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Partnerschaftliches Argumentieren

Realistische Anforderungen an Alltagsargumentationen

 
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Die Anforderungen an das partnerschaftliche Argumentieren realistisch sehen

Wenn Menschen im Alltag über ein Thema streiten, dann kann dies in partnerschaftlicher Weise erfolgen, ohne dass die Anforderungen hinsichtlich der verwendeten Argumentationsschritte und -strukturen zu hoch sind. Entscheidend ist dabei die eingenommene partnerschaftliche Bezug auf den jeweiligen Partner.

Allerdings erschöpft sich partnerschaftliches Argumentieren auch nicht darin, dass man sich seinem Kommunikationspartner nur menschlich zugewandt verhält, sachlich ist und die argumentative Auseinandersetzung möglichst reibungslos verläuft. Es darf also durchaus "gestritten" werden.

Und bei einem Streit über einen Sachverhalt oder ein Problem geht es auch beim partnerschaftlichen Argumentieren um überzeugungskräftige, plausible Argumente und darum, ob die vorgebrachten Argumente relevant, aber auch ethisch vertretbar sind.

Partnerschaftliches Argumentieren soll plausibel sein

Alltagsargumentationen praktizieren das plausible Argumentieren, bei dem es darauf ankommt, sein Gegenüber oder "sein Publikum mit überzeugenden Aussagen" zu dem von einem "gewünschten Ziel" (ebd.) zu bringen.

Was das das Publikum überzeugt, von diesem also für plausibel gehalten wird, ist im Grunde kaum davon abhängig, ob es auch logisch bzw. im logischen Sinne "wahr" ist.

Die Messlatte mit den strengen Regeln, die man z. B. für die ▪ kritische Argumentation in anderen Zusammenhängen, z. B. Wissenschaft oder Politik beachten sollte, liegt bei Alltagsargumentationen, zu denen mündliche Auseinandersetzungen genauso gehören wie gedruckte Zeitungsartikel (Kommentare, Glossen) (vgl. Bayer 1999, S.93f.) liegt also unter formal-logischem Aspekt betrachtet, längst nicht so hoch.

Partnerschaftliches Argumentieren will in erster Linie "überzeugen". Ob dies mit streng logisch aufgebauten Argumenten erfolgt oder nicht, ist dabei, so verrückt es klingt, zunächst einmal ohne Belang. Was aber wiederum nicht bedeutet, dass auch formal-logisch gut begründete Aussagen in Alltagsargumentationen keinen Platz hätten.

Ziel des partnerschaftlichen Argumentierens ist, etwas salopp ausgedrückt, dass der der jeweilige Partner (Adressat, Publikum) die vorgebrachten Argumente akzeptiert und am Ende "glaubt". (vgl. Kolmer / Rob-Santer 2002, S.148).

Alltagsargumentationen sind oft sehr lückenhaft, unstrukturiert und mit Emotionen gespickt

Zu den Alltagsargumentationen zählen nicht nur mündliche Auseinandersetzungen, sondern auch schriftliche Texte mit argumentativer Themenentfaltung in Zeitungen, Zeitschriften oder dem Internet zählen. (vgl. Bayer 1999, S.93f.) Allerdings können sie sehr verschieden sein. So wird ein (journalistischer) Kommentar aus einer seriösen Tages- oder Wochenzeitung (Die Zeit, Frankfurter Allgemeine etc.) anders aussehen als ein Streitgespräch zwischen Mutter und Tochter darüber, ob man ▪ freitags die Schule schwänzen darf, um gegen die Klimapolitik der Regierung zu demonstrieren.

Alltagsargumentationen sind oft wenig sachlich, nur bedingt zielorientiert oder auf einen Konsens ausgerichtet vorgebracht, dazu vielleicht noch sehr lückenhaft aufgebaut, unstrukturiert und werden ungeordnet präsentiert. Dazu kommt noch, dass sie häufig sehr emotional, manchmal auch polemisch vorgebracht werden (vgl. Kolmer / Rob-Santer 2002, S.148).

Kurzdefinition: Vernünftiges Argumentieren

Manfred Kienpointner (1996, S.23) hat eine Kurzdefinition vorgestellt, die berücksichtigt, dass vernünftiges Argumentieren "möglichst eigenen und fremden Interessen zugleich und in gleicher Weise dienen" sollte. Sie lautet.

"Die Sprecher A und B versuchen einander rational zu überzeugen, wenn sie Argumente unter den jeweils gegebenen realen Bedingungen in bestmöglicher Weise gebrauchen, um eine Einigung in beiderseitigem Interesse herbeizuführen. Zumindest sollen sie aber einen ausgewogenen Interessenausgleich anstreben."

7-Punkte-Programm für vernünftiges Argumentieren im Alltag

Um Alltagsargumentationen nicht mit unrealistischen Anforderungen zu überfrachten, schlägt Manfred Kienpointner (1996, S.21) einen Mittelweg vor, der insgesamt sieben Punkte umfasst.

