Home
Nach oben
Zurück
Weiter
 

 

Gegen Stammtischparolen argumentieren

Partnerorientierung

Gegenstrategien

 
 
Die Gegenargumentation gegen Stammtischparolen stellt im Allgemeinen ein großes Problem dar. Das liegt allerdings nicht daran, dass es keine überzeugenden Gegenargumente gäbe. Zwei Gründe sind dafür vor allem verantwortlich, nämlich das Vorhandensein vollkommen unterschiedlicher, ja oft sogar entgegengesetzter Menschen- und Weltbilder und die typischen Situationen, in denen Stammtischparolen geäußert werden (Redekonstellation). Beides erschwert ein partnerschaftliches Argumentieren nach dem Kompromiss- bzw. Konsens-Modell in ganz erheblichem Maße oder macht ein solches häufig sogar unmöglich. Dennoch sollte man bemüht sein, die Gegenargumentation nach den Regeln vernunftorientierter Argumentation zu gestalten.

Partnerorientiertes Argumentieren gegen Stammtischparolen verlangt vom Sprecher, sein eigenes sprachliches und körpersprachliches Verhalten genau zu reflektieren und angemessen zu kontrollieren, um die von Stammtischparolen häufig ausgehende aggressiv-provokative Stimmung nicht weiter anzuheizen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass aller positiver Anstrengungen zum Trotz der Verbreiter einer Stammtischparole in einem Gespräch wohl nicht zu überzeugen sein wird. Das bestätigt auch Klaus Peter Hufer (2009, S.11f.), der mit seinen Trainingsprogrammen gegen Stammtischparolen über reichlich Erfahrung verfügt: "Nach vielen dieser Trainings weiß ich zwar, dass gegen massive Vorurteile Argumente kaum ankommen können. Es wird nicht möglich sein, einen überzeugten Rechtsextremisten nur argumentativ vom Gegenteil seiner rigide festgehaltenen, dogmatisch verfestigten Meinungen zu überzeugen." Im Grunde genommen passiert es dabei häufig, dass Personen, die mit ihren Ansichten argumentativ unter Druck geraten, auch um den Preis offenkundiger Fehlwahrnehmungen alles  dafür tun, dass solche psychologisch unangenehmen Informationen überhaupt nicht mehr an sie herankommen können (kognitive Dissonanz).

Gegenstrategien

Klaus Peter Hufer (2001, S. 90f.), der über langjährige Erfahrung im Umgang mit Stammtischparolen in seinen speziellen Trainings verfügt, verweist auf folgende Gesichtspunkte in der Auseinandersetzung mit Stammtischparolen:

Fragen statt streiten und polemisieren
Wenn man in einer argumentativen Auseinandersetzung mit rechtsextremen oder rechtspopulistischen Auseinandersetzungen jene im Auge hat, die sich solchen Ansichten und Einstellungen noch nicht angeschlossen haben, dann empfiehlt Hufer (2009, S.12) folgendes Vorgehen: "Eine Strategie der Gegenargumentation bestünde zunächst einmal darin, das Gewirr der Begründungen und Belege zu entknoten, Ungereimtheiten und Widersprüche aufzuzeigen, die eigentliche Absicht aufzudecken und damit die politischen Folgen offen zu legen. Das sollte mit Gegenfragen geschehen, um gar nicht erst in eine Verteidigungsrolle zu gerate - wichtig ist, die Initiative zu ergreifen."

Hans-Peter Nolting (1998, S.74f.) unterscheidet sechs verschiedene nicht-aggressive Reaktionen auf Provokationen:

Ein weiterer Ansatz stellt die Aufforderung zum subversiven Argumentieren dar, das der Philosophieprofessor Hubert Schleichert im Umgang mit Fundamentalisten empfiehlt.

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 22.03.2016

     
  Überblick ] Schema ] Argumente stützen ] Argumentkette ] "Syntax" der Argumentation ] Beispiele ] Stammtischparolen ] Bausteine ]  

  


          CC-Lizenz
 

 

Creative Commons Lizenzvertrag Dieses Werk ist lizenziert unter einer Creative Commons Namensnennung - Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International License (CC-BY-SA) Dies gilt für alle Inhalte, sofern sie nicht von externen Quellen eingebunden werden oder anderweitig gekennzeichnet sind. Autor: Gert Egle/www.teachsam.de