auf man selbst sehen und gesehen werden kann, dazu bei, dass die Theater auch noch in späterer Zeit "zu einem beliebten Treffpunkt der Aristokratie und des Großbürgertums wurden." (ebd., S.140

Der vom Zuschauerraum abgegrenzte Bühnenraum, der mit seinem oft von allegorischen und mythologischen Figuren Rahmen, den abgegrenzten Raum der »Guckkastenbühne bildete, repräsentierte mit seiner Einteilung in Bühnenboden, den Raum unter und oberhalb von diesem "die Gliederung der Welt in Erde, Himmel und Hölle und fungierte so als Sinnbild der Welt unter universalem Aspekt." (ebd.) Eine oftmals sehr aufwändige »Bühnenmaschinerie mit »Flug- und Schwebemaschinen, verschiedenen Hebebühnen und »Versenkungen, aus denen der Teufel und Dämonen etc. hervorstiegen, »Wind- und Donnermaschinen, konnten diese universalen Bedeutungen der Räume im vergleichsweise schnellen Wechsel bei den Aufführungen evozieren. Für die Dekoration der Bühne sorgten »Kulissen, die die "Scheinhaftigkeit der von den Sinnen wahrnehmbaren Welt" (ebd., im Anschluss an Alewyn/Sälzle 1959, S.59.62) in besonderer Weise repräsentierten. Schließlich steht hinter dem Illusionskonzept der Kulissen eine optische Täuschung, einer auf Holzrahmen aufgespannten und gemalten Welt, deren Anzahl sich auf vier bis zehn Kulissenpaare summieren konnte. (vgl. ebd., S.48) Dabei sollten die auf der »Kulissenbühne vorgetäuschten Räume keinen spezifischen Ort abbilden, sondern "einen Typus von Räumlichkeit realisieren, den ein Zuschauer eindeutig zu identifizieren und auf ein bestimmtes Handlungsmuster zu beziehen vermochte." (ebd., S.49)

Mit einem raffinierten System von Öllampen, Kerzen und Fackeln wurde nicht nur die allgemeine Beleuchtung des Theaters gewährleistet, sondern konnten auch publikumswirksame sanfte und grelle Lichteffekte, oft mit einem Toneffekt, gesetzt werden. Feuereffekte wie z, B. Vulkanausbrüche, Feuersbrünste, Blitzeinschläge oder Flammen aus der Hölle konnten so z. B. mit Hilfe von Spiegeln wirkungsvoll inszeniert werden. Die in den Stücken immer wieder vorgesehene Schlussapotheose, "welche die Bühnenwelt in strahlendes Licht tauchte" (ebd.), könne daher, wie Fischer-Lichte (1993/21999, S.46) weiter konstatiert, "auch nicht nur als Repräsentation von Ruhm und Größe des Herrschers begriffen werden, sondern als das Ende der Zeit vorausdeutende Allegorie der Auferstehung und des ewigen Lebens."

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Baustein: Die Raumkonzeption barocker Theater untersuchen

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 02.08.2025

 
 

 
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