  1. Orientierung an gemeinsamem Alltagswissen statt spezielles Fachwissen
    Wer im Alltag miteinander argumentiert bzw. diskutiert, verfügt über einen gewissen Vorrat gemeinsamen Alltagswissens, das bestimmte Wahrheiten, die Wahrscheinlichkeit von Argumenten und auf anerkannte Muster einer plausiblen Alltagsargumentation umfasst. Wer im Alltag miteinander diskutiert, sollte also davon ausgehen und spezielles Fachwissen nur dann einbeziehen, wenn dies ohne größeren Aufwand zeitnah möglich ist.

  2. Keine (explizite) Offenlegung sämtlicher Voraussetzungen der eigenen Argumentation
    Gerade in Alltagsargumentationen, in denen es meist "ohnehin mehr um die Lösung von Konflikten und um die soziale Beziehung der Menschen zueinander geht als um die Wahrheit" (Bayer 1999, S.151), wird häufig davon ausgegangen, dass die Voraussetzungen (Prämissen) der Argumentation von allen geteilt werden und unstrittig sind. Entstehen allerdings Unklarheiten oder Verständnisprobleme müssen sie auf Aufforderung vom Argumentierenden offengelegt werden. (vgl. Sprachliche Indikatoren von Alltagsargumentationen

  3. Orientierung an einer überparteilichen Ausdrucksweise
    In Alltagsargumentationen spielen Einstellungen, Gefühle und Wertvorstellungen oft eine besondere Rolle. Sie führen auch dazu, dass eine rein sachliche, "vollkommen neutrale, wertfreie Ausdrucksweise kaum möglich ist" (Kienpointner 1996, S.21). Dennoch sollte man darauf achten, seine Argumente in einer möglichst überparteilichen Ausdrucksweise vorzubringen.

  4. Belebung durch emotionale Färbung
    Jedes Sprechen vollzieht sich unter Beteiligung von Gefühlen. Dies gilt für Alltagsargumentationen um so mehr. Sind sie im Rahmen bestimmter Grenzen im Spiel, können sie das Diskussionsklima sogar beleben. Das gilt unter bestimmten Umständen sogar für emotionale Appelle an  Mitleid und Angst. Und: Das Ausklammern von vorhandenen Vorurteilen über sich und andere bringt gewöhnlich nichts. Dennoch sollte eine möglichst ehrliche Argumentation angestrebt werden, die in jedem Fall auf die bewusste Täuschung anderer verzichtet.

  5. Fruchtbarer Austausch auch bei ungleich verteilten Rollen
    In Alltagsargumentationen in Familie, Schule und Beruf hat leider nicht jeder/jede von vornherein die Möglichkeit, sich mit seinen Argumenten völlig frei einzubringen. Oft sind und bleiben die Rollen eben hierarchisch verteilt. In solchen Fällen muss auf geeignete Art und Weise dafür gesorgt werden, dass die Argumente eben doch auf den Tisch kommen können und für ihren fruchtbaren Austausch gesorgt wird.

  6. Bestmögliches Ergebnis in einer vorgegebenen Zeit
    Gerade im Alltag ist es oft aus zeitlichen Gründen gar nicht möglich, in einer argumentativen Auseinandersetzung dahin zu gelangen, dass das strittige Problem zur vollkommenen Zufriedenheit aller gelöst werden kann. Hier muss man sich damit begnügen, dass in der vorgegebenen Zeit nur das bestmögliche Ergebnis erzielt werden kann.

  7. Klarheit über die Ursachen der weiteren Uneinigkeit
    Auch wenn in einem bestehenden Zeitrahmen keine oder keine umfassende Einigung über etwas Strittiges hergestellt werden kann, kann die dabei gewonnenen Einsichten über die Ursachen der Uneinigkeit ein sinnvolles und akzeptables Ergebnis sein. Vielleicht können so vorschnelle Entscheidungen, Maßnahmen oder Handlungen vermieden werden und zugleich die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, die argumentative Auseinandersetzung zu einem späteren Zeitpunkt auf einer klareren Grundlage als zuvor fortsetzen zu können.

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Mehr:

"Hört mal alle her!" - Experiment zur Bedeutung des Zuhörens
▪  Regeln vernunftorientierter Argumentation
▪  Nichtpartnerschaftliches Argumentieren: Sieg-Niederlage-Modell
▪ 
Anforderungen für vernünftiges Argumentieren (Kritische Argumentation - Jürgen Habermas)

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 03.04.2019

     
    
    Arbeitsanregungen:
  1. Visualisieren Sie die sieben Anforderungen für eine realistische Alltagsargumentation in Form eines Mind Maps.

  2. Erläutern Sie die Regeln mit eigenen Beispielen.

  3. Worin unterscheiden sich diese Anforderungen für die Alltagsargumentation von den Regeln kritischer Argumentation in anderen Argumentationskontexten?

  4. Formulieren Sie, ggf. im Team, aus dem obigen Anforderungskatalog Tipps zum Argumentieren in Alltagsargumentationen. Dabei sollten Sie versuchen zu jeder Anforderung mindestens 2 oder 3 Tipps zu formulieren.

  5. Präsentieren Sie Ihre Tipps im Plenum.
     

 
     
 

 
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