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Erweiterte Argumentation

Probleme bei der Anwendung des Schemas


Schreibblockaden, die beim schriftlichen Argumentieren nach dem Muster des allgemeinen Argumentationsschemas auftreten, können verschiedene Ursachen haben. Deshalb soll hier versucht werden, von unterschiedlichen Problemen beim Formulieren nach dem allgemeinen Argumentationsschema der erweiterten Argumentation auszugehen, wie sie immer wieder in der Praxis zu beobachten sind.

Nach dem Argument geht es nicht weiter

Mitunter stockt der Schreibfluss unmittelbar nach dem Formulieren des (Basis-)Arguments für eine These. Dies kann verschiedene Gründe haben:

  1. Es fehlt einem das nötige Wissen, d. h. man hat im Gedächtnis nichts gespeichert, was das Argument begründen/beweisen könnte.

  2. Man kann aus irgendwelchen Gründen in der jeweiligen Situation nicht auf das eigentlich vorhandene Wissen zurückgreifen, das man an dieser Stelle benötigt.

  3. In die einfache Argumentation (These und Argument) hat sich schon ein "Fehler" eingeschlichen, der einem die Fortsetzung mit einem begründenden Verknüpfungswort (z. B. denn) erschwert.

  4. Das in der einfachen Argumentation zur Begründung der These aufgeführte Argument ist kein wirkliches Basisargument.

Möglichkeiten zur Abhilfe:

zu 1 und zu 2): In diesen beiden Fällen sollte man versuchen, (noch einmal) Ideen zu finden. Dies kann u. U. durch das Stellen und Beantworten bestimmter W-Fragen im Rahmen der erweiterten Argumentation oder auch darüber hinaus mit der W-Frage-Methode geschehen.

zu 3) Einer der typischen Fehler, der einem das Weiterführen der Formulierung nach dem Muster der erweiterten Argumentation erschwert, findet sich z. B. in der nachfolgenden einfachen Argumentation (→teachSam-Projekt: Rauchen und Nikotinsucht):

"Der Vorsatz, im neuen Jahr mit dem Rauchen aufzuhören, ist eine gute Idee, weil ich damit etwas für meine Gesundheit tue, Geld sparen kann und damit ganz andere Sachen unternehmen kann, denn ...."

Dieser Satz lässt sich kaum mehr sinnvoll mit einem begründenden "Denn" fortsetzen. Die These wird nämlich mit drei verschiedenen Argumenten begründet, wobei eines davon, die Möglichkeit nämlich, mit dem gesparten Geld etwas anderes unternehmen zu können, streng genommen, eine Begründung für den Spareffekt sein oder eine Schlussfolgerung daraus abgeben könnte. Um die Denk- bzw. Schreibblockade zu überwinden, sollte man daher alle logisch möglichen kausalen, d.h. i. e. S. begründenden, Verknüpfungswörter zwischen den aufgezählten Punkten vollständig ausführen und niederschreiben:

"Der Vorsatz, im neuen Jahr mit dem Rauchen aufzuhören, ist eine gute Idee, weil ich damit etwas für meine Gesundheit tue, weil ich Geld sparen kann und weil ich damit ganz andere Sachen unternehmen kann, denn ...."

Danach geht es darum, das Ganze erst einmal zu entflechten und sich dabei die logische Beziehung der Aussagen zu verdeutlichen. Das könnte dann wie folgt aussehen:

  • "Der Vorsatz, im neuen Jahr mit dem Rauchen aufzuhören, ist eine gute Idee, weil ich damit etwas für meine Gesundheit tue, denn ???
  • Ein solcher Vorsatz ist weiterhin gut, weil ich damit eine ganze Menge Geld sparen kann, denn ???. Daher kann ich dann ganz andere Sachen unternehmen.

Jetzt wird klar, was u. U. der Grund für die Schreibblockade gewesen ist. Durch die Aneinanderreihung von mehreren Argumenten in den gleichen Satz und den Einbau einer Schlussfolgerung aus einem der Argumente lässt sich kein sinnvoller und verständlicher Beweis (Begründung für das Argument) mehr entwickeln. In diesem Fall verderben also mehrere aneinandergereihte Argumente den Brei - wenn man sich beim Formulieren auf das vorgegebene formal-lineare Textordnungsmuster zur Strukturierung beim schriftlichen Argumentieren stützen will.

Eine andere Variante zur Lösung dieser Schreibblockade, die auch u. U. mit einer anderen Schreibstrategie verbunden ist, besteht darin, die Argumentation als Concept-Map zu visualisieren.

Die Darstellung der Aussagen in Form einer →Concept-Map verdeutlicht, dass es nicht funktionieren kann, für derart unterschiedliche Argumente eine gemeinsame Begründung als Beweis zu formulieren. Ebenso fällt es schwer, den in der Argumentation (These-Argument-Beweis) ausgeführten Begründungszusammenhang mit einem einzigen geeigneten Beispiel zu veranschaulichen. Die grafische Darstellung des "Entflechtungsprozesses" - im Übrigen sehr gut mit der kostenlosen Software IHMC C-Map Toolshttp://cmap.ihmc.us) am PC durchzuführen, hilft den Überblick zurückzugewinnen.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 29.09.2013

     
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