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Partnerorientierung beim Argumentieren

Zuhören


Partnerschaftliches Argumentieren und Diskutieren verlangt auch vom Hörer eine aktive Beteiligung. Zuhören ist eine Form dieser aktiven Beteiligung. Dabei nimmt man mit der Art, wie man zuhört, einen maßgeblichen Einfluss auf den Verlauf einer argumentativen Auseinandersetzung. (→KommunikationspsychologieZuhörenFormen des ZuhörensAktives ZuhörenUmschreibendes Zuhören)

Zuhören ist also eine Aktivität des Hörers und diese Aktivität kann sich verbal, aber häufiger sogar nonverbal (Körperhaltung, Mimik und Gestik) zeigen. (vgl. auch →Hörerrolle und Höreraktivitäten)

Man kann vier verschiedene Formen des Zuhörens unterscheiden. Dabei gehen die verschiedenen Formen z. T. ineinander über oder setzen einander voraus.

In Diskussionen beeinflussen die zum Vorschein kommenden Formen des Zuhörens in starkem Maße das Diskussionsklima. Denn wer sich übergangen fühlt, wem also nicht wirklich zugehört wird, kann sehr schnell aggressiv werden oder sich aus der Diskussion mit eigenen Redebeiträgen gänzlich zurückziehen.

Wie wichtig das Zuhören ist, wird auch klar, wenn man unter die Lupe nimmt, welche handfesten Probleme Sprecher und Zuhörer in einem Gespräch haben. Diese sollen z. B. mit besonderen Gesprächsverfahren wie dem kontrollierten Dialog bewusst gemacht werden und damit u. U. verändert werden.

Und: Sieht man noch etwas genauer hin, wie dies die Gesprächsanalyse tut, dann besitzt das Zuhören bei der Organisation des Sprecherwechsels (Wechsel von der Sprecher- in die Hörerrolle) in einem Gespräch eine wichtige Rolle.

Frauen sind die besseren Zuhörer

In etlichen gesprächlinguistischen Untersuchungen ist mittlerweile übereinstimmend festgestellt worden, "dass Frauen bessere Zuhörerinnen sind. Sie initiieren sowohl in gleichgeschlechtlichen als auch gemischtgeschlechtlichen Gruppen signifikant häufiger Rückmeldungen als Männer." (Eigler 2002, S.182)
Ihr Gesprächsverhalten ist eher responsiv als das der Männer, das eher teil- bzw. nicht-responsiv ist. Besonders bemerkenswert ist dabei die Tatsache, dass dies "für ganz unterschiedliche Kommunikationsbereiche" wie Diskussionsgruppen, politische Debatten, Gespräche unter Ehepaaren, Fernsehdiskussionen oder in Managementgruppen nachgewiesen werden konnte.

Wenn Frauen und Männer in einer Gruppe miteinander diskutieren, dann neigen Männer bei gegengeschlechtlichen Interaktionen (Mann-Frau) zu dominanten Sprechweisen (vgl. Eigler 2002, S.291):

Männer

  • reden mehr und gewöhnlich länger als die Frauen.

  • mischen sich stärker ein und drängeln sich in der Diskussion vor.

  • wechseln häufiger auch ohne Absprache mit den anderen das Thema.

  • stellen häufiger Fragen, die das Gespräch kontrollieren sollen.

  • provozieren mehr mit Fragen und stellen häufiger Pseudofragen

  • gehen weniger auf ihre Vorredner(innen) ein

  • setzen häufiger "Verstärkungsmarker" ein, mit denen sie ihre konfrontativ kritische Bemerkungen, Abwertungen der Argumente ihres Gegenübers u. ä. verbal oder nonverbal bekräftigen wollen

  • gebrauchen häufiger unmittelbar oder abgeschwächt direktive Formulierungen und Befehlsformen

  • berufen sich in etwa gleich häufig auf eine Autorität

Bei kooperativem Sprachverhalten dagegen (vgl. Eigler 2002, S.292):

Frauen

  • fragen eher nach

  • stellen häufiger kooperative Fragen

  • formulieren häufiger Fragen, die andere auffordern, ihre jeweilige Meinung kundzutun

  • stellen häufiger Hörerfragen und Sprecherrückfragen

  • geben mehr positive Hörerrückmeldungen

  • bestätigen andere Sprecher häufiger mit Ein-Wort-Äußerungen

  • lachen oder lächeln häufiger zur Rückmeldung

  • bieten anderen Sprechern häufiger Hilfen beim Formulieren

  • drücken mit Interjektionen oder Ausrufen häufiger ihre emotionale Beteiligung und Anteilnahme aus

 

 

Gert Egle, zuletzt bearbeitet am: 04.12.2016

vgl.

"Hört mal alle her!" - Experiment zur Bedeutung des Zuhörens
Regeln vernunftorientierter Argumentation
Nichtpartnerschaftliches Argumentieren: Sieg-Niederlage-Modell
Anforderungen für vernünftiges Argumentieren (Kritische Argumentation - Jürgen Habermas)

 

     
    
    Arbeitsanregungen:
  1. Erläutern Sie die These "Partnerschaftliches Argumentieren und Diskutieren verlangt auch vom Hörer eine aktive Beteiligung" auch unter Bezugnahme auf eigene Erfahrungen.

  2. Erläutern Sie die verschiedenen Formen des Zuhörens.

  3. Versuchen Sie die Unterschiede beim Zuhören und im Diskussionsverhalten von Männern und Frauen zu erklären.
     

 
     
  Überblick ] Partnerschaftliches A. ] Nichtpartnerschaftl. A. ] Bausteine ]  
  

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